Gäufelden

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gäufelden
Gäufelden
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gäufelden hervorgehoben
Koordinaten: 48° 34′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 470 m ü. NHN
Fläche: 20,07 km2
Einwohner: 9231 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 460 Einwohner je km2
Postleitzahl: 71126
Vorwahl: 07032
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 016
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
71126 Gäufelden
Webpräsenz: www.gaeufelden.de
Bürgermeister: Johannes Buchter (Grüne)
Lage der Gemeinde Gäufelden im Landkreis Böblingen
Landkreis EsslingenLandkreis TübingenLandkreis ReutlingenLandkreis LudwigsburgStuttgartLandkreis CalwEnzkreisPforzheimMötzingenJettingenHolzgerlingenDeckenpfronnAidlingenEhningenGärtringenHildrizhausenNufringenBondorfGäufeldenHerrenbergWaldenbuchWeil im SchönbuchWeil im SchönbuchAltdorf (Landkreis Böblingen)HolzgerlingenBöblingenSchönaichSteinenbronnMagstadtSindelfingenGrafenau (Württemberg)Weil der StadtRenningenRutesheimRutesheimWeissachLeonbergKarte
Über dieses Bild
Nebringen um 1900

Gäufelden ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Böblingen. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist im Ortsteil Öschelbronn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäufelden liegt im oberen Gäu rund sieben Kilometer von Herrenberg und ebensoweit von Nagold entfernt. Die Gemarkung erstreckt sich über 390 bis 545 Metern Höhe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäufelden ist gegliedert in die drei Ortsteile Nebringen, Öschelbronn und Tailfingen, die identisch sind mit den ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Im Gebiet des Ortsteils Nebringen liegt die abgegangene Ortschaft Sindlingen und im Gebiet des Ortsteils Öschelbronn liegen die abgegangenen Ortschaften Denslingen und Weildorf.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäufelden grenzt (beginnend im Norden, gegen den Uhrzeigersinn) an Herrenberg, Jettingen, Mötzingen und Bondorf im Landkreis Böblingen, sowie an Rottenburg am Neckar und Ammerbuch im Landkreis Tübingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindefusion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Gäufelden ist am 1. Juli 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Nebringen, Öschelbronn und Tailfingen neu gebildet worden[3], nachdem sich die Mehrheit der Bürger dafür ausgesprochen hatte. Seitdem hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt.

Nebringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen

Der Ort, im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit hirsauischem Besitz zum ersten Mal erwähnt, kam 1382 von den Pfalzgrafen von Tübingen an Württemberg. Kirchlich gehörte Nebringen ursprünglich zur Pfarrei Gültstein, wurde zu Ende des Mittelalters selbständig und kam mit der Reformation als Filiale zu Tailfingen (Evangelisches Dekanat Herrenberg). In Nebringen sind anlässlich des Baus der Umgehungsstraße der B 14 eine große Zahl von Keltengräbern mit reicher Grabbeigabe freigelegt worden. Die gesicherten Grabbeigaben sind im Württembergischen Landesmuseum zu besichtigen. Sehenswert ist das frühere Bahnwärterhaus, das den Bildhauer Lutz Ackermann zu dem „Kunst-Kraft-Werk“ (KKW) betitelten Gesamtkunstwerk inspirierte. Der Skulpturenpark ist im Sommerhalbjahr an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet.

Öschelbronn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen

Die Gemeinde Öschelbronn (um 1150 Eskelbrunnen) ist im Jahre 1824 durch die Vereinbarung über den Zusammenschluss von Ober- und Unteröschelbronn entstanden. Oberöschelbronn ist bis 1612 nach und nach von Württemberg aus dem Besitz der Herren von Genkingen, Gültlingen und anderen erworben worden. Die eine Hälfte von Unteröschelbronn hat das Kloster Bebenhausen 1408 bis 1413 von Friedrich von Enzberg und dem Reutlinger Bürger Peter Remp gekauft. Nach der Reformation wurde dieser Teil württembergisch. Die andere Hälfte wechselte öfters den Besitzer, bis Württemberg auch sie 1774 an sich brachte. Der Kirchensatz in Unteröschelbronn war seit 1402 beim Kloster Bebenhausen und kam mit diesem an Württemberg. Oberöschelbronn und die 1774 erworbene Hälfte von Unteröschelbronn gehörte zum alten Oberamt Herrenberg. Die Bebenhauser Hälfte kam 1807 nach Auflösung des Klosteroberamtes hinzu.

Tailfingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen

Im 12. Jahrhundert wird der Ort Dalvingen genannt. Ortsadel ist vom 12. bis 14. Jahrhundert nachzuweisen. Im 12. Jahrhundert erhielten die Klöster Hirsau und Reichenbach, spätestens im 13. Jahrhundert die Klöster Alpirsbach und Bebenhausen Besitz in Tailfingen. 1266 erwarb Bebenhausen die hiesigen Alpirsbacher Güter. 1418 bis 1457 kaufte Württemberg die Ortsanteile der Klöster Bebenhausen und Hirsau, des Benz-Kechler von Schwandorf der Sichenpflege zu Reutlingen und des Balthasar von Bühel. Der Kirchensatz kam von den Herren von Hailfingen um 1350 an das Stift Sindelfingen und mit dessen Verlegung an das Stift Tübingen. Zur Evangelischen Pfarrei (Dekanat Herrenberg) gehörte Nebringen als Filial. Das von dem Herrenberger Baumeister Heinrich Schickhardt 1614 erbaute alte Pfarrhaus bei der Kirche ist in Privatbesitz.

Südlich von Tailfingen bestand von 1937 bis 1945 ein Nachtjägerflugplatz und in den Jahren 1944 und 1945 ein KZ-Außenlager.

Tailfingen war Mittelpunkt des Hopfenanbaus im Gäu.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[4] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 1983
1. Dezember 1880 ¹ 2286
1. Dezember 1890 ¹ 2353
1. Dezember 1900 ¹ 2404
1. Dezember 1910 ¹ 2440
16. Juni 1925 ¹ 2348
16. Juni 1933 ¹ 2295
17. Mai 1939 ¹ 2298
13. September 1950 ¹ 3197
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 3214
27. Mai 1970 ¹ 4093
31. Dezember 1980 5756
27. Mai 1987 ¹ 6283
31. Dezember 1990 7110
31. Dezember 1995 8098
31. Dezember 2000 9097
31. Dezember 2005 9359
31. Dezember 2010 9312
31. Dezember 2015 9231

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gäufelden wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Gäufelden hat nach der letzten Wahl 18 Mitglieder (unverändert). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis[5]. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl Gäufelden 2014
 %
50
40
30
20
10
0
44,19 %
39,68 %
16,13 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+6,99 %p
-2,92 %p
+7,13 %p
-11,3 %p
FW Freie Wählervereinigung Gäufelden 44,19 8 37,2 7
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 39,68 7 42,6 8
Grüne Bündnis 90/Die Grünen 16,13 3 9,0 1
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 11,7 2
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 56,72 % 53,1 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.

Buchter wurde 2011 mit 96,6 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In gespaltenem Schild vorne in Silber ein schwarzer Abtsstab, hinten in Rot ein silberner Kelch.

Der Abtstab war sowohl das Fleckenzeichen von Nebringen als auch im Wappen von Öschelbronn dargestellt. Der Kelch entstammt dem alten Wappen von Tailfingen.

Die Gemeindeflagge ist Weiß-Rot.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auferstehungskirche
  • KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen – ehemaliges Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof (November 1944 bis Februar 1945)
  • Gedenkstätte KZ Hailfingen-Tailfingen mit einem Mahnmal auf der ehemaligen „Startbahn“, einem Ausstellungs- und Dokumentationszentrum im Tailfinger Rathaus und einer Gedenktafel auf dem Tailfinger Friedhof.
  • Auferstehungskirche, 1994 Glasgestaltung von Albrecht Pfister
  • Skulpturengarten von Lutz Ackermann – Arbeiten in Stahl, Holz und Stein

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäufelden ist durch die Gäubahn an das überregionale Schienennetz angebunden. Der Bahnhof wird zweistündlich von Regional-Express-Zügen nach Singen (in der Gegenrichtung nach Stuttgart), von ebenfalls zweistündlichen sich in Eutingen im Gäu teilenden Regionalbahnen nach Freudenstadt bzw. Rottweil und von vereinzelten Regionalbahnen nach Herrenberg (in der Gegenrichtung nach Bondorf (b Herrenberg)) bedient. Außerdem wird abends von Montag bis Freitag ein Zugpaar der sonst in Eutingen im Gäu endenden Linie S41 der Karlsruher Stadtbahn bis nach Herrenberg durchgebunden, welches auch in Gäufelden hält.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Anschluss zu der in Herrenberg endenden S1 der Stuttgarter S-Bahn nach Kirchheim unter Teck zu gewähren, wird Gäufelden stündlich von Bussen Richtung Herrenberg bedient.

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäufelden liegt an mehreren Landes- und Kreisstraßen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Gäufelden im Ortsteil Nebringen gibt es auch in Öschelbronn und Tailfingen je eine Grundschule. Die Ortsbücherei Gäufelden hat in allen drei Ortsteilen eine Zweigstelle. Die Volkshochschule Gäufelden hat ihre Geschäftsstelle in Nebringen und eine Zweigstelle in Öschelbronn.

Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gäufelden ist flächendeckend Breitband-Internet im Netz der Telekom verfügbar. In Gäufelden erfolgte im März 2010 sowie im April 2014 ein VDSL-Ausbau der Deutschen Telekom, wo nahezu im ganzen Ort nun mind. 50 MBit/10 MBit verfügbar ist, teilweise sogar 100 MBit/40 MBit.

Das Kabelnetz, das von Fa. Primacom betrieben wird, ist zwar digital ausgebaut, besitzt aber keine Rückkanalfähigkeit und ist somit nicht für den Internetzugang geeignet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Maurer, war von 1945 bis 1971 Bürgermeister der früheren Gemeinde Öschelbronn
  • Hermann Wolf, von 1961 bis 1971 Bürgermeister der früheren Gemeinde Nebringen, von 1971 bis 2003 war er dann Bürgermeister der neu gebildeten Gemeinde Gäufelden

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothee Wein, Volker Mall, Harald Roth: Spuren von Auschwitz ins Gäu. Das KZ-Außenlager Hailfingen/Tailfingen. Markstein-Verlag, Filderstadt, 2007. 264 Seiten. ISBN 978-3-935129-31-2.
  • Burkhart Oertel: Ortssippenbuch Nebringen, Gemeinde Gäufelden, Kreis Böblingen, Baden-Württemberg, 1558–1980. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 1980 (= Württembergische Ortssippenbücher 3)
  • Burkhart Oertel: Ortssippenbuch Tailfingen: Gemeinde Gäufelden, Kreis Böblingen, Württemberg, 1559–1981. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 1981 (= Württembergische Ortssippenbücher 5)

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Kuhn (Regie): Geschützter Grünbestand – Das KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen. Dokumentarfilm (D 2006, 57 Min.). Produktion: Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gäufelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 91–93.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 447.
  4. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2014
  5. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart