Neckarau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Neckarau (Begriffsklärung) aufgeführt.

49.453518.490918Koordinaten: 49° 27′ 13″ N, 8° 29′ 27″ O

Neckarau
Stadt Mannheim
Wappen von Neckarau
Fläche: 10,98 km²
Einwohner: 29.174 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.657 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 1899
Sandhofen Schönau Waldhof Neckarstadt-West Innenstadt/Jungbusch Lindenhof Käfertal Vogelstang Wallstadt Feudenheim Seckenheim Friedrichsfeld Rheinau Neckarau Neckarstadt-Ost/Wohlgelegen Neuostheim/Neuhermsheim Schwetzingerstadt/OststadtKarte
Über dieses Bild

Lage von Neckarau in Mannheim

Giebel des Neckarauer Rathauses mit dem Wappen von Neckarau

Neckarau (mannemerisch: Neggara[2] [nɛga.rɑː]) ist ein Stadtbezirk und ein Stadtteil von Mannheim im Rhein-Neckar-Dreieck. Außer Neckarau selbst gehören zum Bezirk noch die Stadtteile Almenhof und Niederfeld.

Geografie[Bearbeiten]

Stadtbezirk[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk Neckarau liegt im Südwesten Mannheims direkt am Rhein. Angrenzende Stadtbezirke sind Lindenhof, Neuhermsheim und Rheinau. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegen Ludwigshafen und Altrip.

Stadtteil[Bearbeiten]

Der Stadtteil Neckarau, Teil des Stadtbezirks Neckarau, wird im Nordwesten durch die Rheingoldstraße vom Stadtteil Niederfeld, sowie durch Rottfeldstraße und Voltastraße vom Stadtteil Almenhof abgegrenzt. Im Nordosten verläuft die Stadtteilgrenze zu Neuhermsheim etwa in der Mitte des Rangierbahnhofs. Im Osten grenzt Neckarau entlang der B 38a an den Bezirk Mallau, im Südosten an den Bezirk Casterfeld des Stadtteils Rheinau und im Süden an die Gemeinde Altrip jenseits des Rheins. In westlicher Richtung endet Neckarau im Waldpark kurz vor dem Strandbad, das zum Niederfeld gehört.

Der Stadtteil Neckarau gliedert sich in 4 Statistische Bezirke: Neckarau-Nordost, Neckarau-Südost, Neckarau-Süd und Neckarau-Mitte.

Namensursprung[Bearbeiten]

Historische Mündungen

Neckarau liegt zwar näher am Rhein als am Neckar, dennoch war der Neckar namensgebend, da dieser – im Gegensatz zu heute – zur Zeit der Karolinger hier in den Rhein mündete. Erst im 13. und 14. Jahrhundert veränderte der Neckar sein Flussbett. Der Ort Neckarau befand sich auf einer Insel innerhalb des Mündungsdeltas. Aufgrund der Lage war Neckarau regelmäßig in der Gefahr von Hochwassern überschwemmt zu werden. Erst die Rheinregulierung im 19. Jahrhundert sorgte für ein Absenken des Rheines und des Grundwasserspiegels in diesem Gebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 368 befand sich der Burgus des Kastells Alta Ripa (Altrip) auf der heutigen Neckarauer Gemarkung. 871 wurde Neckarau als „Naucrauia“ erstmals urkundlich erwähnt.[3] 1212 schenkte Kaiser Friedrich II. Neckarau dem Bischof von Worms. Nach längeren Streitigkeiten gelangte der Ort aber 1284 an die Kurpfalz. 1294–1365 veränderte der Neckar seine Mündung in den Rhein, daher wurde das Dorf Hermsheim wüst und die Einwohner zogen nach Neckarau. Im 15. Jahrhundert war Neckarau wegen der idealen Lage am Rhein als Handelsplatz begehrt und wurde zu einem der größten und reichsten Dörfern der Region. 1496 kam Neckarau zum kurpfälzischen Oberamt Heidelberg. 1577 gab es 101 Haushalte. Im Jahr 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde Neckarau zerstört. 1817 lebten schließlich 1.253 Einwohner in dem Ort und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich auch aufgrund der angrenzenden Bahnstrecke Mannheim-Karlsruhe viele Industriebetriebe hier an. 1899 wurde Neckarau – als damals größtes badisches Dorf – zu Mannheim eingemeindet. Die Wohnbebauung im Almenhof begann nach dem Ersten Weltkrieg, die des Niederfelds nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jahr 1439 1777 1817 1834 1898 2007 2009
Einwohner 455 755 1253 1459 8700 31557 31099

Politik, Verwaltung[Bearbeiten]

Rheingoldstraße mit St.-Jakobus-Kirche, Matthäuskirche und Rathaus (v.l.)
Pilwebrunnen auf dem Marktplatz

Nach der Hauptsatzung[4] der Stadt Mannheim hat der Stadtbezirk einen Bezirksbeirat, dem 12 dort wohnende Bürger angehören, die der Gemeinderat entsprechend dem Abstimmungsergebnis der Gemeinderatswahl bestellt. Sie sind zu wichtigen Angelegenheiten, die den Stadtbezirk betreffen, zu hören und beraten die örtliche Verwaltung sowie Ausschüsse des Gemeinderats.

Partei 2009 2004 1999 1994
CDU 4 5 7 5
SPD 4 4 4 4
GRÜNE 2 2 1 2
Mannheimer Liste 1 1 0 1
FDP 1 0 0 0

Als einer der elf äußeren Stadtbezirke besitzt Neckarau ein Gemeindesekretariat, dem örtliche Verwaltungsaufgaben obliegen.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen entwickelte sich aus dem Gerichtssiegel, das sich bis ins Jahr 1520 nachweisen lässt. Es zeigt unten die Wellen des Neckars und oben die Pflanzenreihe einer Aue.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Stadtbildprägend sind die beiden Kirchengebäude, die katholische St.-Jakobus-Kirche, deren 100-jähriges Bestehen 2007 gefeiert wurde, und die evangelische Matthäuskirche. Beide Kirchengemeinden sind tragende Säulen im Leben Neckaraus: Durch Gottesdienste und zahlreiche Veranstaltungen für alle Altersgruppen geben sie Impulse zum täglichen Leben, spenden Raum für Besinnliches und Kulturelles und bieten vielerlei Anlässe zur Begegnung und zum Feiern.

Aber auch der Industriestandort Neckarau prägt das Stadtbild. 1921 wurde hier das Großkraftwerk am Rhein gebaut. Seit den späten achtziger Jahren erfährt der alte Industriestandort Neckarau einen Wandlungsprozess, im Rahmen dessen ein neuer Industriepark entstanden ist.

Das 1903 errichtete und bereits 1986 stillgelegte neugotische Alte Pumpwerk ist ein an Norddeutschland erinnernder eklektizistischer Klinkerbau, bei dem die technische Innenausstattung komplett erhalten werden konnte. Es wurde ab 2001 vom Mannheimer Künstler Dietmar Brixy restauriert und als Atelier genutzt.[5] Es ist ein technisches Kulturdenkmal und wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Februar 2004“ ernannt.

Erholung[Bearbeiten]

Im Ortskern zwischen Neckarau und Almenhof befindet sich der August-Bebel-Park. Im Stadtteil Almenhof gibt es den von Bäumen umsäumten 48er-Sportplatz, der von vielen Menschen genutzt wird. In der Rheinschleife liegt der Waldpark mit den Naturschutzgebieten „Silberpappel“ und „Reißinsel“. Südlich der Reißinsel im Waldpark befindet sich das Mannheimer Strandbad. An den Waldpark grenzt das Aufeld mit seinen Kleingärten und Wiesen an. In diesem Bereich haben zahlreiche Vereine ihre Sportanlagen.

Freizeit[Bearbeiten]

In der Nähe des Großkraftwerks befindet sich ein Hallenbad. Für den Sommer bietet der Stollenwörthweiher zwei Freibäder. Sehr beliebt ist in den Sommermonaten das im Waldpark befindliche Strandbad. Ebenfalls in der Nähe des Waldparks befindet sich die Anlage der Reitgemeinschaft Mannheim Neckarau. Neckarau beheimatet viele kleinere Cafés und Restaurants. Bemerkenswert ist zudem das bürgerschaftliche Engagement in Neckarau. Es gibt sehr viele Vereine, die alle in der Interessengemeinschaft Neckarauer Vereine organisiert sind und Leben in den Stadtteil bringen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

In Neckarau ist das Grosskraftwerk Mannheim ansässig. Weitere historisch bedeutsame Firmen sind Kabel und Draht (Südkabel) und ehemals die Joseph Vögele AG, Seilwolff sowie Rheinische Gummi- und Celluloid-Fabrik mit ihren Schildkröt-Puppen.

Das mit 3 Michelin-Sternen bewertete Restaurant „Amador“ von Juan Amador befindet sich auf dem ehemaligen Schildkröt-Fabrikgelände in Neckarau.

Verkehr[Bearbeiten]

Altriper Fähre

Den ÖPNV betreibt die RNV mit den Stadtbahnlinien 1, 3 und 8. Hinzu kommen mehrere Buslinien. Der Haltepunkt Neckarau wird vom Eisenbahnpersonennahverkehr angefahren. Mittelfristig soll er in die S-Bahn RheinNeckar integriert werden. Dabei ist vorgesehen, die Bahnsteige Richtung Südosten zu verlegen. Damit soll ein leichtes Umsteigen zwischen Stadtbus, Stadtbahn und S-Bahn erreicht werden.

Der Nachbarort Altrip ist über die Rheinfähre Altrip-Mannheim zu erreichen, über die eine Kleinbuslinie fährt. Eine Linie der Busverkehr Rhein-Neckar GmbH verbindet Mannheim mit Brühl, Ketsch und Schwetzingen über Neckarau und Rheinau.

Die vierspurig ausgebaute B 36 stellt die Verbindung in die Innenstadt sowie in der anderen Richtung zu den Autobahnen A 6 und A 656 her.

Medien[Bearbeiten]

Die Tageszeitung Mannheimer Morgen berichtet in ihrer „Süd“-Ausgabe über Neckarau. Die „Neckarau-Almenhof-Nachrichten“ werden kostenlos an alle Haushalte im Bezirk verteilt. In den Stadtteilen Almenhof und Niederfeld wird die Stadtteilzeitung „Lindenhof aktuell“ an die Haushalte verteilt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Im August-Bebel-Park ist eine Filiale der Stadtbibliothek. Im Niederfeld befindet sich das Diakonissenkrankenhaus Mannheim, in das das ehemalighe Heinrich-Lanz-Krankenhaus integriert wurde. Außerdem beheimatet der Stadtteil Almenhof eines von weltweit 144 Goethe-Instituten. Im sogenannten Waldorfdreieck befindet sich die Freizeitschule, ein freies Kultur- und Bildungszentrum auf der Grundlage von Anthroposophie und Waldorf-Pädagogik. Die Abteilung Neckarau der Freiwilligen Feuerwehr Mannheim ist in ihrem Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet Mallau untergebracht.

Bildung[Bearbeiten]

  • Katholischer Kappeskindergarten
  • Jugendtreff im August-Bebel-Park
  • Evangelischer Kindertagesstätte Funkelstern
  • Evangelischer Kindertagesstätte Sonnenblume
  • Evangelischer Kindertagesstätte Kinderburg
  • katholischer Kindergarten St. Jakobus
  • Waldorfkindergarten Gänsweide (Kindergarten und Kleinstkindbetreuung)
  • Wilhelm-Wundt-Schule (Grund- und Realschule)
  • Schiller-Schule (Grund- und Hauptschule)
  • Moll-Gymnasium (Gymnasium)
  • Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium (privates Gymnasium)
  • Freie Waldorfschule Mannheim
  • SEMA-Privatschule
  • Hort in der Freizeitschule (für Kinder der 1. bis 6. Klasse)
  • Hans Müller-Wiedemann Schule (Behindertenschule)
  • Odilienschule (Waldorf-Förderschule)
  • Werkhof Mannheim (anthroposophische Förderung der Integration von Jugendlichen)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjörg Probst: Neckarau Band 1: Von den Anfängen bis ins 18. Jahrhundert. Mannheim 1988, ISBN 3-87804-191-8.
  • Hansjörg Probst: Neckarau Band 2: Vom Absolutismus bis zur Gegenwart. Mannheim 1989, ISBN 3-87804-197-7.
  • Karl-Heinz Bausch, Hansjörg Probst: Neckarau - Bilder und Erinnerungen. Mannheim 1984, ISBN 3-9801007-0-7.
  • Konstantin Groß: Neckarau. In: Wolfgang Strümper (Hrsg.): Mannheim zu Fuß. 15 Stadtteil-Rundgänge durch Geschichte und Gegenwart. VSA-Verlag, Hamburg 1991, ISBN 3-87975-554-X. (Geschichte des Stadtteils anhand der Schilderung der bei diesem Rundgang in Augenschein genommenen historischen Gebäude)
  • Konstantin Groß: Zeuge des Jahrhunderts. 100 Jahre Eingemeindung Neckaraus nach Mannheim. Verlag Druckerei Stöckl, Mannheim 1999, ISBN 3-9801007-0-7. (Überblicksdarstellung der Geschichte Neckaraus seit der Reichsgründung 1871)
  • Konstantin Groß: Arbeiten in und für Neckarau. 25 Jahre Gemeinschaft der Selbständigen. Verlag Druckerei Stöckl, Mannheim 1999, ISBN 3-9806908-3-0. (Überblicksdarstellung der Geschichte des Neckarauer Gewerbes seit dem Mittelalter)
  • Konstantin Groß: Dem deutschen Lied zu dienen. 125 Jahre Sängerhalle Germania 1879 Mannheim-Neckarau. Verlag Druckerei Stöckl, Mannheim 2004, ISBN 3-9806908-9-X. (Überblicksdarstellung über das kulturelle Leben Neckaraus)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStadt Mannheim: Einwohnerbestand zum 31.12.2013. Mai 2014, abgerufen am 7. Juni 2014 (PDF 730 kB).
  2.  Karl-Heinz Bausch, Iwar Werlen (Hrsg.): Verbale Kommunikation in der Stadt. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1994, Das Herstellen lokaler Identität in der Kommunikation, S. 56 (Google Books).
  3. Neckarau. LEO-BW (Landesarchiv Baden-Württemberg), Landeskunde entdecken online, abgerufen am 16. April 2015.
  4. a b Hauptsatzung der Stadt Mannheim. VII. Stadtbezirke und Bezirksbeiräte, § 22. Stadt Mannheim, 28. April 2009, S. 11, abgerufen am 14. März 2015 (PDF 113 KB).
  5. Astrid Hansen: „Das Abwasserpumpwerk in Mannheim-Neckarau. Gelungene Umnutzung eines Technischen Kulturdenkmals.“ In: „Denkmalpflege in Baden-Württemberg“, 33. Jg. 2004, Heft 3, S. 179–184 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]