Marian Offman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Marian Offman (geboren am 15. Februar 1948 in München) ist ein deutscher Unternehmer und Kommunalpolitiker (SPD). Dem Münchner Stadtrat gehörte er von 2002 bis 2020 an. Von 2004 bis 2012 war er Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur schloss er ein Studium der Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Diplom-Kaufmann ab und gründete 1983 ein Hausverwaltungsunternehmen in München, deren geschäftsführender Gesellschafter er ist.[1][2] Auf Sat.1 moderiert er die Sendung „Jüdisches Leben“.[3]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offman wurde bei der Kommunalwahlen in Bayern 2002 für die CSU in den Münchner Stadtrat gewählt.[4] Zeitweise war er auch Pressesprecher der Münchner CSU. Sein Engagement als Jude für eine christliche Partei erklärte er mit den gemeinsamen Werten beider Religionen und damit, dass sich die CSU in Fragen der Religionsfreiheit (z. B. in der Beschneidungsdebatte) stets glaubwürdig für die Belange der jüdischen Minderheit in Deutschland eingesetzt hat.[3]

In seiner Stadtratsarbeit setzte er sich bezahlbares und familiengerechtes Wohnen, zusätzliche Kindergärten, Erhalt des sozialen Gleichgewichts, Respekt für Ältere, Erhalt Münchens als Kulturmetropole und ein klares Nein zu Rechtspopulismus und Rassismus als Ziele. Er war Mitglied im Kinder- und Jugendhilfe-, Kultur-, Planungs- und Sozialausschuss sowie Sozial- und energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion.[5]

Seit 2006 trat Offman transparentere Verbraucherabrechnungen der Münchner Stadtwerke ein und stellte dafür 2010 auf eigene Kosten eine interaktive Webseite zur Dokumentation von Abrechnungsfehlern ins Internet, womit er zum Anwalt für die betroffenen Kunden wurde.[6]

Offman bezog wiederholt öffentlich Stellung gegen die islamophobe Hetze des aus der CSU ausgetretenen Rechtspopulisten Michael Stürzenberger und dessen Kleinpartei „Die Freiheit“.[3] Er engagiert sich auch im interreligiösen Dialog und bei der Integration von Muslimen.[7]

2012 trat er für ein Verbot der mit einem Sitz im Münchner Stadtrat vertretenen, rechtsextremen Bürgerinitiative Ausländerstopp ein.[8]

Von 2004 bis 2012 war er Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern (IKG) und gehört deren Vorstand immer noch an.[9][10]

Im Münchner Konflikt um Stolpersteine für NS-Opfer positionierte er sich zwar auf Seiten derer, die wie die IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch das Projekt als Respektlosigkeit gegenüber den Opfern kritisierten,[11] machte aber zugleich einen Vermittlungsvorschlag, der eine bisher in München verbotene Verlegung von Stolpersteinen auch auf öffentlichem Grund ermöglicht hätte.[12]

Angesichts der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 setzte er sich, nicht zuletzt aufgrund der Fluchterfahrungen in seiner jüdischen Herkunftsfamilie, für die Migrationspolitik der Bundesregierung unter Angela Merkel ein und kritisierte gegenüber dem Guardian die britische Regierung dafür, dass sie in dieser Frage mit der liberalen Tradition Großbritanniens breche.[13]

2017 brachte Offman für die CSU-Fraktion deren gemeinsamen Antrag mit der SPD-Fraktion in den Stadtrat ein, die Vergabe von öffentlichen Veranstaltungsräumen an die als antisemitisch betrachtete Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) zu verbieten. Der entsprechende Stadtratsbeschluss wurde im Dezember 2018 vom Verwaltungsgericht München bestätigt.[14][15]

Im Sommer 2019 wechselte Offman, der sich neben seinem antifaschistischen Engagement auch einen Ruf als versierter Kultur- und Sozialpolitiker erworben hatte, von der CSU zur SPD. Die CSU hatte ihn bei der Listenaufstellung zur Kommunalwahl 2020 nicht berücksichtigt. Seiner Darstellung gemäß, habe ihm seine bisherige Partei nicht mehr ermöglichen wollen, sich weiter gegen Nazis und für Flüchtlinge einzusetzen.[16][17] Für die Kommunalwahl 2020 stellte ihn die SPD als Stadtratskandidaten auf.[18] Er erreichte jedoch kein Stadtratsmandat, sondern nur eine Nachrückerposition.[19]

Im Februar 2020 sollte Offman bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz ein Grußwort der Landeshauptstadt München in Vertretung für Oberbürgermeister Dieter Reiter sprechen. Er wurde jedoch im Dezember 2019 von der Konferenz ausgeladen, da diese sich an seiner Haltung gegenüber der BDS-Kampagne störte. Die Entscheidung der Konferenz wurde unter anderem von deutschen und internationalen Medien sowie vom bayerischen Antisemitismus-Beauftragten Ludwig Spaenle als antisemitisch kritisiert. Die Veranstalter sagten infolge der Kontroverse die Konferenz gänzlich ab.[20][21][22][23][24][25] Aufgrund seines Engagements gegen Antisemitismus und Rassismus wird Offman auch aus dem rechten Lager angefeindet: So wurde er zusammen mit 18 anderen jüdischen Münchnern auf der antisemitischen Hetzseite „Judas Watch“ an den Pranger gestellt und quasi „zum Abschuss freigegeben“.[26]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offman ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsgericht München, Handelsregisterblatt HRB 71143.
  2. Internetauftritt A & O Immobilien GmbH, abgerufen am 2. Februar 2020.
  3. a b c Für Kruzifix und Brit Mila - Marian Offman kämpft im Münchner Stadtrat gerne als David gegen Goliath, Portrait Offmans von Katrin Diehl in der Jüdischen Allgemeinen vom 10. September 2013, abgerufen am 2. Februar 2020.
  4. Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München, abgerufen am 2. Februar 2020.
  5. Kurzportrait im Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München, abgerufen am 2. Februar 2020.
  6. Doris Näger: Stadtwerke-Beschwerden: Offman richtet eine Internetseite ein, Süddeutsche Zeitung vom 10. Mai 2010, abgerufen am 2. Februar 2020.
  7. Benjamin Idriz: Grüß Gott, Herr Imam! Eine Religion ist angekommen, München 2010, E-Book ohne Seiten, Ende des Vorworts.
  8. Dominik Hutter: Stadtrat ist für ein BIA-Verbot, Süddeutsche Zeitung vom 1. Februar 2012, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. "Ein Wahrzeichen für München", Welt am Sonntag vom 9. Oktober 2005, abgerufen am 2. Februar 2020.
  10. Große Mehrheit für Charlotte Knobloch, Süddeutsche Zeitung vom 12. Juli 2016, abgerufen am 2. Februar 2020.
  11. Derek Scally: Munich debate over plaques for Holocaust victims continues, Irish Times vom 4. Dezember 2014, abgerufen am 2. Februar 2020.
  12. Juliane Reil: Erinnern und Gedenken im Umgang mit dem Holocaust: Entwurf einer historischen Gedächtnistheorie, Transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8394-4225-8, S. 90.
  13. Luke Harding: Angela Merkel: plan to share 160,000 refugees across EU may not be enough, The Guardian vom 8. September 2015, abgerufen am 2. Februar 2020.
  14. Gegen jeden Antisemitismus! - Keine Zusammenarbeit mit der antisemitischen BDS-Bewegung, Antragswortlaut im Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München, abgerufen am 2. Februar 2020.
  15. Stephan Handel: Stadt muss BDS-Kampagne keine Räume zur Verfügung stellen. SZ, 19. Dezember 2018, abgerufen am 2. Februar 2020.
  16. Heiner Effern: CSU-Politiker Offman wechselt zur SPD, Süddeutsche Zeitung vom 15. Juli 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  17. Nina Bovensiepen:Ein Unbequemer, der München guttut Süddeutsche Zeitung vom 15. Juli 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  18. Irene Kleber: SPD-Stadtratsliste: Viele junge, einige Promis, Abendzeitung vom 22. November 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  19. Thomas Böhle, Wahlleiter: Wahl des Stadtrats 2020: Bewerbende - Stimmen und Platzierung. In: www.wahlen-muenchen.de. 19. März 2020, abgerufen am 25. März 2020.
  20. Martin Bernstein: Marian Offman als Redner ausgeladen. Süddeutsche Zeitung vom 23. Dezember 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  21. Martin Bernstein: Friedenskonferenz findet nicht statt. Süddeutsche Zeitung vom 16. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  22. Dominic Baur: Israelbezogener Antisemitismus - Jüdischer Stadtrat ausgeladen, Die Tageszeitung vom 14. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  23. Martin Krauß: Schuld sind die anderen, Die Tageszeitung vom 20. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  24. Ben Cohen: Activists ‘Boycotting Not Only Israel, but Jews in Germany,’ Munich City Councillor Charges in Escalating Row Over Peace Conference Disinvite, Allgemeiner vom 14. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  25. Toby Axelrod: Munich confab nixed after pro-Israel Jewish speaker rejected, Times of Israel vom 20. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  26. Martin Bernstein: Rechte Hetze gegen Münchner, Süddeutsche Zeitung vom 19. Januar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  27. Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt München, abgerufen am 2. Februar 2020.