Marktkauf Holding

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Marktkauf)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marktkauf Holding GmbH

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1971[1]
Sitz Bielefeld-Sennestadt,

DeutschlandDeutschland Deutschland

Website marktkauf.de

Marktkauf-Standort in Voslapp, Wilhelmshaven (Luftbild 2012)

Die Marktkauf Holding GmbH ist eines der größten deutschen Handelsunternehmen und Teil der Edeka-Gruppe.

Das Unternehmen mit Sitz in Bielefeld-Sennestadt entstand zum 1. Juli 2006 durch Umfirmierung und Umwandlung der AVA Allgemeine Handelsgesellschaft der Verbraucher AG. Es betreibt vor allem großflächige Formen des Lebensmitteleinzelhandels an rund 160 Standorten in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AVA geht auf den 1892 gegründeten regionalen Bielefelder Konsumverein eGmbH zurück. Dieser löste sich 1936 aufgrund der Auswirkungen des am 21. Mai 1933 von der NSDAP erlassenen Gesetz über Verbrauchergenossenschaften auf und gründete sich nach Kriegsende am 1. Januar 1947 als Konsumgenossenschaft Bielefeld neu. Nach mehreren Zusammenschlüssen mit anderen Konsumvereinen entstand die coop Ostwestfalen, welche 1970 mit der coop Lippe zur coop Ostwestfalen-Lippe fusionierte. In der 1974 gegründeten coop AG wollte man nicht aufgehen, so dass 1975 die Umbenennung in Allgemeine Verbraucher-AG (AVA) erfolgte und die Marke coop nicht mehr benutzt wurde.[2][3] Daher war die AVA auch nicht von dem 1988 aufgedeckten, sogenannten coop-Skandal betroffen.

Das Unternehmen hatte schon 1971 begonnen, aus dem ostwestfälischen Stammland heraus zu expandieren und u. a. daher die Marktkauf GmbH als Tochtergesellschaft gegründet. Die ersten beiden Marktkauf SB-Warenhäuser wurden 1971 in Osnabrück-Nahne und an der Friedrich-List-Straße in Bielefeld eröffnet.[4] Verbrauchermärkte firmierten unter dem Namen dixi, Lebensmittelmärkte unter dem Namen allfrisch.

Im Zuge der Expansion kaufte AVA die 1968 gegründete Optikkette von Franz-Josef Krane und investierte seit 2003 auch über die Nachbarländer hinaus. Die Tochter Marktkauf Rus betrieb mit der Eröffnung am 6. Februar 2003 ein SB-Warenhaus und einen Baumarkt in Moskau.[5] Der Geschäftsverlauf der letzten Jahre war jedoch, besonders bei den Marktkauf-Baumärkten, nach dem Aufkauf von defizitären Baumärkten der Hauser-, Götzen- und Selbstbau-Gruppe von hohen Verlusten geprägt.

1983 begann die Kooperation mit der Edeka-Gruppe, zunächst nur beim Einkauf, später entwickelte sich daraus eine vollständige Integration in die Edeka-Gruppe. Im Jahre 1992 übernahm Edeka 33 % des Kapitals der börsennotierten AVA Allgemeine Handelsgesellschaft der Verbraucher AG und erhöhte in den Folgejahren seine Beteiligungsquote, bis 2005 die letzten freien Aktionäre durch einen Ausschluss von Minderheitsaktionären herausgedrängt wurden.[6]

1993 wurde die Nanz-Gruppe zu 59 Prozent übernommen. 1998 wurde sie dann an Edeka Südwest weiter gereicht.

Zum 1. Juli 2006 erfolgte bei allen Unternehmensbestandteilen, sowohl bei der Holding als auch den Tochterunternehmen, eine Namensänderung von AVA zu Marktkauf. Die AVA Aktiengesellschaft wurde umgewandelt in die Marktkauf Holding GmbH.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Edeka-Vorstand für Marktkauf zuständige Arbeitsdirektor und Sanierer Stephan Schelo (früher Chef der Spar-Handels AG in Hamburg) plante 2006 nach Presseberichten den Abbau von 1000 Vollzeitstellen bei Marktkauf. Für 2006 rechnete der Vorstand mit einem Verlust von bis zu 50 Millionen Euro und für das kommende Jahr mit einem Fehlbetrag von 117 Millionen Euro. Die Edeka-Gruppe, zu der Marktkauf gehört, wollte sich ganz auf das Lebensmittel- und SB-Warenhaussegment konzentrieren. Deswegen sollten die Optikkette und die Baumärkte verkauft werden.

Im August 2006 wurde die Optikerkette Krane, mit 90 Filialen und 600 Mitarbeitern damals der drittgrößte Optiker in Deutschland, von Marktkauf an die niederländische Beteiligungsgesellschaft HAL Investments veräußert, welche bereits die Apollo-Optik mit 480 Fachgeschäften besaß. Damit überflügelte die Optikhandelsgruppe Pearle Europe, zu der HAL Investments gehört, den vorherigen Branchenprimus Fielmann, der kein Interesse an einem Kauf gezeigt hatte.

Das SB-Warenhaus in Moskau wurde im Dezember 2006 an die Metro Group veräußert. Der zugehörige Baumarkt in Moskau ging an die französische Baumarktkette Castorama.

Am 16. Mai 2007 wurde bekanntgegeben, dass die Rewe Group zum Juni 2007 133 der 150 Bau- und Gartenmärkte übernimmt.[7] Sie werden dem Rewe-Tochterunternehmen Toom Baumarkt angegliedert. Von den 2006 noch 150 Baumärkten wurden fünf bereits im Februar 2007 geschlossen, die bei Edeka verbleibenden werden voraussichtlich bis Juni 2007 geschlossen worden sein. Die 133 Baumärkte hatten einen Umsatz 2006 von 840 Mio. Euro mit ca. 4900 Mitarbeitern. Rewe erhält für die Übernahme der seit Jahren defizitären Baumärkte laut Angaben von Brancheninsidern einen Zuschuss von etwa 120 bis 150 Mio. Euro von seinem Mitbewerber Edeka. Die Rewe Group hatte in einem Bieterwettbewerb, an dem sich auch zahlreiche Private-Equity-Investoren beteiligten, den Zuschlag erhalten.

Am 1. Juni 2007 wurde bekannt, dass nach der Trennung von den Baumärkten die verbliebenen 186 Marktkauf-SB-Warenhäuser auf die Regionalgesellschaften von Edeka aufgeteilt werden. Außerdem werden einzelne Marktkauf-SB-Warenhäuser in E-Center, eine Vertriebslinie der Edeka, umgewandelt. Dies ist bereits mit dem Marktkauf-SB-Warenhaus in Herford, im Werre-Park in Bad Oeynhausen, in Ilsede (im Landkreis Peine), im Filder-Einkaufszentrum in Leinfelden und der Filiale in Peine geschehen. Die Filiale im Dollart Center Emden wurde 2008 von der Edeka an das regional tätige Unternehmen multi aus Leer abgegeben.[8]

Die Sanierung wird von weiteren Schließungen begleitet. Nachdem 2007 einzelne Märkte schlossen, wird zum März 2008 einer der drei Logistik-Standorte von Marktkauf (Laichingen auf der Schwäbischen Alb) geschlossen,[9] nachdem Ende Mai 2007 noch sein Ausbau zu einem Non-Food-Zentrallager angekündigt worden war.[10]

Am weitesten fortgeschritten ist die Privatisierung unter der Marke Marktkauf in der EDEKA Region Rhein-Ruhr in der 10 ursprüngliche Regiemärkte privatisiert und 2 weitere als Privatbetriebene eröffnet wurden. Dort befinden sich noch 22 Regiemärkte, darunter 3 ehemalige RATIO Märkte die 2011 übernommen worden sind.[11]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Marktkauf-Filiale in Moskau Kotelniki

Vertriebslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marktkauf-Gruppe betrieb April 2008 186 Marktkauf SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte in Deutschland. Die Marktkauf-Warenhäuser wurden bis März 2008 an die sieben Edeka-Regionalgesellschaften übergeben. Diese sollen sie an selbstständige Einzelhändler übertragen.[12]

Logistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Auflösung betrieb die Logistiktochter Marktkauf Logistik (zuvor AVA-Logistik) drei Logistikzentren in Bielefeld-Sennestadt, Zarrentin und Laichingen.

Produktionsgesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FG Frischwaren mit Betrieben in Georgsmarienhütte, Mockritz und Laichingen belieferte die Niederlassungen von Marktkauf mit Fleisch- und Wurstwaren, Fisch und Feinkost.

Weitere Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Datenverarbeitung erledigte die Marktkauf IT Informationstechnologie (zuvor AVA Informationstechnologie). Die Marktkauf-Tochter Center Entwicklungs- und Verwaltungs-GmbH (CEV) entwickelt und verwaltet Einkaufscenter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marktkauf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eigendarstellung Geschichte (Memento vom 1. Februar 2012 im Internet Archive)
  2. Tobias Deterding: Geschichte der AVA
  3. https://www.ostwestfalen-lippe.de/_owl/wirtschaft/imageverein/ava_ag.shtml (Memento vom 10. März 2005 im Internet Archive)
  4. Marktkauf mit Leidenschaft! Das nun schon seit 50 Jahren. marktkauf50.de
  5. AVA - Zwischenbericht zum 31. März 2004. Allgemeine Handelsgesellschaft der Verbraucher AG, 31. März 2004, abgerufen am 30. Juni 2021.
  6. Gerichtliche Bestätigung des Squeeze-out (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  7. Meldung im Handelsblatt.
  8. Ostfriesenzeitung, 15. Mai 2008
  9. Lebensmittelpraxis, 20. November 2007
  10. Betrieb in Laichingen wird eingestellt 250 Mitarbeiter verlieren Arbeitsplatz Schwaebische Post vom 20. November 2007
  11. Marktkauf mit Leidenschaft -. Abgerufen am 11. September 2018 (deutsch).
  12. Edeka Zahlen Fakten 2008

Koordinaten: 51° 56′ 33,8″ N, 8° 33′ 58,9″ O