Meme (Kulturphänomen)

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Beispiel eines Meme (Image Macro), das sich in diesem Fall der Wikipedia widmet. Ein Image Macro ist ein Bild mit einem kurzen, darübergelegten Text. Image Macros sind das am weitesten verbreitete Meme-Format.
(deutsch: „Wikipedia anklicken, um eine einzelne Tatsachenbehauptung zu überprüfen – drei Stunden später feststellen, dass man alles über die Sowjetunion weiß.“).

Ein Meme (ausgesprochen [miːm], Mehrzahl Memes) ist ein spezieller, kreativ geschaffener Bewusstseinsinhalt, der sich zwischen Menschen verbreitet. Meist handelt es sich dabei um einen kleinen Medieninhalt, der über das Internet verbreitet wird, wie ein Bild mit einer kurzen prägnanten Aussage. Diese ist in der Regel humoristisch und aufheiternd, manchmal auch satirisch und entsprechend gesellschaftskritisch.[1][2] Memes sind seit vielen Jahren ein bedeutender Teil der Netzkultur.

Bei Memes kann es sich um selbst erstellte Werke handeln, aber auch um montierte oder aus dem ursprünglichen Kontext gerissene Fotografien, Zeichnungen, Animationen oder Filme von anderen. Sie tauchen in Form bewegter und unbewegter Bilder, Text, Video oder auch Audio auf, sind also nicht an einen bestimmten Medientyp gebunden. Memes werden meist über Internetplattformen wie Imageboards oder Videoportale, Chaträume, Internetforen, Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, E-Mail oder auch in physischer Form von Person zu Person weitergereicht. Dabei werden sie in einigen Fällen weitermodifiziert oder mit anderen Inhalten kombiniert. Durch ihre virale Verbreitung werden manche besonders „erfolgreiche“ Memes als Internetphänomene beschrieben.

Der Begriff geht auf ein altgriechisches Wort zurück (s. u., Etymologie). Über die Vermittlung des Englischen ist der Begriff Mem, der einzelne perpetuierte Bewusstseinsinhalte bezeichnet, ins Deutsche gelangt.

Gemäß Richard Dawkins, der den Begriff Mem schuf, sind damit aber eher zufällige „Mutationen“ gemeint, während Memes das Produkt menschlicher Kreativität sind.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Memes bedienen sich verschiedenster Ausdrucksformen. Die Pointen reichen von einfachen und harmlosen Wortwitzen bis hin zu schwarzem Humor und Zynismus, der bewusst gegen gesellschaftliche Normen und Sitten, unter Umständen auch gegen die politische Korrektheit, verstößt. Behandelt werden Erlebnisse aus dem Alltagsleben, komische Überlegungen zum Zeitgeschehen, Kommentare zu Kulturgütern wie Filmen, Serien, Videospielen oder Songs, witzige Fotografien oder auch völlig frei erfundene Fantasie-Memes mit teilweise schon fast surrealem Charakter. Memes, die absurd und skurril sind oder sich eines besonders schwarzen Humors bedienen, werden auch als „Dank Memes“ bezeichnet.[4]

Während viele Memes bloß der einfachen und schnellen Unterhaltung dienen, gibt es auch politische Memes, die einen direkten Bezug auf das aktuelle Zeitgeschehen aufweisen und dabei eine klare Haltung einnehmen. So werden zum Beispiel unbeliebte Personen aus Politik, Verwaltung, Militär, Wirtschaft oder Kultur in Memes verspottet, kritisiert oder angeprangert. Zunehmend lassen sich auch auf Demonstrationen ausgedruckte oder nachgemalte Memes erblicken.

Teilweise werden Memes für virales Marketing eingesetzt. Andersherum kann es auch vorkommen, dass virale Werbungen zu Memes werden.

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das am weitesten verbreitete Meme-Format der letzten Jahre. Eine neuere Form des „Image Macro“.

Das häufigste Format für Memes ist das so genannte „Image Macro“. Hierbei handelt es sich um ein Bild mit einem darübergelegten Text. In der traditionellen, seit 2007 verbreiteten Form wird der Text in zwei Abschnitte aufgeteilt und oben und unten über das Bild gelegt, wobei der obere den „Einführungstext“ darstellt, der untere die Pointe. Für den Text wird eine serifenlose, fette, weiße Schrift mit schwarzer Zeichenumrandung gewählt.

Seit Ende der 2010er Jahre ist ein Format, in welchem der einführende Text dem Bild als gewöhnlicher Schwarz-auf-Weiß-Text vorangestellt ist, das am weitesten verbreitete.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meme leitet sich von altgriechisch μίμημα mīmēma, „nachgeahmte Dinge“, ab. Das verwandte Verb μιμεῖσθαι mimeisthai, bedeutet „imitieren“.

Im 1976 erschienenen populärwissenschaftlichen Buch Das egoistische Gen wurde von Richard Dawkins der englische Begriff meme geprägt, um das Verbreiten kultureller Informationen zu beschreiben.[5] Zunächst hatte meme nur die Bedeutung Mem, wurde aber im Zuge der digitalen Revolution dafür verwendet, eine bestimmte Art von Internetphänomen zu beschreiben.[1] Dawkins äußerte sich 2013 zu dieser Verwendung seiner Wortschöpfung und meinte, diese Internetphänomene seien nicht weit entfernt vom ursprünglichen Begriff.[6]

Der Linguist Robert Sedlaczek vermerkt, das Wort Meme stehe zwar in keinem Wörterbuch, werde aber für Bilder oder Videos verwendet, die mit einem prägnanten Text versehen werden, um sie über soziale Netzwerke rasch zu verbreiten. Oft beziehen sie sich auf aktuelle, insbesondere politische Ereignisse oder auf beliebte Serien bzw. Filme.[7]

Memes außerhalb des Internets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Memes können aufgrund ihrer Popularität auch in der physischen Welt angetroffen werden. Manche Werbeagenturen bedienen sich der Bild-, Ton- und Textsprache der Memes, um den Zielgruppen auf eine ungewöhnliche Weise zu begegnen; so werden etwa Plakate im Stil eines Image Macros gestaltet. Außerhalb des Internets sind Memes vor allem in der Jugendkultur verbreitet.[8]

Urheberrechtliche Beurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder wird Kritik laut, mit dem Erstellen und Verbreiten von Memes werde gegen das Urheberrecht verstoßen. Memes, die auf urheberrechtlich geschützten Inhalten basieren, stellen in den meisten Fällen eine illegitime Weiterverwendung des entsprechenden Originalwerkes dar. Grundsätzlich gilt, dass bei Veröffentlichung eines Memes, egal ob es durch einen Schriftzug verändert worden ist oder nicht, das Urheberrecht greift und die Zustimmung des Inhabers eingeholt werden muss. In der Praxis ist dies jedoch selten der Fall, und Stand März 2020 gab es noch keine Verurteilung einer Privatperson, die ein Meme veröffentlicht hat.[9][10]

Bei Memes, auf denen Privatpersonen zu sehen sind, greift zusätzlich noch das Recht am eigenen Bild, wodurch eine Veröffentlichung schwerwiegender ist. Die meisten Memes zeigen jedoch Personen des öffentlichen Lebens oder Comic-Figuren, bei denen die Urheberrechte direkt bei den Produzenten liegen.[9]

Einige Kritiker fordern, dass auf für die Verbreitung von Memes geeigneten Plattformen Upload-Filter zum Einsatz kommen, um Medieninhalte bereits vor der Veröffentlichung auf möglicherweise vorhandene Urheberrechtsverletzungen zu überprüfen. Andere sehen in solchen Maßnahmen einen ungerechtfertigten Eingriff in die Ausdrucksfreiheit und kritisieren diese deshalb unter dem Hashtag #SaveTheMeme in den sozialen Medien.[11][12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Memes und Image Macros – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b meme – definition of meme in English | Oxford Dictionaries. Abgerufen am 26. Januar 2017 (britisches Englisch).
  2. Chris Julien: Bourdieu, Social Capital and Online Interaction. In: Sociology. 49, Nr. 2, 30. Juni 2014, S. 356–373. doi:10.1177/0038038514535862.
  3. Olivia Solon: Richard Dawkins on the internet's hijacking of the word 'meme'. 20. Juni 2013. Archiviert vom Original am 9. Juli 2013.
  4. Dank Memes. In: Know Your Meme. Literally Media, Ltd., 5. Dezember 2014, abgerufen am 16. Juli 2020 (englisch).
  5. Richard Dawkins: The Selfish Gene. 2. Auflage. Oxford University Press, 1989, ISBN 0-19-286092-5, S. 192 (britisches Englisch): ‘We need a name for the new replicator, a noun that conveys the idea of a unit of cultural transmission, or a unit of imitation. 'Mimeme' comes from a suitable Greek root, but I want a monosyllable that sounds a bit like 'gene'. I hope my classicist friends will forgive me if I abbreviate mimeme to meme. If it is any consolation, it could alternatively be thought of as being related to 'memory', or to the French word même. It should be pronounced to rhyme with 'cream'.’
  6. Olivia Solon: Richard Dawkins on the internet’s hijacking of the word 'meme'. How do you feel about your word meme being reappropriated by the internet? Condé Nast Verlag, 20. Juni 2013, abgerufen am 9. Januar 2017 (amerikanisches Englisch): „The meaning is not that far away from the original. It’s anything that goes viral. In the original introduction to the word meme in the last chapter of The Selfish Gene, I did actually use the metaphor of a virus. So when anybody talks about something going viral on the internet, that is exactly what a meme is and it looks as though the word has been appropriated for a subset of that.“
  7. Robert Sedlaczek: Ein Meme über die Party auf Ibiza. Wiener Zeitung, 22. Mai 2019
  8. Ute Dettmar, Caroline Roeder, Ingrid Tomkowiak: Schnittstellen der Kinder- und Jugendmedienforschung: Aktuelle Positionen und Perspektiven. Springer-Verlag, 2019, ISBN 978-3-476-04850-9, S. 145 ff. (google.de [abgerufen am 3. Januar 2020]).
  9. a b Tobias Röttger: Meme - Warum die Veröffentlichung und Verbreitung von Meme im Internet (k)ein Problem ist. In: gulden röttger rechtsanwälte. gulden röttger rechtsanwälte GbR, 26. Juni 2020, abgerufen am 16. Juli 2020.
  10. Aishwaria S Iyer, Raghav Mehrotra: A Critical Analysis of Memes and Fair Use. In: Rostrum Law Review. März.
  11. Save the meme! - Bits of Freedom. Abgerufen am 2. Januar 2020.
  12. Joe McNamee: Urheberrechts-Richtlinie: Die EU will Copyright-Verstöße stärker filtern als Terror-Propaganda. In: netzpolitik.org. netzpolitik.org e. V., 27. März 2017, abgerufen am 16. Juli 2020.