Michael Blume

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Michael Blume (2017) beim Europarat in Straßburg

Michael Blume (* 20. Juni 1976 in Filderstadt) ist ein deutscher Religionswissenschaftler und Referatsleiter für nichtchristliche Religionen im Staatsministerium Baden-Württemberg sowie Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus.[1] Er forscht, lehrt und veröffentlicht zu Fragen des christlich-islamischen Dialoges in Deutschland, zum Zusammenhang von Religion und Demografie sowie zur Entwicklung der Neurotheologie.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blumes Eltern wurden 1975 durch die Bundesrepublik Deutschland aus der Deutschen Demokratischen Republik freigekauft.[2] Ein Jahr später wurde Blume in Filderstadt geboren.[2] Im Juni 1997[3] heiratete er, nachdem er 1996 sein Abitur auf dem Eduard-Spranger-Gymnasium Filderstadt[4] gemacht und seinen Wehrdienst abgeschlossen hatte, seine Frau Zehra, eine türkischstämmige frühere Mitschülerin.[2] Mit ihr bekam er drei Kinder.[5] 1998 war er Mitgründer der 2013 aufgelösten Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG) Region Stuttgart e. V.[2] Gemeinsam mit je einem muslimischen Mitvorsitzenden[6] war er danach einige Jahre Vorsitzender des Vereins. Blume organisierte 2000 das erste jüdisch-christlich-islamische „Abrahamsfest“ in Deutschland. Er schrieb zum christlich-islamischen Dialog mehrere Kabarettstücke und ein Theaterstück, das auch im europäischen Ausland gespielt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Der Hörfunkjournalist Andreas Malessa veröffentlichte 2019 eine biographische Erzählung mit dem Titel Eine Blume für Zehra, in der er Blumes humanitären Einsatz würdigt und die Herausforderungen seines interreligiösen Lebens mit seiner heutigen Frau Zehra in der schwäbischen Provinz schildert.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blume absolvierte vor seinem Studium der Religions- und Politikwissenschaften an der Universität Tübingen eine Ausbildung zum Finanzassistenten bei der Landesbank Baden-Württemberg. Nach dem Abschluss seines Studiums als Magister trat Blume im April 2003[7] eine neu eingerichtete Stelle als Referent für interkulturellen und interreligiösen Dialog in der Grundsatzabteilung des Staatsministeriums Baden-Württemberg an.[2] 2010 wurde er Leiter der Stabsstelle für die damalige Staatsrätin Regina Ammicht Quinn, ab 2011 dann Referatsleiter für Kirchen, Religion und Integration. 2014 übernahm er im Auftrag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann im Rahmen seiner Tätigkeit die Leitung über die Mission „Sonderkontingent Nordirak“.[8] Dabei war er verantwortlich, 1100 besonders schutzbedürftige, hauptsächlich jesidische, Frauen und Mädchen aus dem Nordirak nach Deutschland zu bringen,[9] unter ihnen auch die spätere UN-Botschafterin Nadia Murad,[8] der 2018 gemeinsam mit Denis Mukwege der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Seit 2016 ist Blume Referatsleiter für „nichtchristliche Religionen, Werte, Minderheiten, Projekte Nordirak“. Im März 2018 wurde er von der Landesregierung zum Antisemitismusbeauftragten für Baden-Württemberg ernannt.[10] Seinen religionswissenschaftlich und historisch fundierten Blick auf die Tradition der „semitischen“ Schriftreligionen schildert er in seinem 2019 erschienenen Buch Warum der Antisemitismus uns alle bedroht, worin er aufzeigt, wie neue Medien alte Verschwörungsmythen aufgreifen und emotional und sozial so verstärken können, dass sie letztlich die Grundlagen unserer Zivilisation in Frage stellen.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als Schüler trat Blume in die Junge Union ein und wurde später Vorsitzender des Ortsverbandes Filderstadt und von 2001 bis 2003 Vorsitzender des Kreisverbandes Esslingen am Neckar. 1994 wurde er in den Jugendgemeinderat gewählt, 1999 zum bis dahin jüngsten Stadtratsmitglied in Filderstadt und 2004 bei der folgenden Kommunalwahl bestätigt. Nach der Geburt seines zweiten Kindes Ende 2005 legte er sein Mandat nieder.

2014 wurde Blume als religionswissenschaftlicher Experte in das Bundesnetzwerk Integration der CDU berufen.

2017 wurden er und seine Frau Paten bei Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage für das Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn.[11]

Wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein Studium erhielt Blume ein Stipendium der Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung.[2] Für eine Arbeit als Drittsemester über Heimat und Identität, in der er sich für eine entschiedenere Integrations- und Identitätspolitik und mehr Dialog insbesondere im Hinblick auf Muslime in Deutschland aussprach, erhielt Blume eine Auszeichnung des Bundesministeriums des Innern. Sein Studium schloss er 2003 mit einer Magisterarbeit über Die Öffnung des Islam in Deutschland durch eine neue, islamische Elite ab,[2] die mit „sehr gut“ benotet wurde.[12] Ein Jahr später nahm er neben seiner beruflichen Tätigkeit einen ersten von dann mehreren Lehraufträgen am Institut für Religionswissenschaft der Universität Tübingen an. Blume promovierte 2005 bei Günter Kehrer[13] zum Thema Neurotheologie – Chancen und Grenzen aus religionswissenschaftlicher Perspektive.

Für Aufregung in der Landeshauptstadt sorgte Mitte 2003 ein Artikel der Stuttgarter Nachrichten über Michael Blume. Weil sich unter den Muslimen, die er im Rahmen seiner Magisterarbeit interviewt hatte, auch ein Islamist befand, wurde Blume unterstellt, dass er als Berater der Landesregierung womöglich „radikale islamistische Kräfte“ unterstütze.[2] Der Artikel suggerierte Untersuchungen des Verfassungsschutzes, die es allerdings „zu keinem Zeitpunkt“ gab.[2]

2009 erhielt Blume den scilogs-Preis für sein wissenschaftliches Bloggen[14] und 2010 einen Förderpreis der Evangelischen Akademie Villigst mit dem Titel „Vermittlungen – theologische und ethische Beiträge zur Zeit“.[15]

Blume nahm Vorträge, Lesungen und Lehraufträge unter anderem an der Universität Münster[16], der Universität zu Köln und der Friedrich-Schiller-Universität Jena[2] wahr. Derzeit nimmt er Lehraufträge nur noch am Karlsruher Institut für Technologie an.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews und Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus. In: Staatsministerium Baden-Württemberg. Abgerufen am 11. April 2018.
  2. a b c d e f g h i j Mathias Hamann: Geheimdienste: Mit einer E-Mail vom Normalbürger zum Islamistenhelfer. In: Spiegel Online. 31. Juli 2013, abgerufen am 20. Juni 2019.
  3. Andreas Malessa: Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle. München 2019. S. 78.
  4. Andreas Malessa: Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle. München 2019. S. 40.
  5. Dr. Michael Blume. In: blume-religionswissenschaft.de. Abgerufen am 7. April 2017.
  6. Darunter der spätere Vorsitzende des KCID: Murat Aslanoğlu
  7. Andreas Malessa: Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle. München 2019. S. 120.
  8. a b Michael Blume aus Filderstadt: Ein neues Leben nach der Hölle. In: Stuttgarter Nachrichten. 11. Januar 2017, abgerufen am 7. April 2017.
  9. Rüdiger Soldt: Tausend Leben. In: FAZ.net. 5. November 2016, abgerufen am 19. Juli 2017.
  10. Jens Schmitz: Religionsexperte Michael Blume zum Antisemitismusbeauftragten ernannt. In: Badische Zeitung. 14. März 2018, abgerufen am 29. März 2018.
  11. Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn: Paten unterstützen "Schule gegen Rassismus" | Heilbronn | SWR Aktuell. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  12. Andreas Malessa: Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle. München 2019. S. 126.
  13. Andreas Malessa: Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle. München 2019. S. 113.
  14. Religionswissenschaftler Michael Blume mit Scilogs-Preis 2009 ausgezeichnet In: spektrum.de. 30. März 2009, abgerufen am 20. September 2017.
  15. Förderpreis des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Villigst In: kircheundgesellschaft.de. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  16. Westfälische Wilhelms-Universität: Michael Blume - Zeit, Evolution und Glaube. In: uni-muenster.de. 8. Mai 2013, abgerufen am 7. April 2017.
  17. Hirzel: Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Zur Evolution der Religiosität. In: hirzel.de. Abgerufen am 7. April 2017.