Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen

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Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen
– MBEI NRW –
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Staatliche Ebene Nordrhein-Westfalen
Stellung Organisationsteilbereich der Staatskanzlei
Hauptsitz Staatskanzlei:
Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen

Landesvertretung:
Bund: Berlin
Europäische Union: Brüssel (Belgien)
Behördenleitung Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen
Website https://mbem.nrw/

Der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen (Abkürzung: MBEI NRW) ist ein Minister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seit dem 30. Juni 2017 ist Stephan Holthoff-Pförtner Amtsleiter und zuständiger Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten im Kabinett Laschet. Bis zum 31. August 2017 war er zugleich für Medienangelegenheiten zuständig. Diese Aufgabe gab der Minister aufgrund von Befangenheitsvorwürfen als Miteigentümer und Lobbyist eines Medienunternehmens ab.[1][2][3]

Die ursprüngliche Eigenständigkeit des nordrhein-westfälischen „Bundesratsministeriums“, aus dem der MBEI NRW hervorgegangen ist, wurde bereits 1998 aufgehoben. Der MBEI NRW gehört zum Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten und ist daher organisatorisch in die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen integriert.

Zuständigkeit und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Minister ist für die Repräsentation und Vertretung des Landes beim Bund und bei der Europäischen Union sowie für europäische und internationale Angelegenheiten zuständig. Von 2002 bis 2005 und von 2007 bis 2017 war er zugleich für Medienangelegenheiten zuständig. Diese Kompetenz wechselte nach anhaltender Kritik an der privaten Beteiligung des derzeitigen Ministers Holthoff-Pförtner an der in NRW tätigen Funke-Mediengruppe sowie aufgrund vorhergehender Lobbyarbeit als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) im August 2017 in den direkten Arbeitsbereich des Ministerpräsidenten und damit zugleich in die Zuständigkeit des Chefs der Staatskanzlei.[4][5][6]

Unterstützt wird der MBEI von einem eigenen Staatssekretär, seit Juli 2010 Marc Jan Eumann. Der Staatssekretär des MBEI NRW kann zugleich Bevollmächtigter des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund sein. Diese Position wird seit dem 1. Oktober 2015 von Volker Meier ausgeübt.[7]

Da der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales organisatorisch in die Staatskanzlei integriert ist, führt er kein eigenes Ministerium, sondern nur drei ihm zugeordnete Arbeitseinheiten der Staatskanzlei: die Abteilung „Europa und Internationale Angelegenheiten“ sowie die beiden Landesvertretungen in Berlin und in Brüssel.[8]

Bis zur Bildung des Kabinetts Clement I ressortierten die Bundesangelegenheiten in einem eigenen Ministerium, das 1954, 1958–1959, 1980 und 1990–1995 in Personalunion vom Ministerpräsidenten geführt wurde. Nachdem Artikel 23 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland im Gefolge der deutschen Einheit die europapolitischen Mitwirkungsrechte der Länder festgeschrieben hatte, wurde 1995 die Zuständigkeit des Ministers für Bundesangelegenheiten auf die Europapolitik ausgedehnt.

Bis einschließlich Günther Einert waren alle Minister für Bundesangelegenheiten zugleich Bevollmächtigte Nordrhein-Westfalens beim Bund. Danach – von 1990 (Kabinett Rau IV) bis 1998 (Kabinett Rau V) – wurde das Amt des Bevollmächtigten durch die beamtete Staatssekretärin Heide Dörrhöfer-Tucholski wahrgenommen, die diese Funktion noch zwei Jahre unter Ministerpräsident Wolfgang Clement ausübte, als das Amt des Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten unbesetzt blieb.

Als nordrhein-westfälischer Regierungschef machte Wolfgang Clement die Medienpolitik zur „Chefsache“; dieses Thema ressortiert seither in der Staatskanzlei, die schon zuvor – wie auch die Staats- und Senatskanzleien der anderen Länder – für die traditionelle Rundfunkpolitik zuständig war. So kam es, dass im Kabinett Steinbrück mit Wolfram Kuschke ein nordrhein-westfälischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten erstmals auch für Medien zuständig wurde.

Minister seit 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephan Holthoff-Pförtner Franz-Josef Lersch-Mense Angelica Schwall-Düren Andreas Krautscheid Michael Breuer Wolfram Kuschke Hannelore Kraft Detlev Samland Manfred Dammeyer Johannes Rau Günther Einert Dieter Haak Johannes Rau Christoph Zöpel Inge Donnepp Friedrich Halstenberg Diether Posser Fritz Kaßmann Gerd Ludwig Lemmer Artur Sträter Johann Ernst (Politiker) Franz Meyers Karl Siemsen Artur Sträter Karl Arnold (Politiker) Carl Spiecker
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Landesminister als Bevollmächtigter des Landes Nordrhein-Westfalen beim Länderrat
für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet der britischen und amerikanischen Zone
1 Carl Spiecker 1888–1953 Zentrum (bis 1949)
CDU (ab 1949)
5. April 1948 23. Mai 1949
Landesminister als Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund und Mitglied des Bundesrates
1 Carl Spiecker 1888–1953 CDU 23. Mai 1949 1. August 1950
Minister zur Wahrnehmung der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund
1 Carl Spiecker 1888–1953 CDU 1. August 1950 19. Mai 1953
Minister für Bundesangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen
1 Carl Spiecker 1888–1953 CDU 19. Mai 1953 16. November 1953
2 Karl Arnold 1901–1958 CDU 15. Januar 1954 27. Juli 1954
3 Artur Sträter 1902–1977 CDU 27. Juli 1954 28. Februar 1956
4 Karl Siemsen 1887–1968 SPD 28. Februar 1956 24. Juli 1958
5 Franz Meyers 1908–2002 CDU 24. Juli 1958 12. Oktober 1959
6 Johann Ernst 1888–1969 CDU 12. Oktober 1959 9. August 1960
7 Artur Sträter 1902–1977 CDU 9. August 1960 26. Juli 1962
8 Gerd Ludwig Lemmer 1925–2016 CDU 26. Juli 1962 8. Dezember 1966
9 Fritz Kaßmann 1908–1991 SPD 8. Dezember 1966 1. November 1968
10 Diether Posser 1922–2010 SPD 1. November 1968 12. September 1972
11 Friedrich Halstenberg 1920–2010 SPD 12. September 1972 4. Juni 1975
12 Inge Donnepp 1918–2002 SPD 4. Juni 1975 9. Februar 1978
13 Christoph Zöpel * 1943 SPD 9. Februar 1978 4. Juni 1980
14 Johannes Rau 1931–2006 SPD 4. Juni 1980 18. August 1980
15 Dieter Haak 1938–2012 SPD 18. August 1980 14. Dezember 1983
16 Günther Einert 1930–2015 SPD 14. Dezember 1983 12. Juni 1990
17 Johannes Rau 1931–2006 SPD 12. Juni 1990 17. Juli 1995
Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen
18 Manfred Dammeyer * 1939 SPD 17. Juli 1995 9. Juni 1998
19 Detlev Samland 1953–2009 SPD 27. Juni 2000 24. April 2001
20 Hannelore Kraft * 1961 SPD 24. April 2001 12. November 2002
Minister im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen
21 Wolfram Kuschke * 1950 SPD 12. November 2002 15. Oktober 2004
Minister für Bundes-, Europaangelegenheiten und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen
21 Wolfram Kuschke * 1950 SPD 15. Oktober 2004 24. Juni 2005
Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen
22 Michael Breuer * 1965 CDU 24. Juni 2005 24. Oktober 2007
23 Andreas Krautscheid * 1961 CDU 24. Oktober 2007 29. Januar 2008
Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen
23 Andreas Krautscheid * 1961 CDU 29. Januar 2008 15. Juli 2010
24 Angelica Schwall-Düren * 1948 SPD 15. Juli 2010 1. Oktober 2015
25 Franz-Josef Lersch-Mense * 1948 SPD 1. Oktober 2015 30. Juni 2017
Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen
26 Stephan Holthoff-Pförtner * 1948 CDU 30. Juni 2017 31. August 2017
Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen
26 Stephan Holthoff-Pförtner * 1948 CDU 31. August 2017 amtierend [9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Düwell: Nordrhein-Westfalens Minister für Bundesangelegenheiten. Ihr Wirken zwischen Landeskabinett, Bundesrat und europäischer Ebene. In: Jürgen Brautmeier und Ulrich Heinemann (Hrsg.): Mythen – Möglichkeiten – Wirklichkeiten. 60 Jahren Nordrhein-Westfalen. Essen 2007, S. 131–153.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephan Holthoff-Pförtner nicht mehr Medienminister. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 26. September 2017.
  2. Nordrhein-Westfalen: Korrektur im Kabinett. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 26. September 2017.
  3. Ministerpräsident Armin Laschet ordnet Zuständigkeit für Medien neu. In: Landesregierung Nordrhein-Westfalen. 31. August 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  4. Stephan Holthoff-Pförtner nicht mehr Medienminister. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 26. September 2017.
  5. Nordrhein-Westfalen: Korrektur im Kabinett. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 26. September 2017.
  6. Ministerpräsident Armin Laschet ordnet Zuständigkeit für Medien neu. In: Landesregierung Nordrhein-Westfalen. 31. August 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  7. Lebenslauf von Volker Meier. Abgerufen am 28. September 2016.
  8. Siehe Organigramm der Staatskanzlei NRW, Stand 18. Oktober 2010.
  9. Ministerpräsident Armin Laschet ordnet Zuständigkeit für Medien neu. In: Landesregierung Nordrhein-Westfalen. 31. August 2017, abgerufen am 26. September 2017.