Stephan Holthoff-Pförtner

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Stephan Holthoff-Pförtner, geb. Stephan Pförtner, (* 5. Oktober 1948 in Essen) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Medienunternehmer, Lobbyist und Politiker (CDU).

Er ist der Adoptivsohn der WAZ-Miteignerin Gisela Holthoff sowie Gesellschafter[1] und Sprecher der Funke Familien Gesellschaft, die zunächst 50 % der WAZ-Mediengruppe hielt,[2] inzwischen aber das Unternehmen übernommen hat. Als Strafverteidiger in mehreren medienwirksamen Gerichtsverfahren erlangte Holthoff-Pförtner überregionale Bekanntheit.

Seit dem 30. Juni 2017 ist er nordrhein-westfälischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Medien im Kabinett Laschet, wobei ihm wegen möglicher Interessenkonflikte im August 2017 die Zuständigkeit für Medien entzogen wurde.

Studium und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1968 studierte Holthoff-Pförtner Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In dieser Zeit trat er der Studentenverbindung KDStV Hercynia bei. 1971 wurde er in dieser Eigenschaft der Vorortspräsident des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen.[3] Nach Abschluss des ersten Juristischen Staatsexamens wurde er Rechtsreferendar am Landgericht Essen. Im Anschluss gründete er eine Rechtsanwaltssozietät in Essen. Im Jahre 1990 wurde Holthoff-Pförtner zudem Notar. 1999 wurde er an der Juristischen Fakultät der Universität Hannover zum Dr. iur promoviert. Weiterhin ist Holthoff-Pförtner Königlich Thailändischer Honorarkonsul in Essen[4][5] und war zeitweise Berater des Tennisprofis Nicolas Kiefer.[6]

Bekanntheit erlangte er unter anderem durch seine Nähe zu Helmut Kohl. Insbesondere die Strafverteidigung des Altbundeskanzlers in der CDU-Spendenaffäre,[7] in der er bewirken konnte, dass das Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen eine Zahlung von 300.000 DM eingestellt wurde, machte ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Anschluss an dieses Mandat gehörte Holthoff-Pförtner zum engeren privaten Umfeld Kohls. Nach dessen Tod regelte er zusammen mit Kohls zweiter Ehefrau Maike Kohl-Richter den Nachlass des Altbundeskanzlers. Bereits zu Kohls Lebzeiten hatte er 2014 auf dessen Bitte hin erklärt, dass es nach Kohls Tod eine Stiftung geben werde, die das „geistige und politische Erbe“[8] Kohls betreuen solle. Helmut Kohl selbst hatte nach seiner Abwahl als Bundeskanzler 1998 zunächst der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung umfangreiche Handakten für deren Archiv in Sankt Augustin zur Verfügung gestellt. 2010 hatte er diese jedoch wieder abholen lassen, um sie nach seinem Tod in eine Stiftung zu überführen.

Weitere prominente Mandate Holthoff-Pförtners waren unter anderem die Beratung des damaligen Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland nach dem Unglück bei der Loveparade 2010[9] sowie die Verteidigung Robert Hoyzers nach dem Fußball-Wettskandal 2005.[10] Im Jahr 2012 übernahm er die Beratung des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus in der EnBW-Affäre.

Zudem war Holthoff-Pförtner als Präsident der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen und als Mitglied des Präsidiums des Caritasverbandes für die Stadt Essen e. V. tätig.[11]

Politik und Lobbyarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holthoff-Pförtner ist Mitglied der CDU und war Berater Helmut Kohls (→ beruflicher Werdegang). Führende politische Ämter hatte er bis 2015 jedoch nicht inne.

Nach dem Tod Philipp Mißfelders wurde Holthoff-Pförtner im August 2015[12] zunächst kommissarisch mit der Funktion des Landesschatzmeisters der CDU Nordrhein-Westfalen beauftragt, im Juni 2016 erfolgte die Wahl in dieses Amt.[13]

Im November 2016 wurde er ferner zum Präsidenten des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gewählt und war als Lobbyist tätig.[14] Nach nur sieben Monaten an der Spitze des Verbandes trat er am 29. Juni 2017 von seinem Amt als Präsident wieder zurück. Zur Begründung führte er seine Ernennung zum Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien in NRW an. Ministerpräsident Armin Laschet hatte ihn in diese Funktion berufen.[15] Nach nur zwei Monaten musste Holthoff-Pförtner jedoch seine Zuständigkeit für Medienangelegenheiten aufgeben, da ihm zunehmend Befangenheit wegen seiner vorhergehenden Lobbytätigkeit sowie wegen seiner privaten Beteiligung an der in NRW agierenden Funke-Mediengruppe vorgehalten wurde.[16][17][18]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holthoff-Pförtner lebt seit 2013 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit seinem Kanzleikollegen Klaus M. Sälzer.[19] Bei der Verpartnerung im Juli 2013 am Tegernsee waren Helmut Kohl und der damalige Außenminister Guido Westerwelle Partnerschaftszeugen.[20][21]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht im Handelsblatt
  2. Bericht in: Berliner Zeitung, 8. September 2011
  3. Das neue Präsidium des CV-Studentenbundes, in: Academia 64. Jg. Nr. 5/6, Nov./Dez. 1971, S. 158f. (m. Abb.)
  4. Auswärtiges Amt – Thailand: Vertretungen Thailand
  5. Königlich Thailändisches Honorargeneralkonsulat für Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Begrüssung
  6. Meister der verbrannten Erde. In: Der Spiegel. Nr. 20, 2001 (online).
  7. Artikel auf der Webseite des Deutschen Bundestages
  8. Erbe des Altkanzlers: Nachlass von Helmut Kohl kommt in eigene Stiftung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Juni 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 22. Juni 2017]).
  9. Der Un-Verantwortliche auf spiegel.de
  10. Artikel und Interview mit Holthoff-Pförtner im Zuge der Gerichtsverhandlung (Memento vom 23. November 2008 im Internet Archive) in der Netzeitung
  11. Homepage des Caritasverbandes der Stadt Essen e. V.
  12. Holthoff-Pförtner ist kommissarischer Schatzmeister der CDU NRW, politik-kommunikation.de vom 24. August 2015 (abgerufen am 29. Juni 2017)
  13. NRW geht vor! Pressemitteilung. CDU Nordrhein-Westfalen, Juni 2016, abgerufen am 13. Juni 2016.
  14. Präsidium, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (Memento vom 12. März 2017 im Internet Archive)
  15. Nach nur sieben Monaten: Stephan Holthoff-Pförtner tritt als VDZ-Präsident zurück und wird NRW-Minister für Europa und Medien. Bericht des Mediendienstes Meedia, 29. Juni 2017, abgerufen am 17. Juli 2017.
  16. Stephan Holthoff-Pförtner nicht mehr Medienminister. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 26. September 2017.
  17. Nordrhein-Westfalen: Korrektur im Kabinett. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 26. September 2017.
  18. Ministerpräsident Armin Laschet ordnet Zuständigkeit für Medien neu. In: Landesregierung Nordrhein-Westfalen. 31. August 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  19. Helmut Kohl feierte Hochzeit seines Anwalts. In: bunte.de. Bunte Entertainment Verlag, 10. Juli 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.
  20. queer.de:Helmut Kohl Trauzeuge bei Verpartnerung, Die Presse: Deutscher Altkanzler Kohl Trauzeuge bei Homo-Hochzeit
  21. Auch Guido Westerwelle feierte mit. „Ich habe es für einen Freund getan“: Helmut Kohl war Trauzeuge bei Homo-Ehe, in: Focus, 19. Juli 2013