Mornshausen (Gladenbach)

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Mornshausen
Das Wappen der früheren Gemeinde Mornshausen
Koordinaten: 50° 45′ 17″ N, 8° 35′ 53″ O
Höhe: 228 (224–248) m
Fläche: 6 km²[1]
Einwohner: 1333 (30. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35075
Vorwahl: 06462
Ortskern
Ortskern

Mornshausen an der Salzböde oder Mornshausen a. S. ist ein Stadtteil von Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Flussname als Namenszusatz war notwendig zur Unterscheidung von dem ganz in der Nähe gelegenen Mornshausen an der Dautphe, einem Ortsteil von Dautphetal.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mornshausen grenzt südöstlich an die Kernstadt Gladenbach, baulich mit ihr nahezu zusammengewachsen. Der Stadtteil liegt am nördlichen linken Ufer der Salzböde im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Von der Gemarkungsfläche sind 239 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung ist im Süden der 448 Meter hohe bewaldete Dreisberg.

Panorama von Südwest (ganz links Gladenbach)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich genannt wurde das Dorf im Jahre 1237 unter dem Ortsnamen Moroldeshusen . Im Mittelalter wurde in der Gemarkung Silberbergbau betrieben, es entstand auch eine Schmelzhütte. Es sind bis heute noch mehrere Mühlen nachweisbar bzw. erhalten. Im Jahr 1924 wurde der bestehende Steinbruch erweitert.[3]

In der Nähe von Mornshausen fand 1822 der Postraub in der Subach statt, der durch die Verfilmung Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach bekannt wurde.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Mornshausen a. S. am 1. Juli 1974 kraft Gesetzes mit der Stadt Gladenbach und anderen Gemeinden im Landkreis Biedenkopf zu einer Stadt mit dem Namen Gladenbach zusammengeschlossen.[4] Zugleich ging der Landkreis Biedenkopf im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf.[4][5] Für Mornshausen wurde wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und Gladenbach Ortsbezirke eingerichtet.

In Mornshausen gab es bis 2001 eine Haltestelle der Aar-Salzböde-Bahn. Seit 2006 wurden die Gleisanlagen demontiert.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Mornshausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtsprechung gibt 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[8] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[10]

Vom 1. Oktober 1944[11] bis 1. Januar 1949[12] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[13], welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[14] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[15]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1502: 15 Männer
• 1577: 35 Hausgesesse
• 1630: 34 Hausgesesse (9 zweispännige, 9 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige)
• 1742: 78 Haushalte
Mornshausen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2017
Jahr  Einwohner
1830
  
415
1834
  
387
1840
  
415
1846
  
453
1852
  
531
1858
  
456
1864
  
451
1871
  
438
1875
  
790
1885
  
491
1895
  
580
1905
  
682
1910
  
715
1925
  
760
1939
  
845
1946
  
1.207
1950
  
1.253
1956
  
1.265
1961
  
1.245
1967
  
1.389
2000
  
1.550
2004
  
1.465
2006
  
1.454
2010
  
1.386
2013
  
1.343
2015
  
1.346
2017
  
1.333
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Ab 2000 Stadt Gladenbach webarchiv[16]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 415 evangelische Einwohner
• 1885: 489 evangelische, ein katholischer und ein anderer Christ
• 1961: 1077 evangelische (= 86,51 %), 163 römisch-katholische (= 13,09 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: Erwerbspersonen: 141 Land- und Forstwirtschaft, 321 produzierendes Gewerbe, 70 Handel und Verkehr, 60 Dienstleistungen und sonstiges.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 1964 wurde der Gemeinde Mornshausen an der Salzböde im damaligen Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Schwarz auf silbernem Dach (als Schildfuß) ein achteckiger rot befensterter von Kreuz und Hahn bekrönter silberner Dachreiter, zwischen je einem goldenen Eichenblatt mit Eichel.[17]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mornshausen beginnt ein Wanderweg entlang der historischen Postkutschenroute.[18]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mornshausen gibt es eine Grundschule, ein Bürgerhaus und einen evangelischen Kindergarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landesstraße L 3048 führt im Salzbödetal von der Kernstadt durch Mornshausen weiter nach Lohra. In der Ortsmitte zweigt die Kreisstraße K 115 von der L 3048 nach Norden ab und führt nach Rüchenbach. Die RMV-Buslinie 383 verbindet Mornshausen mit Marburg und Bad Endbach.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mornshausen (Gladenbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Mornshausen an der Salzböde, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Gladenbach, abgerufen am 23. März 2018
  3. Geschichte von Mornshausen (Memento vom 11. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  4. a b Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, §§ 21 und 22 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  8. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  11. Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163)
  12. Der Hessische Minister der Justiz: Betrifft: Gerichtsorganisation (Änderung von Landgerichtsbezirken) vom 14. Dezember 1948. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 52, S. 563, Punkt 728 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 6 b) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  14. Der Hessische Minister Justiz: Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) vom 1. Juli 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 28, S. 1037, Punkt 777: § 1 Abs. 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,8 MB]).
  15. Der Hessische Minister der Justiz: Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Ändert GVBl. II 210–33; GVBl. II 210–86) vom 10. Oktober 2003. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2003 Nr. 16, S. 291, Artikel 1, Abs. 3) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 531 kB]). bezieht sich auf Anordnung über die Errichtung und Zuständigkeit von gerichtliche Zweigstellen (Ändert GVBl. II 210-33) vom 24. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 18, S. 539 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,6 MB]).
  16. Einwohnerzahlen aus Webarchiv: 2004, 2006, 2010–2012, ab 2014
  17. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Mornshausen an der Salzböde, Landkreis iedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 25. Mai 1961. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 23, S. 722, Punkt 659 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,1 MB]).
  18. Wanderweg Postraubroute beschrieben bei www.lahn-dill-bergland.de (Memento vom 12. Februar 2015 im Internet Archive)