Mylau

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Mylau
Wappen von Mylau
Koordinaten: 50° 37′ 0″ N, 12° 16′ 0″ O
Höhe: 305 m
Fläche: 4,73 km²
Einwohner: 2585 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 547 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2016
Postleitzahl: 08499
Vorwahl: 03765
Mylau (Sachsen)
Mylau

Lage von Mylau in Sachsen

Mylau mit der Burg Mylau um 1905
Stadtkirche von Mylau

Mylau ist seit dem 1. Januar 2016 ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Reichenbach im Vogtland des Vogtlandkreises im Freistaat Sachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mylau als Panorama-Aufnahme

Mylau erstreckt sich über Höhenlagen zwischen 290 und 370 m ü. NN. in den Tälern der Göltzsch und des aus Richtung Reichenbach kommenden Raumbaches. Letzterer ist bei der Bevölkerung vor allem unter der Bezeichnung Seifenbach bekannt, weil sich im 19. Jahrhundert an dessen Bachlauf im Heinsdorfergrund und Reichenbach Textilfärbereien befanden. Der Ort liegt im Osten des Naturraumes Vogtland im sächsischen Teil des historischen Vogtlands. Im äußersten Nordwesten grenzt die Ortsflur an das thüringische Vogtland.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waltersdorf, Weidig Obermylau
Netzschkau Nachbargemeinden Reichenbach
Lambzig Lambzig Rotschau

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts bezeichnete der Name „milin“ ein nordvogtländisches Herrschaftsgebiet. Die auf einem Bergsporn errichtete Burg Mylau wurde wahrscheinlich um 1180 im Zuge der deutschen Ostkolonisation unter Kaiser Barbarossa als Herrschaftssitz im Tal der Göltzsch errichtet. Sie sicherte die vorwiegend von fränkischen Siedlern getragene Erschließung des bisher von Slawen dünn besiedelten Umlandes. Die auf der Burg sitzenden Herren von Milin wurden erstmals 1214 genannt. Um 1271 bezeichnete „Milin“ den Bachlauf des Milinbachs (heute als Raumbach bekannt) und um 1323 den Castrum (Burg) genannten Mittelpunkt der Herrschaft Mylau. Im 15. Jahrhundert wird der Name auch für das 1431 bezeugte Dorf Obermylau und 1454 für das Städtchen (Nieder-) Mylau am Fuße der Burg genutzt. Kaiser Karl IV. erzwang 1367 im Ergebnis des Vogtländischen Krieges den Verkauf der Burg an die böhmische Krone. Bei einem Besuch der Burg verlieh er der darunter liegenden, im 13. Jahrhundert entstandenen, Siedlung Mylau ebenfalls 1367 das Stadtrecht. Auf der Burg richtete er ein königlich-böhmisches Amt ein, zu dem neben Mylau noch die Städte Reichenbach, Netzschkau und Lengenfeld samt umliegender Dörfer gehörten. Im Jahr 1422 verpfändete Karls Sohn Sigismund die Burg Mylau als Dank für die in den Hussitenkriegen geleisteten Dienste an die Kurfürsten von Sachsen. 1482 gelangte die Herrschaft Mylau im Vertrag zu Brüx an Kursachsen.[1] Mit Ausnahme der Jahre zwischen 1547 und 1569 (burggräfliches Vogtland) blieb die Burg Mylau bei Sachsen.

Die Grundherrschaft über die kleine Stadt Mylau lag bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts beim Rittergut Mylau,[2] zu dem auch das Vorwerk Obermylau gehörte.[3] Nachdem Carol Bose im Jahr 1636 die Patrimonialgerichtsbarkeit über Mylau erhalten hatte, entwickelte sich der bis dahin unbedeutende Ort zu einem Weberstädtchen. Die Stadt wuchs von 24 Häusern im Jahr 1650 auf 92 im Jahr 1699 und 163 im Jahr 1748. Seit 1654 bestand eine Weberinnung im Ort. Die Ansiedlung von Handwebereien waren im 19. Jahrhundert die Voraussetzung für die nicht unerhebliche Entwicklung der Textilindustrie. Im Jahr 1849 hatte Mylau mit 72 % der Bevölkerung den höchsten Anteil an Handwebern bezüglich der Gesamtbevölkerung von allen Städten im Vogtland. Nachdem die Burg Mylau im Jahr 1772 als Adelssitz aufgegeben worden war, gelangte sie in bürgerlichen Besitz. Von 1808 bis 1828 betrieb dort der Spinnereibesitzer Christian Gotthelf Brückner die erste Fabrik des nördlichen Vogtlandes. Nach jahrelangem Leerstand fand die Kattun- und Wolldruckerei Baust von 1868 bis 1894 ihr Domizil in der Burg, wozu sie mehrmals umgebaut wurde. Die Aufstellung des ersten mechanischen Webstuhls im Jahr 1863 bedeutete einen enormen Aufschwung der Mylauer Textilindustrie. Im Jahr 1889 waren in der Stadt 1734 Webstühle in Betrieb.

Mylau gehörte gehörte wie Obermylau ursprünglich zur Herrschaft Mylau, die im 16. Jahrhundert an das kursächsische Amt Plauen kam. Die Stadt unterstand bis 1856 dem kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Plauen.[4] 1856 wurde sie dem Gerichtsamt Reichenbach und 1875 der Amtshauptmannschaft Plauen angegliedert.[5]

Schneidenbach, Kraftwerk Schotenmühle (2017)

Nach dem Stadtbrand von 1855 erhielt Mylau einen Marktplatz, im Jahr 1889 einen Stadtpark und 1895 ein Freibad. Da sich auf der kleinen Stadtflur wenig Möglichkeit zur Ansiedlung von Industriebetrieben bot, erwarb die Stadt Mylau im Jahr 1892 das Rittergut Mylau mit der Burg Mylau und den dazugehörigen Ländereien von 332 Hektar. 1894 entstand auf deren Besitzungen im Göltzschtal südlich der Stadt an der Schotenmühle bei Schneidenbach ein Wasserkraftwerk zur Energiegewinnung. Es war bis 1976 in Betrieb.[6][7] Obwohl mit der Eröffnung der Göltzschtalbrücke (zwischen 1846 und 1851 erbaut) bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Bahngleise über Mylauer Flur führten, erhielt die Stadt erst mit der Eröffnung der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke im Jahr 1895 Eisenbahnanschluss in Richtung Reichenbach, seit 1905 auch über die Bahnstrecke Lengenfeld–Göltzschtalbrücke nach Lengenfeld. Teile der Mylauer Burg wurden seit 1893 als Museum und seit 1895/96 als Rathaus genutzt.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Stadt Mylau im Jahr 1952 zum Kreis Reichenbach im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Reichenbach fortgeführt wurde und 1996 im Vogtlandkreis aufging. Im Jahr 1995 zog das Rathaus der Stadt Mylau von der Burg in das Stadthaus um. Am 1. Januar 1996 erfolgte die Eingemeindung von Obermylau in die Stadt Mylau.[8] Durch Fusion der Städte Mylau und Reichenbach im Vogtland zur neuen Stadt Reichenbach im Vogtland sind Mylau und Obermylau seit dem 1. Januar 2016 Ortsteile der Großen Kreisstadt Reichenbach im Vogtland. [9]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember)
  • 1706: 0900
  • 1834: 2393
  • 1910: 7957
  • 1933: 7375
  • 1960: 6668
  • 1971: 6087
  • 1998: 3364
  • 1999: 3328
  • 2001: 3202
  • 2002: 3119
  • 2003: 3080
  • 2004: 3013
  • 2005: 2979
  • 2007: 2889
  • 2008: 2878
  • 2012: 2699
  • 2013: 2649
  • 2014: 2585
Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im letzten Stadtrat seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 der damaligen Stadt Mylau verteilten sich die 14 Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen (in Klammern die prozentuale Stimmenverteilung bei der Wahl):

  • Bürgerinitiative Mylau e.V. (BIM): 5 Sitze (33,0 %)
  • CDU: 3 Sitze (21,0 %)
  • Gewerbeverein Mylau e.V. (GVM): 3 Sitze (19,0 %)
  • LINKE: 2 Sitze (12,6 %)
  • Interessenvereinigung Feuerwehr Mylau (IV FFW): 1 Sitz (8,8 %)

Letzter Bürgermeister war Christoph Schneider (CDU).

Städteverbund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mylau bildete zusammen mit den Städten Greiz, Reichenbach, Elsterberg und Netzschkau den Städteverbund „Nordöstliches Vogtland“. Dessen Ziel ist es, die interkommunale Zusammenarbeit im Raum Westsachsen/Ostthüringen auf den Gebieten Wirtschaftsentwicklung, Verkehrsanbindung, Siedlungsstruktur, Natur, Landschaft, Kultur, Bildung und Tourismus zu fördern.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit vier Städten führte Mylau eine Partnerschaft.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand von Mylau befindet sich der Wendepunkt des jeweils im Oktober stattfindenden Göltzschtal-Marathons. Dieser ist in Deutschland der zweitälteste aller seit ihrer Gründung noch ausgetragenen Marathonläufe und der älteste in der ehemaligen DDR.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabstätte und Gedenktafel auf dem Friedhof für vier unbekannte KZ-Häftlinge, die im Januar 1945 tot aus einem Transportzug bei der Evakuierung eines Konzentrationslagers geworfen wurden

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof Mylau, Empfangsgebäude (2017)

Durch Mylau führt die Bundesstraße 173.

1895 erhielt die Stadt durch die Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke mit dem "Bahnhof Mylau" einen Eisenbahnanschluss nach Reichenbach. Der als "Haltestelle Mylau" eröffnete "Bahnhof Göltzschtalbrücke" befand sich nur teilweise auf Mylauer Flur. Im Jahr 1905 eröffnete die Bahnstrecke Lengenfeld–Göltzschtalbrücke, an der der "Haltepunkt Mylau Hp" errichtet wurde. Zwischen 1935 und 1945 existierten weiterhin die Haltepunkte "Mylau Anker" und "Mylau Bad". Nach der Einstellung des Reiseverkehrs 1957 wurden die als "Mylische Berta" bekannten Strecken im Jahr 1970 endgültig aufgegeben und wenig später abgebaut. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind heute Reichenbach (Vogtl) oberer Bahnhof und Netzschkau an der Bahnstrecke Leipzig–Hof.

Evangelisches Gymnasium

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Mylau
  • Futurum Vogtland – Evangelisches Gymnasium Mylau

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Förster, Eislauftrainer
  • 2010: Josef Wetzl (1930–2016), Maler und Grafiker
  • Gotthold Lange (* 1932), evang.-luth. Pfarrer i.R.

Ausblick vom Fesselballon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Foto zeigt einen 360-Grad-Blick vom Fesselballon an der Göltzschtalbrücke u.a. auf Mylau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Steche: Mylau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 11. Heft: Amtshauptmannschaft Plauen. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mylau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Buch über Reichenbach, Mylau und Netzschkau, S. 47
  2. Die Burg Mylau auf www.sachsens-schloesser.de
  3. Das Vorwerk Obermylau auf www.sachsens-schloesser.de
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 76 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Plauen im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Das Kraftwerk Schotenmühle auf einer privaten Webseite von Dieter Käppel
  7. Das Kraftwerk Schotenmühle auf der Webseite des Alaunwerks Mühlwand
  8. Obermylau auf gov.genealogy.net
  9. Genehmigung der Vereinigung der Städte Reichenbach im Vogtland und Mylau zur neuen Stadt Reichenbach im Vogtland vom 30. November 2015, abgerufen am 1. Januar 2016
  10. www.mylau.de – Bürgerinfo – Partnerstädte