Nadija Sawtschenko

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Nadija Sawtschenko

Nadija (auch Nadeschda)[1] Wiktoriwna Sawtschenko (ukrainisch Надія Вікторівна Савченко; * 11. Mai 1981 in Kiew)[2] ist eine ukrainische Politikerin und Oberleutnant der Ukrainischen Streitkräfte.

Sie ist eine der ersten ukrainischen Berufssoldatinnen und aktuell die einzige ukrainische Frau, die ausgebildet wurde und qualifiziert ist, einen Su-24-Bomber und einen Mi-24-Hubschrauber zu steuern.[3] Mitte Juni 2014 wurde sie als Mitglied des rechtsextremen paramilitärischen Bataillons Ajdar[4] bei einem Gefecht mit prorussischen Separatisten bei Luhansk gefangengenommen und später in einer Haftanstalt im russischen Woronesch festgesetzt. Die russischen Behörden ermittelten aufgrund des Verdachts der Beteiligung an mehrfachem Mord gegen sie, da sie am 17. Juni einen Mörserangriff koordiniert habe, bei dem zwei russische Journalisten getötet wurden.[5] Nach Angaben Sawtschenkos war sie zu diesem Zeitpunkt jedoch schon im Gewahrsam der regierungsfeindlichen Kräfte.[6] Im März 2015 wurde ihr die Auszeichnung Held der Ukraine verliehen, die höchste Auszeichnung des Landes. Im Austausch gegen zwei russische Gefangene wurde sie im Mai 2016 freigelassen.

Frühes Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sawtschenko wuchs in Kiew auf. Sie hat eine zwei Jahre jüngere Schwester namens Wira. Ihr Vater arbeitete als Landtechniker und ihre Mutter als Leiterin einer Frachtfirma.[5] Mit 16 Jahren war Pilotin ihr fester Berufswunsch. Sie trat der ukrainischen Armee bei, wo sie für die ukrainischen Eisenbahntruppen als Bordfunkerin arbeitete und sich später zur Fallschirmjägerin ausbilden ließ.[5] Sie diente in der 95. Luftlandebrigade von Schytomyr.[7] Von 2004 bis 2008 verrichtete sie ihren Dienst bei der Multinationalen Truppe im Irak und war dort als einzige ukrainische Soldatin im Einsatz.[5] Sie diente dabei im 72. mechanisierten Infanteriebataillon.[7] Bei ihrer Rückkehr aus dem Irak stellte sie an den ukrainischen Verteidigungsminister Anatolij Stepanowytsch Hryzenko[7] erfolgreich den Antrag, an der Universität der Luftstreitkräfte in Charkiw studieren zu dürfen, was bis dahin nur Männern vorbehalten war. Dies nahm das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zum Anlass, sich im Jahr 2010 für einen erfolgreichen neuen Gesetzesentwurf einzusetzen, der Geschlechtergleichstellung in der ukrainischen Armee etablieren sollte.[5] Nach ihrem Studium diente sie ab 2010 in Brody im 3. Flugregiment der Armee.[7] Als Oberleutnant war sie in der ukrainischen Luftwaffe unter anderem als Schützin und Navigatorin auf Mil Mi-24-Hubschraubern im Einsatz.[5]

Gefangennahme in der Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf des Kriegs in der Ukraine und der Krimkrise durch Russland wollte Sawtschenko an die Front, die ukrainische Armee lehnte das allerdings ab.[8] Sie kämpfte stattdessen im Freiwilligen-Bataillon Ajdar,[9] dem von internationalen Menschenrechtsorganisationen diverse Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden.[10] Am 17. Juni 2014 wurde Sawtschenko von Separatisten bei Luhansk gefangengenommen.[11][12] Am 19. Juni wurde auf YouTube ein Video hochgeladen, auf dem Sawtschenko zu sehen war, die mit Handschellen an ein Rohr gekettet ein Interview für die Komsomolskaja Prawda gab.[13] Dabei sagte Sawtschenko, sie sei im Dorf Metalist von Separatisten gefangengenommen worden, als sie und ihr Trupp in ukrainischen APCs unterwegs waren, die von den Separatisten angegriffen und zerstört wurden.[14] Ihre jüngere Schwester Wira gab am 21. Juni 2014 an, sie habe versucht, mit den Separatisten über die Freilassung ihrer Schwester zu verhandeln, und sagte außerdem, man habe Nadija von Luhansk nach Donezk verlegt.[15]

Haft und Prozess in Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Juli 2014 wurde bekannt, dass Sawtschenko sich in einem Gefängnis in Woronesch in Einzelhaft befindet. Wie sie aus der Gefangenschaft in der Ostukraine in russische Haft gelangt ist, ist nicht bekannt. Sawtschenko selbst gibt an, dass sie von den Separatisten gegen ihren Willen an die russischen Behörden übergeben wurde.[16] Sie sei von den Separatisten nach ihrer Gefangennahme zunächst nach Krasnyj Lutsch und dann später über die Grenze nach Bogutschar transportiert worden.[17] Ihre Verteidigung und die ukrainische Regierung werfen dem russischen Staat Entführung vor.[16][18] Das ukrainische Außenministerium sieht die Übergabe an die russischen Behörden als Beleg für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Separatisten in der Ukraine und russischen Sicherheitskräften.[18] Der russische Untersuchungsausschuss behauptete hingegen, Sawtschenko sei eine Deserteurin und sei die fast 500 Kilometer von Luhansk nach Woronesch geflohen.[11][12][16] Nach Angaben der russischen Justiz habe sie als Flüchtling getarnt illegal die russische Grenze überschritten und sei am 2. Juli bei einer Ausweiskontrolle gefasst worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass ihr Name auf einer Gesuchtenliste stand.[19][20] Der russische Sender NTW hatte schon am 20. Juni berichtet, dass Sawtschenko von Separatisten gefangengenommen und nach Russland transportiert worden sei.[20] Am Tag der Bekanntmachung von Sawtschenkos Inhaftierung rief der ukrainische Präsident Petro Poroschenko per Dekret den Generalstaatsanwalt der Ukraine und den SBU zu Maßnahmen auf, Sawtschenko so schnell wie möglich wieder auf ukrainisches Territorium zu bringen und die strafrechtliche Verfolgung derer zu beginnen, die für ihre „illegale Ausfuhr“ nach Russland verantwortlich seien.[21]

Am 9. Juli wurde sie offiziell wegen der Weitergabe von Informationen der Beihilfe zum Mord in Ausübung von Dienstpflichten, mit gemeingefährlichen Methoden und aus politischem Hass in einer Gruppe von Menschen nach Art. 33 Abs. 5 und Art. 105 Abs. 2 StGB angeklagt. Nach Art. 12 StGB können Ausländer, die eine Straftat außerhalb des russischen Territoriums verübt haben, in Russland strafrechtlich belangt werden, wenn die Straftat gegen russische Interessen oder Staatsbürger gerichtet ist.[16] Ihr wird Beihilfe zum Mord an den russischen Journalisten Igor Korneljuk und Anton Woloschin angeklagt, die am 17. oder 18. Juni 2014 bei einem Einsatz der ukrainischen Armee in der Nähe der Stadt Luhansk getötet worden waren.[22][23] Den russischen Ermittlern zufolge hat sie in Luhansk den Aufenthaltsort von Zivilisten und russischen Journalisten gefunden und die Koordinaten dazu weitergegeben, was zu einem tödlichen ukrainischen Mörserangriff geführt haben soll.[24] Während des Verfahrens wurde zusätzlich noch wegen illegalen Grenzübertritts Anklage erhoben.[16]

Sawtschenkos Verteidigung zufolge belegen ihre Mobiltelefondaten und die der beiden russischen Journalisten, dass Sawtschenko sich während des Beschusses am 17. Juni nicht an jenem Kontrollposten befunden haben konnte, wo die beiden Russen ums Leben kamen, weil sie zum Zeitpunkt des Beschusses bereits in Gefangenschaft der Separatisten war.[25][26] Sawtschenko hätte die Koordinaten für den Aufenthaltsort der Journalisten nicht weitergeben können, weil die Journalisten erst nach Sawtschenkos Gefangennahme an dem Kontrollposten eingetroffen sind und sich die Wege der beiden Russen und Sawtschenkos nicht gekreuzt haben.[25][27] Von ukrainischen Geheimdiensten abgehörte Mobiltelefongespräche zwischen den pro-russischen Separatisten zeigen, dass die Separatisten um 10:46 Uhr am Morgen des 17. Juni von der Gefangennahme einer ukrainischen Soldatin berichteten.[28] Das russische Fernsehteam, dem die beiden toten Journalisten angehörten, war nach Aussagen eines Überlebenden erst um 11.30 Uhr am Kontrollposten eingetroffen.[25][12] Sawtschenkos Verteidigung zufolge war sie in Luhansk nicht an Kampfhandlungen beteiligt, sondern habe ausschließlich Verwundete vom Schlachtfeld transportiert.[29]

Sawtschenko sollte mindestens bis zum 30. August in Untersuchungshaft bleiben.[30] Sawtschenkos Anwalt ist Mark Feigin, der bereits Pussy Riot und Leonid Michailowitsch Raswosschajew bei Gerichtsverhandlungen vertrat.[31] Das ukrainische Justizministerium appellierte an den Europarat, sich für Sawtschenkos Auslieferung einzusetzen.[32]

Der ursprünglich auf den 13. Oktober terminierte Beginn des Prozesses gegen Sawtschenko wurde verschoben, weil die russischen Behörden „Zweifel an der geistigen Gesundheit“ Sawtschenkos äußerten, woraufhin sie zwangsweise im Moskauer Serbski-Wissenschaftszentrum für Sozial- und Gerichtspsychiatrie psychiatrisch untersucht wurde.[16]

Bei den Verhandlungen zum Minsker Abkommen wurde Sawtschenko erwähnt; die Ukraine ist der Meinung, sie falle unter das Abkommen,[33] während sich Russland auf den Standpunkt stellt, Sawtschenko zähle zu keiner der im Vertrag erwähnten Gruppen.[34] Am 24. April 2015 wurde bekannt, dass Sawtschenko nun in Moskau wegen Mordes angeklagt wird.[35] Im Verlaufe der Voruntersuchung seien 108.000 (sic!) Zeugen befragt worden. Der Anwalt von Sawtschenko erläuterte dies als Geheimdienstarbeit mit Befragung aller Grenzgänger aus ganz anderen Gründen; der Anwalt sagt, das diente zur Analyse des Kampfes der Ukraine und zur Führung der offensichtlich im Voraus geplanten russischen Aktionen im Donbas. Andere Details der Untersuchung nannte er einfach nur „kafkaesk“. Als weitere Besonderheit erwähnte er, dass Frauen, die in Russland des Mordes angeklagt sind, kein Recht auf ein Schöffengericht haben (Bundesgesetz №217 vom 23. Juli 2013. Anspruch auf ein Schöffengericht hat man bei einem Gerichtsverfahren, bei dem eine lebenslange Strafe drohen könnte. Gegen Frauen werden keine maximalen Strafen verhängt, also kein Schöffengericht.).[36]

Nachdem im Mai 2015 der Fall von zwei in der Ukraine festgenommenen russischen Soldaten publik geworden war, wurde über einen möglichen Gefangenenaustausch spekuliert.[37][38] Russland lehnte einen Austausch von Sawtschenko mit dem Argument ab, dass der in Minsk II verhandelte Gefangenenaustausch nur für Gefangene auf dem Gebiet der Ukraine gelte und nicht für ukrainische Gefangene greife, die in Russland gefangen gehalten werden.[12] Nach Meinung der Soldaten aus Sawtschenkos Bataillon wollten die Separatisten sie anfangs gegen einen ihrer Kommandeure austauschen, der vom ukrainischen Militär gefangen gehalten wurde.[11]

Der Verbleib von Sawtschenko im Juli 2015 war nicht einmal ihren Anwälten klar, vermutet wurde eine Verlegung in die Nähe von Rostow am Don.[39][40] Ende Juli erschien Sawtschenko vor einem Gericht nahe der ukrainischen Grenze, zu welchem die Anwälte erklärten, dass dies zur Minimalisierung der kritischen Berichterstattung und zur Maximierung des Aufwandes für die Verteidigung diene.[41] Ukrainische Quellen berichteten, dass nach einem russischen Vorschlag Russland unter Bedingungen bereit wäre, Sawtschenko frei zu lassen; die Rede war von einem Transitkorridor für die Krim.[42] Am 22. September 2015 begann der Prozess im russischen Donezk.[6]

Am 21. März 2016 sprach das russische Gericht Sawtschenko nach einem umstrittenen Prozess der Beihilfe zum Mord schuldig und gab am 22. März das Urteil von 22 Jahren Lagerhaft bekannt.[43] Sawtschenko trat nach Verkündung des Urteils erneut in den Hungerstreik.[44]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestmarsch in Moskau am 1. März 2015, „Befreit Nadeschda Sawtschenko“

Mehrere EU-Außenminister setzen sich für Sawtschenkos Freilassung ein. Am Rande eines Treffens im Februar 2015 in Brüssel stellten sich EU-Außenminister zu einem Gruppenfoto zusammen und hielten ein Bild von Sawtschenko und den Satz „Wir rufen Russland dazu auf, die illegal festgehaltene ukrainische Pilotin frei zu lassen“ in die Kamera.[45]

Die Parlamentarische Versammlung der OSZE fasste am 9. Juli 2015 eine Resolution zu „illegal festgehaltenen ukrainischen Bürgern in der Russischen Föderation“. Sie drückte Besorgnis zur illegalen Internierung von Sawtschenko aus und betonte, dass auch Sawtschenko unter den vereinbarten Gefangenenaustausch von Minsk II falle.[46]

Anfang März 2016 haben Intellektuelle, Künstler und Politiker aus über 20 Ländern die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union aufgefordert, sich für die Freilassung Sawtschenkos einzusetzen. In einem offenen Brief fordern sie, „entschlossene Schritte zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung von Nadija Sawtschenko zu unternehmen“. Sie sei vor mehr als 20 Monaten von Russland aus der Ukraine entführt worden. „Die russischen Machthaber missachten Bürgerrechte, internationales Recht und ihr eigenes Grundgesetz. Das spricht der internationalen Öffentlichkeit und den Minsker Abkommen Hohn“, heißt es in dem Schreiben. Zu den mehr als 270 Unterzeichnern gehören die Literaturnobelpreisträgerinnen Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch und Elfriede Jelinek, der Philosoph Bernard-Henri Lévy und die Regisseurin Agnieszka Holland.[47][48][49]

Die russische Menschenrechtsorganisation Memorial kritisierte das Verfahren gegen Sawtschenko als Propagandakampagne der russischen Regierung gegen die Ukraine. Die russische Regierung unterstütze offen und verdeckt bewaffnete Separatisten in der Oblast Donezk und Luhansk durch direkte militärische Intervention. Das Verfahren gegen Sawtschenko stelle einen Versuch dar, die Ukraine zu verteufeln und Kritiker des Ukraine-Kriegs in Russland einzuschüchtern.[16][50]

Am 25. Mai 2016 wurde Sawtschenko im Austausch gegen die beiden russischen Staatsbürger Alexander Alexandrow und Jewgeni Jerofejew, die 2015 in der Ostukraine gefangengenommen worden waren, freigelassen.[51]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sawtschenko wurde von der Partei Batkiwschtschyna während ihrer Haft als Spitzenkandidatin für die Parlamentswahl am 26. Oktober 2014 nominiert und in Abwesenheit in die Werchowna Rada gewählt.[52] Daraufhin trat Sawtschenko aus dem Dienst in der ukrainischen Armee aus,[53] ließ ihren Amtseid über ihre Anwälte dem ukrainischen Parlament zukommen und wurde am 27. November 2014 als Repräsentantin des Volkes der Ukraine (народний депутат України) eingeschworen.[54]

Am 25. Dezember 2014 wurde Sawtschenko vom ukrainischen Parlament als ukrainische Delegierte in die Parlamentarische Versammlung des Europarates entsandt.[16] Die Stelle der Parlamentarischen Versammlung des Europarats hat im Januar 2015 Sawtschenkos Mandat anerkannt und hat sie mit diplomatischer Immunität ausgestattet. Die diplomatische Immunität sieht nach Art. 15 b der grundlegenden Vereinbarung über Privilegien und Befreiungen vor, dass Mitglieder der Versammlung während der Sitzungsphase auf dem Gebiet der Mitgliedstaaten von Haft und Strafverfolgung befreit sind. Diese Immunität erstreckt sich auch auf Taten, die vor dem Beginn der Amtszeit liegen.[16] In der Resolution 2034 (2015)[55] forderte die Versammlung Russland auf, Sawtschenkos Immunität zu respektieren und sie umgehend freizulassen. Ihr Transport nach Russland und ihre Inhaftierung wurden als Verletzung des internationalen Rechts und eine de facto Entführung bewertet.[16][56] Anne Brasseur, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, bat Russland schriftlich, Sawtschenko nach Straßburg ausreisen zu lassen.[57] Russland hatte die Vereinbarung zur diplomatischen Immunität 1996 zwar ratifiziert und die Vereinbarung ist für russische Staatsorgane bindend, allerdings lehnte Russland eine Freilassung Sawtschenkos ab.[16]

Sawtschenkos erster Gesetzesentwurf, den sie mit fünf anderen Abgeordneten anderer Parteien ausgearbeitet hatte, wurde im November 2015 dem ukrainischen Parlament vorgelegt.[58] In dem Entwurf zur Änderung des Strafrechts wird vorgeschlagen, dass die Aufenthaltsdauer in Untersuchungshafteinrichtungen anders gezählt wird als die Haftdauer in regulären Gefängnissen, weil die Bedingungen in Untersuchungshaftzentren besonders prekär seien.[59] Das Gesetz wurde Ende Dezember 2015 vom Präsidenten unterzeichnet.[60]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hashtag #SaveOurGirl, das bis zum 10. Juli 15.000 Tweets auslöste, ist dem Wunsch nach Sawtschenkos Freilassung gewidmet.[18] Der ukrainische Fernsehsender 1+1 hat eine Webseite gestartet, welche die „Ungerechtigkeit“ von Sawtschenkos Festnahme hervorheben soll. Ein ihr gewidmeter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 erhielt erneute Aufmerksamkeit.[61]

Russische Medien bezeichneten Sawtschenko unter anderem als „Satans Tochter“ und „Mordmaschine im Rock“. Ein Reporter von Rossija 1 gab an, Sawtschenko sei „offensichtlich in einen Zombie verwandelt worden“ und habe „eine sehr negative Einstellung bezüglich alles Russischem.“[61] Für die russische Propaganda nützlich war der Fakt ihres Aufenthaltes im Irak, wodurch sie mit dem Erzfeind USA in Verbindung gebracht werden konnte.[62]

Am 6. März 2016 demonstrierten etwa 1000 Ukrainer auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew für eine Freilassung von Sawtschenko, die drei Tage zuvor am 3. März in den Hungerstreik getreten war. Etwa 200 weitere Demonstranten versammelten sich vor der Russischen Botschaft in Kiew um ebenfalls für die Freilassung zu demonstrieren. Dabei kam es durch einige Demonstranten, unter ihnen ein Parlamentsabgeordneter der Radikalen Partei Ihor Mosyitschuk zu Vandalismus auf dem Botschaftsgelände. Der russische Botschafter Michail Jurjewitsch Surabow reichte daraufhin Beschwerde beim ukrainischen Außenministerium ein.[63] Am 6. März demonstrierten einige Dutzend und am 10. März etwa 200 Russen vor der ukrainischen Botschaft in Moskau für eine Bestrafung Sawtschenkos. Sie hielten Plakate hoch mit den Parolen „Sawtschenko hinter Gittern“ und „Ukraine, du bist krank“. Bei den Protesten am 6. März in Moskau kam es in einigen Fällen zu Vandalismus.[64][65] Am 8. März verwüstete eine Gruppe von russischen Aktivisten das ukrainische Konsulat in Sankt Petersburg. Die Männer schwenkten Flaggen der selbstproklamierten „Volksrepublik Donezk“ und „Noworossija“ und skandierten „Sawtschenko – brenn in der Hölle“ und „Tod der Kiewer Junta“.[66]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der starke Name Nadija (Сильне імя Надія). Justinian, Kiew 2015, ISBN 978-6-17703917-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nadija Sawtschenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Umstrittener Prozess in Russland: Ukrainische Kampfpilotin wegen Mordes verurteilt. t-online.de. 21. März 2016. Abgerufen am 8. April 2016.
  2. Світлини української льотчиці Надії Савченко, яку Росія утримує в СІЗО. radiosvoboda.org. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  3. Olexander Motsyk: Russia should free Ukrainian hero Nadiya Savchenko at once. Washington Post. online, (englisch) 6. August 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  4. Kampfpilotin Sawtschenko zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt, Der Tagesspiegel, 22. März 2016
  5. a b c d e f Meet The Tough-As-Nails Ukrainian Pilot That Russia Wants To Try For Murder. Radio Free Europe, online (englisch). 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  6. a b Der Fall Sawtschenko beginnt heute in der Stadt Donezk der Region Rostow, Echo Moskau, 22. September 2015
  7. a b c d Хто така Надія Савченко, яку в Росії хочуть ув'язнити довічно (ФОТО). espreso.tv., online, (ukrainisch) vom 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  8. Frank Nienhuysen: Profil: Nadia Sawtschenko. In: Süddeutsche Zeitung, 8. März 2016.
  9. Ukraine conflict: Russia charges pilot over deaths. BBC. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  10. Amnesty International: Ukraine-Konflikt: Beide Seiten begehen Kriegsverbrechen, 9. September 2014
  11. a b c Benjamin Bidder: Propaganda-Kampf um ukrainische Pilotin: „Tötungsmaschine mit Rock“. In: Spiegel Online, 11. Februar 2015.
  12. a b c d Markus Wehner: Gefangene Pilotin: Kiews Heldin seit einem Jahr in russischer Haft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2015.
  13. Українська жінка-офіцер мужньо трималась під час допиту терористами (відео). tsn.ua., online (ukrainisch) 20. Juni 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  14. Украинская военнопленная: «Если меня не расстреляют, я поеду в Киев призывать людей к миру». Komsomolskaja Prawda. online, (russisch) vom 24. Juni 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  15. Терористи готові обміняти героїчну льотчицю на 4-х бойовиків. tsn.ua. online, (ukrainisch) vom 21. Juni 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  16. a b c d e f g h i j k Caroline von Gall: Analyse: In Feindes Hand. Das Verfahren gegen Nadija Sawtschenko. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 26. Februar 2015.
  17. Украинский консул с десятой попытки попал к Савченко. Она 8 дней голодала. Ukrainskaja Pravda. 16. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  18. a b c #SaveOurGirl-Kampagne für ukrainische Pilotin . Süddeutsche. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  19. Надежда Савченко находится в одиночной камере СИЗО Воронежа. unian.net., online, (ukrainisch), 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  20. a b Philip Shishkin und Lukas I. Alpert: Pro-Russia Rebels Defiant as Ukraine Military Advances Toward Donetsk. In: The Wall Street Journal, 10. Juli 2014.
  21. РОЗПОРЯДЖЕННЯ ПРЕЗИДЕНТА УКРАЇНИ № 951/2014-рп (ukrainisch) president.gov.ua. 8. Juli 2014. Archiviert vom Original am 18. Juli 2014. Abgerufen am 8. April 2016.
  22. Tote Journalisten in Ostukraine: Russland wirft ukrainischer Pilotin Mord vor Spiegel. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  23. Захоплена бойовиками льотчиця Надія Савченко перебуває в СІЗО в Росії – сестра. radiosvoboda.org. 8. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  24. СК обвинил в пособничестве в убийстве сотрудников ВГТРК украинскую военнослужащую. ITAR-TASS, online, (russisch) vom 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  25. a b c Yulia Vishnevetskaya: Sawtschenko-Anwalt fordert Freilassung. In: Deutsche Welle, 4. März 2015.
  26. Наталья Джанполадова, Александр Гостев: Человек имеет право: Алиби Надежды Савченко. In: Radio Svoboda, 17. Dezember 2014.
  27. Ukraine’s Poroshenko Puts Detained Pilot Savchenko on Center Stage in Minsk. In: The Moscow Times, 12. Februar 2015.
  28. Susan Ormiston: Fate of Nadiya Savchenko, jailed Ukrainian air force pilot, in hands of Kremlin, say lawyers. In: CBC News, 2. Februar 2016.
  29. СКР: вина украинской военнослужащей Надежды Савченко подтверждается. ITAR-TASS. 24. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  30. Воронежский областной суд признал законным арест украинской военнослужащей Савченко. ITAR-TASS. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  31. Марк Фейгин стал адвокатом Надежды Савченко. svoboda.org. 31. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  32. Киев решил требовать выдачи летчицы Савченко через статус заложника. vesti.ua. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  33. Befreiung von Sawtschenko fällt unter das Minsk Vereinbarungen, liga.net, 2. März 2015
  34. Fragen und Antworten: Der Prozess gegen Nadija Sawtschenko, RBTH, 11. März 2016
  35. Ukrainische Pilotin wegen Mordes angeklagt. Wiener Zeitung Online. 24. April 2015. Abgerufen am 8. April 2016.
  36. Илья Новиков: «Наша задача вывернуть все это белье наизнанку, дерьмом наружу» (russisch) Новая Газета. 4. Juni 2015. Abgerufen am 8. April 2016: „Ilya Novikov: Unsere Aufgabe ist es, alle diese Unterwäsche umkrempeln, Scheiße raus
  37. Grüße in die russische Heimat. In: Die Welt, 21. Mai 2015.
  38. Daniel Wechlin: Krieg im Donbass: Die Ukraine präsentiert gefangene Russen. In: Neue Zürcher Zeitung, 19. Mai 2015.
  39. Wo Sawtschenko ist, wissen nicht mal die Anwälte, ukrinform, 20. Juli 2015
  40. Омбудсмен Росії вимагає інформації про місце перебування Савченко, Die Menschenrechtsbeauftragte Ella Alexandrowna Pamfilowa verlangte von der Generalstaatsanwaltschaft Informationen zum Aufenthalt Sawtschenkos, RFERL, 23. Juli 2015
  41. Ukraine pilot Savchenko appears in Russian court, BBC, 30. Juli 2015
  42. Klimkin: route to Crimea in exchange for Savchenko unrealistic, Interfax Ukraine, 7. August 2015
  43. Schuldig – russisches Gericht verurteilt ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko wegen Beihilfe zum Mord. In: Euro News. de.euronews.com, 22. März 2016, abgerufen am 23. März 2016.
  44. Haftbeginn in Russland: Ukrainerin Sawtschenko tritt in den Hungerstreik. In: Spiegel Online, 6. April 2016.
  45. EU-Unterstützung für ukrainische Kampfpilotin. In: Focus Online, 9. Februar 2015.
  46. RESOLUTION ON ABDUCTED AND ILLEGALLY DETAINED UKRAINIAN CITIZENS IN THE RUSSIAN FEDERATION (PDF) oscepa.org. 9. Juli 2015. Archiviert vom Original am 13. Juli 2015. Abgerufen am 8. April 2016.
  47. Appell für Freilassung der ukrainischen Pilotin Sawtschenko. In: Tagesspiegel, 7. März 2016.
  48. Ukraine: Political Leaders, Others Sign Letter Urging Savchenko’s Release. In: Radio Free Europe/Radio Liberty, 7. März 2016.
  49. Free Savchenko: Open letter to European leaders, abgerufen am 7. März 2016.
  50. Memorial Human Rights Center considers Nadiya Savchenko a political prisoner. Auf: Memo.ru, 18. Septemver 2015.
  51. Ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko ist frei deutschlandfunk.de vom 25. Mai 2016
  52. Gabriele Baumann: Neue Parteien – neue Gesichter? In Länderberichte der Konrad-Adenauer-Stiftung vom 26. September 2014.
  53. Ukraine pilot Savchenko files resignation from Ukraine army as elected deputy — lawyer. In: TASS, 7. November 2014.
  54. Ukraine’s new parliament sworn in. In: Kyiv Post, 27. November 2014.
    Савченко Надія Вікторівна, offizielle Seite der Werchowna Rada, abgerufen am 7. März 2016.
  55. Resolution 2034 (2015) Final version: Challenge, on substantive grounds, of the still unratified credentials of the delegation of the Russian Federation. Parliamentary Assembly, abgerufen am 7. März 2016.
  56. PACE Grants Savchenko Immunity, Demands Her Release From Russian Jail. In: Radio Free Europe/Radio Liberty, 26. Januar 2015.
  57. Russland in Straßburg ohne Stimme. In: Deutsche Welle, 28. Januar 2015.
  58. Проект Закону про внесення змін до Кримінального кодексу України (щодо удосконалення порядку зарахування судом строку попереднього ув'язнення у строк покарання). Offizielle Webseite des ukrainischen Parlaments, abgerufen am 8. März 2016.
  59. Savchenko law could result in large numbers of prisoners released. Kharkiv Human Rights Protection Group, 9. Dezember 2015.
  60. Poroshenko signs first law initiated by Savchenko. In: UNIAN, 23. Dezember 2015.
  61. a b Ukraine woman pilot Savchenko in middle of media war. BBC. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  62. Nadia im Austausch für die Krim – Wenn die Geschichte an die Türe klopft, Ukrinform, 8. August 2015
  63. ​#FreeSavchenko rally gathers hundreds; Russia Embassy in Kyiv vandalized. In: www.kyivpost.com. Abgerufen am 8. April 2016.
  64. Посольство Украины в Москве попытались забросать яйцами. In: BBC, 6. März 2016.
  65. В Москве возле украинского посольства 200 человек требуют осудить Савченко. In: УНИАН, 10. März 2016.
  66. В Санкт-Петербурге атаковали консульство Украины. In: Корреспондент, 8. März 2016.
  67. Ukraine’s Order for Courage bestowed on pilot Savchenko, filmmaker Sentsov. In: Interfax: Russia & CIS Military Newswire, 25. August 2014, S. 1.
  68. Dekret Nr. 117/2015 des Präsidenten der Ukraine vom 2. März 2015 über die Verleihung des Titels Held der Ukraine an Nadija Sawtschenko, abgerufen am 10. Juni 2015