Nadija Sawtschenko

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Nadija Sawtschenko

Nadija Wiktoriwna Sawtschenko (ukrainisch Надія Вікторівна Савченко; * 11. Mai 1981 in Kiew)[1] ist ein Oberleutnant der Ukrainischen Streitkräfte. Sie ist eine der ersten ukrainischen Berufssoldatinnen und aktuell die einzige ukrainische Frau, die ausgebildet ist, einen Su-24-Bomber und einen Mi-24-Hubschrauber zu steuern.[2] Mitte Juni 2014 verschwand sie bei einem Einsatz in der Krisenregion der Ostukraine und tauchte am 8. Juli in einer Haftanstalt im russischen Woronesch wieder auf. Die russischen Behörden ermitteln aufgrund des Verdachts der Beteiligung am mehrfachen Mord gegen sie, da sie am 17. Juni einen Mörserangriff koordiniert haben soll, bei dem zwei russische Journalisten getötet wurden.[3]

Frühes Leben und Beginn der Karriere[Bearbeiten]

Sawtschenko wuchs in Kiew auf. Sie hat eine zwei Jahre jüngere Schwester namens Wira. Ihr Vater arbeitete als Landtechniker und ihre Mutter als Leiterin einer Frachtfirma.[3] Mit 16 Jahren war Pilotin ihr fester Berufswunsch. Sie trat der Ukrainischen Armee bei, wo sie für die ukrainischen Eisenbahntruppen als Bordfunkerin arbeitete und sich später zur Fallschirmjägerin ausbilden ließ.[3] Sie diente in der 95. Luftlandebrigade von Schytomyr.[4] Ab dem Jahr 2004 diente sie bei der MNF-I und war dort als einzige ukrainische Soldatin im Einsatz.[3] Sie diente dabei im 72. mechanisierten Infanteriebataillon.[4] Bei ihrer Rückkehr aus dem Irak stellte sie an den ukrainischen Verteidigungsminister Anatolij Stepanowytsch Hryzenko[4] erfolgreich den Antrag, an der Universität der Luftstreitkräfte in Charkiw studieren zu dürfen, was bis dahin nur Männern vorbehalten war. Dies nahm das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zum Anlass, sich im Jahr 2010 für einen erfolgreichen neuen Gesetzesentwurf einzusetzen, der Geschlechtergleichstellung in der ukrainischen Armee etablieren sollte.[3] Nach ihrem Studium diente sie in Brody im 3. Flugregiment der Armee.[4] Als Oberleutnant war sie in der ukrainischen Luftwaffe unter anderem als Schützin und Navigatorin auf Mil Mi-24-Hubschraubern im Einsatz. [3]

Krise in der Ukraine[Bearbeiten]

Im Zuge der Krise in der Ukraine kämpfte sie an der Seite der ukrainischen Streitkräfte in der freiwilligen Kampfeinheit Bataillon Ajdar.[5] Am 17. oder 18. Juni 2014 wurden die beiden für den russischen Sender Rossija 24 arbeitenden Journalisten Igor Korneljuk und Anton Woloschin bei einem Einsatz der ukrainischen Armee in der Nähe der Stadt Luhansk getötet.[6][7] Laut der ukrainischen Regierung[8] wurde Sawtschenko am 18. oder 19. Juni 2014 bei einem anderen Einsatz von Separatisten gefangen genommen.[7] Am 19. Juni wurde auf YouTube ein Video hochgeladen, auf dem Sawtschenko zu sehen war, die mit Handschellen an ein Rohr gekettet ein Interview für die Komsomolskaja Prawda gab.[9] Dabei sagte Sawtschenko, sie sei im Dorf Metalist von Separatisten gefangen genommen worden, als sie und ihr Trupp in ukrainischen APCs unterwegs war, die von den Separatisten zerstört wurden.[10] Ihre jüngere Schwester Wira gab am 21. Juni 2014 an, sie hätte versucht, mit den Separatisten über die Freilassung ihrer Schwester zu verhandeln und sagte außerdem, sie hätten Nadija von Luhansk nach Donezk verlegt.[11]

Haft[Bearbeiten]

Am 8. Juli 2014 wurde bekannt, dass Sawtschenko sich in einem Gefängnis in Woronesch in Einzelhaft befindet. Wie sie dort hingekommen ist, ist nicht bekannt. Der russische Untersuchungsausschuss gab an, man hätte sie bei einer Ausweiskontrolle gefasst, nachdem sie als Flüchtling getarnt illegal die russische Grenze überschritten haben soll.[12] Am selben Tag rief Präsident Petro Poroschenko per Dekret den Generalstaatsanwalt der Ukraine und den SBU zu Maßnahmen auf, Sawtschenko so schnell wie möglich wieder auf ukrainisches Territorium zu bringen und die strafrechtliche Verfolgung von denen zu beginnen, die für ihre „illegale Ausfuhr“ nach Russland verantwortlich sind.[13] Am 9. Juli wurde sie offiziell der Beihilfe zum Mord an den beiden am 18. Juni getöteten russischen Journalisten angeklagt. Den russischen Ermittlern zufolge hat sie in Luhansk den Aufenthaltsort von Zivilisten und russischen Journalisten gefunden und die Koordinaten dazu weitergegeben, was zu einem tödlichen ukrainischen Mörserangriff geführt haben soll.[14] Sawtschenkos Verteidigung zufolge war sie in Luhansk nicht an Kampfhandlungen beteiligt, sondern hätte ausschließlich Verwundete vom Schlachtfeld transportiert.[15] Am 16. Juli gab Sawtschenko bei einem Gespräch mit dem ukrainischen Konsul für Russland Gennady Breskalenko an, dass die Separatisten sie nach ihrer Gefangennahme zunächst nach Krasnyj Lutsch und dann später über die Grenze nach Bogutschar transportiert haben sollen.[16] Sawtschenko sollte mindestens bis zum 30. August in Untersuchungshaft bleiben. [17] Sawtschenkos Anwalt ist Mark Feigin, der bereits Pussy Riot und Leonid Michailowitsch Raswosschajew bei Gerichtsverhandlungen vertrat.[18] Das ukrainische Justizministerium appellierte an den Europarat, sich für Sawtschenkos Auslieferung einzusetzen.[19]

Der ursprünglich auf den 13. Oktober terminierte Beginn des Prozesses gegen Sawtschenko wurde verschoben, da sie zunächst im Moskauer Serbski-Wissenschaftszentrum für Sozial- und Gerichtspsychiatrie psychiatrisch untersucht werden soll.[20]

Sawtschenko wurde von der Partei Batkiwschtschyna als Spitzenkandidatin für die Parlamentswahl am 26. Oktober 2014 nominiert und in die Werchowna Rada gewählt.[21]

Am 24.April 2015 wurde bekannt dass Sawtschenko nun in Moskau wegen Mordes angeklagt wird [22]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten]

Ukrainische Seite[Bearbeiten]

Das Hashtag #SaveOurGirl, das bis zum 10. Juli 15.000 Tweets auslöste, ist dem Wunsch nach Sawtschenkos Freilassung gewidmet. Der ukrainische Fernsehsender 1+1 hat eine Webseite gestartet, welche die „Ungerechtigkeit“ von Sawtschenkos Festnahme hervorheben soll. Ein ihr gewidmeter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 erhielt erneute Aufmerksamkeit.[23]

Russische Seite[Bearbeiten]

Russische Medien bezeichneten Sawtschenko unter anderem als „Satans Tochter“ und „Mordmaschine im Rock“. Ein Reporter von Rossija 1 gab an, Sawtschenko sei „offensichtlich in einen Zombie verwandelt worden“ und hätte „eine sehr negative Einstellung bezüglich alles Russischem.“[23]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Світлини української льотчиці Надії Савченко, яку Росія утримує в СІЗО. radiosvoboda.org. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  2. Olexander Motsyk: Russia should free Ukrainian hero Nadiya Savchenko at once. Washington Post. 6. August 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  3. a b c d e f Meet The Tough-As-Nails Ukrainian Pilot That Russia Wants To Try For Murder. Radio Free Europe. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  4. a b c d Хто така Надія Савченко, яку в Росії хочуть ув'язнити довічно (ФОТО). espreso.tv. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  5. Ukraine conflict: Russia charges pilot over deaths. BBC. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  6. Tote Journalisten in Ostukraine: Russland wirft ukrainischer Pilotin Mord vor Spiegel. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  7. a b Захоплена бойовиками льотчиця Надія Савченко перебуває в СІЗО в Росії – сестра. radiosvoboda.org. 8. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  8. #SaveOurGirl-Kampagne für ukrainische Pilotin . Süddeutsche. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  9. Українська жінка-офіцер мужньо трималась під час допиту терористами (відео). tsn.ua. 20. Juni 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  10. Украинская военнопленная: «Если меня не расстреляют, я поеду в Киев призывать людей к миру». Komsomolskaja Prawda. 24. Juni 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  11. Терористи готові обміняти героїчну льотчицю на 4-х бойовиків. tsn.ua. 21. Juni 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  12. Надежда Савченко находится в одиночной камере СИЗО Воронежа. unian.net. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  13. РОЗПОРЯДЖЕННЯ ПРЕЗИДЕНТА УКРАЇНИ № 951/2014-рп. president.gov.ua. 8. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  14. СК обвинил в пособничестве в убийстве сотрудников ВГТРК украинскую военнослужащую. ITAR-TASS. 9. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  15. СКР: вина украинской военнослужащей Надежды Савченко подтверждается. ITAR-TASS. 24. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  16. Украинский консул с десятой попытки попал к Савченко. Она 8 дней голодала. Ukrainskaja Pravda. 16. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  17. Воронежский областной суд признал законным арест украинской военнослужащей Савченко. ITAR-TASS. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  18. Марк Фейгин стал адвокатом Надежды Савченко. svoboda.org. 31. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  19. Киев решил требовать выдачи летчицы Савченко через статус заложника . vesti.ua. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.
  20. Psychiatric testing of Ukrainian pilot Savchenko may take 3 months, Webseite der Nachrichtenagentur ITAR-TASS vom 14. Oktober 2014
  21. Neue Parteien - neue Gesichter?, Artikel von Gabriele Baumann, in Länderberichte der Konrad Adenauer Stiftung vom 26. September 2014
  22. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/748529_Ukrainische-Pilotin-wegen-Mordes-angeklagt.html
  23. a b Ukraine woman pilot Savchenko in middle of media war. BBC. 10. Juli 2014. Abgerufen am 1. August 2014.

Weblinks[Bearbeiten]