Nieder-Kainsbach

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Nieder-Kainsbach
Gemeinde Brensbach
Wappen von Nieder-Kainsbach
Koordinaten: 49° 45′ 12″ N, 8° 52′ 55″ O
Höhe: 181 m ü. NHN
Fläche: 2,26 km² [LAGIS]
Einwohner: 738 (30. Jun. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 327 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 64395
Vorwahl: 06161
Panoramablick über Nieder-Kainsbach
Bachgasse in Nieder-Kainsbach
Ansicht von Nieder-Kainsbach nach einer alten Ansichtskarte von 1903

Nieder-Kainsbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Brensbach im Odenwaldkreis in Hessen, Deutschland. Nieder-Kainsbach hat zusammen mit dem benachbarten Stierbach rund 750 Einwohner.

Porträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Kainsbach, ein kleines Dorf mit noch landwirtschaftlicher Prägung, befindet sich im südhessischen Odenwaldkreis und ist zusammen mit dem so genannten Wohnort Stierbach seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Brensbach.

Umgeben von fruchtbaren Ackerböden und tiefgründigen Wiesen in den Gersprenzauen liegt das Dorf mit einem kleinen Gewerbegebiet im Gersprenztal in der Region Starkenburg sowie im Bereich Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und gehört zum gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet.

Über früheste Ursprünge gibt es nur wenige Fakten, obwohl das nähere Umfeld zu Nieder-Kainsbach bereits 1012 erwähnt wird. Der heutige Ortsname dürfte sich ausgehend von Cuningesbach, über Kunspach und Nydern-Konspach herleiten.

Bedingt durch den strukturellen Wandel mit seinen negativen Begleiterscheinungen insbesondere im ländlichen Raum sind viele Einwohner gezwungen täglich zu pendeln und legen zum Teil erhebliche Entfernungen zurück, um zu ihrem Arbeitsplatz in den Ballungszentren im Rhein-Main-Gebiet zu gelangen. Nieder-Kainsbach ist jedoch die damit häufig verbundene Entwicklung zu einem reinen "Schlafdorf" erspart geblieben. Großen Anteil daran, dass der soziale Zusammenhalt in Nieder-Kainsbach funktioniert, hat sicherlich auch das ausgeprägte Vereinsleben. Ganze Familien sind häufig in mehreren Vereinen aktiv und tragen so direkt zum Erhalt der Dorfgemeinschaft bei. Das Zusammenleben in Nieder-Kainsbach ist trotz des tief greifenden Wandels intakt geblieben.

In Nieder-Kainsbach leben etwa 750 Einwohner, die überwiegende Mehrzahl (64 Prozent) gehört der evangelischen Kirche an. Der Anteil ausländischer Einwohner an der Gesamteinwohnerzahl ist mit drei Prozent relativ gering. Die Gemarkungsfläche des Dorfes umfasst 226 Hektar.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil besteht aus den Dörfern Nieder-Kainsbach und Stierbach.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Kainsbach liegt im nördlichen Odenwald an der Mündung des Kainsbachs in die Gersprenz.

Geologie, Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemarkung der Gemeinde Brensbach mit den Ortsteilen Nieder-Kainsbach und Stierbach gehört geologisch zum kristallinen Odenwald und gliedert sich in zwei Haupteinheiten, das Reinheimer Hügelland und den Vorderen Odenwald.

Die Flächen beiderseits der Gersprenz stellen sich als junge Hochflutablagerungen, bestehend aus Lehm, Sand und Kies, dar.

Das Gebiet der Gemeinde Brensbach ist dem kühlgemäßigten- bzw. warmgemäßigten Regenklima nach Köppen zuzuordnen. Gegenüber anderen Mittelgebirgsregionen ist das Klima weniger rau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird der Ort im Jahre 1012 erwähnt, als im Lorscher Codex bei der Beschreibung einer Wildbanngrenze der Name Cuningesbach auftaucht. Ob es sich dabei um die Ansiedlung oder den Bach handelt, ist ungewiss. Etwas deutlicher tritt das Dorf 1384 aus dem Dunkel seiner Vergangenheit. Ein im Staatsarchiv Darmstadt aufbewahrtes Lehenrevers besagt, dass Schenk Heinrich von Erbach das halbe Dorf "Kunspach" vom Kloster Fulda zum Lehen erhalten hat. Zu diesem Zeitpunkt war Nieder-Kainsbach grundbesitzmäßig aber schon geteilt, wobei der Dorfbach die Grenze bildete. Eine Hälfte mit 3½ Huben gehörte der Abtei Fulda, während das andere Teil aus einem Hofgut bestand und dem Kloster Lorsch bzw. den Grafen von Katzenelnbogen zugehörig war.

Die Kirchen- und Patronatsrechte hatten seit 1424 die Erbacher Grafen ausgeübt und Nieder-Kainsbach war in Brensbach “eingepfarrt”, wo schon früher die gemeinsame Mutterkirche sowie der Friedhof benutzt wurden. Im Jahre 1443 besitzt Pfalzgraf Ludwig die Hoheitsrechte über den fuldischen Teil, welcher das halbe Dorf "Konßpach" an Schenk Otto von Erbach verliehen hatte. Im Jahre 1455 wird das Dorf in einer Urkunde erstmals "Nydern-Konspach" genannt und die ursprünglichen 3½ Huben haben sich mittlerweile in 14 kleinere Hubengüter aufgeteilt. Mit dem Aussterben des Grafengeschlechtes derer von Katzenelnbogen, gelangte 1476 das Dorfteil mit dem Hofgut an die Landgrafen zu Darmstadt und wurde von Lichtenberg aus verwaltet.

Mit Gründung des Großherzogtums Hessen im Jahre 1806 wurden alle früheren Grundbesitzrechte aufgelöst und die Grafschaft Erbach samt Nieder-Kainsbach nach Hessen eingegliedert. Dabei wurde eine Volkszählung durchgeführt und der Großherzogliche Bürgermeister von Nieder-Kainsbach meldete 226 Einwohner, die in 42 Häusern lebten. Von 1852 bis 1874 war das Dorf dem Landkreis Lindenfels zugeteilt und wurde anschließend wieder vom Kreis Erbach verwaltet.

Nieder-Kainsbach war sowohl mit einer Haltestelle als auch dem Bahnhof Nieder-Kainsbach - Fränkisch-Crumbach vom 10. Oktober 1887 bis August 1964 an die Eisenbahnstrecke der Reinheim-Reichelsheimer-Eisenbahn angeschlossen.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Februar 1971 die Gemeinde Affhöllerbach mit den zu ihr gehörenden Weilern Kilsbach und Stierbach auf freiwilliger Basis nach Nieder-Kainsbach eingemeindet. Am 1. August 1972 erfolgte durch Gesetz die Eingliederung der so vergrößerten Gemeinde zusammen mit Höllerbach, Wallbach und Wersau in die Gemeinde Brensbach.[2] Nach der Hauptsatzung wurden auf dem Gebiet der eingegliederten Gemeinde zwei Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet, nämlich einer für Nieder-Kainsbach mit Stierbach, und einer für Affhöllerbach mit Kilsbach.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Nieder-Kainsbach

Der Wappenzeichner Ritt aus Bad-Nauheim hatte in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt für die Gemeinde Nieder-Kainsbach 1964 ein Wappen entworfen. Es wurde von der Gemeindevertretung gebilligt, da es vom heraldischen Gesichtspunkt in jeder Beziehung zufrieden stellte. Am 1. Juni 1965 wurde der Gemeinde Nieder-Kainsbach im damaligen Landkreis Erbach dieses Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot ein silberner, mit einem durchgehenden einfachen schwarzen Kreuz belegter Balken, beseitet von drei silbernen sechsstrahligen Sternen (2:1).[4]

Bedeutung

Das einfache schwarze Kreuz nimmt Bezug auf die alt-fuldaische Lehenseigenschaft der Gemeinde Nieder-Kainsbach und die sechsstrahligen Sterne widerspiegeln die frühere Zugehörigkeit zur Grafschaft Erbach.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nieder-Kainsbach im Internetauftritt der Gemeinde Brensbach, abgerufen im August 2016
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 357 und 359.
  3. Hauptsatzung von Brensbach PDF-Datei 38 KB
  4. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 1. Juni 1965 (StAnz. S. 714) Seite 2 der tif-Datei 3,9 MB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]