Oberlunkhofen

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Oberlunkhofen
Wappen von Oberlunkhofen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4073i1f3f4
Postleitzahl: 8917
Koordinaten: 671416 / 24184547.3236058.383334442Koordinaten: 47° 19′ 25″ N, 8° 23′ 0″ O; CH1903: 671416 / 241845
Höhe: 442 m ü. M.
Fläche: 3.25 km²
Einwohner: 1932 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 594 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,2 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.oberlunkhofen.ch
Ansicht von Oberlunkhofen

Ansicht von Oberlunkhofen

Karte
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Oberlunkhofen (schweizerdeutsch: ˈɔbərluŋkˌχɔfə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt am westlichen Abhang des Holzbirrlibergs, einem sich vom Mutschellen in südöstliche Richtung erstreckenden Höhenzug. Der anfänglich noch steile Hang geht gegen Osten in eine flache Hochebene über. Das Gemeindegebiet hat im Westen einen Anteil an der flachen und fruchtbaren Reussebene. Die Gemeindegrenze folgt jedoch nicht dem heutigen Flussverlauf, sondern zum grössten Teil einem alten, heute nicht mehr existierenden Seitenarm. Der Fluss verläuft rund 100 bis 300 Meter weiter westlich.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 325 Hektaren, davon sind 80 Hektaren mit Wald bedeckt und 58 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 580 Metern an der nordöstlichsten Stelle des Gemeindegebiets, der tiefste Stelle 381 Metern in der Reussebene.

Nachbargemeinden sind Unterlunkhofen im Norden, Arni im Osten, Jonen im Süden und Rottenschwil im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend war schon während der frühen Eisenzeit besiedelt. So fand man Ende des 19. Jahrhunderts im benachbarten Unterlunkhofen eine Nekropole der Hallstattzeit mit 63 Grabhügeln. Im Gebiet «Schalchmatthau» gruben zwei Lehrer 1897/98 den Grundriss eines römischer Gutshofes aus, der aus einem mindestens 39 Meter breiten Hauptgebäude mit sieben Räumen und zwei Seitenflügeln sowie einer Scheune bestand. Bewohnt war die Anlage von der Mitte des 1. bis mindestens zum 3. Jahrhundert. Unmittelbar angrenzend befanden sich Gräber der Alamannen aus dem 7. Jahrhundert.[5]

Badetrakt des römischen Gutshofes

Die erste urkundliche Erwähnung von Lunchunft erfolgte im Jahr 853 (überliefert in einer Kopie des 11. Jahrhunderts). Damals schenkte ein Priester seinen Hof dem neu gegründeten Kloster St. Leodegar in Luzern. Später gehörte der Unterlunkhofen, Oberlunkhofen, Jonen und Arni-Islisberg umfassende Kelnhof dem Kloster Murbach im Elsass. Eine inzwischen überholte Theorie nahm an, dass der Ortsname von einem gallo-römischen Lundacumbeta stamme, einem «Hochtälchen an der Lunda» (Lunda könnte eine in der Antike verwendete Namensform für die Reuss gewesen sein). Durch Lautverschiebung sei daraus ein althochdeutsches Lundgumwt und ein mittelhochdeutsches Lunchhof («bei den Höfen an der Lunda») entstanden.[6][7] Eine neue Deutung geht von einem lateinischen Longus Campus. («langes Feld») aus, welches sich über die althochdeutsche Form Lungochampfo zu einem ebenfalls althochdeutschen Lungchumpft wandelte (Nebensilbenschwund, Nebensilbenangleichung, Sprosslaut -t am Wortende analog zu den Ortsnamen Küsnach-t oder Biberis-t). Die Endung Lun-chunft bzw. Lun-kunft der ersten schriftlichen Belege begann jedoch schon Ende des 13. Jahrhunderts einem plausibler klingenden Lunk-hofen zu weichen.[8]

1291 kaufte Rudolf I. den Kelnhof, auch die Stadt Luzern und 15 weitere Dörfer gelangten für 2000 Mark Silber in den Besitz der Habsburger. Diese Transaktion war eine der Ursachen, dass die drei Urkantone die Eidgenossenschaft gründeten. Nachdem der Kelnhof verwaltungstechnisch zuerst zum Freiamt Affoltern gehört hatte, bildete er zwanzig Jahre später ein eigenes Amt, das so genannten Kelleramt. Auf der «Mühlegg» nördlich des Dorfes befand sich eine vom Meier bewohnte kleine Burg, von der allerdings nur Ruinen übrig geblieben sind. 1376 wurde das Dorf verpfändet und wechselte anschliessend mehrmals den Besitzer.

1415 eroberte die Stadt Zürich das Kelleramt und übernahm von den Habsburgern die hohe Gerichtsbarkeit. Die niedere Gerichtsbarkeit war bereits seit 1410 im Besitz der Stadt Bremgarten. 1529 wurde die Bevölkerung von Oberlunkhofen reformiert, musste aber 1531 nach der Zweiten Kappelerkrieg wieder zum Katholizismus übertreten. 1797, ein Jahr vor dem Zusammenbruch der alten Herrschaftsverhältnisse, verkaufte Bremgarten seine Rechte an die Dorfgemeinschaften.

Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 wurde das Kelleramt aufgelöst und es entstanden die vier Gemeinden Ober- und Unterlunkhofen, Jonen und Arni-Islisberg. Diese gehörten zunächst zum kurzlebigen Kanton Baden und gelangten 1803 zum Kanton Aargau; die Bewohner hatten zunächst allerdings einen Anschluss an Zug oder Zürich bevorzugt.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Oberlunkhofen ein bescheidenes Bauerndorf. Der Weinbau, der im 19. Jahrhundert noch grosse Bedeutung hatte, ist seit 1950 gänzlich verschwunden. Zwischen 1870 und 1960 sank die Einwohnerzahl um fast einen Viertel. Dann setzte jedoch aufgrund der Nähe zur Stadt Zürich eine rege Bautätigkeit ein und die Einwohnerzahl stieg bis heute auf mehr als das Vierfache.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrhaus und Pfarrkirche St. Leodegar

Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Leodegar reicht mindestens bis 1185 zurück, dem Jahr ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. 1515 wurde die Kirche neu gebaut, nach etwas mehr als eineinhalb Jahrhunderten aber wieder abgerissen, wobei der aus dem Mittelalter stammende Kirchturm erhalten blieb. Das heute bestehende barocke Gebäude entstand 1684/85. Wegen Platzmangels gab die Kirchgemeinde 1777 eine Verlängerung des Kirchenschiffs in Auftrag.[9]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: «Geteilt von Gelb mit schreitendem, rot bewehrtem und gezungtem schwarzen Löwen und von Rot mit zwei gekreuzten weissen Schlüsseln.» Der Löwe weist auf das Kloster St. Leodegar in Luzern hin, das im Mittelalter Besitzer des Kelnhofs war. Die Schlüssel sind das Zeichen des Kelleramts. Das Wappen war erstmals 1811 auf dem Gemeindesiegel zu sehen, zeigte jedoch nur die Schlüssel auf rotem Grund. Um Verwechslungen mit dem Wappen der Gemeinde Untersiggenthal zu vermeiden, wurde 1964 zusätzlich der Löwe eingesetzt.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[11]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 490 438 463 413 401 532 723 1075 1443 1924

Am 31. Dezember 2014 lebten 1932 Menschen in Oberlunkhofen, der Ausländeranteil betrug 12,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 50,7 % römisch-katholisch, 28,7 % reformiert und 3,8 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 93,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,5 % Albanisch und Englisch, 0,7 % Französisch.[13]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Oberlunkhofen gehört zum Friedensrichterkreis Lunkhofen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Oberlunkhofen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 360 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Landwirtschaft, 31 % in der Industrie und 57 % im Dienstleistungssektor.[14] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten entweder in der Region Bremgarten oder in der Agglomeration von Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Oberlunkhofen liegt am Kreuzungspunkt der Hauptstrassen nach Bremgarten, Zug und Zürich. Das Dorf ist auch der Knotenpunkt dreier Postautolinien: Sie führen von Bremgarten nach Affoltern am Albis, zweite von Muri nach Zürich (Bahnhof Wiedikon) und von Affoltern am Albis ebenfalls nach Zürich (Bahnhof Wiedikon).

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Jonen besucht werden, die Bezirksschule in Bremgarten. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Der Bezirk Bremgarten. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 54). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, DNB 457321962.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberlunkhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  3. Andres Kristol: Oberlunkhofen. In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/ Stuttgart/ Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110 und 1111, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 191–192.
  6.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 441–444.
  7. Andres Kristol: Oberlunkhofen In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3.
  8.  Daniel Gut: Longus Campus und die Romania Submersa im Reusstal. In: Beiträge zur Namenforschung NF 47. 2012, S. 163–189.
  9.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6, S. 330–341.
  10.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 237.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  14. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.