Jonen

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Jonen
Wappen von Jonen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4071i1f3f4
Postleitzahl: 8916
UN/LOCODE: CH JNE
Koordinaten: 672369 / 238802Koordinaten: 47° 17′ 46″ N, 8° 23′ 44″ O; CH1903: 672369 / 238802
Höhe: 400 m ü. M.
Fläche: 5,70 km²
Einwohner: 2107 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 370 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
15,1 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.jonen.ch
Jonen, Panoramasicht

Jonen, Panoramasicht

Karte
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Jonen (schweizerdeutsch: ˈjoːnə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal an der Grenze zum Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfzentrum liegt am Rande der flachen, fruchtbaren Ebene der Reuss, rund einen halben Kilometer östlich des Flusses. Entlang des Flussufers erstrecken sich Auenwälder und kleinere Sümpfe. Von Osten nach Westen erstreckt sich das Jonental. Der östliche Teil des Jonenbachs verläuft durch ein schmales, bis zu 30 Meter tiefes Tobel zwischen dem Birriwald im Norden und dem Goomwald im Süden. Nach Verlassen der Schlucht bei Obschlagen fliesst der Bach durch das Dorfzentrum und mündet schliesslich in die Reuss. Etwas mehr als einen halben Kilometer östlich des Dorfes liegt im Jonental der Weiler Obschlagen (412 m ü. M.). In unmittelbarer Nähe zu Obschlagen befinden sich auf Terrassen an Ausläufern des Holzbirrlibergs die Weiler Litzi (467 m ü. M.) und Mörgeln (497 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 570 Hektaren, davon sind 172 Hektaren mit Wald bedeckt und 68 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 559 Metern am Hallenberg ganz im Osten des Gemeindegebiets, der tiefste auf 380 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Oberlunkhofen im Norden, Arni im Nordosten, Affoltern am Albis im Südosten, Ottenbach im Süden, Aristau im Westen und Rottenschwil im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräberfunde beim Weiler Litzi weisen auf eine Besiedlung während der Hallstattzeit hin. An der Grenze zu Oberlunkhofen lag einst eine römische Villa. Weitere Gräberfunde belegen die Besiedlung durch die Alamannen im 7. Jahrhundert. Die erste schriftliche Erwähnung von Jonun erfolgte im Jahr 1243 in einer habsburgischen Urkunde. Der Ortsname geht auf den alteuropäischen Flussnamen Jouna («die sich Bewegende») zurück, den Helvetier, Römer und Alamannen später übernahmen. Daraus entwickelte sich das althochdeutsche (ze) Jonun, was «an der Jona» bedeutet.[3]

Das Dorf war Teil des Kelnhofes Lunkhofen, das im Jahr 694 dem Kloster St. Leodegar in Luzern geschenkt worden war und neben Jonen auch Arni, Islisberg, Oberlunkhofen und Unterlunkhofen umfasste. 1291 kaufte Rudolf I. den Kelnhof, auch die Stadt Luzern und 15 weitere Dörfer gelangten für 2000 Mark Silber in den Besitz der Habsburger. Diese Transaktion war eine der Ursachen, dass die drei Urkantone die Alte Eidgenossenschaft gründeten. Nachdem der Kelnhof verwaltungstechnisch zuerst zum Freiamt Affoltern gehört hatte, bildete er zwanzig Jahre später ein eigenes Amt, das so genannte Kelleramt.

1415 eroberte die Stadt Zürich das Kelleramt. Während die Zürcher die hohe Gerichtsbarkeit übernahmen, war die niedere Gerichtsbarkeit bereits seit 1410 im Besitz der Stadt Bremgarten. 1529 wurde die Bevölkerung von Jonen reformiert, musste aber 1531 nach der Zweiten Kappelerkrieg wieder zum Katholizismus übertreten. 1797, ein Jahr vor dem Zusammenbruch der alten Herrschaftsverhältnisse, verkaufte Bremgarten seine Rechte an die Dorfgemeinschaften.

Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 wurde das Kelleramt aufgelöst und es entstanden die vier Gemeinden Ober- und Unterlunkhofen, Jonen und Arni-Islisberg. Diese gehörten zunächst zum kurzlebigen Kanton Baden und gelangten 1803 zum Kanton Aargau; die Bewohner hatten zunächst allerdings einen Anschluss an Zug oder Zürich bevorzugt.

Am 1. September 1811 wütete ein verheerender Dorfbrand, der zwei Drittel aller Häuser zerstörte und 266 Einwohner obdachlos machte. Bis zur Gründung einer eigenen Pfarrei im Jahr 1866 gehörte Jonen zur Kirchgemeinde Lunkhofen. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl leicht rückläufig. Begünstigt durch die Nähe zu den Städten Zürich und Zug setzte ab Mitte der 1970er Jahre eine starke Bautätigkeit ein, welche die Einwohnerzahl um mehr als das Doppelte ansteigen liess.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche, 1598
Ehemalige Taverne Zur Muttergottes
Alte Mühle
Altes Haus im Weiler Litzi, Hausteile auf 1228 und 1318 datiert

Die 1735 erbaute und 1521 erstmals erwähnte, in der Jonenbachschlucht gelegene Wallfahrtskapelle Jonental ist der bedeutendste Marienwallfahrtsort des Kantons Aargau.

Die von 1804 bis 1808 erbaute katholische Pfarrkirche Franz Xaver ersetzte die erstmals 1598 erwähnte kleine Dorfkapelle. Beim Dorfbrand von 1811 erlitt die Kirche schwere Zerstörungen, die bis 1813 beseitigt werden konnten. 1910 wurden der Kirchturm und der Chor neu erbaut. Die Joner Pfarrkirche ist jener von Oberlunkhofen nachempfunden. Es handelt sich um eine flach gedeckte Saalkirche mit rechteckigem Chor und barocken Altären.[5] Auf dem Friedhof liegt Jakob Huber, Generalstabschef der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs unter General Henri Guisan begraben.

In der Taverne «Zur Muttergottes», sie wurde 1815 nach dem Dorfbrand wieder aufgebaut, tagten viermal im Jahr das Zivilgericht des Kelleramtes mit einem selbstgewählten Untervogt als Präsidenten und vier Fürsprechern als Richter. Sie war im Mittelalter die einzige Wirtschaft zwischen Ziegelbach beim Geisshof Unterlunkhofen und Cham und hatte das alleinige Back- und Metzgerrecht. Die «Alte Post» gegenüber der Taverne wurde 1510 erstmals erwähnt und diente vom frühen 17. Jahrhundert bis 1806 als Schmiede, als Neubau ab 1808 als erstes Schulhaus von Jonen und von 1907 bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Postbüro. Im Weiler Litzi befindet sich im Gebäude 158 einer der ältesten Hausteile der Schweiz, der dendrochronologisch auf 1228 und 1318 datiert wurde.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Durch weissen Wellenpfahl gespalten von blau mit drei pfahlweise gestellten sechsstrahligen weissen Sternen und von Rot mit linksgekehrtem weissem Schlüssel.» Das Joner Wappen, das in dieser Form seit 1805 existiert vereint Motive der Wappen des Kantons Aargau (drei Sterne) und des Kelleramts (Schlüssel). Der Wellenpfahl symbolisiert die Reuss oder den Jonenbach.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 788 630 573 570 652 698 800 1102 1569 1866

Am 31. Dezember 2018 lebten 2107 Menschen in Jonen, der Ausländeranteil betrug 15,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,4 % römisch-katholisch. 28,4 % reformiert und 2,0 % muslimisch; 1,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 0,9 % Italienisch und Serbokroatisch, je 0,7 % Französisch und Englisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Jonen gehört zum Friedensrichterkreis Lunkhofen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jonen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 450 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 50 % im Dienstleistungssektor.[10] Der mit Abstand grösste Arbeitgeber ist das Pharma-Unternehmen Similasan, das homöopathische Arzneimittel herstellt. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten entweder in der Region Bremgarten oder in den Agglomerationen von Zürich und Zug.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jonen liegt an der Hauptstrasse zwischen Bremgarten und Affoltern am Albis. Im November 2009 wurde die Autobahn A4 bei Affoltern eröffnet, wodurch die Erreichbarkeit leichter geworden ist. Jonen ist Endstation einer Postautolinie nach Bremgarten, eine weitere Postautolinie verkehrt von Zürich-Wiedikon über Jonen nach Affoltern. In Bremgarten besteht Anschluss an die Bremgarten-Dietikon-Bahn, in Affoltern an die Linien S5 und S14 der S-Bahn Zürich.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jonen gibt es einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Gemeinde ist Standort der Kreisschule Kelleramt (mit Realschule und Sekundarschule), die auch den Schulkindern aus den umliegenden Gemeinden zur Verfügung steht. Die Bezirksschule kann in Bremgarten besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taverne und Alte Post
  • Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band IV: Der Bezirk Bremgarten. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 54). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, ISBN 978-3-906131-07-8.
  • Walter Bürgisser: Jonen: Aus der Vergangenheit von Dorf und Pfarrei. Hrsg.: Gemeinde Jonen. 2. Auflage. Casimir Meyer, Wohlen 1991.
  • Max Widler (Hrsg.): Es bsonders Volk: Litzi, Mörgeln, Obschlagen – die Aussenhöfe von Jonen. Jonen 1998.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 211–213.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110 und 1111, Swisstopo
  5. Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IV: Bezirk Bremgarten. Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6, S. 285–290.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 185.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, archiviert vom Original am 5. November 2012; abgerufen am 3. April 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Nicht mehr online verfügbar.) Statistisches Amt des Kantons Aargau, archiviert vom Original am 5. November 2012; abgerufen am 24. August 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Nicht mehr online verfügbar.) Statistisches Amt des Kantons Aargau, archiviert vom Original am 5. November 2012; abgerufen am 24. August 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch
  10. Betriebszählung 2008. (Nicht mehr online verfügbar.) Statistisches Amt des Kantons Aargau, archiviert vom Original am 4. Oktober 2013; abgerufen am 24. August 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ag.ch