Onagawa (Miyagi)

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Onagawa-chō
女川町
Onagawa (Miyagi) (Japan)
Red pog.svg
Geographische Lage in Japan
Region: Tōhoku
Präfektur: Miyagi
Koordinaten: 38° 27′ N, 141° 27′ OKoordinaten: 38° 26′ 44″ N, 141° 26′ 40″ O
Basisdaten
Fläche: 65,79 km²
Einwohner: 5979
(1. April 2018)
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 04581-1
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Onagawa
Baum: Sicheltanne
Blume: Kirschblüte
Fisch: Echter Bonito
Vogel: Japanmöwe
Rathaus
Adresse: Onagawa Town Hall
136 Aza Onagawa, Onagawahama
Onagawa-chō, Oshika-gun
Miyagi 986-2292
Webadresse: www.town.onagawa.miyagi.jp
Lage Onagawas in der Präfektur Miyagi
Lage Onagawas in der Präfektur

Onagawa (jap. 女川町, -chō) ist eine Kleinstadt im Landkreis Oshika der japanischen Präfektur Miyagi.

Bekannt ist die Stadt für das Kernkraftwerk Onagawa, das sich teilweise auch im angrenzenden Ishinomaki befindet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urbanes Gebiet von Onagawa 1975 (Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT

Onagawa befindet sich am nördlichen Ende der Oshika-Halbinsel ostwärts entlang der Sanriku-Riasküste an der Onagawa-Bucht (女川湾, -wan). Vorgelagert sind die beiden bewohnten Inseln Enoshima (江島; 0,36 km²) und Izushima (出島; 2,68 km²). Bei Enoshima liegen noch weitere unbewohnte Eilande. Die gesamte Küste gehört zum Minamisanriku-Kinkazan-Quasinationalpark. Die bewohnten Flächen beschränken sich auf kleinere Küstenabschnitte und die Täler des Kitakami-Berglandes, so dass der größte Teil des Gemeindegebietes bewaldet ist. Östlich der Stadt befindet sich der 7,2 km² große See Mangokuura (万石浦). Durch die Stadt fließt der namensgebende Onagawa („Frauenfluss“).

Ausgenommen der Küste wird Onagawa von der Großstadt Ishinomaki umschlossen, die 2005 aus der Vereinigung der umliegenden Gemeinden entstand. Seitdem ist Onagawa auch die einzige Gemeinde im Landkreis Oshika.

Die Vielzahl an V-förmigen Buchten an der Sanriku-Küste macht diese besonders anfällig für Tsunamis, indem sie bewirken, dass die Tsunami-Energie konvergiert und verstärkt wird.[1] Die Onagawa-Bucht gilt als typisches Beispiel für eine der V-Form nahekommend ausgeformte Bucht, die an der Mündung der Bucht breit und tief, am Ende der Bucht jedoch schmaler und flacher ist, und möglicherweise die Wellenhöhe von Tsunamis verstärken kann, wie beim Tōhoku-Erdbeben 2011.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Onagawa wurde am 1. April 1889 zur Dorfgemeinde (mura) ernannt. Am 1. April 1926 erfolgte die Aufstufung zur Kleinstadt (chō).

Tōhoku-Erdbeben 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Onagawa City - Miyagi Prefecture - typical example for a V-shaped bay - probably enhancing tsunami wave height of 2011 tsunami.jpg
Die Bucht von Onagawa als typisches Beispiel einer V-förmigen Bucht.[2] Izushima ist oben rechts.
Onagawa 2011-03-14 (5529144217).jpg
Tsunamischäden im Bezirk Ishihama (石浜) (Foto: 14. März 2011)


Tsunamischäden in Onagawa (Fotos: 30. März 2011)
Vanished Onagawa Station.JPG
Die vom Tsunami zerstörte JR East-Station Onagawa
Carried train in Ishinomaki Line.JPG
Vom Tsunami 200 m von der Station Onagawa entfernt an den Hügel geworfener Zug


Tsunamischäden in Onagawa (Fotos: 30. März 2011)
Carried cars.JPG
Auf mehrstöckige Häuser gespülte Fahrzeuge nach dem Tsunami in Onagawa
Broken medical equipment.JPG
Das als Evakuierungsstätte ausgewiesene Stadtkrankenhaus wurde bis in den 1. Stock geflutet, medizinische Ausrüstung beschädigt


Umsturz von Betongebäuden in Onagawa
ビルが横倒し。基礎抗が地面から抜けている。 - panoramio.jpg
Umgestürztes Betongebäude mit aus dem Boden gerissenen Pfahlfundament (29. Oktober 2011)
Onagawahama, Onagawa, Oshika District, Miyagi Prefecture 986-2261, Japan - panoramio.jpg
Umgestürztes mehrstöckiges Betongebäude im Bezirk Oshika. Dahinter das (rötliche) Gebäude, von dessen Dach ein Überlebender ein Video gefilmt hat, das später wissenschaftlich ausgewertet wurde[1] (Foto: 11. März 2012)


Beim Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und dem dadurch ausgelösten und etwa 34 Minuten später, um 15:20 Uhr, eintreffenden Tsunami,[3][1] der in Onagawa eine Überflutungshöhe von 14,8 m erreichte[4][5] und drei Quadratkilometer und 48 Prozent der Fläche in den Wohngebieten überflutete,[4] wurde ein großer Teil des Stadtgebietes zerstört,[6][3] einschließlich 12 der 25 Tsunami-Notunterkünfte (alle an Orten über 6 m Höhe).[7] Die Tsunamiwoge stieg auf annähernd 18 m an und überragte fast alle Gebäude des Gebietes mit Ausnahme derer auf einer zentral gelegenen Hanglage.[8] Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 2924 beziffert.[9] Von den 4.607 dem Tsunami ausgesetzten Gebäuden im Überflutungsgebiet der Stadt Onagawa wurden 3.459 zerstört und fortgespült, was einer Quote von 75,1 % entspricht, der zweithöchsten Quote in der Präfektur Miyagi nach der Stadt Minamisanriku.[1] Das Erdgeschoss und bis in 2 m Höhe auch das erste Obergeschoss des auf 15 bis 16 m Höhe über dem Meeresspiegel gelegenen und als als Evakuierungsstätte ausgewiesenen Krankenhauses der Stadt wurden überflutet.[2][10]

Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde meldete in ihrem Schadensbericht vom 19. Mai 473 Tote und 620 Vermisste.[11][12] Die Zahl der Toten erhöhte sich in der späteren Schadenserfassung auf 615, während noch 258 Menschen vermisst wurden.[9] Der Anteil der Opfer in Onagawa betrug etwa 8,7 Prozent der Bevölkerung,[13][14][9] die vor der Katastrophe mit etwa 10.000 angegeben worden war.[13][14][3] Wenn alle im 157. FDMA-Schadensbericht vom 7. März 2018 registrierten Toten und Vermissten berücksichtigt werden, ergibt sich eine Opferrate durch die Katastrophe von 8,7 %.[9] Berücksichtigt man die im 153. FDMA-Schadensbericht vom 8. März 2016 registrierten Opfer (613 Tote und 259 Vermisste) abzüglich der von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) gemeldeten katastrophenbedingten Todesfälle, wodurch sich eine Zahl von 850 Toten und Vermissten ergibt, so beträgt die Opferrate 8,46 %. Mit der gleichen Datengrundlage, aber allein auf das Überflutungsgebiet des Tsunamis in Onagawa bezogen, das eine Fläche von 3 km2 umfasste, ergibt sich eine Opferquote von 10,56 %.[15][16] Die überraschend hohe Opferquote kann als Hinweis dafür gewertet werden, dass ein Überleben in der Stadt Onagawa im Falle eines nahezu 20 m hohen Tsunamis schwer gewesen ist.[1]

Mithilfe eines Videos, die ein überlebender Einwohner während der Katastrophe vom Dach eines Stahlbetongebäudes im Hafen von Onagawa gemacht hatte und das zum Teil auf die Internetseite der japanischen Zeitschrift Yomiuri Shimbun hochgeladen wurde, wurde die Strömungsgeschwindigkeit des aszendierenden Tsunamis in der Stadt Onagawa zum Zeitpunkt, als der Tsunami begann Häuser fortzuschwemmen, auf 6,3 m/s eingeschätzt, und die Strömungsgeschwindigkeit für den rückfließenden Tsunami auf 7,5 m/s, jeweils bei einer Fließtiefe von annähernd 5 Metern.[3][1] In den Städten Onagawa und Miyako wurden mindestens acht Gebäude aus Stahlbeton oder Stahlkonstruktion gefunden, die vom Tsunami umgestürzt und fortgerissen worden waren.[3] Allein in Onagawa ereigneten sich sechs dieser Fälle.[10][1] Einwände der Bauherren und Anwohner richteten sich gegen eine Bewahrung aller sechs Gebäude als Gedenkstätten durch die Stadt.[17] Eines dieser Gebäude, ein vierstöckiger Stahlbetonbau, wurde 70 m von seinem ursprünglichen Platz fortbewegt, bis er an einem Hügel zum Stillstand kam.[10] Über ein halbes Dutzend Gebäude waren umgestürzt und verschoben, dabei baulich aber vom Fundament bis zum Dach noch komplett. Diese Gebäude waren von hydrostatischen Auftriebskräften aufgetrieben und fortgetragen worden oder sie waren von hydrodynamischen Kräften des Ein- oder Rückstromes des Tsunamis oder von einer Kombination von beidem umgestürzt worden. Ein etwa 9 × 22 × 12 m großes zweistöckiges Stahlbeton-Kühlhaus, das mit Ausnahme von Türen und ein paar Fenster im zweiten Stock aus einer geschlossenen Betonschale bestand, wurde durch hydrostatischen Auftrieb von seinem Pfahlfundament, das keine Zugfestigkeit abgehoben und über eine niedrige Mauer getragen, bevor es etwa 15 m landeinwärts von seiner ursprünglichen Position auf der Seite abgesetzt wurde. Andere umgestürzte Beton- und Stahlgebäude so offen gebaut, dass der hydrostatische Auftrieb entlastet werden konnte, wurden jedoch durch hydrodynamische Kräfte in der ankommenden oder zurückfließenden Tsunamiströmung umgestürzt. Ein vierstöckiges Bürogebäude mit einem momententragfähigen Stahlrahmen hatte zwar zahlreiche Fensteröffnungen und verlor viele seiner leichten Betonfertigteile, doch wurden seine Schleuderbetonhohlpfähle abgeschert oder aus dem Boden gezogen, und das Gebäude wurde um etwa 15 m verschoben.[8] 28 Menschen wurden in der Stadt Onagawa in einem Kesselraum eines fünfstöckigen Stahlbetongebäudes gerettet, das von dem Tsunami vollständig überflutet worden war.[3]

Blick von der Anhöhe des Krankenhauses herab auf Onagawa – einen Monat nach dem Tsunami (10. April 2011)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist an das Schienennetz mit JR East Ishinomaki-Linie angeschlossen, die von Kogata in Misato startet und in Onagawa endet. Die Stadt besitzt zwei Bahnhöfe: Urashuku und Onagawa.

Bedeutendste Fernstraße ist die Nationalstraße 398 nach Ishinomaki oder Yurihonjō.

Vom Hafen gehen Fähren über Izushima nach Enoshima als auch zur von Ishinomaki verwalteten Insel Kinkasan.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Onagawa befinden sich drei Grundschulen, zwei Oberschulen und eine präfekturale Oberschule.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Onagawa, Miyagi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Shunichi Koshimura, Satomi Hayashi, Hideomi Gokon: The impact of the 2011 Tohoku earthquake tsunami disaster and implications to the reconstruction. In: Soils and Foundations. Band 54, Nr. 4, August 2014, S. 560–572, doi:10.1016/j.sandf.2014.06.002. (Online veröffentlicht am 22. Juli 2014).
  2. a b c 東日本大震災記録集 (Memento vom 23. März 2018 auf WebCite), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency) des 総務省 (Ministry of Internal Affairs and Communications), März 2013, hier in Kapitel 2 (第2章 地震・津波の概要 ) das Unterkapitel 2.2 (2.2 津波の概要(1)) (PDF (Memento vom 28. März 2018 auf WebCite)), S. 40, Abbildung 2.2-11 ("V 字型の典型的な場所の例(女川町").
  3. a b c d e f Shunichi Koshimura, Nobuo Shuto: Response to the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster. In: Philosophical Transactions of The Royal Society A Mathematical Physical and Engineering Sciences. Band 373, Nr. 2053, 2015, S. 20140373, doi:10.1098/rsta.2014.0373 (Online veröffentlicht am 21. September 2015).
  4. a b Nobuo Mimura, Kazuya Yasuhara, Seiki Kawagoe, Hiromune Yokoki, So Kazama: Damage from the Great East Japan Earthquake and Tsunami - A quick report. In: Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change. Band 16, Nr. 7, 2011, S. 803–818, doi:10.1007/s11027-011-9304-z. (Online veröffentlicht am 21. Mai 2011).
  5. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 25. März 2011, archiviert vom Original am 1. Mai 2011; abgerufen am 3. Mai 2011 (japanisch).
  6. Number of dead, missing rises to 1,400. In: Daily Yomiuri Online. Yomiuri Shimbun-sha, 13. März 2011, abgerufen am 13. März 2011 (englisch).
  7. Tsunami hit more than 100 designated evacuation sites. In: The Japan Times Online. 14. April 2011, archiviert vom Original am 8. September 2011; abgerufen am 3. Mai 2011 (englisch).
  8. a b Ian Nicol Robertson, Gary Chock: The Tohoku, Japan, Tsunami of March 11, 2011: Effects on Structures. In: EERI Special Earthquake Report. September 2011, S. 1–14., Earthquake Engineering Research Institute (EERI).
  9. a b c d 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第157報) (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 157. Bericht, 7. März 2018.
  10. a b c Anawat Suppasri, Nobuo Shuto, Fumihiko Imamura, Shunichi Koshimura, Erick Mas, Ahmet Cevdet Yalciner: Lessons Learned from the 2011 Great East Japan Tsunami: Performance of Tsunami Countermeasures, Coastal Buildings, and Tsunami Evacuation in Japan. In: Pure and Applied Geophysics. Band 170, Nr. 6-8, 2013, S. 993–1018, doi:10.1007/s00024-012-0511-7. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012).
  11. 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(第124報) (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 124. Bericht, 19. Mai 2011.
  12. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Juni 2011; abgerufen am 19. Juni 2011 (japanisch, Übersicht über gemeldete Tote, Vermisste und Evakuierte).
  13. a b 東日本大震災記録集 (Memento vom 23. März 2018 auf WebCite), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), März 2013, hier in Kapitel 3 (第3章 災害の概要) das Unterkapitel 3.1/3.2 (3.1 被害の概要/3.2 人的被害の状況) (PDF (Memento vom 23. März 2018 auf WebCite)).
  14. a b 平成 22年国勢調査 - 人口等基本集計結果 -(岩手県,宮城県及び福島県) (Memento vom 24. März 2018 auf WebCite) (PDF, japanisch), stat.go.jp (Statistics Japan - Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and communication), Volkszählung 2010, Zusammenfassung der Ergebnisse für die Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima, URL: http://www.stat.go.jp/data/kokusei/2010/index.html.
  15. Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Why did Rikuzentakata have a high death toll in the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster? Finding the devastating disaster’s root causes. In: International Journal of Disaster Risk Reduction. Band 27, 2018, S. 21–36, doi:10.1016/j.ijdrr.2017.08.001. (Online veröffentlicht am 15. August 2017), hier S. 22, Tabelle 2.
  16. 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第153報) (Memento vom 10. März 2016 auf WebCite), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 153. Bericht, 8. März 2016.
  17. Anawat Suppasri: The 2011 Great East Japan Tsunami: Background, Characteristics, Damage and Reconstruction. In: Dinil Pushpalal, Jakob Rhyner, Vilma Hossini (Hrsg.): The Great Eastern Japan Earthquake 11 March 2011: Lessons Learned And Research Questions - Conference Proceedings (11 March 2013, UN Campus, Bonn). 2013, ISBN 978-3-944535-20-3, ISSN 2075-0498, S. 27–34.