Kesennuma

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Kesennuma-shi
気仙沼市
Kesennuma
Geographische Lage in Japan
Kesennuma (Japan)
Red pog.svg
Region: Tōhoku
Präfektur: Miyagi
Koordinaten: 38° 54′ N, 141° 34′ OKoordinaten: 38° 54′ 29″ N, 141° 34′ 12″ O
Basisdaten
Fläche: 226,67 km²
Einwohner: 62.411
(1. April 2018)
Bevölkerungsdichte: 275 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 04205-6
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Kesennuma
Baum: Japanische Schwarzkiefer
Blume: Rhododendron kaempferi var. kaempferi
Vogel: Japanmöwe
Fisch: Echter Bonito
Rathaus
Adresse: Kesennuma City Hall
1-1-1, Yōka-machi
Kesennuma-shi
Miyagi 988-8501
Webadresse: http://www.city.kesennuma.lg.jp/
Lage Kesennumas in der Präfektur Miyagi
Lage Kesennumas in der Präfektur

Kesennuma (jap. 気仙沼市, -shi) ist eine Stadt in der Präfektur Miyagi auf Honshū, der Hauptinsel von Japan.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtzentrum Kesennuma (aus 14 Luftaufnahmen von 1977 zusammengesetztes Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT

Kesennuma liegt nördlich von Sendai und südöstlich von Morioka am Pazifischen Ozean. Die Stadt liegt am innersten Ende der Bucht von Kesennuma,[1][2] die in diesem Gebiet von der Ria-Küste gebildet wird und sich in ihrem südlichen Teil zur Pazifikküste öffnet.[2] Der Eingang der Bucht von Kesennuma, die eine Gesamtfläche von 15,4 km² hat, ist 2,6 km breit.[2]

Die Ria-Geografie der Küste bietet zwar eine Fülle natürlicher Ressourcen, birgt aber auch ein Katastrophenrisiko für die Stadt. Die Küstenregion ist sowohl für Tsunamis als auch für Hochwasser anfällig. Seawalls schützen das Land vor den Meeresfluten, Pumpen entfernen Flutwasser und Flussdeiche regulieren den Strom der Flüsse.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Kesennuma soll im 14. Jahrhundert gegründet worden sein, um dort bergmännisch gefördertes Gold aus dem Landesinneren zusammenzusammeln und es nach Sendai, Edo (heute Tokio) und Kyoto zu verschiffen. Die Stadt bestand in ihrer frühen Zeit aus zwei Gebieten, der Binnensiedlung (Furumachi) und dem innerem Hafengebiet (Naiwan), das am Ende einer langgezogenen Bucht des Pazifischen Ozeans liegt und vor Naturkatastrophen üblicher Art wie Taifun, schwerer Brandung und Sturm geschützt ist. Die Furumachi und das Naiwan waren etwa einen Kilomenter voneinander entfernt und durch die in Ost-West-Richtung verlaufende Hauptstraße verbunden. Die frühen Siedler betrachteten das Hafengebiet entsprechend nicht als Wohn-, sondern als Arbeitsstätte.[4]

In der modernen Zeit wurde das vorher nur als Arbeitsstätte dienende Hafengebiet für die Fischerei und die Nahrungsmittelindustrie kulturfähig gemacht und entwickelt. Es wurde bald mit Läden, Büros, Fabriken, Gaststätten und Häusern bebaut. Die Stadt florierte und es entwickelte sich auch die Reiswein-Brauereiindustrie an der nördlichen Hangseite (namentlich die Kakuboshi-Brauerei und die Otokomaya-Brauerei), die bald Hauptsitz und Ladengeschäft an der Nairan-Hauptstraße errichteten.[4]

Das Hafengebiet Naiwan wurde zweimal durch unbeabsichtigt und nicht naturkatastrophenbedingt entstandene Brände in den Jahren 1916 und 1929 vollständig zerstört. Die Bevölkerung konnte die Stadt und die Industrie unter Anstrengungen wieder aufbauen und zu neuer Blüte bringen. Nach dem Brand von 1929 führten die Menschen eine feuerfeste Konstruktion ein, indem sie die Holzkonstruktion der Häuser mit einer verstärkten Mörtelwand bedeckten. Während einige dabei einfach das vorherige Holzbau-Erscheinungsbild beibehielten, führten andere Mauerwerk oder ein dem Stahlbeton ähnelndes Design ein.[4]

In den 1970er Jahren entwickelte sich die Stadt zu einem der fünf größten Fischereistützpunkte Japans.[4]

Am 1. Oktober 2009 wurde Motoyoshi aus dem Motoyoshi-gun eingemeindet.

Vor der Katastrophe von 2011 war Kesennuma eine der bedeutendsten Städte an der Sanriku-Küste mit 75.000 Einwohnern.[3][4] Zu ihren wichtigsten Industrien gehörten die Fischerei, die Verarbeitung von Meeresprodukten und der Schiffbau.[3] Kesennuma war vor dem Tsunami von 2011 ein florierender Handelsfischerhafen und Zentrum des japanischen Haiflossenhandels.[1] Durch den Tsunami verlor die Stadt ihren historisch bebauten Ortsteil.[4]

Erdbeben- und Tsunamikatastrophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schäden des Shōwa-Sanriku-Erdbeben 1933 in Karakuwa

Die Sanriku-Küste war in den letzten beiden Jahrhunderten von mehreren Tsunamis betroffen: dem Meiji-Sanriku-Tsunami 1896, dem Shōwa-Sanriku -Tsunami 1933 und dem Tōhoku-Tsunami 2011.[4][5]

Vergleich der Bilanzen von völlig zerstörten Häusern und Opfern in Kesennuma für die Katastrophen von 1896, 1933 und 2011[5]
Katastrophenereignis Völlig zerstörte Häuser Todeszoll Quelle
Meiji 1896 (Erdbeben und Tsunami) 486 1887 [5]
Shōwa 1933 (Erdbeben und Tsunami) 407 79 [5]
Tōhoku 2011 (Erdbeben und Tsunami) 8533 1325 [5]
Anmerkung: Der Todeszoll für die Tōhoku-Katastrophe 2011 errechnet sich aus den Gesamtzahlen der Toten und Vermissten des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich der Zahlenangaben katastrophenbedingter Todesfälle,[A 1] die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) ermittelt wurden.[5]

Tōhoku-Katastrophe 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 wurde im zentralen Teil von Kesennuma mit Stufe 6 der japanischen seismischen Intensitäts-Skala registriert und erreichte im Motoyoshi-Gebiet im südlichen Teil der Stadt Stufe 5.[3]

Ausmaß der Überflutung und Schäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami herrschten in weiten Teilen der Stadt Feuersbrünste.[6] So explodierten im Dorf Shishiori beschädigte Öltanks und verursachten dort große Brände.[3] Die massiven Brände in der Bucht von Kesennuma gelten als typisches Beispiel für Tsunami-induzierte Brände, die von zerstörten Öltanks ausgingen. Aus diesen vom Tsunami zerstörten Öltanks im Hafen von Kesennuma war Öl ausgetreten, das Brände verursachte, die sich mit den Tsunamifluten in weitere Stadtgebiete ausbreiteten.[7][8]

Etwa ein Drittel der Fläche wurde überflutet.[6] Im Motoyoshi-Distrikt erreichte die Tsunami-Überflutung eine Höhe von 19,3 m. Der Tsunami überflutete die Distrikte Naiwan, Shishiori und Minami-Kesennuma.[3] Der Tsunami erreichte Naiwan mit einer Höhe von 5 bis 6 m und führte dabei schwimmende Objekte mit sich wie Stahlschiffe und Bauhölzer. Zwar konnten Beton- und Stahlgebäude in Naiwan dem Tsunami standhalten, doch erlitten Fahrzeuge und Maschinen im Salzwasser Totalschäden und Holzgebäude wurden vom Tsunami fortgespült und zerstört, während nur wenige, die alle 2001 vom Bunka-chō als national gelistetes Erbe anerkannt worden waren, standhielten, wenn auch in schlechtem Zustand.[4] Während die gemessenen Überflutungshöhen des Tsunamis an vielen Stellen außerhalb der Bucht von Kesennuma mehr als 10 m betrugen, lagen sie innerhalb der Bucht von Kesennuma allgemein unter 10 m. Um den Hafen von Kesennuma gemessene Überflutungshöhen lagen bei 7,79 und 11,84 m.[2]

In dem 15 km südlich vom Hagen von Kesennuma gelegenen Motoyoshicho-Nakajima (本吉町中島), wurden rund 300 m Küstenerosion beobachtet. In diesem Gebiet erstreckte sich das tiefliegende Land um die Flussmündung des Tsuya, weshalb hier ein ausgedehntes Gebiet überflutet wurde. Die in dem erodierten Gebiet gemessenen Überflutungshöhen des Tsunamis betrugen 9,23 und 10,88 m.[2]

10.000 Menschen mussten in Notunterkünfte evakuiert werden.[9] Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 8483 beziffert.[10]

Viele der großen Verpackungsbetriebe in der Umgebung des Hafens erlitten Schäden durch Bodenverflüssigung. Dutzende von Booten wurden von ihren Liegeplätzen gerissen und in das Landesinnere der Stadt fortgespült oder versanken in der Bucht.[1] Große Boote wurden auf das Land gespült.[3] Die vielen großen und kleinen Fischereifahrzeuge, die der Tsunami im Hafen von Kesennuma mit sich riss und die landeinwärts gestrandet zurückblieben, trugen zu den Schäden an Häusern und anderen Bauwerken verschärfend bei.[2] Das 60 Meter lange 330-Tonnen-Fischerboot No.18 Kyotoku-maru (第18共徳丸), das dem Fischereiunternehmen Gisuke Gyogo aus der Präfektur Fukushima gehörte und durch den Tsunami 750 Meter vom Hafen entfernt in die Stadt Kesennuma getrieben wurde, wurde zu einem Symbol des Tsunamis. Es war zu groß und schwer zum Abtransport. 2013 wurde entgegen bestehender Pläne der Stadt, das Boot als Denkmal zu nutzen, mit der Mehrheit der Stimmen der Stadtbevölkerung seine Verschrottung beschlossen.[11][12][13] Auch Schlamm, der an einigen Stellen eine Mächtigkeit von rund 10 cm oder mehr erreichte, wurde aus dem Meer getragen und landeinwärts abgelagert, wodurch die Hilfsmaßnahmen behindert wurden.[2]

Die 1974 errichtete Tsuyagawa-Brücke, über die die Kesennuma-Linie der JR East verlief, wurde vom Tsunami mit einer Geschwindigkeit von 6,7 m/s und einer Überflutungshöhe zum Zeitpunkt der höchsten Geschwindigkeit von rund 13 Metern und überspült. Die erste landwärts gerichtete Welle des Tsunamis beschädigte die Brücke schwer. Die Tsunamischäden führten zum Zusammensturz der Brücke.[14]

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde meldete in ihrem Schadensbericht vom 19. Mai 930 Tote und 604 Vermisste.[15][16] Die Zahl der Toten erhöhte sich in der späteren Schadenserfassung auf 1216, während noch 215 Menschen vermisst blieben.[10]

Gemessen an der Gesamtbevölkerung Kesennumas, die bei der Volkszählung von 2010 mit 73.489 angegeben worden war,[17] betrug die Opferrate durch die Katastrophe von 2011 1,9 %, wenn alle in dem 157. FDMA-Schadensbericht vom 7. März 2018 registrierten Toten und Vermissten berücksichtigt werden[10] beziehungsweise 1,80 %, wenn die in dem 153. FDMA-Schadensbericht vom 8. März 2016 registrierten Opfer (1.214 Tote und 220 Vermisste) abzüglich der von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) gemeldeten katastrophenbedingten Todesfälle[A 1][3] berücksichtigt werden, wodurch sich eine Zahl von 1.325 Toten und Vermissten ergibt. Mit der gleichen Datengrundlage, aber allein auf das Überflutungsgebiet des Tsunamis in Kesennuma bezogen, das eine Fläche von 18 km2 umfasste, ergab sich eine Opferquote von 3,29 %.[18][19] 40.331 Menschen und damit 55 % der Gesamtbevölkerung der Stadt Kesennuma (wenn man mit Stand von 2010 von 73.494 Einwohnern ausgeht) hatten ihren Wohnsitz in dem am 11. März 2011 vom Tsunami überfluteten Gebiet gehabt.[20]

Evakuierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kesennuma waren 1982 12 Gebäude von der Stadtverwaltung für die vertikale Evakuierung ausgewiesen worden und später drei weitere zugefügt. Diese Gebäude dienten am 11. März 2011 zusammen 2.326 Menschen als Zufluchtsort. Zu ihnen zählten ein direkt an der Küstenlinie gelegenes Bürogebäude am inneren Hafen (nicht für die Evakuierung genutzt, keine Gerettete), Die Yoyoi-Nahrungsmittel-Fabrik (400 Gerettete, Überflutungshöhe etwa 8 m), ein Schuhgeschäft (5 Gerettete), ein Altenwohlfahrtszentrum (80, in den oberen Geschossen Gerettete, Überflutungshöhe etwa 8 m), der Touristenpier und Fischmarkt (1.000 Gerettete auf dem großen offenen Fahrzeug-Parkdeck über dem Fischhafen fast an der Hafenkante, das offene Stahlgerüst ermöglichte dem Tsunami, das erste Geschoss zu durchfließen), das 2004 erbaute Gebäude der Präfekturbüros (200 Gerettete, Überflutungshöhe etwa 8 m), das dem vorgenannten Gebäude benachbarte Büro der Nationalregierung (120 Gerettete, die beiden unteren Geschosse wurden überflutet), das Central Community Centre (気仙沼中央公民館, 450 Gerettete, die aus Gebäuden in der Nähe evakuiert waren) und das Büro der Tageszeitung Kahoku (71 Gerettete, Überflutung mindestens bis zur Decke des ersten Geschosses). Bis auf das Parkdeck über dem Fischmarkt, dessen Funktionalität für die vertikale Evakuierung im Entwurf berücksichtiugt worden war, stimmten alle diese Gebäude mit den 2005 für Evakuierungsgebäude getroffenen Richtlinien überein. Einige dieser Evakuierungsbäude wurden nahezu vom Tsunami überflutet. Da Ebbe herrschte, als der Tsunami Kesennuma erreichte, wird davon ausgegangen, dass diese vertikalen Evakuierungsgebäude bereits bei einem um 1 m höheren Tidestand zum Zeitpunkt der Tsunamiankunft überflutet worden wären. Die Feuerwehr folgerte daraus, dass für die vertikale Evakuierung ausgewiesene Gebäude künftig mindestens 5 Geschosse besitzen müssten.[22]

Einige Evakuierungszentren entgingen nur knapp den bedeutenden Bränden in Kesennuma, wo nach dem Austreten von 51.000 Litern Öl aus beschädigten Öltanks viele Gebäude in Brand geraten waren.[22]

Die Evakuierung war in Kesennuma (wie auch in Natori) offenbar dadurch beeinträchtigt, dass beim Erdbeben in Chile 2010 eine Große Tsunami-Warnung[A 2] ausgegeben worden war, die sich dann aber mit Tsunamihöhen von 0,5–0,6 m in Kesennuma und 0,5 m in Natori als falsch herausgestellt hatte. Dies hatte möglicherweise dazu geführt, dass die Bevölkerung die Gefahr unterschätzte und am 11. März 2011 nachlässig reagierte, als tatsächlich einer Großen Tsunami-Warnung entsprechende Wellenhöhen ihre Stadt erreichten.[23]

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe bildete die Stadt einen Katastrophen-Wiederaufbau-Rat Kesennuma aus Mitgliedern des Stadtplanungsrats und Experten aus Kesennuma, die Vorbereitungen für einen Wiederaufbauplan getroffen hatten. Zur gleichen Zeit wurde ein Einwohnerausschuss für Wiederaufbau gegründet, um Eingaben aus der Bevölkerung aufzunehmen und in den Wiederaufbauplan einzubringen.[3]

Auch zwei Jahre nach dem Tag des Tsunami von 2011 waren der Wiederaufbau und die Entwicklung der administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen in Kesennuma noch immer Zukunftsaufgaben. 2014 wurden verschiedene Bauwerke wie der neue Pier für die Hochseefischerei fertiggestellt.[24] Die Erholung von Stadt und Hafen schritten langsam voran. Die meisten Einwohner aus allein stehenden Familienhäusern hatten ihre Häuser auf nahe und höher gelegenem Land wieder aufgebaut oder sich für öffentliche Eigentumswohnungen eingetragen. Die tief gelegenen Gebiete im Stadtzentrum waren vor allem für die industrielle und gewerbliche Nutzung oder als Standort für PArkanlagen saniert und angehoben worden.[3] Der Wiederaufbau fern vom Stadtzentrum geriet in Verzug, da zum Einen Ressourcen und Kapazitäten begrenzt waren und zum Anderen kein Konsens zum Wiederaufbau zwischen Bürgern und Stadt herrschte.[3]

Da nur ein geringer Teil der Überlebenden an der Küste wieder in ihrem Distrikt siedeln wollten, designierte die Stadt etwa 44,5 ja an der Mündung des Flusses Omose als „Katastrophenrisikogebiet“. Der Fluss wurde als Grenze bestimmt zwischen nördlichen Gebiet, das zur Nutzung als Tiefland ausgewiesen wurde, und einem südlichen Gebiet, das als Grünbereich zur Katatrophen ausgewiesen wurde. Auch vier Jahre nach der Katastrophe gab es keine organisierten Tätigkeiten zur Stadtpanung in diesem Gebiet, an der die Bevölkerung geringes Siedlungsinteresse zeigte. Die Matsuiwa-Seite vom Fluss Omose ist eine niedrig gelegene Gegend, die vor der Katastrophe von 2011 hauptsächlich Wohngebiet gewesen war. Sie hatte durch den Tsunami von 2011 schweren Schaden genommen und wird auch häufig durch Regenfälle vom Landesinneren überschwemmmt, weswegen vor der Katastrophe Gräben, Pumpstationen und Fluttore gegen die Überflutung vom Landesinneren eingesetzt worden waren. Während Industriegebiete vor der Katastrophe von 2011 vor allem auf der Omose-Seite des Bezirks angesiedelt waren, spielte der Wiederaufbauplan der Stadt mit der Absicht, auf der Matsuiwa-Seite Industriegelände zu verorten, ohne allerdings eine konkrete Strategie zur Anwerbung der Industrie zu entwickeln.[3]

Im Küstenbereich und am Fluss Omose wurden Seawalls und Deiche mit dem Ziel errichtet, Schäden im Falle eines Tsunamis der Kategorie 1 zu verhindern. Die Deiche am Omose wurden bis 600 m stromaufwärts der Mündung errichtet. Der Seawall wurde mit einer Höhe von etwa 2 m über dem Meeresspiegel errichtet, doch ist seine Erhöhung bis auf eine Höhe zwischen 4.0 und 7,2 m bei einer Fundamentbreite von 20 bis 30 m geplant. Mit Stand von 2017 gab es Baufortschritte in einem breiten Bereich der Infrastruktur wie Seawalls, Präfekturstraßen, Sanriku-Straßen und Bus Rapid Transit (BRT), für die die Fundamente höher errichtet wurden.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Besonderheit weist Kesennuma in Nähe zur Innenstadt eine hohe Diversität von historischen und kulturellen Stätten und Landschaften auf, zu denen die natürlichen Landschaften der Insel Oshima, die Ökosysteme des Fischereihafens, des Mündungsgebiets und der stromaufwärts gelegenen Abschnitte des Flusses Omose und Industrien wie die Fischereiindustrie an der Küste, die Landwirtschaft entlang des Flusses und weiter landeinwärts die Forstwirtschaft gehören.[3]

  • Enunkan (das historische Haus wird von der Agency for Cultural Affairs (ACA) als Ausbildungsstätte für Personal genutzt, das mehr über Japanische Gärten lernen soll)[3]
  • Hachinan jinja (Schrein)[3]
  • Ozaki jinja (der Schrein ist Ort einer Gedenkstätte für das Überleben von 30 Menschen im Tsunami)[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kesennuma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • 10万分1浸水範囲概況図, 国土地理院 (Kokudo Chiriin, Geospatial Information Authority of Japan, ehemals: Geographical Survey Institute = GSI), www.gsi.go.jp: 地理院ホーム > 防災関連 > 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震に関する情報提供 > 10万分1浸水範囲概況図:
Das GSI veröffentlicht an dieser Stelle eine Landkarte mit Kesennuma (浸水範囲概況図9), auf der die vom Tōhoku-Tsunami 2011 überfluteten Gebiete auf Grundlage von Auswertungen von Luftbildern und Satellitenaufnahmen eingezeichnet sind, soweit dies möglich war.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Lori Dengler, Megumi Sugimoto: Learning from Earthquakes - The Japan Tohoku Tsunami of March 11, 2011. In: EERI Special Earthquake Report. November 2011, S. 1–15., Earthquake Engineering Research Institute (EERI).
  2. a b c d e f g Takahito Mikami, Tomoya Shibayama, Miguel Esteban, Ryo Matsumaru: Field survey of the 2011 Tohoku earthquake and tsunami in Miyagi and Fukushima prefectures. In: Coastal Engineering Journal. Band 54, Nr. 1, 2012, S. 1250011-1–1250011–26, doi:10.1142/S0578563412500118. (Veröffentlicht am 29. März 2012).
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q Wanglin Yan, Rob Roggema, Luke Middleton: Planning and Design in Kesennuma: Remember, Reconnect, Reform. In: Rob Roggema, Wanglin Yan (Hrsg.): Tsunami and Fukushima Disaster: Design for Reconstruction. Springer International Publishing AG, Cham 2017, ISBN 978-3-319-56740-2, Chapter 7, S. 95–111, doi:10.1007/978-3-319-56742-6_7 (in Roggema & Yan teilweise online zugreifbar auf Google Books). (Kapitel erstmals online veröffentlicht am 19. Mai 2017)
  4. a b c d e f g h Hideo Izumida: Challenge to Restore the Heritage Buildings Damaged by the 2011 Tsunami Attacks, Kesennuma, Japan. In: Journal of Civil Engineering and Architecture. Band 9, 2015, S. 999–1011, doi:10.17265/1934-7359/2015.08.012.
  5. a b c d e f Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Why did Rikuzentakata have a high death toll in the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster? Finding the devastating disaster’s root causes. In: International Journal of Disaster Risk Reduction. Band 27, 2018, S. 21–36, doi:10.1016/j.ijdrr.2017.08.001. (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Mit Verweis auf: Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Forensic investigation of the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster: a case study of Rikuzentakata, Disaster Prevention and Management, 26 (3) (2017), S. 298–313, DOI: 10.1108/DPM-10-2016-0213.
  6. a b Number of dead, missing rises to 1,400. In: Yomiuri Shimbun. 13. März 2011, abgerufen am 13. August 2016 (englisch).
  7. Akihiko Hokugo: Mechanism of Tsunami Fires after the Great East Japan Earthquake 2011 and Evacuation from the Tsunami Fires. In: Procedia Engineering. Band 62, 2013, S. 140–153, doi:10.1016/j.proeng.2013.08.051. Lizenz: Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0).
  8. Akihiko Hokugo, Tomoaki Nishino, Takuya Inada: Damage and Effects Caused by Tsunami Fires: Fire Spread, Fire Fighting and Evacuation. In: Fire Science and Technology. Band 30, Nr. 4, 2011, S. 117–137, doi:10.3210/fst.30.117. Auch in: Proceedings of the International Symposium on Engineering Lessons Learned from the 2011 Great East Japan Earthquake, March 1-4, 2012, Tokyo, Japan; S. 43–62.
  9. Hironari Akiyama, Takeharu Ishibashi: Kesennuma described as 'hellish sight'. In: Yomiuri Shimbun. 13. März 2011, archiviert vom Original am 9. Dezember 2012; abgerufen am 13. August 2016 (englisch).
  10. a b c 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第157報) (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 7. März 2018.
  11. Japanese town to scrap marooned 'tsunami boat' (Memento vom 1. Mai 2018 auf WebCite), bbc.com, 13. August 2013.
  12. 【3.11】第18共徳丸の解体始まる 震災遺構を断念、スクラップに (Memento vom 1. Mai 2018 auf WebCite), huffingtonpost.jp, 9. September 2013 (Update: 9. März 2017).
  13. a b Anawat Suppasri: The 2011 Great East Japan Tsunami: Background, Characteristics, Damage and Reconstruction. In: Dinil Pushpalal, Jakob Rhyner, Vilma Hossini (Hrsg.): The Great Eastern Japan Earthquake 11 March 2011: Lessons Learned And Research Questions - Conference Proceedings (11 March 2013, UN Campus, Bonn). 2013, ISBN 978-3-944535-20-3, ISSN 2075-0498, S. 27–34.
  14. a b Hamed Salem, Suzan Mohssen, Yuto Nishikiori, Akira Hosoda: Numerical Collapse Analysis of Tsuyagawa Bridge Damaged by Tohoku Tsunami. In: Journal of Performance of Constructed Facilities. Juni 2016, S. 04016065-1–04016065–12, doi:10.1061/(ASCE)CF.1943-5509.0000925.
  15. 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(第124報) (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 124. Bericht, 19. Mai 2011.
  16. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Juni 2011; abgerufen am 19. Juni 2011 (japanisch, Übersicht über gemeldete Tote, Vermisste und Evakuierte).
  17. 平成 22年国勢調査 - 人口等基本集計結果 -(岩手県,宮城県及び福島県) (Memento vom 24. März 2018 auf WebCite) (PDF, japanisch), stat.go.jp (Statistics Japan - Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and communication), Volkszählung 2010, Zusammenfassung der Ergebnisse für die Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima, URL: http://www.stat.go.jp/data/kokusei/2010/index.html.
  18. Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Why did Rikuzentakata have a high death toll in the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster? Finding the devastating disaster’s root causes. In: International Journal of Disaster Risk Reduction. Band 27, 2018, S. 21–36, doi:10.1016/j.ijdrr.2017.08.001. (Online veröffentlicht am 15. August 2017), hier S. 22, Tabelle 2.
  19. 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第153報) (Memento vom 10. März 2016 auf WebCite), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 153. Bericht, 8. März 2016.
  20. S. Fraser, G.S. Leonard, I. Matsuo, H. Murakami: Tsunami Evacuation: Lessons from the Great East Japan Earthquake and Tsunami of March 11th 2011. In: GNS Science Report 2012/17. Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited, 2012, ISBN 978-0-478-19897-3, ISSN 1177-2425, 2.0, S. I-VIII + 1–81 (massey.ac.nz [PDF; abgerufen am 29. Juni 2018]).; hier: S. 3.
  21. Nam Yi Yun, Masanori Hamada: Evacuation Behavior and Fatality Rate during the 2011 Tohoku-Oki Earthquake and Tsunami. In: Earthquake Spectra. Band 31, Nr. 3, August 2015, S. 1237–1265, doi:10.1193/082013EQS234M., hier Tabelle 2.
  22. a b S. Fraser, G.S. Leonard, I. Matsuo, H. Murakami: Tsunami Evacuation: Lessons from the Great East Japan Earthquake and Tsunami of March 11th 2011. In: GNS Science Report 2012/17. Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited, 2012, ISBN 978-0-478-19897-3, ISSN 1177-2425, S. I-VIII + 1–81 (massey.ac.nz [PDF; abgerufen am 29. Juni 2018]).; hier: S. 41–45.
  23. S. Fraser, G.S. Leonard, I. Matsuo, H. Murakami: Tsunami Evacuation: Lessons from the Great East Japan Earthquake and Tsunami of March 11th 2011. In: GNS Science Report 2012/17. Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited, 2012, ISBN 978-0-478-19897-3, ISSN 1177-2425, 2.0, S. I-VIII + 1–81 (massey.ac.nz [PDF; abgerufen am 29. Juni 2018]).; hier: S. 28.
  24. Neuanfang mit Hindernissen in FAZ vom 9. März 2013, Seite 13

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach den 2006 von der JMA herausgebrachten Spezifikationen für Tsunamiwarnungen und -Advisories wird ab einer erwarteten Tsunamihöhe von drei Metern ein großer Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Warning: Major tsunami (hier in englischer Sprache angegeben) ausgegeben wird, die die vorausgesagte Tsunamihöhe spezifisch für jede Region anzeigt, namentlich mittels der fünf Höhenwerte 3m, 4m, 6m, 8m oder ≥10m. Bei einer erwarteten Tsunamihöhe von einem oder zwei Metern wird ein Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Warning: Tsunami ausgegeben wird, die ebenfalls die vorausgesagte Tsunamihöhe spezifisch für jede Region anzeigt, namentlich mittels der zwei Höhenwerte 1m oder 2m. Bei einer erwarteten Tsunamihöhe von etwa einem halben Meter wird ein Tsunami indiziert, für den eine Meldung der Kategorie Tsunami Advisory mit der vorausgesagten Tsunamihöhe von 0,5m ausgegeben wird. Quelle: S. Fraser, G.S. Leonard, I. Matsuo, H. Murakami: Tsunami Evacuation: Lessons from the Great East Japan Earthquake and Tsunami of March 11th 2011. In: GNS Science Report 2012/17. Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited, 2012, ISBN 978-0-478-19897-3, ISSN 1177-2425, 2.0, S. I-VIII + 1–81 (massey.ac.nz [PDF; abgerufen am 29. Juni 2018]).; hier: S. 8.