Oskar Messter

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Oskar Messter
Oskar Messter

Oskar Eduard Messter (* 22. November 1866 in Berlin; † 6. Dezember 1943 in Tegernsee; ursprünglich Oskar Meßter) war ein deutscher Filmpionier.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messter wurde als Sohn des Optikers Eduard Meßter und seiner Frau Marie Wilhelmine geboren. Nach Abschluss der Schule ließ er sich im Betrieb seines Vaters, der sich auf die Herstellung optischer und feinmechanischer Geräte spezialisiert hatte, selbst zum Optiker ausbilden. Daneben absolvierte er ein Volontariat in der Optischen Werkstätte Paul Waechter. Im Alter von 28 Jahren übernahm er den Betrieb seines Vaters.

1887 heiratete er Margarete Wittmann. Aus der Ehe ging 1893 der Sohn Eduard Oskar Meßter hervor. Bis 1888 absolvierte Oskar Messter einen einjährigen Militärdienst.

Ab 1896 brachte Messter die ersten brauchbaren Filmprojektoren auf den Markt und im November des gleichen Jahres eröffnete er in der Friedrichstraße das erste deutsche Kunstlichtatelier und übernahm das Theater Unter den Linden als Kino. Kurze Zeit später gründete er sein eigenes Atelier, in dem erste Stummfilme entstanden.[1] Sie zeigten unter anderem das deutsche Kaiserpaar, Naturaufnahmen und Luftaufnahmen von Berlin, die von einem Ballon aus angefertigt wurden. 1903 führte er erstmals Tonbilder auf, indem er den Filmprojektor und ein Grammophon koppelte und zeitgleich zuvor synchron aufgezeichnete Schallplatten abspielte, dieses Gerät nannte er Biophon. Es wurde auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis vorgestellt. Mit nahezu 300 produzierten Filmen avancierte Messter während der Kaiserzeit zum Impresario des deutschen Films und verhalf Schauspielerinnen wie Henny Porten zum Starkult. Im Jahr 1912 gelang Messter gemeinsam mit Friedrich Simon Archenhold mit dem Riesenfernrohr der Sternwarte in Treptow (heute: Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow) die weltweit erste Filmaufnahme einer Sonnenfinsternis (Quellen: Messter Memoiren, Archiv Archenhold-Sternwarte)

Messter war auch Mitbegründer des Deutschen Optikerverbandes und Beisitzer in der Meisterprüfungskommssion für Berlin und Potsdam. 1909 ließ er die Schreibweise seines Namens ändern. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges produzierte er aus Dokumentationen zum Kriegsgeschehen, die er als Leutnant in der Presseabteilung des Generalstabes produzierte, die erste deutsche Wochenschau. Die Messter-Wochenschau wurde erstmals am 23. Oktober 1914 gezeigt. Für den Generalstab arbeitete Oskar Messter die Zensurbestimmungen für fotografische und kinematografische Bilder aus. Bilder von aktuellen Kriegsereignissen, Toten, Schwerverletzten, Waffen, Flugzeugen und militärischen Hafenanlagen wurden grundsätzlich verboten.[2]

Luftbildmessung im Ersten Weltkrieg

Messter erhielt 1915 den Auftrag eine Reihenbildkamera für die Luftaufklärung zu entwickeln und wurde für deren erfolgreiche Entwicklung mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.[3]

In seiner im August 1916 verfassten Denkschrift „Film als politisches Werbemittel“ begründete er die Notwendigkeit der deutschen Propagandafilme als Antwort auf die „deutschfeindlichen Filme“ der Entente-Staaten.[4] Im gleichen Jahr gründete er gemeinsam mit dem österreichischen Filmschaffenden Sascha Kolowrat-Krakowsky die Sascha-Meßter-Film, welche Nachfolgerin der Österreich-Tochter der Meßter-Film[Anm. 1] wurde und die ab dem Frühjahr 1916 die (vereinigte) Kolowrat-Meßter-Woche[5] produzierte, eine Kriegsberichte liefernde Wochenschau der k. u. k. Film-Propaganda, die unter anderem während der Kriegsausstellung Wien 1916 einen filmischen Schwerpunkt bildete.[6] Messter ließ sich die Maschinengewehrkamera, ein Zielübungsgerät zur Ausbildung von Bordschützen, patentieren.

Nach Kriegsende verkaufte Messter für den Preis von 5,3 Millionen Goldmark (8.835.585 Euro) seine Unternehmen in Berlin und Wien, die in der neu gegründeten UFA aufgingen und in der er ab 1925 Aufsichtsratsmitglied war. Ende 1918 erwarb er in Tegernsee das Haus Zum Leitenbauer in das er später einziehen sollte. Zu seinem Freundeskreis dort zählten der Opern- und Liedsänger Julius Patzak, der Volksschauspieler Albert (Bertl) Schultes und der Schriftsteller Ludwig Ganghofer.[7] In den 1920er Jahren produzierte er mit Der Sprung ins Leben nur mehr einen Film.

1926 nahm er als Repräsentant der deutschen Filmindustrie am Ersten internationalen Filmkongress in Paris teil und stiftete für besondere Verdienste um Kinematographie die Oskar-Messter-Medaille, deren erster Preisträger er selbst wurde. Messters erste Ehe wurde geschieden; 1928 heiratete er Antonie Maria Theresia König (1898–1978).

Henny Porten mit Oskar Messter, Internationaler Film-Kongress 1935

Ab 1930 zog sich Messter aus dem Filmgeschäft zurück und zog in sein Haus in Tegernsee, dass er seit 1939 dauerhaft bewohnte. Ebendort wurde posthum eine Straße nach ihm benannt.[8] Er bekleidete noch Positionen bei der Filmoberprüfstelle Berlin und der Deutschen Filmgemeinschaft, die 1931 den Film Mädchen in Uniform produzierte.[9] 1932 überließ er seine umfangreiche Sammlung kinematografischer Geräte dem Deutschen Museum in München.

Bereits während der Weimarer Republik wurde Messter Mitglied des als antidemokratisch und judenfeindlich geltenden Bund der Frontsoldaten und ließ sich nach 1933 von den Nationalsozialisten als Altmeister der deutschen Filmwirtschaft feiern. Seine filmischen Werke können zwiespältig gesehen werden, da er sein Talent für den Krieg und das neue Propagandamedium Film nicht zur Aufklärung, sondern zur Manipulation der Zuschauer nutzte.[10] Anlässlich der von der Reichsfilmkammer veranstalteten Vorführung der ersten Filme des Reichsfilmarchivs im Harnack-Haus nahm Messter am Internationalen Filmkongress teil, welcher vom 25. April bis 1. Mai 1935 im Filmtheater am Friedrichshain in Berlin stattfand.[11]

Oskar Messter mit Ehefrau Antonie in den Bergen

1936 wurde Messter zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Berlin ernannt. Im selben Jahr veröffentlichte er seine Memoiren Mein Weg mit dem Film. Als letzte Auszeichnung bekam Messter 1941 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.[12]

Seine letzten beiden Lebensjahre verbrachte er zurückgezogen und gesundheitlich angeschlagen mit seiner Frau in seinem Haus am Tegernsee.[13] Messter starb am 6. Dezember 1943 und wurde auf dem Friedhof in Tegernsee beerdigt. Auf der Grabplatte heißt es über ihn: "Altmeister der Kinematographie / als Erfinder, Forscher und Wegbereiter Begründer der deutschen Kinoindustrie". Seine zweite Frau Antonie, geboren am 26. Februar 1898, starb am 17. März 1978 und wurde in seinem Grab beigesetzt.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Auflösung seiner Berliner Wohnung im Jahr 1944 gelangten die letzten Teile des Messter-Archives an den Tegernsee. Messters zweite Frau Antonie (1898–1978) wurde als Mitglied der Reichsfilmkammer im November 1944 als Filmarchivarin aufgenommen und übte diesen Beruf bis zu ihrem Tod aus. In einzelnen Fällen erlaubte sie eine Auswertung der Papiere ihres verstorbenen Ehemannes.[13]

Produktionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oskar Messter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Messter's Projection GmbH. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 7. Oktober 2016.
  2. Klaus Kreimeier: Traum und Exzess. Die Kulturgeschichte des frühen Kinos. Zsolnay, Wien 2011, ISBN 978-3-552-05552-0, S. 364 f.
  3. Bundesarchiv – Oskar Messter – Begründer der deutschen Kino- und Filmindustrie
  4. Bundesarchiv – Oskar Messter – Begründer der deutschen Kino- und Filmindustrie
  5. Tagesneuigkeiten. (…) Vergnügungsanzeiger. (…) Kleine Bühne (Elite-Kino) (…). In: Neues Wiener Journal, Nr. 8081/1916 (XXIV. Jahrgang), 30. April 1916, S. 21, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwj.
  6. Die Kriegszeit in Oesterreich. Kinos in der Kriegsausstellung Wien 1916. In: Neuigkeits-Welt-Blatt, Nr. 109/1916 (XLIII. Jahrgang), 12. Mai 1916, S. 7, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwb.
  7. Tegernseer Nachrichten. Einem Filmpionier zum 150. Geburtstag. Stadt Tegernsee, 1. November 2016, S. 22, abgerufen am 8. Dezember 2016 (PDF; 3,6 MB).
  8. Oskar-Meßter-Straße, 83684 Tegernsee
  9. Internet Movie Database. Abgerufen am 17. Juni 2011.
  10. Inschrift der Gedenktafel Anfänge des Films, Friedrichstraße 16, Berlin
  11. Bundesarchiv – Oskar Messter – Begründer der deutschen Kino- und Filmindustrie
  12. Bundesarchiv R 55/99, Bd. 2, 1940-1943, 5.18.1 Auszeichnungen für Künstler und Wissenschaftler, Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft, Findbuch zum Bestand R55-347 (Oskar Messter) im Bundesarchiv
  13. a b Bundesarchiv – Oskar Messter – Begründer der deutschen Kino- und Filmindustrie

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Meßter Film u. Apparate Gesellschaft m. b. H. (Wien, VII., Neubaugasse 25) wurde am 13. Januar 1914 in das Handelsregister des k. k. Handelsgerichts Wien eingetragen. Dieses bis in die 1920er-Jahre agierende Unternehmen dürfte sich mit dem Betrieb Kolowrats auf gemeinsame (Wochenschau-)Produktionen formlos geeinigt haben, da eine handelsrechtliche Verbücherung der in Vorspannen erscheinenden Sascha (S/M) Messter bzw. einer Sascha-Meßter-Film nicht nachzuweisen ist (Protokollierte Firmen in Adolph Lehmann’s allgemeinem Wohnungs-Anzeiger). – Zur Firmengründung der Meßter Film u. Apparate Gesellschaft m. b. H. siehe: Firmenprotokollierungen. (…). In: Amtsblatt zur Wiener Zeitung, Nr. 13/1914, 17. Jänner 1914, S. 68, Spalte 3 oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.