Paradiesvögel

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Paradiesvögel
Kleiner Paradiesvogel(Paradisaea minor)

Kleiner Paradiesvogel
(Paradisaea minor)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Paradiesvögel
Wissenschaftlicher Name
Paradisaeidae
Vigors, 1825

Die Paradiesvögel (Paradisaeidae) sind eine Vogelfamilie, die zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes), Unterordnung Singvögel (Passeres) gehört. Sie erreichen eine Körperlänge zwischen 16 und 43 Zentimeter und ein Gewicht zwischen 60 und 440 Gramm. Paradiesvögel sind langlebige Vögel, die in Gefangenschaftshaltung ein Alter bis zu 33 Jahren erreicht haben.

Neuguinea ist der Verbreitungsschwerpunkt dieser Familie. Diesem Umstand verdankt Neuguinea den Beinamen „Insel der Paradiesvögel“. Auch das Wappen Papua-Neuguineas zeigt einen Paradiesvogel. Sie kommen darüber hinaus auch im äußersten Norden Regenwäldern Australiens, einigen Inseln der Molukken und vor der Küste Neuguineas liegenden Inselgruppen vor. Viele Arten der Paradiesvögel leben in unzugänglichen Gebirgszügen und sind bislang wenig erforscht.

Die meisten Arten der Paradiesvögel werden als nicht gefährdet eingestuft. Blauparadiesvogel, Breitschwanz-Paradieshopf und der Lavendel-Paradiesvogel, ein Inselendemit, dessen Verbreitung auf die Inseln Normanby und Fergusson im Südosten Neuguineas begrenzt ist, werden als gefährdet (vulnerable) eingestuft.[1][2]

Erscheinungsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paradiesvögel teilen sich in zwei Unterfamilien mit sehr unterschiedlichem Aussehen. Die Arten der Unterfamilie Phonygamminae unterscheiden sich von den übrigen Paradiesvögeln vor allem durch ihr krähenähnliches Aussehen, das sich auch in der häufigen Verwendung von „Krähe“ in den deutschen Trivialnamen reflektiert. Ihr Gefieder ist überwiegend blauschwarz und mit einem intensiven irisierenden Glanz. Sie erreichen eine Körperlänge zwischen 34 und 43 Zentimeter und stellen mit der bis zu 440 Gramm schweren Kräuselparadieskrähe die schwerste Art unter den Paradiesvögeln.[3] Die Weibchen der Arten dieser Unterfamilie sind in der Regel geringfügig kleiner als die Männchen. Der Geschlechtsdimorphismus ist insgesamt bei ihnen nur wenig ausgeprägt – bei einigen Arten glänzt lediglich das Gefieder der Weibchen in einem leicht anderen Ton.

In der Unterfamilie der Eigentlichen Paradiesvögel ist der Geschlechtsdimorphismus dagegen sehr ausgeprägt. Die Männchen sind in der Regel deutlich farbenprächtiger als die Weibchen. Der Fadenhops ist die Art mit dem auffälligsten Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen teilen nahezu kein Merkmal des Gefieders.[4]

Die Männchen dieser Unterfamilie haben entweder stark kontrastierendes Gefieder oder sind samtschwarz mit einzelnen, stark irisierenden Körperpartien. So trägt beispielsweise der Große Paradiesvogel (Paradisaea apoda) neben dem gelben Rückengefieder und dem strahlend grünen Kehlbereich auffallend lange, rote Schwanzfedern. Das Männchen des kleineren Sichelschwanz-Paradiesvogels (Cicinnurus magnificus) zeichnet sich vor allem durch die namensgebende Schwanzsichel aus zwei langen Federn aus. Der Körper dieses Tieres ist ein Mosaik aus strahlendem Grün, Blau, Gelb und Rot. Die Weibchen beider Arten sind eher unauffällig braun-gelb gezeichnet. Die Strahlenparadiesvögel haben am Kopf sechs stark verlängerte Schmuckfedern, die spatelförmig auslaufen sowie ein bronzefalben glänzendes, schuppenartiges Brustgefieder. Dieses glänzende Brustgefieder findet sich auch beim Wimpelträger, dem einzigen Vertreter der Gattung Pteridophora. Er trägt an jeder Kopfseite jeweils eine stark verlängerte Kopfschmuckfeder, die mit einer Länge von bis zu 50 Zentimeter doppelt so lang ist wie seine Körperlänge. Erkennungs- und namensgebendes Merkmal dieses Paradiesvogels sind die wimpelähnlichen Strukturen an diesen Kopffedern. Etwa 40 bis 50 dieser Blättchen mit hellblauer Ober- und rotbrauner Unterseite sitzen einseitig und regelmäßig am Federschaft.[5]

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten sind häufig klein und gelegentlich in Neuguinea auf einen einzelnen Gebirgszug begrenzt. Im Gegensatz zu einigen anderen Sperlingsvögeln, bei denen sich das Verbreitungsgebiet über mehrere Kontinente erstreckt, reicht das Verbreitungsgebiet der Schall-Manucodia als derjenigen Art mit dem größten Verbreitungsgebiet unter den Paradiesvögeln lediglich vom Vogelkop im äußersten Westen Neuguineas bis zu den D’Entrecasteaux-Inseln östlich und der australischen Kap-York-Halbinsel südlich von Neuguinea.[6] Das Verbreitungsgebiet der Langschwanz-Paradigalla begrenzt sich dagegen auf das Arfakgebirge im Nordosten der neuguinesischen Halbinsel Vogelkop. Es gibt eine weitere Paradigalla-Population im Fakfakgebirge auf der Fakfakhalbinsel am westlichen Südende der Insel Neuguinea, die früher dieser Art zugeordnet wurde. Mittlerweile wird für diese Population jedoch vermutet, dass es sich um eine bislang nicht wissenschaftlich beschriebene, nur auf dieses Gebirge begrenzte Art der Gattung Paradigalla handelt.[7]

Zur Avifauna Australiens gehören lediglich vier Arten: Neben der Schall-Manucodia kommen dort Viktoria-, Pracht- und Schild-Paradiesvogel vor. Sie gehören zu den Paradiesvögeln, deren Lebensweise gut erforscht ist.

Balz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Weibchen (links) des Viktoria-Paradiesvogels nähert sich einem balzenden Männchen

Das Balzverhalten ist für einige der Paradiesvögel bislang nicht oder nur oberflächlich beschrieben. Die Beschreibung der Balz wird auch dadurch erschwert, dass Männchen zunächst das Gefieder eines adulten Weibchens tragen. Bei „Weibchen“, die an einem Balzplatz auftauchen, kann es sich also immer auch um ein noch nicht geschlechtsreifes Männchen handeln. Es kann dabei sehr lange dauern, bis sich das typische Gefieder eines adulten Männchens zeigt. Ein im August des Jahre 1969 im Gefieder eines adulten weiblichen Sichelschwanz-Paradiesvogels gefangener Vogel begann erst im September 1975, das Gefieder eines adulten Männchens zu zeigen. Er war zu diesem Zeitpunkt also mindestens sechs Jahre alt.[8] Ein Männchen des Schmalschwanz-Paradieshopfes, das am 13. September 1978 dem Baiyer River Sanctuary, Papua-Neuguinea, übergeben wurde und das zunächst noch das Gefieder eines Weibchens zeigte, ließ im Juli 1982 erstmals den für die Männchen typischen, presslufthammerartigen Ruf hören. Ein Jahr später begann es erste Federn eines adulten Männchens zu zeigen. Das vollständige Gefieder eines Männchens trug dieses Individuum erst im Mai 1985. Daraus schließt man, dass die Männchen dieser Art erst im Alter von sieben bis acht Jahren das Gefieder adulter Männchen zeigen.[9]

So unterschiedlich wie das Aussehen der Tiere ist auch ihr Balzverhalten. Bei den männlichen Göttervögeln bedeutet die Balz um Weibchen zugleich einen Wettstreit. Hier balzen mehrere Männchen gemeinsam auf einem Balzplatz, der im Einzugsbereich mehrerer Weibchen liegt. Sie locken ihre "Bewunderinnen" durch laute Rufe zum Balzplatz, wo sie ihre Schmuckfedern präsentieren, indem sie diese über ihren Körper werfen. Die Weibchen suchen sich eines der Männchen aus und lassen sich von diesem begatten, verlassen dann den Tanzplatz und kümmern sich allein um den Nachwuchs. So kann ein besonders dominantes Männchen mehrere Weibchen begatten, während andere, weniger prächtige Männchen keine Chance bekommen.

Auch der Sichelschwanz-Paradiesvogel bietet einen beeindruckenden Balztanz, wobei er vor allem seine Federn zu einem hohen Kragen aufrichtet und so auf senkrechten Stämmen tanzt. Er balzt allerdings allein im Revier eines Weibchens. Bei einem Paarungserfolg bleibt auch er allerdings nicht beim Weibchen, sondern sucht sich einen neuen Balzplatz und neue Partnerinnen. Beiden Arten ist also gemein, dass sich ein erfolgreiches Männchen gleich mit mehreren Partnerinnen paaren kann. Diese Paarungsstrategie wird als Polygynie (Vielweiberei) bezeichnet.

Wieder stellt die Schall-Manucodia gemeinsam mit einigen weiteren Arten einen Vertreter einer völlig anderen Strategie dar. Hier beeindruckt das Männchen die Weibchen nicht durch ein auffälliges Balzverhalten. Hat sich erst einmal ein Paar gefunden, bleibt es zusammen und zieht gemeinsam den Nachwuchs auf. Es handelt sich hierbei also um monogame Tiere.

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es stellt sich zwangsläufig die Frage, warum sich die einzelnen Arten so unterschiedlich verhalten. Die Antwort findet sich wahrscheinlich in den unterschiedlichen Nahrungsansprüchen der Tiere. Die Schall-Manucodia ernährt sich vor allem von Feigen, die schwer zu finden und ziemlich nährstoffarm sind. Um die Brut aufzuziehen und mit Nahrung zu versorgen, bedarf es beider Elternteile. Der Sichelschwanz-Paradiesvogel und auch der Göttervogel haben ihre Ernährung auf nahrhaftere Früchte wie Muskatnüsse umgestellt, außerdem ergänzen sie ihre Kost durch Insekten, die relativ einfach zu finden sind. So schafft es ein Weibchen auch allein, ihren Nachwuchs zu versorgen.

Lebenserwartung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männchen des Viktoria-Paradiesvogels, Queensland

Da viele Arten der Paradiesvögel in abgeschiedenen Regionen vorkommen, sind bislang vergleichsweise wenig Individuen beringt und anschließend wiedergefunden worden. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass Paradiesvögel vergleichsweise alt werden. Darauf weisen auch die wenigen Wiederfunde beringter Vögel hin:

  • Ein ausgewachsenes Männchen des Viktoria-Paradiesvogels, das im Oktober 1988 im Yungaburra-Nationalpark beringt wurde, wurde am selben Ort fast neun Jahre später erneut gefangen. Ein anderes Männchen, dass bei seiner Beringung mindestens 3 Jahre und 3 Monate alt war, wurde 15 Jahre später von einer Hauskatze getötet.[10]
  • Ein einzelnes, bereits ausgewachsenes Männchen des Blaunacken-Paradiesvogels, das am 29. Oktober 1978 beringt wurde, wurde am selben Ort am 7. Dezember 1986 wiedergefangen. Die Lebenserwartung dieser Art dürfte daher weit über neun Jahren liegen.[11]
  • Ein adultes Männchen des Carola-Paradiesvogels wurde 1954 dem Honolulu Zoo geliefert und lebte dort bis November 1969. Er dürfte daher mindestens 15 Jahre alt geworden sein.[12]
  • Den Altersrekord für ein frei lebendes Männchen des Raggi-Paradiesvogels hält ein am Mount Missim am 1. September 1980 beringter Vogel. Er trug zu diesem Zeitpunkt noch das für subadulte Männchen typische weibchenähnliche Gefieder. Er wurde im Juli 1997 wieder gefangen und trug zu diesem Zeitpunkt das adulte Gefieder der Männchen. Er war zu diesem Zeitpunkt mindestens 16 Jahre und 10 Monate alt.[13]
  • Ein von handaufgezogener männlicher Raggi-Paradiesvogel lebte im Baiyer River Sanctuary 25 Jahre lang. Von einem anderen, mindestens 33 Jahre alten Männchen wird berichtet, dass er sich noch in diesem Alter erfolgreich paarte.[13]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt insgesamt 43 Arten von Paradiesvögeln[14] in 16 Gattungen; Anhänger des phylogenetischen Artkonzepts spalten dieselben sogar in 90 unterschiedliche Arten auf.[15] Seit 1992 sind keine neuen Arten beschrieben worden. Die Familie ist in zwei Unterfamilie unterteilt.[16] Die nachfolgenden Arten werden momentan anerkannt:

Stephanie-Paradieselster (Astrapia stephaniae)
Kurzschwanz-Paradigalla (Paradigalla brevicauda)
Blaunacken-Paradiesvogel (Parotia lawesii)
Schall-Manucodia (Phonygammus keraudrenii)

Unterfamilie Eigentliche Paradiesvögel (Paradisaeinae) Vigors, 1825

Der lange als eigenständige Art eingestlufte Helena-Paradiesvogel gilt heute als Unterart des Blaunacken-Paradiesvogels und wird entsprechend als Parotia lawesii helenae geführt.

Unterfamilie Phonygamminae G.R. Gray, 1846

Hybridisierung innerhalb der Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmalschwanz-Paradieselster, eine Art, die sich häufiger mit anderen Arten kreuzt

Die Neigung von Paradiesvögeln, sich mit anderen Arten ihrer Familie zu kreuzen, ist bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Anton Reichenow und damit fast früher als für jede andere Vogelfamilie beschrieben worden.[18] Reichenow hielt es bereits 1901 für wahrscheinlich, dass die Art, die er ursprünglich als Janthothorax mirabilis als neue Art beschrieben habe, in Wirklichkeit eine Kreuzung aus den beiden Paradiesvogel-Arten Fadenhopf und einer Art aus der Gattung der Eigentlichen Paradiesvögel sei. Diese Idee wurde zunächst von der Fachwelt nicht akzeptiert. Erst 1930 veröffentlichte der deutsche Ornithologe Erwin Stresemann zwei Artikel, in denen er die Ansicht vertrat, dass nicht weniger als 17 der zuvor als Art beschriebenen Paradiesvögel hybriden Ursprungs seien.[19] Diese Ansicht fand zunächst vor allem bei dem Evolutionsbiologen Ernst Mayr Unterstützung, brauchte jedoch mehrere Jahrzehnte um sich durchzusetzen. Heute werden nur für sehr wenige der von Stresemann ursprünglich identifizierten potentiellen Hybriden noch diskutiert, ob möglicherweise doch eine eigenständige Art vorläge.[20]

Beispiele für Hybride[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Typusexemplaren in Museumsbeständen, die heute als Hybride gelten, finden sich überwiegend Männchen. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass von den indigenen Ethnien auf Neuguinea vor allem die mit auffälligen Schmuckfedern ausgestatteten Männchen gejagt und als Balg oder Vogelfell in den Handel gebracht wurden. Bei den Männchen fallen abweichende Merkmale außerdem stärker auf als bei den eher unauffällig gefärbten Weibchen.

Zu den Arten, bei denen es besonders häufig zu Hybriden kommt, zählt unter anderem die Schmalschwanz-Paradieselster, die sich mit den zur selben Gattung gehörenden Arten Pracht-Paradieselster und Stephanie-Paradieselster und außerdem dem Schmalschwanz-Paradieshopf. Für den Sichelschwanz-Paradiesvogel sind Hybride mit dem Königs-Paradiesvogel, dem Kragenparadiesvogel und dem Kleinen Paradiesvogel beschrieben worden.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dedikationsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Glanzparadieskrähe ist der erste Paradiesvogel, den mit René-Primevère Lesson ein Europäer in freier Wildbahn beobachtete.[23]
  • Der italienische Forschungsreisende Luigi Maria d’Albertis berichtete 1880 davon, dass er das Fleisch von vier Arfak-Strahlenparadiesvögeln gegessen habe. Dies gilt als bemerkenswert, weil das Fleisch der Paradiesvögel allgemein als so unangenehm bitter beschrieben wird, dass sie als ungenießbar gelten.[24]
  • Bei den in Museen aufbewahrten Typusexemplare des Fadenhopfes weist das Flankengefieder nicht mehr den intensiven Gelbton auf. Es verblasst nach dem Tod des Vogels sofort zu einem weißlichen Ton. Das Artepitheton melanoleuca weist darauf hin. Es bedeutet schwarz und weiß.[25]

Die Herkunft des Namens der Paradiesvögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildungen von fußlosen Paradiesvogel-Bälgen aus John Johnstons Werk Historia naturalis animalium von 1650

In seinem Werk Das Malayische Archipel. Die Heimath des Orang-Utan und des Paradiesvogels erläutert Alfred Russel Wallace die Entstehung des Namens und der Entdeckungsgeschichte der Paradiesvögel:

Da viele meiner Reisen zu dem speciellen Zwecke unternommen worden waren, um Exemplare von Paradiesvögeln zu bekommen und Etwas über ihre Gewohnheiten und ihre Verbreitung zu erfahren, und da ich (soweit mir bekannt) der einzige Engländer bin, der diese wundervollen Vögel in ihren Heimathswäldern gesehen und viele derselben erhalten hat, so beabsichtige ich hier im Zusammenhange das Resultat meiner Beobachtungen und Untersuchungen zu geben.
Als die ersten Europäer die Molukken erreichten, um Gewürznelken und Muskatnüsse zu suchen, damals seltene und werthvolle Specereien, wurden sie mit getrockneten Vogelbälgen beschenkt, die so seltsam und schön waren, daß sie die Bewunderung selbst jener nach Reichthum jagenden Seefahrer erregten. Die malayischen Händler gaben ihnen den Namen "Manuk dewata" oder "Göttervögel"; und die Portugiesen nannten sie, da sie sahen, daß sie weder Füße noch Flügel hatten und da sie nicht im Stande waren, irgend etwas Authentisches über sie zu erfahren, "Passaros de Sol" oder "Sonnenvögel", während die gelehrten Holländer, welche lateinisch schrieben, sie "Avis paradiseus" oder "Paradiesvögel" hießen. John von Linschoten gab ihnen im Jahre 1598 diesen Namen und er erzählte uns, daß Niemand die Vögel lebend gesehen hat, denn sie leben in der Luft, wenden sich stets gegen die Sonne und lassen sich vor ihrem Tode nie auf die Erde nieder; sie haben weder Füße noch Flügel, wie man, so fügt er hinzu, an den Vögeln, die nach Indien und manchmal auch nach Holland gebracht wurden, sehen kann, aber da sie zu jener Zeit sehr theuer waren, so wurden sie in Europa selten gesehen. Mehr als hundert Jahre später sah Herr William Funnel, der Dampier begleitete und einen Bericht über die Reise geschrieben hat, mehrere Exemplare auf Amboina und man sagte ihm, daß sie nach Banda kämen, um Muskatnüsse zu essen, welche sie berauschten und sie besinnungslos niederfallen machten, worauf sie von Ameisen getötet würden. Bis zum Jahre 1760, als Linné die größte Art Paradisea apoda (fußloser Paradiesvogel) benannte, war kein vollkommenes Exemplar in Europa gesehen worden und man wußte absolut Nichts über sie, und selbst jetzt, hundert Jahre später, führen die meisten Bücher an, daß sie jährlich nach Ternate, Banda und Amboina wandern, während es doch Thatsache ist, daß sie auf diesen Inseln in wildem Zustande eben so unbekannt sind wie in England. Linné war auch einer kleinen Art bekannt, welche er Paradisea regia (Königs-Paradiesvogel) nannte und seitdem hat man neun oder zehn weitere Arten kennen gelernt, die alle zuerst nach von Wilden auf Neu Guinea aufbewahrten Bälgen beschrieben wurden und gewöhnlich mehr oder weniger unvollkommen waren. Diese sind jetzt im malayischen Archipel alle als "Burong mati" oder todte Vögel bekannt, was sagen soll, daß die malayischen Händler sie nie lebend gesehen haben.[26]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handbook of the Birds of the World zum Lavendel-Paradiesvogel, aufgerufen am 20. August 2017.
  2. Handbook of the Birds of the World zum Blauparadiesvogel, aufgerufen am 20. August 2017.
  3. C. Frith, D. Frith: Curl-crested Manucode (Manucodia comrii). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, E. de Juana (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2017. (online, abgerufen am 9. Juli 2017)
  4. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 427.
  5. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 305.
  6. Handbook of the Birds of the World zur Grünparadieskrähe, aufgerufen am 9. Juli 2017.
  7. Handbook of the Birds of the World zur Langschwanaz-Paradigalla, aufgerufen am 9. Juli 2017.
  8. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 392.
  9. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 376.
  10. P. J. Higgins, J. M. Peter, S. J. Cowling: Handbook of Australian, New Zealand & Antarctic Birds. S. 645.
  11. Frith und Beehler: The Birds of Paradise – Paradisaeidae. S. 292.
  12. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 304.
  13. a b Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 469.
  14. Clifford B. Frith, Bruce M. Beehler: The birds of paradise. (= Bird Families of the World. 6). Oxford University Press, New York 1998, ISBN 0-19-854853-2.
  15. J. Cracraft: The species of the Birds-of-Paradise (Paradisaeidae): apllying the phylogenetic species concept to a complex pattern of diversification. In: Cladistics. 8, 1992, S. 1–43. doi:10.1111/j.1096-0031.1992.tb00049.x
  16. Jønsson u. a.: A supermatrix phylogeny of corvoid passerine birds (Aves: Corvides). In: Molecular Genetics and Evolution. 94, 2016, S. 87–94.
  17. Handbook of the Birds of the World zur Obiparadieskrähe, aufgerufen am 3. Juli 2017.
  18. McCarthy: Handbook of Avian Hybrids of the World. S. 228.
  19. McCarthy: Handbook of Avian Hybrids of the World. S. 493.
  20. McCarthy: Handbook of Avian Hybrids of the World. S. 229.
  21. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 307.
  22. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 483.
  23. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 212.
  24. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 282.
  25. Frith & Beehler: The Birds of Paradise - Paradisaeidae. S. 438.
  26. Der Malayische Archipel. Die Heimath des Orang-Utan und des Paradiesvogels. Reiseerlebnisse und Studien über Land und Leute. Band 2, Autorisierte deutsche Ausgabe von Adolf Bernhard Meyer. Westermann, Braunschweig 1869, S. 359 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paradiesvögel (Paradisaeidae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Paradiesvogel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen