Pfalzgrafenweiler

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Pfalzgrafenweiler
Pfalzgrafenweiler
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Pfalzgrafenweiler hervorgehoben

Koordinaten: 48° 32′ N, 8° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Freudenstadt
Höhe: 636 m ü. NHN
Fläche: 44,72 km2
Einwohner: 7140 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner je km2
Postleitzahl: 72285
Vorwahl: 07445
Kfz-Kennzeichen: FDS, HCH, HOR, WOL
Gemeindeschlüssel: 08 2 37 054
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 1
72285 Pfalzgrafenweiler
Website: pfalzgrafenweiler.de
Bürgermeister: Dieter Bischoff
Lage der Gemeinde Pfalzgrafenweiler im Landkreis Freudenstadt
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Über dieses Bild
Historischer Marktplatz
Ortsmitte Pfalzgrafenweiler 2006
Ortsmitte Pfalzgrafenweiler 2014

Pfalzgrafenweiler ist eine baden-württembergische Gemeinde im Landkreis Freudenstadt in der Region Nordschwarzwald.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Luftkurort Pfalzgrafenweiler liegt in 500 bis 750 Metern Höhe über NN auf einem Höhenrücken zwischen Schwarzwald und Heckengäu. Das Gemeindegebiet reicht im Westen im Bereich der Nagoldtalsperre bis fast an die Nagold und im Osten etwas über das Tal von deren großem Zufluss Waldach hinweg auf die rechte Randhöhe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Pfalzgrafenweiler gehören noch die Ortsteile Bösingen, Durrweiler, Edelweiler, Herzogsweiler, Kälberbronn und Neu-Nuifra.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzgrafenweiler im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzgrafenweiler wurde 1165 erstmals urkundlich erwähnt, als die dort liegende Burg Pfalzgrafenweiler der Pfalzgrafen von Tübingen zerstört wurde. Das Gebiet gehörte seit der Zeit Karls des Großen zum Nagoldgau unter Gaugraf Gerold. Nachdem den Gaugrafen im 11. Jahrhundert auch der Schönbuch unterstellt worden war, verlegten sie ihren Sitz nach Tübingen und durften den Titel Pfalzgrafen führen. Die kleine Jagdniederlassung Wylare wurde zur Pfalzgrafenburg ausgebaut. Während der Fehde von Pfalzgraf Hugo II. mit dem Welfengraf Welf VI. belagerte letzterer die Burg und zerstörte sie schließlich 1165.

Nach dem Wiederaufbau wurden Burg und Umland 1228 an das Bistum Straßburg abgetreten, Pfalzgraf Rudolf II. erhielt sie aber umgehend als Lehen zurück. Durch Heirat kam das Gebiet um Pfalzgrafenweiler Mitte des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Eberstein. Um 1420 kam das Gebiet durch Erbteilung je zur Hälfte an die Markgrafschaft Baden und die Grafschaft Württemberg. Pfalzgrafenweiler wurde württembergisch und gehörte zum Amt (und späteren Oberamt) Dornstetten.

Pfalzgrafenweiler in der Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1729 erhielt der Ort das Marktrecht. Bei einem Großbrand am 25. April 1798 wurde er fast vollständig zerstört. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 errichteten Königreich Württemberg wurde Pfalzgrafenweiler dem Oberamt Freudenstadt zugeordnet. Durch die Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Pfalzgrafenweiler 1938 zum Landkreis Freudenstadt.

Im April 1945 marschierten französische Streitkräfte in Pfalzgrafenweiler ein. Gottlieb Henssler wurde im August 1945 als Bürgermeister eingesetzt, bei der ersten freien Wahl nach dem Krieg wurde er 1946 im Amt bestätigt. Als Teil der französischen Besatzungszone geriet Pfalzgrafenweiler ins neu gegründete Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 als Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg aufging.

Am 10. August 1955 kam es während einer Fallschirmjägerübung zur Flugzeugkollision bei Edelweiler. Beide Flugzeuge stürzten bei Edelweiler ab und alle 66 Insassen kamen ums Leben.[2][3][4]

1973 erschloss man das Gewerbegebiet Schollenrain I. 1982 begann man mit der Ortskernsanierung. 1993 folgte das Gewerbegebiet Schollenrain II und 2000 Schornzhardt. 2004 erschloss man das Wohngebiet Links am Heuwasen.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurden 1972 und 1975 die zusätzlichen Ortsteile von Pfalzgrafenweiler eingemeindet:

  • 1. Januar 1972: Edelweiler[6]
  • 1. Januar 1975: Bösingen, Durrweiler, Herzogsweiler, Kälberbronn[7]

Edelweiler, Herzogsweiler und Kälberbronn waren erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts als württembergische Siedlungen für Holzfäller und Köhler entstanden, wohingegen Bösingen und Durrweiler schon im Mittelalter existierten.

Der Graf von Hohenberg verkaufte Bösingen 1363 an den Grafen von Württemberg. Bösingen gehörte dann zum Amt und späteren Oberamt Nagold.

Durrweiler war im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen, seit Mitte des 13. Jahrhunderts als Mitgift bei den Grafen von Eberstein, seit 1419 durch Tausch bei der Markgrafschaft Baden und seit 1603 mit dem Amt Altensteig bei Württemberg. Seit 1810 gehörte Durrweiler zum Oberamt Freudenstadt.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 15. Jahrhunderts erhielt Pfalzgrafenweiler eine eigene Kirche. Seit Einführung der Reformation 1534 ist der Ort evangelisch geprägt. Die kleine römisch-katholische Gemeinde wird von Waldachtal aus betreut. Die evangelischen Kirchengemeinden des Hauptortes Pfalzgrafenweiler (mit Edelweiler) und der Ortsteile Bösingen, Durrweiler, Herzogsweiler (mit Neu-Nuifra) und Kälberbronn gehören zum Kirchenbezirk Freudenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die evangelische Kirchengemeinde des Ortsteils Bösingen[8] gehört zum Kirchenbezirk Calw-Nagold, obwohl Pfalzgrafenweiler politisch dem Landkreis Freudenstadt angehört. In der Gemeinde gibt es auch eine Neuapostolische Kirche.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1912: 1200 Einwohner
  • 1961: 3882 Einwohner, davon 511 in Bösingen, 320 in Durrweiler, 185 in Edelweiler, 334 in Herzogsweiler, 167 in Kälberbronn und 2550 in Pfalzgrafenweiler
  • 1970: 4626 Einwohner, davon 597 in Bösingen, 336 in Durrweiler, 219 in Edelweiler, 391 in Herzogsweiler, 188 in Kälberbronn und 3114 in Pfalzgrafenweiler
  • 1991: 6139 Einwohner
  • 1995: 6540 Einwohner
  • 2000: 6802 Einwohner
  • 2005: 7057 Einwohner
  • 2010: 7251 Einwohner
  • 2015: 7101 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[9]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze 2014
Freie Wähler 52,5 % 12 54,5 %, 11 Sitze
CDU 36,9 % 8 38,7 %, 7 Sitze
SPD 10,5 % 2 6,8 %, 1 Sitz
Wahlbeteiligung 56,3 % 50,0 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2015 wurde Dieter Bischoff für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.[10]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzgrafenweiler unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu La Loupe in Frankreich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bedeutendsten Arbeitgebern am Ort zählen die Koch Pac-Systeme GmbH, ein mit der Uhlmann-Gruppe verbundener Hersteller von Verpackungsmaschinen für Pharmazeutika, und die auf Torten für Großverbraucher spezialisierte Pfalzgraf Konditorei GmbH.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1920er Jahre wurde mit dem Bau einer Nebenstrecke der Gäubahn von Dornstetten über Hallwangen nach Pfalzgrafenweiler begonnen, die jedoch nie vollendet wurde. Umfunktionierte Bahndämme erinnern heute an dieses Kapitel.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pfalzgrafenweiler gibt es eine Grund- und Hauptschule sowie eine Realschule. Die Realschule und die Hauptschule sind im selben Gebäude untergebracht, ein Teil der Grundschulklassen befindet sich in einem neueren Anbau.

Darüber hinaus befindet sich im Ort die DRK-Landesschule Baden-Württemberg, an der unter anderem die Ausbildungen zum Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Notfallsanitäter, Betriebssanitäter sowie Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Führungskräfte im Katastrophenschutz durchgeführt werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzgrafenweiler liegt an der Fernwanderstrecke Ostweg, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bösingen: Die im Jahre 1888 vom Stuttgarter Architekt Theophil Frey (Architekt) errichtete neugotische Kirche brannte in der Christnacht 1945 völlig aus. Das Kirchenschiff wurde bis 1950 nach Plänen des Stuttgarter Oberbaurates Johannes Fulda erneuert und die zerstörte dreiteilige Glasmalerei (Guter Hirte) im Chor mit gleicher Thematik durch die Künstlerin E. Fulda-Müller ersetzt, bis 1957 gefolgt von der Turmhelm-Erneuerung.[11]
  • Durrweiler: Kirche von 1827
  • Herzogsweiler: Kirche von 1751
  • Kälberbronn: Kirche von 1927
  • Pfalzgrafenweiler: Die Jakobskirche ist ein 1907 erbautes evangelisches Gotteshaus.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ortsteil Kälberbronn liegt das Naturschutzgebiet Große Tannen, das für seine extrem alten und hohen Bäume bekannt ist. Hier stand bis zum Orkan Lothar im Jahr 1999 auch Deutschlands mit 55 Metern vermutlich höchste Weißtanne, deren Alter auf 300 Jahre geschätzt wurde. Solche Bäume wurden früher an niederländische Werften verkauft, die daraus Masten für Großsegler herstellten.

Hohlenstein am Hang über dem Vörbächle

Der Hohlenstein, auch Hohler Stein genannt, ist ein freiliegender Fels aus Buntsandstein.[12] Er liegt am Hang des Vörbächles, einem Zufluss der Waldach. Der Hohle Stein ist sowohl ein Naturdenkmal als auch ein unter der Geotop-Nr. 6715/1070 geschütztes Geotop.

„Ameisen“ (der Spitzname für die Einwohner von Pfalzgrafenweiler) zieren den Ortseingang aus Richtung Durrweiler

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugen Hahn (1884–1938). geboren in Bösingen, Generalleutnant der Wehrmacht

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burkhart Oertel: Ortssippenbuch Pfalzgrafenweiler. Band 1: Für den Kernort sowie die Zinsbachmühle, Kreis Freudenstadt in Württemberg, 1645–1925. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 2012 (= Württembergische Ortssippenbücher 100)
  • Burkhart Oertel: Ortssippenbuch Pfalzgrafenweiler. Band 2: Für die Teilorte Dürrweiler, Edelweiler, Herzogsweiler, Kälberbronn, Neu-Nuifra, sowie die in Pfalzgrafenweiler geführten Teile von Missihof, Mönchhof, Oberwaldach und Vesperweiler, Kreis Freudenstadt in Württemberg, 1645 bzw. Ortsgründung -1925. Neubiberg: Selbstverlag des Verfassers 2013 (= Württembergische Ortssippenbücher 101)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pfalzgrafenweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Anatomy of a formation accident (Memento vom 30. Juli 2007 im Internet Archive), private Webseite, abgerufen am 11. Dezember 2010
  3. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  4. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  5. http://www.pfalzgrafenweiler.de/index.php?id=185 Ortschronik der Gemeinde Pfalzgrafenweiler
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 528.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 492.
  8. Website der Kirchengemeinde Bösingen
  9. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019 – Pfalzgrafenweiler, abgerufen am 30. April 2020
  10. http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.pfalzgrafenweiler-bischoff-startet-in-dritte-amtszeit.a9b381fc-69d2-4169-a825-aa78e7f64839.html
  11. Festschrift: 100 Jahre Bösinger Kirche; hg. Ev. Kirchengemeinde Bösingen, Dornstetten 1988
  12. Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe