Poběžovice

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Poběžovice
Wappen von Poběžovice
Poběžovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Plzeňský kraj
Bezirk: Domažlice
Fläche: 2780,4685[1] ha
Geographische Lage: 49° 31′ N, 12° 48′ OKoordinaten: 49° 30′ 40″ N, 12° 48′ 8″ O
Höhe: 435 m n.m.
Einwohner: 1.562 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 345 22
Kfz-Kennzeichen: P
Verkehr
Straße: HostouňKlenčí pod Čerchovem
Bahnanschluss: Staňkov–Poběžovice
Domažlice–Tachov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Hynek Říha (Stand: 2014)
Adresse: náměstí Míru 47
345 22 Poběžovice
Gemeindenummer: 554111
Website: www.pobezovice.cz

Poběžovice (deutsch Ronsperg) ist eine Kleinstadt im Okres Domažlice in Tschechien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Westböhmen an der Pivoňka (Piwonka oder Geschwindbach) im Vorland des Oberpfälzer Waldes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Ronsperg
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Pfarrhof am Marktplatz
Nepomukstatue zwischen Pfarrhaus und Kirche (Aufnahme 2013)

Die erste Erwähnung von Poběžovice steht im Zusammenhang mit Zdeněk von Poběžovice, der in den Jahren 1359–1373 belegt ist. 1424 wurde der Ort zum Marktflecken erhoben und 1502 zur Stadt. In dieser Zeit erbaute der Besitzer Dobrohost von Poběžovice auch die Burg und eine Kirche und benannte die Stadt in Ronšperk (deutsch Ronsperg) um. Die Kirche fiel der Feuersbrunst von 1632 zum Opfer und wurde anschließend in ihrer heutigen Gestalt neu errichtet.[3][4]

Von 1542 bis 1621 gehörte die Stadt den Herren von Schwanberg (Švamberk), später den Herren von Wunschwitz und im 19. Jahrhundert den Grafen von Thun und Hohenstein. In der Habsburgermonarchie war Ronsperg ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Ronsperg) im Bezirk Bischofteinitz. Der Gerichtsbezirk Ronsperg war deutschsprachig.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Region der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens von 1938 wurde Ronsperg dem Deutschen Reich angegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Bischofteinitz, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Bis 1945 war das Schloss Ronsperg Sitz der Reichsgrafen von Coudenhove-Kalergi. Die bis 1945 überwiegend deutsche Bevölkerung wurde fast vollständig vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Ronsperg überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 19451
Jahr Einwohner Anmerkungen
1600 k. A. 100 Familien, davon 30 jüdische Familien
1623 k A. 70 Hausbesitzer
1648 k. A. 11 Bauern, 6 Hüttner, 23 Gärtner in 40 Häusern, weitere 24 Häuser wüst
1654 k. A. 42 Hausbesitzer
1789 k. A. 128 Häuser[4]
1830 1950 in 222 Häusern[6]
1838 1928 in 222 Häusern, darunter 30 jüdische Familien mit 212 Personen[3]
1869 1899 in 252 Häusern
1880 1960 in 241 Häusern
1890 1854 in 241 Häusern
1900 1928 deutsche Einwohner,[7] in 264 Häusern
1910 2104 in 262 Häusern
1921 2008 in 285 Häusern, davon 1893 Deutsche[8]
1930 1989 [9] in 330 Häusern
1939 1995 [9]
1 Für die Tabelle wurden u. a. folgende Quellen benutzt:
Einwohner- und Häuserzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr Einwohner Häuser
1950 1232 296
1961 1291 286
1970 1238 226
1980 1447 236
1991 1506 254
2001 1542 280

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Poběžovice besteht aus den Ortsteilen[13] und Katastralbezirken[14] Ohnišťovice (Wonischen), Poběžovice, Sedlec (Sadl), Sezemín (Zeißermühl), Šibanov (Schiefernau), Šitboř (Schüttwa) und Zámělíč (Klein Semlowitz).

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Poběžovice befand sich ab dem 17. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, die bis zum Jahre 1859 eine Jeschiwa unterhielt. Poběžovice war auch Sitz des Kreisrabbiners für den Pilsener und Klattauer Kreis.[15] Nordwestlich von Poběžovice, nördlich der Straße 5(6)A Poběžovice – Drahotin befindet sich mitten im Feld der alte jüdische Friedhof von Poběžovice, zu dem eine befestigte Zufahrt mit Parkplatz gebaut worden ist. Der Zugang zum Friedhof erfolgt linker Hand durch ein Eisentor, nicht durch das Haupttor. Von über 500 Gräbern sind nur noch etwa 50 erhalten.[16]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Bauer (Hg.): Ronsperg. Ein Buch der Erinnerung. Furth im Wald 1970.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Poběžovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/554111/Pobezovice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 7: Klattauer Kreis, Prag 1839, S. 145–146, Ziffer 1.
  4. a b Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 12: Klattauer Kreis, Prag und Wien 1789, S. 78–79, Ziffer 1).
  5. Anastasia Prochazka: Das deutsche Sprachgebiet in Böhmen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Band 14, Prag 1876, S. 221–240, insbesondere S. 226.
  6. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 203, Ziffer 4) unten (books.google.de)
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 129.
  8. Genealogie-Netz Sudetenland
  9. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Bischofteinitz. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Jiřina Růžková, Josef Škrabal, Vladimír Balcar, Radek Havel, Josef Křídlo, Marie Pavlíková, Robert Šanda: Historický lexikon obcí České republiky 1869–2005 (1. díl). Hrsg.: Český statistický úřad. Český statistický úřad, Prag 2006, ISBN 80-250-1310-3 (PDF-Datei zum Download).
  11. Franz Bauer: Ronsperg. In: Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler KG, Eichstätt 1967, S. 216–235. online
  12. http://www.pobezovice.cz/mesto/informace-o-meste/historie/
  13. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/554111/Obec-Pobezovice
  14. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/554111/Obec-Pobezovice
  15. Josef Hüttl: Das kirchlich-religiöse Leben in unserem Heimatkreis. In Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler, Eichstätt 1967, S. 479
  16. a b Chamer Zeitung, vom 29. Mai 2013, zum Download auf http://www.pobezovice.cz/?module=dokument&action=display_dokument&id=6720
  17. Franz Bauer: Ronsperg. In: Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler, Eichstätt 1967, S. 228.