Priesterseminar Mainz

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Bischöfliches Priesterseminar St. Bonifatius
Anschrift Augustinerstraße 34
55116 Mainz
Land Deutschland
Träger Bistum Mainz
Gründungsjahr 1568
Neugründung 1804
Seminaristenzahl (ges.) 11
Regens Dr. Anton Dennebaum
Subregens Pfr. Markus Lerchl
Spiritual P. Clemens M. Löcher SJ
Webadresse Homepage des Seminars

Das Mainzer Priesterseminar ist die Ausbildungsstätte des römisch-katholischen Bistums Mainz für Priesteramtskandidaten, die keinem Orden angehören.

Die Priesterausbildung findet ergänzend zum Studium der Katholischen Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt und soll Bereiche der priesterlichen Ausbildung sicherstellen, die nicht Inhalt wissenschaftlicher Theologie sind.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebäude des Priesterseminars befinden sich in der Mainzer Altstadt, auf dem und um das Gelände des ehemaligen Augustinereremitenklosters von Mainz. Es grenzt südlich an das Augustinergässchen, südwestlich an die Augustinerstraße, nordwestlich an die Grebenstraße und östlich an den Erbacher Hof und die Weintorstraße; das Gelände wird von der Himmelgasse durchquert. In seiner Franziskuskapelle befindet sich das sogenannte Mainzer Gnadenkreuz, ein gotisches Holzkruzifix, das 1542/1543 vom Hl. Petrus Faber besonders verehrt wurde.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustinerstraße 34, die Postadresse des Priesterseminars, im Hintergrund die Seminarkirche.

Das Mainzer Priesterseminar geht auf das erste Jesuitenkolleg der Stadt zurück, das erstmals eine akademische Priesterausbildung anbot. Bereits 1561 holte Erzbischof Daniel Brendel von Homburg die Jesuiten nach Mainz, um die Gegenreformation zu bestärken, die durch Professoren wie Johann Dietenberger nicht vorankam.[2] Brendel verschaffte den Jesuiten gegen Widerstände des etablierten Lehrkörpers mehrere Lehrstühle an der Universität. Der Beginn der akademischen Priesterausbildung fiel ins Jahr 1586, in dem Erzbischof Wolfgang von Dalberg Bistum und Erzstift vorstand. Die Bauten der Jesuiten, die mit der Leitung des Seminars betraut wurden, wurden bis zum Einmarsch schwedischer Truppen am 23. Dezember 1631 nahezu völlig zerstört. Bis zur Rückkehr des hohen Klerus unter Anselm Casimir Wambolt von Umstadt 1636 war im schwedisch besetzten Mainz an Priesterausbildung nicht zu denken. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Jesuitenkolleg 1648 niedergelegt.

Bartholomäus Holzhauser (links), im Gespräch mit Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (mitte) und König Karl II. von England (rechts). Zeitgenössisches Gemälde.

Es war Johann Philipp von Schönborn, der den finanziellen, kulturellen, religiösen und kirchlichen Wiederaufbau des Erzstifts betrieb. Der ehemalige Schüler des Jesuitenkollegs ließ die „Mainzer“ Seminaristen zunächst am Priesterseminar seines Hochstifts Würzburg ausbilden.

Erst am 7. September 1660 wurde das Priesterseminar von ihm und seinem Großcousin Domdekan Johann von Heppenheim genannt vom Saal neugegründet.[3] Anstelle der Jesuiten wurden 1662 die Bartholomiten, welche sich bereits in Würzburg bewährt hatten, mit der Leitung des Seminars im Kronberger Hof beauftragt. Bartholomäus Holzhauser, der Gründer des „Instituts der in Gemeinschaft lebenden Weltpriester“, war ab 1655 Pfarrer bzw. Dekan in Bingen und Berater des Kurfürsten von Schönborn. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens erfolgte 1773 der Umzug des Priesterseminars in das nun leerstehende, größere Jesuitennoviziat.

Als am 29./30. September 1792 eine französische Revolutionsarmee unter dem Kommando des Generals Adam Philippe Custine auf Speyer vorrückte, brach in Mainz Panik aus. Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal, das Mainzer Domkapitel und die Adelsfamilien verließen mit ihren Bediensteten die Stadt. 1793 wurde eine säkulare Mainzer Republik gegründet. Mainz wurde Hauptdurchgangslager nach Osten für die französischen Revolutionstruppen. Die organischen Artikel regelten ab 1802 den Umgang mit der Religionsausübung in ganz Frankreich und damit auch in Mayence. Am 10. Januar 1803 wurde das Priesterseminar endgültig durch den französischen Präfekten Jeanbon St. André aufgehoben. Die Gebäude wurden für die Gründung einer École centrale nach Maßgabe des „Comité d'instruction publique“ bestimmt.[4]

Neustrukturierung und Neuorganisation im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 1805 wurde Bruno Franz Leopold Liebermann durch den neu eingesetzten Bischof Joseph Ludwig Colmar als Seminarregens zur Neuordnung der Theologenausbildung berufen.[5] Für diese Neugründung stellte die Munizipalität unter Franz Konrad Macké „großzügig“ das geräumige, aber stark beschädigte ehemalige Augustinereremitenkloster als Ausbildungsstätte zur Verfügung. Bischof Colmar stellte seine Mitarbeiter aus dem ihm bekannten Elsässer Zirkel, dem später als Mainzer Kreis bekannten Personenkreis, zusammen.

Durch seine persönlich guten Beziehungen zu Napoleon erreichte Colmar, dass die Wiederherstellung der Gebäude von diesem finanziell unterstützt wurde. Am 30. Oktober 1806 begann die Priesterausbildung mit zehn Alumnen in den Räumen des Seminars. Bischof Colmar bestand auf dem Recht, den Regens und die Professoren selbst zu ernennen.[6]

Der als Pensionär in Speyer wohnhafte Geistliche Damian Hugo Philipp von Lehrbach (1738–1815) hinterließ bei seinem Tod rund 150.000 Gulden, die er dem damals für seine Stadt zuständigen Mainzer Priesterseminar stiftete. 1819 sollte das Geld ausgezahlt werden, was jedoch die bayerische Regierung untersagte, da kurz zuvor das Bistum Speyer neu gegründet worden war und somit auch hier die Einrichtung eines Priesterseminars nötig wurde. Nach längerem Rechtsstreit kam es zu einem Vergleich, wobei das Mainzer Seminar 1844 aus der Lehrbach-Stiftung den Betrag von 60.000 Gulden erhielt, während 90.000 Gulden an das Speyerer Seminar flossen.[7]

Unter der Ägide von Regens Christoph Moufang wurde das Seminar im Kulturkampf von 1877 geschlossen, die Studenten mussten auf das Bischöfliche Lyzeum Eichstätt ausweichen.[8] Die Wiedereröffnung war am 3. November 1887.[9]

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahrzehnten konsolidierte sich das Seminar wieder. 1908 trat Romano Guardini ein, er wurde nach seinem Studium im Mai 1910 zum Priester geweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg prägte die französische Besatzung die Geschicke des Priesterseminars. In der Zeit des Nationalsozialismus fanden Repressionen von staatlicher Seite gegen das Seminar statt, im Zweiten Weltkrieg diente es als Quartier für Kriegsflüchtlinge.

1946 wurde die Johannes Gutenberg-Universität Mainz neugegründet. Während die Pastoralausbildung im Priesterseminar verblieb, fanden seitdem viele Vorlesungen an der Universität statt. In der Nachkriegszeit prägte Regens Josef Maria Reuß (bis 1968) durch seine Reform der Priesterausbildung das Mainzer Seminar.[10]

Regenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Liste zeichnet die Regenten seit der Neugründung unter Bischof Colmar auf:

  1. Bruno Franz Leopold Liebermann (1805–1823)
  2. Andreas Räß (1823–1829)
  3. Markus Fidelis Jäck (1830–1832)
  4. Martin Dotzheimer (1832–1835)
  5. Markus Adam Nickel (1835–1851)
  6. Christoph Moufang (1851–1890)
  7. Johann Baptist Holzammer (1890–1903)
  8. Georg Heinrich Maria Kirstein (1903)
  9. Joseph Blasius Becker (1904–1920)
  10. Philipp Jakob Mayer (1920–1922)
  11. Joseph Schneider (1922–1928)
  12. Ernst Thomin (1928–1945)
  13. Josef Maria Reuß (1946–1968)
  14. Nikolaus Reinhardt (1969–1984)
  15. Rainer Borig (1984–1997)
  16. Horst Schneider (1997–2007)
  17. Udo Markus Bentz (2007−2017)
  18. Anton Dennebaum (ab Okt. 2017)

Personen, die am Priesterseminar wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikolaus Reinhardt / Ingobert Jungnitz (Red.), Augustinerstraße 34, 175 Jahre Bischöfliches Priesterseminar Mainz, o.O. o.J. [Mainz 1980]
  • Helmut Hinkel (Hg.), Das Seminar. 200 Jahre Mainzer Priesterseminar in der Augustinerstraße und Perspektiven der Priesterausbildung heute im Auftrag des Priesterseminars herausgegeben, Publikationen Bistum Mainz, Mainz 2005, ISBN 3-934450-23-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite des Bistums Mainz zur Franziskuskapelle mit dem Gnadenkreuz
  2. Wolfgang Dobras: Die kurfürstliche Stadt (1462-1648) in: Hrsg.: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz: Mainz - Die Geschichte der Stadt. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1998 (S. 255).
  3. Webseite des Bistums Mainz zu Domdekan Johann von Heppenheim, genannt vom Saal
  4. Holger Michelfeit, La Grammaire générale dans les Écoles centrales en Rhénanie (1798–1804)
  5. Ludwig Lenhart: Die erste Mainzer Theologenschule des 19. Jahrhunderts (1805-1830)
  6. http://bistummainz.de/einrichtungen/priesterseminar/seminar/gebaeude/geschichte.html
  7. Franz Xaver Remling: Neuere Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Speyer, 1867, S. 136 u. 137 (Fußnoten); (Digitalscan)
  8. Erwin Gatz: Priesterausbildungsstätten der deutschsprachigen Länder zwischen Aufklärung und Zweitem Vatikanischem Konzil: mit Weihestatistiken der deutschsprachigen Diözesen. Herder, Freiburg/Br. u.a. 1994, ISBN 978-3-451-22567-3, S. 140
  9. Geschichte des Mainzer Priesterseminars, Website des Priesterseminars
  10. Weihbischof Regens Josef Maria Reuß, Webseite des Priesterseminars


Koordinaten: 49° 59′ 49″ N, 8° 16′ 29″ O