Radheim

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Radheim
Gemeinde Schaafheim
Ortswappen, wie es auf dem Gedenkstein des Fremdenverkehrsvereins von 1967 verwendet wird
Koordinaten: 49° 53′ 20″ N, 9° 1′ 5″ O
Höhe: 167 (164–190) m
Fläche: 4,03 km²
Einwohner: 949 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 235 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64850
Vorwahl: 06073
Radheimer Barockkirche von 1577, dem Hl. Laurentius gewidmet
Grüße aus Radheim

Radheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Schaafheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.

Das Dorf liegt am nordöstlichen Rand des Odenwaldes im Bachgau. Durch Radheim verläuft die Kreisstraße 106. Der Ort schließt direkt westlich an Mosbach an. Durch Radheim fließt der Pflaumbach (je nach Region auch Welzbach genannt), der in den Schönbusch-See im Park Schönbusch einfließt und bei Leider schließlich in den Main mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte und Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenfunde lassen auf eine frühe Besiedlung in der Jungsteinzeit schließen. Durch den Reichtum an Quellen boten sich hier ideale Siedlungsbedingungen.

Zur Römerzeit befand sich in Radheim, damals Teil der Provinz Obergermanien und ab 125 n. Chr. zum rechtsrheinischen Teil der Civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg gehörend, ein römischer Gutshof (villa rustica) anstelle der Kirche. Diese landwirtschaftlichen Betriebe versorgten die Truppen am nahen Limes. Als Beweis dienen die gefundenen römischen Viergöttersteine. Den letzten Viergötterstein fand man bei Renovierungsarbeiten 1972 unter dem Altar der alten Radheimer Kirche. Ein Viergötterstein wird heute auch im Landesmuseum Darmstadt aufbewahrt. Mit dem Fall des Limes um das Jahr 260 n. Chr. zogen sich die Römer wieder hinter die Rheinlinie zurück.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 5. Jahrhundert besiedelten die Franken das Gebiet.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 798, und zwar im Codex Eberhardi des Klosters Fulda. 1278 kam der Ort mit den anderen Gemeinden des Bachgaus an das Kurfürstentum Mainz, wo es über fünf Jahrhunderte verblieb. Grundherren in der Gemarkung Radheim waren die Klöster Amorbach, Höchst und Aschaffenburg sowie die Johanniter aus Mosbach. Auch die Herren von Hanau, von Düdelsheim, die von Wasen und Schrautenbach hatten Güter und Berechtigungen in Radheim.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflösung des Mainzer Kurstaates kam Radheim zunächst zum Großherzogtum Frankfurt, wurde jedoch 1817 durch Tausch an Hessen angegliedert. In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt: Roden (um 800 bis 1262, 1403), Rode (1267, 1317), Roeden (1442), Raden (1445), Rodau (1457), Rode (1567), Rodheym (1577) und Rodheim (1812).[1]

Kirchlich gehörte Radheim bis 1820 zu Wenigumstadt und anschließend als Filiale zu Mosbach. Nach 1945 erhielt Radheim, gemeinsam mit Schaafheim, eine eigene Pfarrei. Die heute noch erhaltene Laurentiuskirche wurde 1577 anstelle eines kleineren Gotteshaus errichtet, dabei blieb der gotische Turm erhalten.

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten sind wie folgt dokumentiert[1]:

1267 bis 1803: Kurfürstentum Mainz, Vicedomamt Aschaffenburg, zuletzt Stadt- und Amtsvogtei Obernburg und Großostheim
1803 bis 1810: Fürstentum Aschaffenburg
1810 bis 1814: Großherzogtum Frankfurt, Departement Aschaffenburg, District Obernburg
1814 bis 1817: Königreich Bayern, Landgericht Obernburg
1817 bis 1820: Amt Umstadt, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.
1821 bis 1832: Landratsbezirk Dieburg der Provinz Starkenburg.
1832 bis 1848: Kreis Dieburg, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
1938 bis 1977: Landkreis Dieburg. Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst.
ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht

Die zuständige Gerichtsbarkeit war[1]:

1821: Landgericht Umstadt
1879: Amtsgericht Groß-Umstadt
1968: Amtsgericht Dieburg

Belegte Einwohnerzahlen sind dabei[1]:

1829: 457 Einwohner
1939: 477 Einwohner
1961: 577 Einwohner
1970: 726 Einwohner
Radheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
498
1840
  
513
1846
  
572
1852
  
602
1858
  
556
1864
  
538
1871
  
501
1875
  
486
1885
  
476
1895
  
482
1905
  
456
1910
  
435
1925
  
443
1939
  
477
1946
  
635
1950
  
631
1956
  
551
1961
  
577
1967
  
667
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Radheim, das früher sehr stark landwirtschaftlich geprägt war, ist heute eine Arbeiterwohngemeinde mit knapp 1000 Einwohnern. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 die bis dahin eigenständige Gemeinde Radheim per Gesetz nach Schaafheim eingegliedert.[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radheim im Bachgau, ausführliches Radwege,- und Wanderwegenetz rund um den Ort; Ausgangsort für Wanderungen in Odenwald und Spessart
Wartturm bei Radheim
Othilie-bildstock-radheim.jpg
Der Bildstock der Hl. Ottilie am Einhardweg
Othilie-bildstock-radheim rom-bild.jpg
Bildnis der heiligen Ottilie


Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind:

Buslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K 54 Babenhausen (Hessen) Bahnhof
  • K 54 Aschaffenburg-Hauptbahnhof

Rad- und Wanderwegenetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um Radheim gibt es ein umfangreiches ausgeschildertes Rad- und Wanderwegenetz. Bekanntester Wanderweg ist der historische Einhardweg mit Radheim als Zwischenstation.

Fernstraßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B 26 Richtung Darmstadt Anschluss zur A 5 (Basel- Karlsruhe-Frankfurt-Kassel) und A 67
  • B 26 östlich Richtung Aschaffenburg Anschluss zur A 3 (Köln-Bonn-Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau)
  • B 45 Richtung Hanau Anschluss zu A 3 und A 45 (Hanau)
  • B 45 nördlich Richtung Frankfurt/Offenbach über B 486 und A 661 (Egelsbach-Frankfurt)
  • B 45 südlich Richtung Michelstadt/Erbach.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nördlich von Radheim ragt auf einem Hügel der 22 m hohe Wartturm auf, den 1492 der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg an der alten Bachgauer Landwehr errichten ließ. Er sicherte den Übergang des Handelsweges in Kurmainzer Gebiet. 1992 wurde der Turm restauriert und wieder begehbar gemacht.
  • Radheim besitzt zwei Kirchen. Die Kirchen sind dem Hl. Laurentius geweiht. Die erste Kirche ist aus dem Jahre 1244 nachgewiesen. Die heutige alte Kirche wurde 1577 errichtet. Ihr Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1903 wurde das Kirchenschiff um sechs Meter verlängert und 1968 wieder um sechs Meter verkürzt. Von außen unscheinbar, umso prachtvoller ist die barocke Innenausstattung, die zwischen 1763 und 1767 gestaltet wurde. Die neue Kirche wurde 1964 errichtet. Beide Gotteshäuser sind mit einem Gang verbunden.
  • Die alte Ortsmauer mit Schießscharte.
  • Der Bildstock der Hl. Ottilie, 1793 errichtet, der Stein aber vermutlich romanisch, 1965 schwer beschädigt, seit 1976 neu errichtet am Waldweg von Dorndiel stehend, befindet sich am Einhardweg, einem mittelalterlichen historischen Wanderweg, der von Dorndiel über den Höhenzug des Odenwaldes durch Radheim führt.
  • Straußenfarm Tannenhof nordwestlich von Radheim.
  • Die Brennerei Bachgau-Destille.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Wolf, lat. Petrus Lupinus (* in Radheim; † 1521 in Wittenberg), Theologe, im Jahr 1506 Rektor der Universität Wittenberg, Förderer von Martin Luther

Personen, die in Radheim gelebt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Kühne (* 1941), deutscher Schriftsteller und Publizist, lebte von 1943 bis 1953 in Radheim

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Castritius: Von "Rodem" zu Radheim: 1200 Jahre Radheimer Geschichte. Verlag Keim, Großkrotzenburg 1998, ISBN 3-921535-47-6.
  • Ossip Ottersleben (Norbert Kühne): Als Flüchtling in Hessen, in: DAS PULT 63/1981/14. Jahrgang S. 24 ff, Hg. in St. Pölten, Österreich; beschrieben wird das Schicksal einer Flüchtlingsfamilie, die in Radheim angekommen ist.
  • Bernd Steidl: Welterbe Limes: Roms Grenze am Main. Logo, Obernburg am Main 2008, ISBN 978-3-939462-06-4. (Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung 36)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d „Radheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL); abgerufen am 1. September 2012 (Stand: 23. Juli 2012).
  2. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 In: GVBl. I 1974/22