Dorndiel

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Dorndiel
Koordinaten: 49° 51′ 58″ N, 9° 0′ 53″ O
Höhe: 221 m ü. NHN
Fläche: 2,76 km²[1]
Einwohner: 460 (Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64823
Vorwahl: 06078
Karte
Lage von Dorndiel in Groß-Umstadt
Dorndiel und der Dorndieler Hof auf einer Waldkarte von 1725
Dorndiel Nordwestansicht

Dorndiel ist mit seinen etwa 450 Einwohnern der kleinste und am weitesten von der Kernstadt entfernte Stadtteil Groß-Umstadts am östlichsten Rand des südhessischen Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt direkt an der Grenze Hessens zu Unterfranken in Bayern. Der südliche Nachbarort Wald-Amorbach liegt schon im hessischen Odenwaldkreis in einem Talkessel auf 221 m ü. NHN. Er liegt 30 km von Darmstadt und 10 km von Groß-Umstadt in östlicher Richtung in einem nördlichen Ausläufer des Odenwalds und ist ein typisches Haufendorf in Tallage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1390 und in Resten noch 1786 wird eine Burg Dorndiel der Schelle von Amorbach in den Urkunden erwähnt. Sie lag wahrscheinlich auf dem Gelände des Dorndieler Hofes, der südwestlich des eigentlichen Ortskerns lag.[3] Die Kommende Mosbach und das Kloster Höchst hatten im Mittelalter Grundbesitz in Dorndiel, das in den Bachgau zu zählen ist und Kurmainzer Herrschaftsgebiet war. Zeitweilig zur Zent Umstadt gehörig, kam es im ausgehenden Mittelalter zur Zent Ostheim. Durch Dorndiel zog sich die Landesgrenze zwischen dem Kondominat Umstadt und dem Kurmainzer Gebiet des Bachgaus: der westlich gelegene Dorndieler oder Pfälzer Hof unterstand dem Kondominat, die größere Siedlung Dorndiel selbst war Kurmainzer Gebiet.

Um 1800 herrschte in Dorndiel eine große Armut, so dass viele Bürger nach Amerika auswanderten. 1803 wurde Dorndiel, wie auch Radheim und Mosbach, als rechtsrheinisches Territorium des Oberen Erzstiftes Mainz Teil des Fürstentums Aschaffenburg und kam mit diesem 1810 an das Großherzogtum Frankfurt, wo die drei Orte im Departement Aschaffenburg auf dem Verwaltungsgebiet der Districtmairie Obernburg lagen. Am 26. Juni 1814 kamen Dorndiel, Mosbach und Radheim an das Königreich Bayern. Mit Vertrag vom 29. Januar 1817 gelangten die drei Orte durch Gebietstausch gegen Umpfenbach, Laudenbach, Windischbuchen und Reichartshausen an das Großherzogtum Hessen.

Mit der hessischen Herrschaft wurde Dorndiel bis 1820 Teil des hessischen Amtes Umstadt das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Dorndiel wurde dem Landratsbezirk Dieburg zugeteilt. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Dorndiel in den Kreis Dieburg. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Dorndiel zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Dieburg, bevor wieder der Kreis Dieburg für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dieser war bis zum 1. November 1938 ein Landkreis des Großherzogtum Hessen und nach dem Ersten Weltkrieg des Volksstaat Hessen. Aus ihm ging im Zuge der Verwaltungsreformen 1938 der Landkreis Dieburg hervor. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde 1977 der Landkreis Dieburg mit dem Landkreis Darmstadt fusioniert und bildet den heutigen Landkreis Darmstadt-Dieburg.[1]

Aus dem Bergrundbuch von Dorndiel des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass es eine Eisenerzgrube Margareta gegeben haben muss. Die Bergbaurechte sind 1989 erloschen.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Zusammenschluss durch Landesgesetz, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, von Dorndiel mit Groß-Umstadt und mehreren anderen Gemeinden am 1. Januar 1977 war Dorndiel eine selbstständige Gemeinde.[4] Seitdem ist es der am weitesten von der Kernstadt entfernte und kleinste Ortsteil von Groß-Umstadt.

Besitzer und Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsname und Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:

  • 1418 Dorndylle
  • 1458 Dorndill[5]
  • 1497 Dorndille[6]
  • 1543 Dorndyll[1]
  • 1567 Dorndiel (dorn = Dorn; diel = mhd. dulle, Zaun, Hag)
  • 1577 Dorndill[1]
  • 1607 Dorndiell[1]
  • 1608 Dorndiehl[1]
  • 1690 Dorntiel[7]

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1812: 29 Feuerstellen, 186 Seelen
  • 1961: 49 evangelisch, 278 katholische Einwohner
Dorndiel<width=450: Einwohnerzahlen von 1812 bis 1970
Jahr  Einwohner
1812
  
186
1829
  
276
1834
  
302
1840
  
335
1846
  
349
1852
  
352
1858
  
316
1864
  
287
1871
  
258
1875
  
264
1885
  
266
1895
  
264
1905
  
275
1910
  
310
1925
  
270
1939
  
260
1946
  
378
1950
  
364
1956
  
334
1961
  
327
1967
  
304
1970
  
327
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche
Dorfstraße

Rund um die Ortschaft erstrecken sich heute eine Vielzahl von Wanderwegen. Einer davon ist der Franken-Hessen-Kurpfalz-Weg, von dem aus man zu einigen der bedeutenden Sehenswürdigkeiten des Odenwalds gelangt. Sehenswürdigkeiten und Wanderziele in der Umgebung:

Drei Dorndieler Ortsvereine (Freiwillige Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz und Sportverein 1965 e.V.) sind aktiv: So findet der Tanz in den Mai beim Sportverein, an Christi Himmelfahrt das Frühlingsfest der Feuerwehr und Anfang Juli die Dorndieler Sommernacht des DRK Dorndiel statt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark Binselberg

Die Ortsmitte mit der Bushaltestelle, auch Dalles genannt (das Wort „Dalles“ bedeutet auf Jiddisch „Armut“ und auch „vorübergehend mittellos“), zählt zu den ältesten Plätzen in Dorndiel. Hier stand damals noch ein Dorfbrunnen.

Es gibt in Dorndiel seit vielen Jahren einen Jugendraum unter dem umgebauten Bürgertreff gegenüber dem Feuerwehrhaus, der mehrmals in der Woche von Kindern und Jugendlichen für Spiele, Geselligkeit und Unterhaltung genutzt werden kann.

Zwei Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Dorndiel: Das Selbstversorgerhaus der Katholischen Kirchengemeinde Dorndiel und eine private Adresse.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorndiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Dorndiel, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Groß-umstadt:Stadtteile, abgerufen im November 2017.
  3. Dorndieler o. Pfälzer Hof. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 30. August 2011). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 16. Februar 2012.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 14 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Altertümer und Geschichte des Bachgaus im alten Maingau, Erster Teil, Johann Wilhelm Christian Steiner, verlegt von Wailandt, 1829, S. 96 und S. 98
  6. BW-Staatsarchiv Wertheim, abgerufen im Mai 2009
  7. In den Folien von Nikolaus Person Novae Archiepiscopatus Moguntini Tabulae um 1690, gewidmet dem Mainzer Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim, da die angrenzende Cent Bachgau dem Mainzer Erzbischof gehörte.