Waldeck (Stadt Waldeck)

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Waldeck (Stadtteil)
Stadt Waldeck
Koordinaten: 51° 12′ 22″ N, 9° 3′ 43″ O
Höhe: 401 m ü. NHN
Fläche: 15,01 km²[1]
Einwohner: 1515 (16. Okt. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner/km²
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05623
Blick auf Waldeck vom Schloss
Blick auf Waldeck vom Schloss

Waldeck ist einer der zwei größten Stadtteile der Stadt Waldeck im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg sowie einer der meist frequentierten Fremdenverkehrsorte im Waldecker Land.

Der Ort war bis 1655 Residenzsitz der Waldecker Grafen. Waldeck wurde durch seine Lage am 1914 fertiggestellten Edersee zum staatlich anerkannten Luftkurort. Heute findet man hier Fremdenverkehrsangebote für Erholung und Freizeitgestaltung. Überragt wird die Waldecker Kernstadt von Schloss Waldeck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg und Ort Waldeck 1655 in der Topographia Hassiae von Matthäus Merian
Netzer Tor, 1867
Stadtmauerrest am Elsterberg

1232 findet sich die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Siedlung Waldeck in einer Urkunde des Klosters Netze. Dort wird sie als universitas civitatis de waldeke erwähnt. Um 1250 entstand die Stadtmauer, die über drei Stadttore verfügte, darunter das Schlosstor und das Netzer Tor. Der Torturm des Netzer Tors diente auch als Gefängnis. Er wurde 1891 an einen Landwirt veräußert, der ihn abbrach und das Mauerwerk zum Bau einer Scheune verwendete.

Bis zum Jahr 1254 wird der Ort auch als „Rode“ bezeichnet, was darauf hinweist, dass er durch eine Rodung entstanden sein kann. Das erste Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1266, der erste nachweisbare Bürgermeister wird 1311 erwähnt. Um 1500 war Waldeck „nur“ ein Dorf mit Stadtmauer mit rund 300 Einwohnern und lag hinsichtlich Größe und Wirtschaftskraft hinter Bad Wildungen und Korbach. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl lediglich rund 400; Korbach, Arolsen und Bad Wildungen waren zu dieser Zeit die größeren Städte der Grafschaft Waldeck.

Verlegung der Residenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1655 war Schloss Waldeck Residenz der regierenden Grafen von Waldeck, danach zogen sie um nach Arolsen in das Residenzschloss Arolsen. Danach wurde das Schloss Waldeck als ehemaliger Residenzsitz für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt. Der Ort verlor durch die Residenzverlegung bis in die Neuzeit an Bedeutung, war aber weiterhin Namensgeber der Grafschaft.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die das Ortsgebiet berührenden Bahnstrecken wurden zu folgenden Terminen für den Verkehr freigegeben:

  • Bad Wildungen–Buhlen am 1. Februar 1909
  • Buhlen–Waldeck am 1. Mai 1911
  • Waldeck–Korbach am 1. Juni 1912

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Alraft, Höringhausen, Netze und Nieder-Werbe sowie die beiden Städte Sachsenhausen und Waldeck auf freiwilliger Basis zur neuen Stadt Waldeck.[2][3] Für alle eingegliederten, ehemals eigenständigen, Gemeinden von Waldeck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Waldeck lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[5]

  • 1620: 65 Häuser
  • 1650: 40 Häuser
  • 1738: Häuser
  • 1770: 60 Häuser, 431 Einwohner
Waldeck: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2015
Jahr  Einwohner
1770
  
431
1800
  
?
1834
  
596
1840
  
606
1846
  
569
1852
  
642
1858
  
575
1864
  
614
1871
  
493
1875
  
477
1885
  
476
1895
  
468
1905
  
444
1910
  
482
1925
  
669
1939
  
976
1946
  
1.415
1950
  
1.423
1956
  
1.518
1961
  
1.581
1967
  
1.761
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.512
2015
  
1.595
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: Stadt Waldeck:[7]; Zensus 2011[8]

Religionszugehörigkeit

• 1895: 450 evangelische (= 95,95 %), zwei katholische (= 0,43 %), 8 anderes christliche-konfessionelle (= 1,71 %), 8 jüdische (= 1,71 %) Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Waldeck über dem Edersee heute

1521 wurde Graf Philipp IV. von Waldeck-Wildungen auf dem Reichstag von Worms ein Anhänger der reformatorischen Lehre. Philipp lud den aus dem mainzischen Fritzlar vertriebenen lutherischen Prediger Johann Hefentreger (auch Johannes Trygophorus) zu einer Probepredigt ein, die dieser am 29. April 1526 in der Kapelle des Schlosses Friedrichstein in Alt-Wildungen hielt. Philipp IV. und sein Onkel Philipp III. von Waldeck-Eisenberg, die in kirchlichen Fragen gemeinsam für beide Teile der Grafschaft zu entscheiden hatten, beriefen ihn zum Pfarrer der Stadt Waldeck. Hefentreger predigte am 17. Juni 1526 erstmals nach Luthers Lehren. Er wurde von hier aus zum Reformator der Grafschaft Waldeck. Heute erinnern zwei Gedenktafeln an den Eingängen der Stadtkirche an diesen Tag.

Stadtkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldeck mit Stadtkirche und dem Stadttor Schlosstor um 1800, rechts der Elsterberg
Stadtkirche

Am 13. Mai 1236 weihte Bischof Wilhelm von Havelberg eine Kapelle in Waldeck der heiligen Maria und unterstellte sie dem 1228 gegründeten Zisterzienserinnenkloster Marienthal in Netze. Ob sich diese Kapelle an der Stelle der jetzigen Kirche befand, ist nicht geklärt, da in den Quellen über die Gründung der Burg auch ein anderer Standort erwähnt wird.

Der Chorraum ist der älteste Teil der Kirche, deren Bau um 1300 begonnen wurde. Während in der ganzen Grafschaft im 14. Jahrhundert stattliche neue Kirchen entstanden, erhielt die seit 1300 bestehende Stadtkirche lediglich einen Anbau. Dies war ein nördliches Seitenschiff und eine neue Südwand. Der Chor bekam an der Südseite ein neues Maßwerkfenster. Die Bürger und die Grafen von Waldeck hatten nur sehr begrenzten Einfluss auf diese Filialkirche des Klosters Netze.

1483 erhielt die Stadtkirche einen Schnitzaltar mit gemalten Flügeln, einen Marienaltar, der die Krönung Marias durch die Dreieinigkeit darstellt. Das Bild der Predella, geschmückte Sockel des Altaraufbaus, zeigt Christus mit den zwölf Aposteln. Besonders im Spätmittelalter wurde die Mutter Jesu sehr verehrt. Gestiftet wurde der Altar von der in des ehemaligen Augustiner-Chorfrauen-Stifts Berich, Margarete Huhn. Sie ist in der unteren Ecke des linken Flügels mit ihrem Wappen abgebildet.

Von dem ursprünglich einschiffigen Kirchenbau sind nur Chor und Westmauer erhalten geblieben. Das Schiff in seiner jetzigen Gestalt wurde im 16. Jahrhundert ausgebaut. Der Turm wurde – wie bei den Wehrkirchen in Bergheim und Affoldern – seitlich an der Nordostseite des Chores errichtet. Zwei der vier Glocken stammen aus dem 14. Jahrhundert. Vermutlich hatte der Kirchturm früher auch vier kleine Ecktürme.

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert lebten vor allem Angehörige der Familien Levy und Simon in Waldeck. Vermutlich veranlasste die Familie Levy die Anlage eines Friedhofs, bei dem es sich offensichtlich eher um einen Privatfriedhof als einen Friedhof einer jüdischen Gemeinde handelte. Im Lauf der Jahrzehnte sind siebzehn Beisetzungen bekannt, die letzte 1913. Die Größe des Friedhofs umfasst 0,82 ar. Fünf Grabsteine sind heute noch vorhanden. Der Friedhof liegt in der Nähe der heutigen Edertalsperre.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1921 bis 2000 bestanden in dem Ort die Mauser-Werke Waldeck, die noch 1997 als mengenmäßig führender Büromöbel-Hersteller in Deutschland galten. Das Unternehmen war lange Zeit einer der größten Arbeitgeber der Region.[10]

Edertalsperre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edersee von Schloss Waldeck

Größe und auch wirtschaftliche Bedeutung von Waldeck änderten sich schlagartig mit dem Bau der Edertalsperre (1908–1914). Früh erkannten die Waldecker, dass mit dem Bau eine neue Möglichkeit entstand, die eigene wirtschaftliche Situation zu verbessern. Der bis dahin eher landwirtschaftlich geprägte Ort machte schrittweise den Tourismus zu seiner größten Einnahmequelle.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uferpromenade mit Strandbad
  • An der Stadt (Waldeck-Ost) führt die Bundesstraße 485 vorbei.
  • Ederseerandstraße (L 3086): Die Straße mit Radweg führt von der Staumauer bis Nieder-Werbe und bietet einen reizvollen Blick auf den Edersee.
  • Waldecker Bergbahn zwischen dem Schlossberg und dem Edersee. Die Talstation liegt in unmittelbarer Nähe zur Uferpromenade und den Anlegestellen der Waldecker Edersee-Schifffahrt.
  • Schifffahrt: Zwei Fahrgastschiffe führen von Frühjahr bis Herbst Rundfahrten auf dem See durch. Je nach Wasserstand werden sechs Anlegestellen angefahren: Waldeck-Strandbad; Sperrmauer Ufer(Ost); Sperrmauer Ufer(West); Bringhausen; Nieder-Werbe; Halbinsel Scheid1 und Herzhausen. Auf einem Schiff werden auf Anfrage auch standesamtliche Trauungen durch den Standesbeamten der Gemeinde Edertal vorgenommen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Knoll (1864–1921), deutscher Pfarrer und Politiker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waldeck – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadtteil Waldeck. In: Webauftritt der Stadt Waldeck, abgerufen im Dezember 2020
  2. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 17. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 39, S. 1603, Punkt 1320; Abs. 8. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 9,2 MB]).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408, 409.
  4. Hauptsatzung. (PDF; 33 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, abgerufen im Dezember 2020.
  5. a b Waldeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Waldeck. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2016.
  8. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  9. Jüdischer Friedhof Waldeck
  10. Mauser-Rundform-Möbel. In: treffpunkt-kunst.net, mit Firmengeschichte und Bildern von Produkten der Firma Mauser.