Salischtschyky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt in der Ukraine, für Informationen zum gleichnamigen Dorf im Raion Butschatsch der Oblast Ternopil, siehe Salischtschyky (Dorf).
Salischtschyky
Заліщики
Wappen von Salischtschyky
Salischtschyky (Ukraine)
Salischtschyky
Salischtschyky
Basisdaten
Oblast: Oblast Ternopil
Rajon: Rajon Salischtschyky
Höhe: 356 m
Fläche: 7,16 km²
Einwohner: 9.739 (2004)
Bevölkerungsdichte: 1.360 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 48605
Vorwahl: +380 3554
Geographische Lage: 48° 38′ N, 25° 44′ OKoordinaten: 48° 38′ 25″ N, 25° 43′ 57″ O
KOATUU: 6122010100
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Wolodymyr Benewjat
Adresse: вул. С. Бандери 40
48600 м. Заліщики
Statistische Informationen
Salischtschyky (Oblast Ternopil)
Salischtschyky
Salischtschyky
i1
Panoramablick auf Salischtschyky
Kirche St. Stanislaw

Salischtschyky (ukrainisch Заліщики; russisch Залещики/Saleschtschiki, polnisch Zaleszczyki, deutsch auch Hinterwalden) ist eine kleine ukrainische Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern in der Oblast Ternopil. Sie liegt in einer Schleife des Dnister und ist berühmt für ihr mildes Klima.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salischtschyky liegt südlich der Stadt Tschortkiw und der Bezirkshauptstadt Ternopil, auf der anderen Uferseite befindet sich die Siedlung städtischen Typs Kostryschiwka.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaliszczyki wurde im Jahr 1340 erstmals als Siedlung im Königreich Polen erwähnt. 1569 erfolgte die Zuordnung zur Woiwodschaft Podolien, einer administrativen Einheit der Adelsrepublik Polen-Litauen[1][2].

Seit dem späten 17. Jahrhundert gehörte Zaleszczyki der Adelsfamilie Poniatowski. Um 1750 siedelten sich auf dem Gebiet des alten Dorfes auf Einladung von Fürst Stanisław Poniatowski Tuchweber aus Schlesien im Ort an und nannten ihn Hinterwalden. 1759 wurde die erste deutsche evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Galizien gebildet.[3] Die Kirche St. Philippi wurde jedoch am anderen Ufer des Dnister im Fürstentum Moldau errichtet, da dieses in Polen fur Protestanten nicht möglich war. Erster Pfarrer wurde Johann Jakob Scheidemantel.

In der Nähe des alten Dorfes wurde die Siedlung Neu-Zaleszczyki gegründet. 1754 wurde ihr von König August III. das Recht auf vier Märkte im Jahr gegeben. Im Jahr 1766 wurde das Magdeburger Stadtrecht verliehen.

Habsburgermonarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der 1. polnischer Teilung ging Zaleszczyki 1772 an die Habsburgermonarchie. Es war Sitz einer Bezirkshauptmannschaft im Bezirk Tarnopol im Kronland Königreich Galizien und Lodomerien.

Russisches Kaiserreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1810 bis 1815 gehörte es zum Kaiserreich Russland und war Hauptstadt des Bezirks Saleschtschiki im Tarnopoler Kreis.

Kaisertum Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke Poststempel von Zaleszczyki, 1876

Im Laufe des 19. Jahrhunderts verloren die Tuchwebermanufakturen an Bedeutung. Die deutschsprachigen Bewohner verließen den Ort (teilweise nach Kanada) oder assimilierten sich mit der polnisch-ruthenischen Bevölkerung.

1890 waren von 5751 Einwohnern 4513 Juden, 799 Polen, 303 Ruthenen (Ukrainer) und 110 Deutsche.[4]

1898 kam es zur Eröffnung eines Bahnhofs der von der Aktiengesellschaft der ostgalizischen Lokalbahnen betriebenen Lokalbahn Białaczortkowska–Zaleszczyki.

Westukrainische Volksrepublik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie während des Ersten Weltkriegs im November 1918 wurde die Stadt Teil der Westukrainischen Volksrepublik.

Zweite Polnische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Polnisch-Ukrainischen Krieg besetzte Polen im Juli 1918 auch die letzten Teile der Westukrainischen Volksrepublik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien für eine Zeitdauer von 25 Jahren Polen zu.

Passstempel aus Zaleszczyki, 15. September 1939

Ab 1919/1921 war die Stadt Teil der Woiwodschaft Tarnopol in der Republik Polen. Zaleszczyki lag nun an der polnisch-rumänischen Grenze. Hier befanden sich Grenzübergänge sowohl im Schienen- als auch im Straßenverkehr.

Während der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Stadt zu einem landesweit bekannten Kurort, der für sein mildes Klima, die attraktive landschaftliche Lage und den breiten, zum Baden geeigneten Flussstrand berühmt war [5]. Für den Ort wurde mit den Begriffen Polnische Riviera [6] und Polnisches Meran geworben. Es bestanden Bahnverbindungen mit dem Schnelltriebwagen Luxtorpeda in weitere Städte in ganz Polen. Hier verbrachte unter anderen der Polnische Staatspräsident und Marschall Józef Piłsudski seinen Urlaub. Entlang des Flussufers befanden sich Promenaden und Villen, in der gesamten Stadt bestand eine auf den Fremdenverkehr ausgerichtete Wirtschaft.

Ukrainische SSR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. September 1939 wurde Salischtschyky der Ukrainischen Sowjetrepublik in der UdSSR angegliedert. Nach der deutschen Besetzung seit 1941 wurde es 1944 wieder Teil der UdSSR.

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1991 gehört Salischtschyky zur unabhängigen Republik Ukraine. Von den früheren Fremdenverkehrseinrichtungen und der Promenade sind nur noch geringe Reste erhalten [7].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Synagoge

Sakralbauten

  • Kirche St. Stanisław, 1763, römisch-katholisch
  • Kirche Mariä Schutz, 1873
  • ehemalige Synagoge, 19. Jahrhundert, heute Elektrostation

Profanbauten

  • Königliche Kasematten, 18. Jahrhundert
  • Palast der Adelsfamilie Poniatowski, spätes 18. Jahrhundert, 1831 umgebaut
  • Rathaus, 18. Jahrhundert
  • Villa Piłsudski, 20. Jahrhundert, Aufenthaltsort von Józef Piłsudski 1933

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Salischtschyky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. C. A. Friederich, Historisch-geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens; 1839, S. 399
  2. Rizzi Zannoni, Karta Podola, znaczney części Wołynia, płynienie Dniestru od Uścia, aż do Chocima y Ładowa, Bogu od swego zrzodła, aż do Ładyczyna, pogranicze Mołdawy, Woiewodztw Bełzkiego, Ruskiego, Kiiowskiego y Bracławskiego.; 1772
  3. K. Völker: Die Anfänge der evangelischen Gemeinde zu Zaleszczyki in Galizien. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. Wien 1909 . S. 157–174.
  4. Słownik Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich, Bd. XIV. Warszawa 1895. S. 345 (online)
  5. (polnisch)
  6. (polnisch)
  7. Gegenüberstellung von Fotos (polnisch)