Ternopil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ternopil
Тернопіль
Wappen von Ternopil
Ternopil (Ukraine)
Ternopil
Ternopil
Basisdaten
Oblast: Oblast Ternopil
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 320 m
Fläche: 59,0 km²
Einwohner: 218.000 (2017)
Bevölkerungsdichte: 3.695 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 46000-46499
Vorwahl: +380 352
Geographische Lage: 49° 33′ N, 25° 35′ OKoordinaten: 49° 33′ 0″ N, 25° 34′ 48″ O
KOATUU: 6110100000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Sergij Nadal
Adresse: вул. Листопадова 5
46000 м. Тернопіль
Website: http://www.rada.te.ua/
Statistische Informationen
Ternopil (Oblast Ternopil)
Ternopil
Ternopil
i1

Ternopil (ukrainisch Audio-Datei / Hörbeispiel Тернопіль?/i; polnisch und deutsch Tarnopol, russisch Тернополь/Ternopol) ist eine Stadt im Westen der Ukraine und Hauptstadt der Oblast Ternopil.

Blick auf die Stadt und den Ternopiler Teich
Blick in die Innenstadt
Lage der Stadt in der gleichnamigen polnischen Woiwodschaft, die bis zum 17. September 1939 existierte

Ternopil ist eine der drei wichtigsten Städte Ostgaliziens, liegt 132 km östlich von Lemberg und hat rund 220.000 Einwohner[1] (ukrainisch). Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten sehr viele Juden, Polen und Deutsche in der Stadt. Ternopil ist ein Wallfahrtsort.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ternopil liegt auf der Podolischen Platte und wird von dem Dnister-Nebenfluss Seret durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ternopil wurde 1540 unter dem Namen Tarnopol durch den Großhetman der Krone, Jan Amor Tarnowski, als polnischer Militärstützpunkt und Festung gegründet. 1548 verlieh König Sigismund von Polen Tarnopol das Stadtrecht. Von 1548 bis 1772 gehörte der Ort zur Woiwodschaft Ruthenien, von 1434 bis 1569 einer administrativen Einheit von Königreich Polen und von 1569 bis 1772 einer administrativen Einheit von Polen-Litauen (siehe auch Adelsrepublik).[2] Von 1772 bis 1867 befand sich die Stadt – mit einer Unterbrechung in den Jahren 1809 bis 1815 infolge des Friedens von Schönbrunn – im Kaisertum Österreich, ab 1867 als Teil des Kronlandes Galizien Österreich-Ungarns. Im August 1914 wurde die Stadt durch die russische 8. Armee besetzt. Vom 6. bis 19. September 1915 kam es vor den Toren der Stadt zu schweren Kämpfen (Österreich-Ungarn, Deutsches Reich gegen das Russische Reich). Am 25. Juli 1917 wurde die Stadt während der Tarnopol-Offensive von den Mittelmächten zurückerobert.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 war die Stadt kurzzeitig Teil der Westukrainischen Volksrepublik. Im Polnisch-Ukrainischen Krieg besetzte Polen im Juli 1919 auch die letzten Teile der Westukrainischen Volksrepublik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien Polen zu.

1921 wurde Tarnopol Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Tarnopol. Im September 1939 wurde die Stadt, wie das gesamte Ostgalizien, durch sowjetische Truppen infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes besetzt und unter dem Namen Tarnopol (Тарнополь) der Ukrainischen Sowjetrepublik einverleibt. Es folgten die zwangsweise Kollektivierung (Bildung von Kolchosen) und Deportationen nach Sibirien. Im Jahre 1939 hatte der Ort über 34.000 Einwohner, wovon ca. 18.000 Juden waren.[3]

Im Zuge des Krieges gegen die Sowjetunion besetzten deutsche Truppen in den ersten Julitagen 1941 die Stadt. Dabei kam es am 4. Juli zu einem Pogrom in Ternopol. Ukrainische Milizen und vermutlich auch polnische und ukrainische Zivilisten trieben unter Mitwirkung der SS-Einsatzgruppe C jüdische Einwohner ins Stadtgefängnis, wo die sowjetische Geheimpolizei NKWD vor ihrem Abmarsch ein Massaker unter politischen Häftlingen angerichtet hatte, zusammen, misshandelten und töteten sie anschließend.[4] Dabei bescheinigte die SS der Wehrmacht eine „erfreulich gute Einstellung gegen die Juden.“ Kurz darauf erfolgte die Errichtung eines Ghettos durch die deutschen Besatzer. Die Stadt wurde im August 1941 unter dem Namen Tarnopol in das Generalgouvernement eingegliedert. Das Ghetto wurde 1943 mitsamt seinen Bewohnern liquidiert, und große Teile der jüdischen Bevölkerung wurden massakriert, in Arbeitslager oder ins Vernichtungslager Belzec gebracht.

Im März und April 1944 wurde die deutscherseits zum „Festen Platz[5] erklärte Stadt bei ihrer Rückeroberung durch die Rote Armee durch Artilleriebeschuss und Schlachtfliegereinsatz fast vollständig zerstört. Auch das Ternopiler Schloss (ukrainisch Старий замок, Ternopilskyj samok) wurde dabei schwer beschädigt.[6]

Am 9. August 1944 wurde die Stadt in Ternopol/Ternopil umbenannt[7]. Ab 1960, als noch ca. 500 Juden in der Stadt lebten, erfolgte die vermehrte Ansiedlung von Russen und Ukrainern. 1991 wurde die Ukraine unabhängig. Die Bevölkerungsverteilung sah 2007 folgendermaßen aus: Von den rund 217.500 Einwohnern waren 91,2 % Ukrainer, 7,1 % Russen, 0,5 % Polen, 0,3 % Weißrussen, 0,3 % Juden, 0,5 % andere Nationalitäten.[8]

Der Aufbau der Stadt dauerte Jahrzehnte und wurde zum großen Teil nach sowjetischer Art durchgeführt. Daher stellt das heutige Stadtbild eine Mischung aus Alt und Neu dar und weist u. a. auch die für Städte in allen ehemaligen Ostblock-Ländern typische Prägung durch sozialistische Architektur auf. Dies betrifft besonders die Randbezirke der Stadt, die sogenannten Schlafbezirke.

Auch wenn Ternopil malerisch an einem großen See liegt, ist es für westeuropäische Touristen infolge der vorangegangenen Kriegszerstörungen weitgehend uninteressant. Nur polnische Touristen mit Interesse an der polnischen Geschichte der Stadt besuchen vereinzelt die Stadt.

Die medizinischen und technischen Universitäten ziehen in den letzten Jahren mit der Lehre in englischer Sprache zahlreiche Studenten aus Afrika und arabischsprachigen Ländern an.

Politische Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1550 gehörte Ternopil zu folgenden Staaten

Bildung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ternopil beherbergt vier Universitäten bzw. Hochschuleinrichtungen: Pädagogische Universität, Nationale Wirtschaftsuniversität, Technische Universität, Staatliche Medizinische Universität sowie andere Kultureinrichtungen wie z. B. das Schewtschenko-Dramentheater, ein Puppentheater und das Oblast-Philharmonieorchester. Kunstgalerien, Museen, ein großer Markt ergänzen das Bild. Sehenswert sind u. a. die Kreuzerhöhungskirche aus dem 17. Jahrhundert, Christi-Geburt-Kirche aus dem 17. Jahrhundert und das ehemalige Dominikaner-Kirche aus dem 18. Jahrhundert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist ein wichtiger Transportknoten auf der Ost-West-Achse. Besonders für den Eisenbahnverkehr ist sie als ein wichtiger Transit- und Umschlagplatz von Bedeutung. Ternopil verfügt daher über einen relativ großen Bahnhof, der vor einigen Jahren komplett renoviert und modernisiert wurde.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt gibt es den in der Druha Liha spielenden Fußballverein FK Nywa Ternopil.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ternopil unterhält folgende Städtepartnerschaften: Batumi (Georgien), Chorzów, Radom, Tarnów, Elbląg (alle in Polen), Yonkers (Vereinigte Staaten), Sliwen (Bulgarien).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ternopil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung ab 1. Juli 2017
  2. Rizzi Zannoni, Karta Podola, znaczney części Wołynia, płynienie Dniestru od Uścia, aż do Chocima y Ładowa, Bogu od swego zrzodła, aż do Ładyczyna, pogranicze Mołdawy, Woiewodztw Bełzkiego, Ruskiego, Kiiowskiego y Bracławskiego. 1772
  3. Wolodymyr Kubijowytsch gab für den Stand vom 1.1.1939 folgende Zahlen an: 37.500 Einwohner, von denen 7.200 Ukrainer, 14.880 Polen, 14.730 Juden und 150 Deutsche waren. Angaben nach I. M. Duda, Ternopil'. 1540-1044. Istoryko-krajeznavča chronika. Č. I. Ternopil' 2010, 223, der unzitiert Kubyjowytschs Artikel Ternopil' in der Enc. Ukrainoznavsta 8 (1976/2000) 3177 folgt.
  4. Bogdan Musial „Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen.“ Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941, Berlin, München 2000, S. 235ff und 128.
  5. Gerd Fricke: Fester Platz Tarnopol 1944, Freiburg im Breisgau 1986, S. 70.
  6. Karl-Heinz Frieser (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8: Die Ostfront 1943/44. Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. DVA, München 2007, ISBN 3-421-06235-8, S. 425–431.
  7. УКАЗ от 9 августа 1944 года Об уточнении наименований городов: Тарнополь, Черновицы, Каменец-Подольск, Владимир-Волынск, Чертков Украинской ССР
  8. Vgl. I. Duda, Artikel Ternopil', in: Ternopol's'kyj. enc. slovnyk III (2008) 403. Zur Zahl jüdischer Einwohner gibt V. Unijat, Art. Jevreï na Tern., in: Ternopol's'kyj. enc. slovnyk I (2004) 563 die Zahlen für den Oblast: 1979: 949, 1989: 693, 2001: 167, von letzteren lebten 155 in Städten. - Die letzte Volkszählung erfolgte 2001, die nächste ist derzeit für 2020 geplant. Die damaligen Ergebnisse von 2001 finden sich auf dieser Seite. Hiernach stand die Oblast' Ternopil an der Spitze aller Oblaste mit dem Anteil ukrainischer Bevölkerung von 97,8 %.