Salvator mundi (Leonardo da Vinci)

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Salvator mundi (Leonardo da Vinci)
Salvator mundi
Leonardo da Vinci, um 1500
Öl auf Holz
66 × 46 cm
Privatbesitz

Salvator mundi (deutsch „Heiland der Welt“) ist der Titel eines Gemäldes, das Leonardo da Vinci zugeschrieben wird. Das Gemälde befand sich seit 2005 im Eigentum des Kunsthändlers Robert Simon und weiterer Personen, die Restaurierungen und Untersuchungen veranlassten. Verschiedene Expertisen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis handle.

Gewandstudie Leonardo da Vincis für einen Salvator mundi, ca. 1504–08, Royal Library, Windsor
Gewandstudie Leonardo da Vincis für einen Salvator mundi, ca. 1504–08, Royal Library, Windsor
Das Gemälde mit entstellenden Übermalungen vor der Restaurierung, Fotografie aus dem Jahr 1912
Salvator mundi aus der Sammlung Ganay, früher Leonardo da Vinci zugeschrieben, heute als Kopie angesehen

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 65,6 × 45,4 cm große Gemälde ist mit Ölfarben auf einer Walnussholztafel gemalt. Es zeigt Christus als Heiland der Welt in frontaler Ansicht, der die rechte Hand mit segnender Geste erhoben hat und in seiner Linken eine Kristallkugel hält.

Provenienz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeitpunkt der Entstehung, Auftraggeber oder ursprünglicher Aufstellungsort des Gemäldes sind unbekannt. Es wird jedoch auf die Zeit um 1500 datiert.[1]

1649–1763[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemälde soll einst dem englischen König Karl I. gehört haben, in dessen Sammlung es 1649 verzeichnet ist. Nach der Hinrichtung von Karl I. soll das Gemälde verkauft worden sein. Später sei das Gemälde an die königliche Sammlung restituiert schließlich an den Herzog von Buckingham gegangen, dessen Sohn das Gemälde 1763 versteigern ließ, woraufhin sich seine Spur verliert.[1][2]

1900–2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1900 ist belegt, dass sich Leonardos Salvator mundi in der Kunstsammlung der englischen Textilhändlerfamilie Cook befand. Das Gemälde wurde damals als ein Werk aus dem Umkreis des Leonardo-Schülers Giovanni Antonio Boltraffio angesehen. 1958 versteigerten Cooks Nachfahren das Gemälde für 45 Pfund. Es war fortan in amerikanischem Privatbesitz und wurde 2005 von einem Konsortium verschiedener Kunsthändler erworben, darunter der New Yorker Robert Simon.[2]

2013 vermittelte das Auktionshaus Sotheby’s einen Privatverkauf des Bildes an den Händler Yves Bouvier, der 80 Millionen US-Dollar hierfür bezahlt haben soll. Noch im gleichen Jahr verkaufte er das Gemälde für 127,5 Millionen US-Dollar an den Sammler Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew.[3]

Das Bild ist heute das einzige Gemälde Leonardos in privater Hand. Das Auktionshaus Christie’s kündigte für den 15. November 2017 die Versteigerung des Gemäldes an.[4]

Restaurierung und Begutachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als zwanzig Kopien und ein 1650 entstandener Stich des böhmischen Graphikers Wenzel Hollar legten den Schluss nahe, dass Leonardo da Vinci auch das Motiv eines Salvator mundi gemalt hatte. Auch zwei Skizzen zum Faltenwurf des Gewands, die sich in der Royal Library in Windsor befinden und Leonardo da Vinci zugeordnet werden können, belegten diese Annahme.[2][5] Schon in den 1980er Jahren versuchte daher die Kunsthistorikerin Joanne Snow-Smith, die Authentizität eines angeblich von Leonardo stammenden Salvator mundi zu belegen, der sich damals im Besitz des Marquis de Ganay befand, konnte jedoch ihre Fachkollegen nicht überzeugen. Heute wird dieses Gemälde als Kopie eingeordnet.[2]

Das von Leonardo da Vinci geschaffene Gemälde befand sich in einem sehr schlechten Zustand mit entstellenden Übermalungen aus früheren Restaurierungen, als es 2005 dem New Yorker Kunsthändler und Kunsthistoriker Robert Simon vorgelegt wurde. Simon, der damals zwar ein qualitativ hochwertiges Original, jedoch nicht ein Werk Leonardos vermutete, veranlasste eine sorgfältige Restaurierung. Erst nachdem 2007 die ursprüngliche Malerei freigelegt worden war, wurde das Gemälde mehreren Experten zur Begutachtung vorgelegt.[2][5]

Mina Gregori (Universität Florenz) und Nicholas Penny (Direktor der National Gallery London, damals noch Kurator der Skulpturen in der National Gallery of Art in Washington, D.C.) begutachteten die Tafel bereits 2007. Anschließend befassten sich die Kuratoren des Metropolitan Museum of Art, Carmen Bambach, Andrea Bayer, Keith Christiansen, Everett Fahy und Michael Gallagher mit dem Gemälde. Im Mai 2008 wurde das Gemälde in die National Gallery nach London gebracht, um es unmittelbar mit Leonardos Felsgrottenmadonna vergleichen zu können, die etwa zeitgleich entstanden sein muss. Mehrere Leonardo-Experten wurden eingeladen, um das Gemälde dort zu untersuchen, darunter Carmen Bambach, David Alan Brown, Maria Teresa Fiorio, Martin Kemp, Pietro C. Marani und Luke Syson. Im Jahr 2010 konnten schließlich die Konservierungsarbeiten an der Tafel abgeschlossen werden. Anschließend wurde das Bild erneut begutachtet. Die Experten kamen jeweils gemeinsam zu dem Schluss, dass es sich hierbei um das authentische Original Leonardo da Vincis handele, von dem sich sämtliche bekannten Kopien ableiten lassen.[5]

Die Expertisen zur Zuschreibung an Leonardo da Vinci stützen sich auf stilkritische Argumente, die materialtechnischen Untersuchungen und insbesondere auf die Analyse zahlreicher Pentimenti, das heißt jener Änderungen, die der Künstler selbst an seinem Werk vorgenommen hat. Auch der Vergleich mit den beiden Gewandstudien, die Leonardo offenbar zur Vorbereitung des Gemäldes schuf, hat zur Sicherung der Zuschreibung beigetragen. Ferner zeigt sich die Überlegenheit des Originals beim Vergleich mit den mehr als zwanzig bekannten Kopien des Gemäldes.[5]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eines von nur rund 15 erhaltenen Ölgemälden Leonardo da Vincis und um die erste Neuzuschreibung eines Originals an Leonardo da Vinci, seit 1909 das Gemälde der Madonna Benois wiederaufgefunden worden war, das sich heute in der Eremitage in St. Petersburg befindet.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Salvator Mundi by Leonardo Da Vinci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Robert Simon: Da Vinci discovered PR Newswire, 7. Juli 2011.
  2. a b c d e Gina Thomas: Er rettet die Welt mit segnender Hand FAZ, 11. Juli 2011.
  3. Keri Geiger: Sotheby’s, a Prized Art Client and His $47.5 Million da Vinci Markup, Artikel vom 30. November 2016 mit Informationen zum Vorbesitzer und den Verkaufspreisen auf www.bloomberg.com
  4. Verschollenes Gemälde bei Christie's: Da-Vinci-Werk könnte 100 Millionen Dollar einbringen spiegel.de, 11. Oktober 2017.
  5. a b c d The Last da Vinci Christie’s, 10. Oktober 2017