Sandy Lopicic

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Sandy Lopicic bei einem Benefizkonzert in Graz 2013

Sandy Lopicic (auch Lopičić; * 5. Mai 1973 in Stuttgart) ist ein bosnisch-österreichischer Musiker, Theaterregisseur, Filmkomponist und Schauspieler. Er ist der Gründer und Leiter des Sandy Lopicic Orkestar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine ersten 14 Lebensjahre verbrachte Lopicic in Esslingen am Neckar. Seine Eltern stammen aus Sarajevo (Bosnien und Herzegowina). Dorthin zog er 1987 und besuchte vier Jahre lang die Musikmittelschule, in der Klavierklasse von Neda Stanković. 1991 kam er nach Graz, um Klavier (Klassik) in der Klasse des Moskauer Alexandr Satz zu studieren. Dort lebt er mit der Schauspielerin Susanne Konstanze Weber und seinen drei Kindern.

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als junger Klavierstudent spielte Sandy Lopicic drei Mal pro Woche als Alleinunterhalter im Grazer Theatercafé, um sich sein Studium zu finanzieren. Tagsüber arbeitete er als Ballettkorrepetitor in der Ballettschule des Grazer Opernhauses. In diesem war er 1992 als Statist in Roman Haubenstock-Ramatis Oper Amerika tätig.

Kurz darauf (1995) bekam Lopicic sein erstes Engagement als Musikalischer Leiter und Komponist bei den Vereinigten Bühnen Graz, wo er unter Intendant Marc Günther u. a. die Bühnenmusik zur Uraufführung von Wolfgang Bauers Die Menschenfabrik schrieb und 1998 an der Seite des Regisseurs Ernst M. Binder den Black Rider von Tom Waits auf einen wilden Balkansound für eine 15-köpfige Band arrangierte. Aus dieser Band entstand dann ein Jahr später das Sandy Lopicic Orkestar, das im Jahr 2000 von dem Worldmusic-Label Network Medien für zwei Alben (Border Confusion und Balkea) unter Vertrag genommen wurde und bis zu seiner Auflösung im Jahr 2006 europaweit auf Tour war.[1]

Seine neue 12-köpfige Formation gründete er 2007 und benannte sie Sandy Lopicic Superstvar[2] (auf Bosnisch so viel wie „Super Sache“).

Im Jahr 2000 trafen Sandy Lopicic und der bulgarische Regisseur Dimiter Gotscheff zum ersten Mal aufeinander, um für den Steirischen Herbst Dejan Dukovskis Pulverfass zu proben. Dabei lernte Lopicic auch die Schauspielerin Susanne Konstanze Weber kennen. Das Paar hat heute zwei gemeinsame Kinder. Aus seiner ersten Ehe mit der bosnischen Pianistin Lejla Fitozovic hat Sandy Lopicic eine Tochter.

Lopicic sah in Gotscheff sein großes Vorbild und begann, sich für Regie zu interessieren. Seine erste eigenständige Inszenierung (Einer flog über’s Kuckucksnest, 2003) am Schauspielhaus Graz wurde ein großer Erfolg. Es folgten Arbeiten im Regieduo Pan Danubia (2004–2007) mit Cornelia Crombholz am Volkstheater Wien, Staatstheater Nürnberg und Graz.[3] Allen voran Lorcas Bluthochzeit trug Lopicics musikalisch geprägte Handschrift. Großes Aufsehen erregte auch seine Inszenierung der, anhand historischer Aufnahmen und eines originalen Klavierauszuges aus 1930, rekonstruierten Urfassung des Weißen Rössl für das Linzer Landestheater im Januar 2008.

Nach dem Leutnant von Inishmore (Burgtheater Wien 2002), kamen Gotscheff und Lopicic erst im Jahr 2008 in Berlin wieder zusammen, um erneut das Pulverfass am Deutschen Theater / Berliner Festspiele zu proben.[4] Seit 2005 setzte Sandy Lopicic in seinen Bühnenmusiken verstärkt das Akkordeon statt des Klaviers ein. 2011 vertonte Lopicic Gotscheffs Inszenierung der Uraufführung von Peter Handkes Immer noch Sturm (Thalia Theater Hamburg und Salzburger Festspiele), im Duo (Akkordeon und Drehleier) mit Matthias Loibner.[5]

Auch in der letzten Arbeit des kürzlich verstorbenen Großmeisters Dimiter Gotscheff, Heiner Müllers Zement (Residenztheater München, 2013), war Sandy Lopicic für die Musik zuständig.

Bekannt für die zügellosen Auftritte mit seinem Balkan Orkestar, sucht Lopicic selbes Temperament auf die Theaterbühne zu bringen, und inszeniert fern von psychologischem Theater.

Sandy Lopicics jüngste Inszenierung, Das Schloss von Franz Kafka, hatte im Februar 2013, Premiere am Salzburger Landestheater.[6] Die Vorstellung wurde musikalisch begleitet von Matthias Loibner und dem Wiener Duo Die Strottern.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 arbeitet Sandy Lopicic als Senior Lecturer (Dozent) für Theatermusik an der Kunstuniversität Graz.

Musikalische Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sandy Lopicic studierte und diplomierte im Konzertfach Klavier (Klassik). Während der Kriegsjahre im ehemaligen Jugoslawien, wuchs in ihm jedoch das Interesse für die Volksmusik seiner Heimatregion. Dies war auch die Zeit, als Lopicic begann, Musik für Theaterproduktionen zu komponieren. Immer häufiger benutzte er dabei sowohl Romalieder, Südslawische Volksweisen, als auch Balkan- und Zirkusmusik-Motive und arrangierte diese für verschiedene Besetzungen. Sandy Lopicic ließ improvisative Jazz-Einflüsse seiner Musiker zu und formte daraus einen neuen, eigenen Sound, abseits der traditionellen Spielweise von Balkanfolklore oder Serbischer Brass-Musik. Lopicic greift zumeist auf alte Melodien (oder Texte) aus dem Balkanraum (Bosnien, Serbien, Kroatien, Albanien, Kosovo, Bulgarien, Russland etc.) zurück, und bearbeitet diese mit „seinen Mitteln“. Aber auch Eigenkompositionen finden sich im Repertoire von Sandy Lopicic.

Werkübersicht (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater (Regie)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pan Danubia Productions:

  • 2004: Amadeus von Peter Shaffer, Schauspielhaus Graz
  • 2005: Glaube Liebe Hoffnung von Ödön von Horváth, Schauspielhaus Graz
  • 2006: Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare, Staatstheater Nürnberg
  • 2006: Bluthochzeit von Federico García Lorca, Schauspielhaus Graz
  • 2006: Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz, Volkstheater Wien
  • 2007: Platonow von Anton Tschechow, Schauspielhaus Graz

Theater (Musik, Komposition)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1995: Die Menschenfabrik von Wolfgang Bauer, Steirischer Herbst Graz (Regie: Thomas Thieme)
  • 1999: Manhattan Medea von Dea Loher, Steirischer Herbst/Staatstheater Schwerin (Regie: Ernst M. Binder)
  • 2000: Das Pulverfass von Dejan Dukovski, Steirischer Herbst, Schauspielhaus Graz (Regie: Dimiter Gotscheff)
  • 2001: Noch einmal für Jugoslawien von Peter Handke, Thalia Theater Hamburg (Regie: Hartmut Wickert)
  • 2002: Der Leutnant von Inishmore von Martin McDonagh, Burgtheater Wien (Regie: Dimiter Gotscheff)
  • 2004: Lulu von Frank Wedekind, Schauspielhaus Graz (Regie: Mathias Fontheim)
  • 2008: Das Pulverfass von Dejan Dukovski, Deutsches Theater Berlin (Regie: Dimiter Gotscheff)
  • 2011: Immer noch Sturm UA von Peter Handke, Salzburger Festspiele/Thalia Theater Hamburg (Regie: Dimiter Gotscheff)
  • 2013: Zement von Heiner Müller, Residenztheater München (Regie: Dimiter Gotscheff)

Theater (Musikalische Leitung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Sugar – Some Like It Hot von Peter Stone und Jule Styne, Schauspielhaus Graz
  • 1998: The Black Rider von Tom Waits/Robert Wilson/William Boroughs, Schauspielhaus Graz
  • 2000: Die 7 Todsünden/Mahagonny Songspiel von Bertolt Brecht und Kurt Weill, Schauspielhaus Wien (mit Helen Schneider und Markus Schirmer)
  • 2002: Janis Joplin von Thomas Guglielmetti, Schauspielhaus Graz (Regie: M. Fontheim)
  • 2002: Shockheaded Peter (Struwwelpeter) von den Tiger Lillies, Schauspielhaus Graz
  • 2004: Jesus Christ Superstar von Tim Rice und A. L. Webber, Opernhaus Graz
  • 2009: Wiegenlieder, Duisburger Philharmonie
  • 2015: Balkanfieber, Konzert unter Dirk Kaftan mit Sandy Lopicic Superstvar und dem Grazer Philharmonischen Orchester, Opernhaus Graz
  • 2016: Humonica – die Menschenorgel von und mit Sandy Lopicic als Live-Komponist und musikalischer Puppenspieler, Kunstuniversität Graz (Mumuth)[9]

Film (Schauspiel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sandy Lopicic und Miloš Biković in einer Szene aus dem Film Great von Andreas Henn (Dogearfilms 2013)
  • 2005: Your Song von Natasha Shah (Rolle: Johannes)
  • 2010: Die Vaterlosen – Kinofilm von Marie Kreutzer (Rolle: Ulli)
  • 2012: Great – Kinofilm von Andreas Henn (Rolle: Rado)
  • 2012: Demokratie – Die Show, Puls 4 (Rolle: Zeljko)
  • 2014: Ciao Cherie – Kinofilm von Nina Kusturica (Rolle: Marko)
  • 2015: Maikäfer flieg – Kinofilm von Mirjam Unger (Rolle: Der Kronleuchterschiesser)
  • 2016: Hotel Rock’n’Roll – Kinofilm von Michael Glawogger und Michael Ostrowski (Rolle: Rock-Apostel)
  • 2016: Schnell ermittelt – ORF, Regie: Michi Riebl (Rolle: Jurij Kostomarow)

Film (Musik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004: Dr. Tatiana’s Sexguide to All Creation von Martin Durkin (Wag-tv, Channel 4 London)
  • 2005: Your Song von Natasha Shah
  • 2008: Eine von 8 von Sabine Derflinger
  • 2010: Making of – Die Vaterlosen von Marie Kreutzer
  • 2012: Great von Andreas Henn[10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2001: Album Border Confusion – Sandy Lopicic Orkestar (Network Medien)
  • 2004: Album Balkea – Sandy Lopicic Orkestar (Network Medien)
  • 2010: Album Soundtrack without a Movie – Sandy Lopicic (Superlala)
  • 2014: Album Bye Bye Balkan – Sandy Lopicic Superstvar (Lopi Music)

Sampler und Remixes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003: Absolutely Live (Sampler von B. Seliger)
  • 2005: Shantel – Bucovina Club 2 (Essay Recordings)[11]

Partizipation (Songwriter/ Arrangeur/ Produzent)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Album S tobom dijelim sve – Indexi i Davorin Popovic (Croatia Records)
  • 2010: Album Docutainment (Universal Music Group)
  • 2013: Album Tango – Sevval Sam (Kalan Music)

Labelgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2013 gründete Sandy Lopicic sein eigenes Plattenlabel namens Lopi Music mit Geschäftssitz in Graz.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikumspreis für die Inszenierung (Gastspiel) seines eigenen Stückes Trümmerfrauen-Bombenstimmung, als „beste Aufführung der Saison 2016/2017“ in den Theatern Bozen und Meran. [12]

Am 19. März 2016 erhielten Sandy Lopicic und sein Ensemble vier von fünf Preisen beim Theaterfestival 25. Dnevi Komedije in Celje (Slowenien) für seine Inszenierung Forever Young (Slowenisches Nationaltheater Maribor): in den Kategorien „beste Produktion“, „bester Regisseur“, „beste Schauspielerin“ (Mateja Pucko) sowie den Publikumspreis.[13]

Am 19. Juni 2016 gab es zwei Preise („beste Darstellerin“ Mateja Pucko und Ensemblepreis) für Forever Young (Slowenisches Nationaltheater Maribor) bei den Tagen der Satire (40. Dani satire) in Zagreb.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Verlag der Autoren, übersetzte Sandy Lopicic Dejan Dukovskis Stück Jagd nach Schmetterlingen aus dem Mazedonischen ins Deutsche.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Sandy Lopicic Orkestar auf Youtube
  2. [2] Sandy Lopicic Superstvar auf Youtube
  3. [3] Schauspielhaus Graz
  4. [4] Programm der Berliner Festspiele
  5. [5] Interview mit Sandy Lopicic in den Salzburger Nachrichten
  6. [6] Kritik in den Salzburger Nachrichten
  7. [7] Kritik bei Nachtkritik.de
  8. [8] Trümmerfrauen Uraufführung im Schauspielhaus Graz
  9. [9] Interview zu Sandy Lopicics Menschenorgel (Humonica)
  10. [10] Trailer von Great bei Dogearfilms (Musik: Sandy Lopicic)
  11. [11] Remix von DJ Shantel
  12. [12]
  13. [13] Preis beim Festival 25. Dnevi Komedije
  14. [14] Verband Deutscher Bühnen und Medienverlage