Schönstadt

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Schönstadt
Gemeinde Cölbe
Wappen von Schönstadt
Koordinaten: 50° 53′ 5″ N, 8° 49′ 56″ O
Höhe: 212 m ü. NHN
Fläche: 10,55 km²[1]
Einwohner: 1500 ca. [2]
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35091
Vorwahl: 06427
Cölbe-Schönstadt
Cölbe-Schönstadt
Schönstadt

Schönstadt ist ein Ortsteil von Cölbe im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Schönstadt hat etwa 1500 Einwohner und ist nach der Kerngemeinde Cölbe und Bürgeln der drittgrößte Ortsteil.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schönstadt wird südöstlich von der Bundesstraße 3 berührt und in Nord-Süd-Richtung vom Roten Wasser durchflossen.

Geologisch und geographisch ist die Gemarkung Schönstadt dem Burgwald zuzuordnen, der als Buntsandsteinhochfläche mit Niveauunterschieden bis zu 200 m von der Eder, Wohra, Lahn, Ohm und Wetschaft begrenzt wird. Schönstadt zählt zu den ältesten Dörfern des Burgwaldes. Bodenfunde bestätigen die Vermutung, dass bereits 500–300 v. Chr. Chatten und Kelten ansässig waren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle hessischen „-stadt-Orte“ fallen in die Gründungsepoche des 5.–8. Jahrhunderts; Send- und Taufkirchen mit Martinspatrozinium datieren ihr Bestehen in diese Zeit zurück. Das Gericht Schönstadt war im 13. Jahrhundert aus einer Zehnt erwachsen. Diese fränkisch-frühmittelalterlichen Verwaltungseinheiten lehnten sich an die Sendgerichte (Ur-Großpfarreien) an. Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft datiert aus dem Jahre 1225.

Cölbe-Schönstadt: Burg Schönstadt
Martinskirche

Die zur Burg Schönstadt gehörigen Ländereien wurden 1331 von Conrad Milchling zu Michelbach gekauft. Bereits 1350 ging aber die Gerichtsbarkeit an die Herren von Fleckenbühl über, durch Besitzübereignungen erhielten später auch die Milchling Anteil daran. Philipp von Scholley d.Ä., Obervorsteher der Adeligen Stifte in Hessen, erwarb durch seine Ehe mit Anna Hilga von Hatzfeld um 1612 ein Viertel des Gerichts Schönstadt als Pfandlehen, womit seine Nachkommen gemeinsam mit den Herren von Fleckenbühl in die Eventualbelehnung von Schönstadt gelangten. Die Herrensitze der Milchling in der ausgedehnten Talmulde wurden ursprünglich als Wasserburgen errichtet. 1749 erbaute man das Schönstädter Schloss auf den Grundmauern einer alten Wasserburg.

Das ehemalige Haufendorf wuchs im 17. Jahrhundert erheblich durch den Anschluss an die Heer- und Poststraße Kassel-Frankfurt, erfuhr jedoch mit Inbetriebnahme der Main-Weser-Bahn einen wirtschaftlichen Einbruch. Im Jahr 1897 wurde dann die alte Martinskirche durch eine neue ersetzt.

Die nach dem Ort benannte Familie der Milchling von Schönstadt gehörte zur heute noch bestehenden Althessischen Ritterschaft und starb erst im 20. Jahrhundert im Mannesstamm aus. Der Gutshof der Milchling mit seinen Ländereien ging 1922 durch Erbschaft an Freifrau von Bethmann über. 1937 setzte man den letzten des Geschlechts der Milchlings auf der Familienbegräbnisstätte Junkernwald bei.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 den Zusammenschluss der Gemeinden Cölbe und Schönstadt zu einer Gemeinde mit dem Namen Cölbe.[3] Bereits am 31. Dezember 1970 hatten sich die Gemeinden Schönstadt und Schwarzenborn zusammengeschlossen.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Schönstadt unterstand im Überblick:[5][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Schönstadt zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1571: 53 Hausgesesse
1577: 73 (47 landgräflich) Hausgesesse
1630: 50 (27 landgräflich) Hausgesesse (13 Ackerleute (4  landgräfliche), 32 (18  landgräfliche) Einläuftige)
1681: 28 hausgesessene Mannschaften (nur landgräflicher Anteil)
1745: 288 (48 landgräflich) Einwohner. Erwerbspersonen (nur landgräflicher Anteil): 3 Müller, 8 Schneider, 2 Wirte, 1 Schuhflicker, 4 Leineweber, 2 Ziegelbrenner, 3 Schreiner (darunter 1 Orgelmacher), 1 Strumpfweber, 4 Tagelöhner, 1 Bäcker, 2 Wagner, 2 Schmiede, 1 Zimmermann, 3 Tagelöhnerinnen und Spinnerinnen.
1838: 704 Einwohner (mit Hof Fleckenbühl und Neuer Mühle). Familien: 33 Ackerbau, 24 Gewerbe, 50 Tagelöhner, 55 nutzungsberechtigte, 13 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 41 Beisassen.
1861: 628 evangelisch-lutherische, 103 evangelisch-reformierte, 13 jüdische Einwohner
1885: 691 Einwohner
1925: 695 Einwohner
1939: 696 Einwohner
1950: 1024 Einwohner
1961: 978 (866 evangelische, 92 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 176 Land- und Forstwirtschaft, 192 Produzierendes Gewerbe, 42 Handel und Verkehr, 71 Dienstleistungen und Sonstiges
Schönstadt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
752
1840
  
714
1846
  
773
1852
  
781
1858
  
714
1864
  
738
1871
  
689
1875
  
672
1885
  
691
1895
  
699
1905
  
645
1910
  
689
1925
  
695
1939
  
696
1946
  
1.007
1950
  
1.024
1956
  
987
1961
  
978
1967
  
1.069
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Rot ein silberner (weißer) Schrägbalken belegt mit drei schwarzen Herzen nach der Figur. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde ist eine Abwandlung des Schildes der Familie Milchling, die die schwarzen Herzen im silbernen Schild führte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 wurde der Motor- und Segelflugplatz von Marburg nach Schönstadt verlegt. Heute wird Schönstadt durch die Nähe der Kreisstadt Marburg und die Ansiedlung mehrerer kleiner Industriebetriebe geprägt. Der dörfliche Charakter ist nur an wenigen Stellen im alten Ortskern noch spürbar. Auch die geschmackvolle Schönstädter Tracht wird nur noch zu besonderen Anlässen von wenigen Frauen getragen. Seit 1985 wird der ehemalige Gutshof Fleckenbühl nach biologisch-dynamischen Prinzipien von der Suchthilfe Fleckenbühl betrieben.

Seit Herbst 2008 gibt es einen markierten Rundweg um den Junkernwald bei Schönstadt. Start ist der alte Wasserhochbehälter am Ortsrand. Der Wanderweg ist 9,5 km lang und mit einigen Informationstafeln bereichert.

Im Juli 2009 erzielte Schönstadt den 1. Platz auf Landesebene im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schönstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Schönstadt, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 13. März 2017)
  2. Der Ort im Internetauftritt der Gemeinde Cölbe, abgerufen im Juli 2017.
  3. Bekanntgabe von Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden durch den Hessischen Minister des Innern vom 20. Dezember 1971 (StAnz. 1972 S. 47) Seite 7 der tif-Datei 4,73 MB
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 100 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)