Ginseldorf

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Ginseldorf
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 50′ 21″ N, 8° 49′ 10″ O
Höhe: 197 (193–227) m ü. NHN
Fläche: 8,14 km²[1]
Einwohner: 787 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 97 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35043
Vorwahl: 06421
Karte
Lage von Ginseldorf in Marburg
St. Johannes, neugotische katholische Kirche, erbaut um 1450
St. Johannes, neugotische katholische Kirche, erbaut um 1450

Ginseldorf ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort befindet sich zwischen Frankfurt am Main und Kassel. Westlich an den Ortsrand schließen sich die Nordausläufer der Lahnberge an. Der nächste etwas größere Fluss ist die Ohm, von der ein Abschnitt nur wenige hundert Meter nördlich des Dorfs verläuft; sie mündet nur etwas weiter westlich in die Lahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Ginseldorfs reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Der Ort wurde erstmals im Jahre 1253 urkundlich erwähnt und feierte demzufolge 2003 sein 750-jähriges Bestehen.[3]

Nachdem auch Ginseldorf im Zuge der Einführung der Reformation protestantisch wurde, wurde es bereits 1595 wieder katholisch. Danach gehörte es bis 1801 zum kurmainzischen Amt Amöneburg und kam dann durch den Reichsdeputationshauptschluss der den Frieden von Lunéville umsetzte zu Hessen, blieb aber weiterhin katholisch. Ginseldorf war bis zur Gebietsreform in Hessen eine selbstständige Gemeinde mit eigenem Bürgermeister und eigener Verwaltung. Seit dem 1. Juli 1974 ist Ginseldorf ein Stadtteil von Marburg.[4] Der Ortsteil wird jetzt durch den Ortsbeirat vertreten, an dessen Spitze der Ortsvorsteher steht.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Ginseldorf unterstand im Überblick:[3][5]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Ginseldorf zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[7]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[8] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[9]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[3]

1585: 15 Hausgesesse
664: 15 Hausgesesse
1747: 137 Einwohner
1838: 232 Einwohner (28 nutzungsberechtigte Ortsbürger, 14 Beisassen). Familien: 26 Ackerbau, 8 Gewerbe.
1861: 247 römisch-katholische, 3 evangelisch-lutherische, 6 evangelisch-reformierte Einwohner
1961: 307 römisch-katholische, 12 evangelisch-lutherische Einwohner. Erwerbspersonen: 87 Land- und Forstwirtschaft, 56 Produzierendes Gewerbe, 12 Handel und Verkehr, 21 Dienstleistungen und Sonstiges.
Ginseldorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
231
1840
  
250
1846
  
286
1852
  
279
1858
  
259
1864
  
259
1871
  
220
1875
  
231
1885
  
217
1895
  
212
1905
  
205
1910
  
224
1925
  
244
1939
  
272
1946
  
387
1950
  
379
1956
  
342
1961
  
322
1967
  
381
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freizeit lässt sich abwechslungsreich verbringen. In wenigen Kilometern Entfernung befindet sich eine Golfanlage mit einem 18-Loch-Meisterschaftsplatz (Oberhessischer Golf-Club Marburg) sowie ein Flugplatz (Cölbe-Schönstadt). Gut zu erreichen sind auch die Radwege entlang Ohm und Lahn. Ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer ist der Spiegelslust-Turm auf den Lahnbergen mit seinem Café und der nahegelegenen Gaststätte.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Ginseldorf

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Nähe zum Universitätsgelände auf den Lahnbergen ist der Ort zu einem beliebten Wohngebiet für Bedienstete der Philipps-Universität Marburg sowie Studierende geworden. Ginseldorf verfügt über einen Dorfladen, in dem man alle Dinge des täglichen Bedarfs erwerben kann und über einen Getränkemarkt. Auch ein Kindergarten, eine Grillhütte und ein Backhaus ist vorhanden. Es verkehren regelmäßig Busse, Direktanbindung des Marburger Hauptbahnhofes über die nahegelegene B3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10)
  3. a b c Ginseldorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 4. November 2016)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  7. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  9. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ginseldorf – Sammlung von Bildern