Schas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der israelischen Partei Schas. In Österreich ist Schas die Bezeichnung für eine Blähung, siehe Flatus.

Schas (ש״ס, kurz für שומרי-תורה ספרדים, Shomrei Sfaradhebräisch für „Sephardische Tora-Wächter“) ist eine ultraorthodoxe israelische Partei. Sie vertritt in erster Linie die Interessen der religiösen sephardischen Juden. Sie war in mehreren Koalitionsregierungen sowohl mit der Arbeitspartei wie auch mit dem Likud vertreten. Nach den Wahlen zur Knesset im Januar 2013 befand sie sich in der Opposition; im Ergebnis der Neuwahlen vom März 2015 ist sie seit Mai 2015 an der Regierung Netanjahu beteiligt.

Geschichte[Bearbeiten]

Schas spaltete sich 1984 von der Agudat Jisra’el, einer von Aschkenasim dominierten ultraorthodoxen Partei, ab. Spirituelles Oberhaupt war Rabbiner Ovadja Josef, ein früherer sephardischer Oberrabiner Israels.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Im Friedensprozess mit den Palästinensern nahm die Schas-Partei anfänglich eine gemäßigte Position ein und war zu Konzessionen bereit, meist unter dem Vorbehalt finanzieller Zugeständnisse. Inzwischen vertritt sie eine unnachgiebige Haltung gegenüber den Palästinensern und lehnt beispielsweise eine Verhandlung über den Status Jerusalems strikt ab.[1]

Innenpolitisch vertritt Schas Meinungen, die als homophob bezeichnet werden können. So lehnt Schas jegliche öffentliche Äußerung von Homosexuellen hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung ab, einschließlich Gay-Pride-Paraden – vor allem in Jerusalem. Der Parlamentsabgeordnete Nissim Ze'ev warf den Homosexuellen vor, für die „Selbstzerstörung des Staates Israel und des jüdischen Volkes“ verantwortlich zu sein. Er nannte Homosexuelle eine Plage, die „so vergiftet wie Vogelgrippe“ sei.[2] Offiziell werde aber Gewalt gegen diese Gruppe abgelehnt.

Regierungsbeteiligungen[Bearbeiten]

Schas war von 1992 bis September 1993 an der von der Arbeitspartei angeführten Regierung beteiligt, verließ die Koalition jedoch nach Auseinandersetzungen mit der linken Partei Meretz über die Bildungspolitik. Ab 1996 war Schas in der Likud-geführten Regierung mit zwei Ministern vertreten. Die Partei verließ dieses Bündnis, um Ehud Barak von der Arbeitspartei zu unterstützen. Ab 2001 unterstützte Schas Ariel Scharons Likud-Regierung.

Auch der 2006 neu gebildeten israelischen Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert von der Kadima-Partei gehörte Schas an. Sie stellte dort mit Eli Yishai (Industrie, Handel und Arbeit), Ariel Atias (Kommunikation), Meschulam Nahari und Yitzhak Cohen (beide ohne Portfolio) vier Minister. In den Knessetwahlen von 2009 erhielt Schas elf Sitze und war bis März 2013 an der Regierung unter Benjamin Netanjahu mit vier Ministern vertreten. Seit Mai 2015 ist sie erneut an der Regierung Netanjahu (Kabinett Netanjahu IV) beteiligt, diesmal jedoch mit nur zwei Ministern.

Weiteres[Bearbeiten]

Die Schas-Partei wurde durch mehrere Vergehen ihrer Mitglieder erschüttert:

  • Yair Levy – Mitglied der Knesset zwischen 1988 und 1992. 1993 wurde er wegen Unterschlagung von 500.000 Schekel der parteiinternen Organisation El HaMa'ayan zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt.[3]
  • Yair Peretz – Mitglied der Knesset geriet im März 2006 in die Schlagzeilen, da er sich einen Doktortitel erschlichen hatte[4].
  • Ofer Hugi – Mitglied der Knesset wurde im Dezember 2006 wegen Betruges und Bestechlichkeit zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und einer Strafe von 12.000 Schekeln verurteilt[5].
  • Shlomo Dayan – Mitglied der Knesset wurde 2008 wegen Betruges und Bestechlichkeit zu vier Monaten Sozialdienst verurteilt[6].

Wahlergebnisse bei Knesset-Wahlen[Bearbeiten]

  • 1984: 3,1 % – 4 Sitze
  • 1988: 4,4 % – 6 Sitze
  • 1992: 4,9 % – 6 Sitze
  • 1996: 8,7 % – 10 Sitze
  • 1999: 13,0 % – 17 Sitze
  • 2003: 8,2 % – 11 Sitze
  • 2006: 9,5 % – 12 Sitze
  • 2009: 8,5 % – 11 Sitze
  • 2013: 8,8 % – 11 Sitze
  • 2015: 5,7 % – 7 Sitze

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage der Schas-Partei: Jerusalem nicht zum Verkauf (hebräisch).
  2. Ilan, Shahar: Shas MK: Gays are causing Israeli society to self-destruct. In: Haaretz. 29. Januar 2008. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
  3. Yair Levy must stay in jail, panel rules The Jerusalem Post, 1. Dezember 1994
  4. Artikel in der Haaretz
  5. Artikel in der Haaretz
  6. Artikel in der Haaretz

Weblinks[Bearbeiten]