Schlacht am Wolchow

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Die Wolchow-Schlacht (auch Ljubaner Operation, russisch Любанская операция) war eine Offensive der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg vom 7. Januar bis zum 30. April 1942.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einschließung Leningrads (Leningrader Blockade) war der Vormarsch der deutschen Heeresgruppe Nord in der Schlacht um Tichwin vom 16. Oktober bis 30. Dezember 1941 zum Stehen gekommen.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetische schwere Panzerwagen der Leningrader Front, vermutlich in der Schlacht am Wolchow

Die Truppen der Wolchow-Front (4., 52. und 59. Armee sowie 2. Stoßarmee) unter Kirill Merezkow und die 54. Armee der Leningrader Front hatten zum Jahreswechsel 1941/42 den Wolchow und die Eisenbahnlinie MgaKirischi erreicht und sollten nun weiter in Richtung Ljuban gegen 16 bis 17 Divisionen der 18. Armee der Heeresgruppe Nord vorrücken. Ihre Aufgabe war es, die deutschen Truppen, die starke Verteidigungsstellungen bei Kirischi und am linken Ufer des Flusses Wolchow bezogen hatten, einzuschließen und somit die Sprengung der Leningrader Blockade einzuleiten.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russische Offensivbewegungen

Am 7. Januar 1942 begann die sowjetische Offensive in einem schwierigen – weil teils bewaldeten – tief verschneiten Gelände. Die Angriffe richteten sich gegen die deutsche 126. und 215. Infanterie-Division. Erst zum 17. Januar gelang es, die erste deutsche Verteidigungslinie zu durchbrechen. Bis Ende Januar stießen sowjetische Truppen der 2. Stoßarmee maximal 75 Kilometer vor, erreichten die Eisenbahnstrecke NowgorodLeningrad und die Zugänge zur Stadt Ljuban.

Der 54. Armee der Leningrader Front gelang es erst bis Ende März, die deutschen Linien westlich von Kirischi zu durchbrechen, um 22 Kilometer vorzurücken und der 2. Stoßarmee nordöstlich von Ljuban bis auf etwa 30 Kilometer entgegenzukommen.

Inzwischen hatte die Wehrmacht elf Divisionen und eine Brigade in den Bereich ihrer 18. Armee verlegt und ging zur Gegenoffensive über. Am 19. März wurde die sowjetische 2. Stoßarmee abgeschnitten. Am 27. März gelang es der 52. und 59. Armee unter hohen Verlusten, die Einkesselung zu durchbrechen; der Zugang zu den Stellungen der 2. Stoßarmee war jedoch nur drei bis fünf Kilometer breit.

Trotz dieser schwierigen Lage bestand die Stawka weiterhin auf einer Fortsetzung der Offensive, die faktisch bereits zum Erliegen gekommen war. Erst am 30. April 1942 wurde der Befehl erteilt, auf den erreichten Positionen zur Verteidigung überzugehen, womit die Ljubaner Angriffsoperation abgeschlossen war.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontverlauf um Leningrad ab Mai 1942

Die Rote Armee hatte zwar Geländegewinne erzielt, jedoch unter unverhältnismäßig hohen Verlusten (95.000 Tote und Gefangene, 213.000 Verwundete). Die Ziele der Operation wurden nicht erreicht; die Endposition insbesondere der 2. Stoßarmee war strategisch äußerst ungünstig.

Letztere erhielt erst Ende Mai den Befehl zum Rückzug, wurde jedoch erneut eingeschlossen. Bei einem letzten Versuch am 24. und 25. Juni 1942, den Kessel zu durchbrechen, wurde die Armee fast vollständig aufgerieben. Nur zwischen 6.000 und 16.000 Rotarmisten konnten die eigenen Linien erreichen, 14.000 bis 20.000 kamen allein bei diesem Ausbruchsversuch ums Leben. Der erst im März 1942 zum Kommandeur der 2. Stoßarmee ernannte General Andrei Wlassow verbarg sich zunächst hinter den deutschen Linien, geriet aber am 12. Juli in Gefangenschaft, wechselte die Seiten und wurde in Folge Kommandeur der mit Deutschland verbündeten Russischen Befreiungsarmee.

Um sich einen Eindruck von der Härte der Kämpfe zu machen, können exemplarisch die statistischen Zahlen der deutschen 215. Infanterie-Division herangezogen werden. Diese hatte im Zeitraum vom 23. November 1941 bis zum 18. Juli 1942 folgende Verluste zu beklagen:

  • 961 Tote
  • 3119 Verwundete
  • 180 Vermisste
  • 1633 Frosterkrankungen II. und III. Grades[1]

Im genannten Zeitraum verschossen im Rahmen der Kampfhandlungen allein die leichten Feldhaubitzen der Division 140.000 Granaten sowie die schweren Feldhaubitzen der Division 30.000 Granaten.[2]

Die Leningrader Blockade dauerte an. Die Sowjets versuchten August 1942 in der Ersten Ladoga-Schlacht erneut, die Belagerung zu sprengen und kamen dem deutschen Unternehmen Nordlicht damit zuvor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Betrachtung sowjetischer Quellen mit Ausnahme von Samisdat- und Tamisdat-Literatur, die bis zum Jahr 1987 veröffentlicht wurden, muss die Tätigkeit der sowjetischen Zensurbehörden (Glawlit, Militärzensur) bei der Revision diverser Inhalte im Sinne der sowjetischen Ideologie berücksichtigt werden. (→Zensur in der Sowjetunion)

  • Nikolai Nikolajewitsch Nikulin: ВОСПОМИНАНИЯ О ВОЙНЕ. (dt.: Erinnerungen an den Krieg); Verlag Staatliche Ermitage Sankt Petersburg 2008. (online)
  • Ye. Klimchuk: The 2nd Strike Army and General Vlasov – Or Why Because of One Traitor the Blame Was Laid on the Whole Army. Zeitschrift Sovietsky Voin. Ausgabe 4 1990. (englisch)
  • David M. Glantz: Soviet Military Deception in the Second World War. Verlag Frank Cass, New York 1989, ISBN 0-7146-3347-X, S. 68–71.
  • M. Chosin: Об одной малоисследованной операции. (dt.: Über eine schlecht ausgewertete Militäroperation), Zeitschrift Военно-исторический журнал. Ausgabe 2, 1966. (online)
  • Kirill Merezkow: На волховских рубежах. (dt.: An den Ufern des Wolchow), Zeitschrift Военно-исторический журнал. Ausgabe 1, 1965.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Schelm, Hans Mehrle: Die Geschichte der 215. Infanterie-Division. Nebel Verlag, S. 123.
  2. Walter Schelm, Hans Mehrle: Die Geschichte der 215. Infanterie-Division. Nebel Verlag, S. 124.