Fall Blau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fall Blau
Deutsche Panzer II in der Kalmückensteppe
Deutsche Panzer II in der Kalmückensteppe
Datum 28. Juni bis November 1942
Ort Donezbecken, Kaukasus, Kuban Gebiet, Sowjetunion
Ausgang Strategische deutsche Niederlage
Konfliktparteien

Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Rumänien KonigreichRumänien Rumänien
Ungarn 1940Ungarn Ungarn

Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion

Befehlshaber

Wilhelm List (Heeresgruppe A)
Maximilian Freiherr von Weichs (Heeresgruppe B)

Semjon Timoschenko

Truppenstärke
Heeresgruppe A:
11. Armee
17. Armee
1. Panzerarmee
4. rumänische Armee
Heeresgruppe B:
2. Armee
6. Armee
4. Panzerarmee
3. rumänische Armee
8. italienische Armee
2. ungarische Armee

Insgesamt:
ca. 1.500.000
1500 Panzerfahrzeuge
1550 Flugzeuge
Südfront
Südwestfront
Donfront
Nordkaukasische Front
Transkaukasusfront








Insgesamt:
über 2.300.000
Verluste

unbekannt

unbekannt

Mit dem Decknamen „Fall Blau“ oder „Unternehmen Blau“ bezeichnete das nationalsozialistische Regime den ersten Teil der Sommeroffensive der Wehrmacht im Jahr 1942 während des Deutsch-Sowjetischen Krieges.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Infanterie auf Schützenpanzerwagen im Sommer 1942 in Süd-Russland

Nachdem der Überfall auf die Sowjetunion 1941 nicht zum erwarteten Zusammenbruch der Sowjetunion geführt hatte und die deutschen Angriffskeile vor Leningrad, Moskau und Sewastopol zum Stehen gekommen waren, sah sich die Wehrmacht im Winter 1941/42 mit ersten Gegenoffensiven der Roten Armee konfrontiert.

Als Reaktion darauf ernannte Hitler sich selbst zum Oberbefehlshaber des Heeres und gab den Befehl zum Halten der Frontlinie, was zwar größere Gebietsverluste verhinderte, jedoch auch wichtige Ressourcen aufbrauchte, die für die nächsten Unternehmen dringend benötigt wurden.

Dennoch wollte Hitler im Sommer 1942 eine Offensive am südlichen Frontabschnitt starten, um Deutschland die kriegswichtigen Ölfelder von Maikop, Grosny und Baku zu sichern. Dem stand entgegen, dass die Teile des deutschen Heeres, die gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden, vom 22. Juni 1941 (Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion) bis Frühjahr 1942 bereits über 30 Prozent ihrer Ausgangsstärke von 3,2 Millionen Mann als Verluste (Gefallene, Verwundete, Vermisste) eingebüßt hatten.[1]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Artillerie im August 1942

Im Entwurf des Generalstabschefs Franz Halder für die Weisung Nr. 41, den er Hitler am 28. März 1942 vortrug, hatte das Kennwort für das Unternehmen noch „Siegfried“ gelautet. Es wurde, nachdem Hitler den Entwurf nochmals überarbeitet und wesentliche Teile hinzugefügt hatte, am 5. April 1942 durch den Decknamen Fall Blau ersetzt.[2]

In der Weisung Nr. 41 vom 5. April 1942 legte Hitler die Ziele des Unternehmens fest, welche die drei Heeresgruppen im Sommer durchführen sollten. Der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock fiel hierbei die Hauptaufgabe der eigentlichen Sommeroffensive zu. Zunächst sollte vom nördlichen Flügel der Heeresgruppe in einer Zangenbewegung die Großstadt Woronesch am Don eingenommen werden (Blau I), um sodann südlich entlang des Don zu marschieren, um im Zusammenwirken mit einem zweiten Vorstoß aus dem Raum Charkow starke Feindkräfte einzukesseln (Blau II). Im dritten Teil des Unternehmens (Blau III) sollte im Zusammenwirken mit dem östlich vorgehenden südlichen Flügel der Heeresgruppe der Vorstoß zur Wolga nach Stalingrad erfolgen, um dieses einzunehmen oder zumindest in Reichweite der eigenen Artillerie zu bringen. Das Ziel war die Absperrung der Wolga für den russischen Nachschub. Die in der Weisung nur angedeutete vierte Phase beinhaltete den Vormarsch nach Süden über den Don zur Inbesitznahme der kaukasischen Ölfelder bei Maikop und Grosny sowie von Baku am Kaspischen Meer. Die lange Nordflanke der Heeresgruppe entlang des Don sollte während dieses Unternehmens vorrangig von den Armeen der Verbündeten (Ungarn, Italien und Rumänien) verteidigt werden, denen zur Stabilisierung einzelne deutsche Verbände beigegeben werden sollten.

Die Weisung Nr. 41 enthielt ferner weitere strategische Ziele, darunter die vollständige Inbesitznahme der Halbinsel Krim sowie im Norden der Ostfront die Einnahme Leningrads und die Herstellung einer Landverbindung zur finnischen Armee.

Am 14. April ordnete Hitler die Aufstellung eines neuen Heeresgruppenstabes an, der späteren Heeresgruppe A, die später den rechten Flügel der Heeresgruppe Süd für die Operationen im Kaukasus übernehmen sollte. Die 11. Armee und die rumänische 3. Armee, welche vorläufig noch auf der Krim gebunden waren, sollten über die Straße von Kertsch für das Unternehmen Blücher nachgeführt werden.

Schwachpunkt des Plans war die langgezogene Nordflanke, zu deren Verteidigung immer zwei bis drei Armeen abgestellt waren, die beim Vormarsch fehlten und dennoch eine so lange Front im Falle eines massierten Angriffs nicht effektiv verteidigen konnten. Diese Aufgabe fiel hauptsächlich den Armeen verbündeter Staaten zu, die jedoch wenig oder gar keine Kampferfahrung hatten und zu einem großen Teil schlecht bewaffnet waren. Außerdem waren logistische Probleme vorauszusehen, da Nachschub für den geplanten Vorstoß im Wesentlichen von einer einzigen leistungsfähigen Eisenbahnbrücke über den Dnjepr bei Dnjepropetrowsk abhing, der Merefa-Cherson-Brücke. Hitler nahm diese Risiken bewusst in Kauf, da für ihn die Eroberung der Ölfelder absolute Priorität hatte und er erneut – wie schon zu Beginn des Unternehmens Barbarossa – nach den zahlreichen für Deutschland siegreich beendeten Kesselschlachten mit hohen sowjetischen Verlusten die verbliebene Stärke der Roten Armee unterschätzte.

Im Mai scheiterte eine sowjetische Offensive bei Charkow, da die Rote Armee von der Stärke der dort bereits zusammengezogenen Kräfte überrascht wurde, und der anschließende deutsche Gegenstoß verbesserte die strategische Ausgangslage für die Sommeroffensive. Am 19. Juni 1942 – kurz vor Beginn der deutschen Sommeroffensive – unternahm der Erste Generalstabsoffizier der 23. Panzer-Division, Major Reichel, einen Erkundungsflug; die Fieseler Fi 156 musste knapp hinter den sowjetischen Linien notlanden. Den Sowjets fielen dabei Karten und Pläne für die erste Operationsphase in die Hände.[3] Nach diesem Vorfall wurden die Decknamen für die Offensive geändert, aus Fall Blau wurde Unternehmen Braunschweig. Die Pläne wurden Stalin vorgelegt; dieser hielt sie für eine Finte und gab Befehl, sie zu ignorieren.[4]

Unternehmensverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heeresgruppe Süd hatte für den ersten Angriff etwa 900.000 Mann, 1.263 Panzer, 17.035 Geschütze und Mörser sowie 1.640 Flugzeuge bereitgestellt. Dahinter folgten später zur Sicherung der eroberten Gebiete mehrere Armeen der verbündeten Staaten Ungarn, Italien und Rumänien. Zu Beginn der deutschen Offensive verteidigten sich drei sowjetische Fronten (Brjansker Front unter Filipp Golikow, Südwestfront unter Semjon Timoschenko und die Südfront unter Rodion Malinowski) mit rund 655.000 Mann, 744 Panzer, 14.196 Geschütze und Mörser und 1.012 Flugzeugen. Im zweiten Treffen und hinter dem Don waren weitere fünf Reservearmeen (3., 5., 6., 7. und 8.) mit einer gleich starken Truppenzahl bereitgestellt. Zum Schutz von Woronesch wurde kurz nach dem deutschen Angriffsbeginn die im Militärbezirk Moskau neuaufgestellte sowjetische 5. Panzerarmee unter General Lisjukow aus der Stawka-Reserve freigegeben.

Der deutsche Vorstoß vom 7. Mai bis zum 18. November 1942.
  • bis zum 7. Juli
  • bis zum 22. Juli
  • bis zum 1. August
  • bis zum 18. November
Deutscher Panzerjäger „Marder III“ auf einem Feld im Süden Russlands

Erste Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Offensive begann am 28. Juni 1942 durch die Armeegruppe von Weichs, welche auch die ungarische 2. Armee unterstellt war. Die deutsche 4. Panzerarmee und die 2. Armee führte ihren Hauptstoß auf einer 100 Kilometer breiten Front zwischen Orel und Kupjansk in Richtung auf Woronesch um als erstes Operationziel den Don zu erreichen. Nahezu überall zog sich die sowjetische 40. Armee unter General M. A. Parsegow zurück, da das Sowjetische Oberkommando die deutsche Sommeroffensive bei Moskau erwartet hatte und 50 % der Roten Armee dort stationiert waren.

Am 30. Juni folgte der Angriff der deutschen 6. Armee zwischen Belgorod und Olchowatka, nach Nordosten in Richtung auf Korotscha wurde das VIII. und XXIX. Armeekorps, in Richtung Osten auf Wolokonowka-Oskol wurde das XXXX. Panzerkorps und das XVII. Armeekorps angesetzt, während das LI. Armeekorps auf Waluiki vorging. Die deutschen Truppen überschritten nach 70 Kilometer Vormarsch ab 1. Juli den Oskol-Abschnitt und erreichten bis 5. Juli den Don zwischen Woronesch und Korotojak. Die Panzerspitzen der 4. Panzerarmee erreichten den Don bei Woronesch und drangen in die Stadt ein. Auch hier konnte sich die sowjetische 21. und 28. Armee der Generale A. I. Danilow und D. I. Rjabyschew unter Preisgabe von Gelände einer Vernichtung entziehen. Am 2. Juli erreichten Teile der 6. Armee im Raum nordöstlich von Stary Oskol die Vereinigung mit Truppen der 4. Panzerarmee, in dem dabei gebildeten Kessel wurden nur etwa 4 Divisionen der sowjetischen 40. und 21. Armee abgeschnitten und gefangengenommen. Das XXIV. und XXXXXVIII. Panzerkorps der 4. Panzerarmee drangen weiter nach Süden vor, erreichten am 7. Juli Rossosch und von dort aus fächerförmig am 9. Juli Mihailowka. Dadurch öffnete sie der von Westen vorgehenden deutschen 6. Armee am 10. und 11. Juli den Weg über den Aidar-Abschnitt und das Aufschließen deren Infanterie zur Kalitwa. Die 4. Panzerarmee hatte innerhalb von 9 Tagen etwa 300 Kilometer zurückgelegt, die 6. Armee war bis 15. Juli nach 160 bis 200 Kilometern Vormarsch an den Don bis Serafimowitsch aufgeschlossen. Die italienische 8. Armee, welche über Kantemirowka am nördlichen Flügel der 6. Armee aufmarschierte, wurde die Sicherung des rund 270 Kilometer langer Frontabschnitt entlang des Don zwischen Nowaia Kalitwa über Kasanskaja bis Serafimowitsch zugewiesen.

Ab 8. Juli begann auch im Süden der Angriff. Zunächst mit der 1. Panzerarmee die ab 11. Juli mit der zwischen Jsjum und Slawjansk am Donez forcierte und danach in der zweiten Feldzugsphase mit der Armeegruppe Ruoff (17. Armee und rumänische 3. Armee) die mit dem LVII. Panzerkorps den Angriff auf Rostow einleitete.

Hitler leitete die Unternehmen von seinem Hauptquartier Werwolf bei Winniza in der Westukraine. Auf Grund des günstigen Unternehmensverlaufs und des schwachen Widerstandes kam er zu der Auffassung, dass der Gegner in Auflösung begriffen sei. Es wurde vom ursprünglichen Plan abgewichen, um eine schnellere Verfolgung auf breiter Front zu ermöglichen. Am 9. Juli ließ Hitler die Heeresgruppe Süd in die Heeresgruppe A mit dem Ziel Kaukasus (unter dem Decknamen Edelweiß) und die Heeresgruppe B mit Ziel Stalingrad und Flankendeckung (unter dem Decknamen Fischreiher) aufspalten. So sollten beide Ziele gleichzeitig in Angriff genommen werden.

Zweite Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzer III in einem Dorf im Süden Russlands

Die 4. Panzerarmee unter Generaloberst Hoth wurde beim Vorstoß in den Kaukasus Mitte Juli der Heeresgruppe A unterstellt, so dass der Vorstoß auf Stalingrad der 6. Armee vorerst alleine zufiel. Außerdem wurden noch sieben Divisionen von der Krim sowie das AOK 11 für den Einsatz an der Wolchow-Front abgezweigt. Weil er gegen diese Operationsführung protestierte, wurde der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd / B Fedor von Bock am 15. Juli durch Maximilian von Weichs ersetzt.

Angriff der Heeresgruppe A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Juli gelang es dem III. und LVII. Panzerkorps nach schweren Kämpfen, die Stadt Rostow an der Mündung des Don zu erobern. Bis zum 28. Juli waren Brückenköpfe am unteren Don gebildet. Stalin gab der Verteidigung der Wolga-Linie nunmehr absolute Priorität, zog neue Verbände heran und verbot kategorisch in seinem berühmten Befehl Nr. 227 („Keinen Schritt zurück!“) jeden weiteren Rückzug. Bereits am 31. Juli musste Hitler die Kräfteverteilung erneut ändern. Aufgrund des plötzlichen harten Widerstands im Donbogen wurde die 4. Panzerarmee doch nicht für die Heeresgruppe A freigegeben, sondern sollte am Hauptangriff auf Stalingrad teilnehmen.

Das V. Armeekorps der 17. Armee sowie die rumänische 3. Armee wandten sich aus dem südlichen Brückenkopf von Rostow in südwärtige Richtung über Tichorezk ins Kuban-Gebiet. Die Anfang September über die Halbinsel Kertsch gebrachte 46. Infanterie-Division des Wehrmachtbefehlshabers auf der Krim (Generalkommando XXXXII. A.K.) und rumänische Verbände sicherten die Halbinsel Taman. Das XXXX. Panzerkorps der 1. Panzerarmee erreichte am 9. August die Ausläufer des Kaukasus, was einem Vorstoß von 500 Kilometern in weniger als zwei Wochen entsprach. Die auseinanderstrebenden Angriffsrichtungen und die Weite des Operationsraumes stellte jedoch die Versorgungslogistik vor unlösbare Probleme. Die vom III. Panzerkorps erreichten Ölfelder von Maikop waren von den sowjetischen Verteidigern vor ihrem Rückzug aus der Stadt so nachhaltig zerstört worden, dass sie trotz der intensiven Bemühungen der Technischen Brigade Mineralöl (TBM) auf Monate hinaus nicht zur Verfügung standen und daher nicht im ursprünglich eingeplanten Umfang zur Verbesserung der Treibstoffversorgung der deutschen Armeen beitragen konnten. Der Vormarsch kam in der Folge wegen Nachschubmangels und des Widerstandes der Transkaukasusfront zum Stehen. Am 10. September löste Hitler Generalfeldmarschall Wilhelm List als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A ab und übernahm deren Führung direkt.

Angriff der Heeresgruppe B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. August siegte die 6. Armee in der Kesselschlacht bei Kalatsch und rückte anschließend weiter vor. Die Überquerung des Don durch die 6. Armee am 21. August erlaubte es der Heeresgruppe B, Verteidigungsstellungen entlang des Flusses einzunehmen, die weniger als 60 Kilometer von Stalingrad entfernt lagen. Dies nutzte die Luftwaffe, die zeitweise mehr als die Hälfte ihrer einsatzfähigen Flugzeuge in den Bereich der Heeresgruppe B verlegt hatte, für massive Luftangriffe auf die Stadt, bei denen diese großteils in Schutt und Asche gelegt wurde und mehr als 40.000 Menschen starben. Am 23. August erreichten Panzerspitzen des XIV. Panzerkorps die Wolga nördlich von Stalingrad.

Durch die 6. Armee im Norden und die 4. Panzerarmee weiter südlich sollten die sowjetische 62. und die 64. Armee, welche bereits stark angeschlagen waren, eingeschlossen werden. Am 29. August begann die 4. Panzerarmee planmäßig mit der Offensive und stieß weit in Richtung Stalingrad vor. Da die 6. Armee jedoch noch damit beschäftigt war, einen russischen Gegenangriff abzuwehren, konnte sie erst drei Tage später angreifen, was den sowjetischen Armeen die Möglichkeit gab, aus dem Kessel zu entkommen. Erst am 10. September erreichten deutsche Einheiten den Stadtrand von Stalingrad und begannen den Angriff auf die Stadt. Das sowjetische Oberkommando gewann Zeit, immer neue Reserven von anderen Frontabschnitten heranzuführen und Truppen im Hinterland aufzustellen.

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus deutscher Sicht schienen die Erfolge der Offensive zunächst eindrucksvoll zu sein. Bis zum Wintereinbruch hatte die Wehrmacht weite Teile des Gebiets zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer besetzt. Die Ölfelder von Maikop waren unter deutscher Kontrolle, auf dem Gipfel des Elbrus war die Reichskriegsflagge gehisst worden. Auch hatte man es geschafft, das westliche Donufer als Verteidigungslinie zu gewinnen und Stalingrad bis auf einen kleinen Teil zu besetzen. Jedoch war es nicht gelungen, die Rote Armee entscheidend zu schlagen.

Die 6. Armee wurde in Stalingrad zu einem langwierigen und verlustreichen Häuserkampf gezwungen. Gleichzeitig war die nördliche Flanke besonders zwischen Don und Wolga nicht ausreichend gesichert und sehr anfällig für einen Flankenangriff. Am Terek war die Front in einem Stellungskrieg erstarrt. Auch die Basen der sowjetischen Schwarzmeerflotte konnten von der Roten Armee gehalten werden.

Der Fall Blau erwies sich somit als strategischer Misserfolg für die Wehrmacht, deren Position am Ende der Offensive ungeachtet des Raumgewinns bedeutend gefährdeter war als zuvor. Trotz der Verwässerung der ursprünglichen Planungen durch Hitler lagen die wesentlichen Schwachpunkte dabei bereits in der Anlage der Offensive begründet: Die enorme Ausdehnung des Operationsgebietes überbeanspruchte die vorhandenen Kapazitäten an Mensch und Material und machte eine Versorgung mit ausreichend Nachschub für die kämpfenden Verbände nahezu unmöglich.

Mitte November nutzte die Rote Armee die überdehnten Frontlinien und deren ungenügende Absicherung für einen massiven Gegenangriff im Raum Stalingrad, der nach der Einkesselung am 19. November 1942 und der mehrmonatigen Schlacht von Stalingrad zur Vernichtung der 6. Armee führte. Durch diese Niederlage und weitere sowjetische Offensiven geriet der gesamte Südflügel in Gefahr, was den Rückzug der deutschen Verbände vom Kaukasus zur Folge hatte. Bis Februar 1943 gingen so weite Teile der in Sommer und Herbst 1942 eroberten Gebiete wieder verloren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antony Beevor: Stalingrad. Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15101-5.
  • Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 6: Der globale Krieg – Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941 bis 1943, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990. ISBN 978-3-421-06233-8.
  • Walter Hubatsch: Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939–1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht. Ed. Dörfler, Utting 2000, ISBN 3-89555-173-2.
  • Andreas Hillgruber, Walter Hubatsch, Hans-Adolf Jacobsen, Percy Ernst Schramm: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht 1940–1945. Bernard & Graefe, Bonn, ISBN 3-7637-5933-6.
  • John Ray: The Daily Telegraph – illustrated history of the Second World War. Weidenfeld & Nicholson Military, London 2003, ISBN 0-297-84663-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. E. Schramm: Kriegstagebuch des OKW, Teilband 1/1942, S. 304.
  2. P. E. Schramm: Kriegstagebuch des OKW, Teilband 1/1942, S. 316.
  3. William B. Breuer: Deceptions of World War II, Wiley 2001, S. 134 (online).
  4. Barton Biggs: Wealth, War and Wisdom, Wiley 2008, ISBN 978-0470474792, S. 234 (online)