Schlossrued

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Schlossrued
Wappen von Schlossrued
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4142i1f3f4
Postleitzahl: 5044
Koordinaten: 649201 / 237960Koordinaten: 47° 17′ 27″ N, 8° 5′ 21″ O; CH1903: 649201 / 237960
Höhe: 498 m ü. M.
Fläche: 7,25 km²
Einwohner: 841 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 116 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
9,1 % (31. Dezember 2017)[2]
Website: www.schlossrued.ch
Karte
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Schlossrued (schweizerdeutsch: ˈʃlɔsːˌruəd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Ruedertal im Süden des Kantons.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im unteren Teil des Ruedertals, das von der Ruederche durchflossen wird und auf beiden Seiten von Hügelketten begrenzt wird. Der Talboden ist im oberen Teil nur knapp 50 Meter breit, weitet sich aber im unteren Teil auf eine Breite von rund 250 Metern aus. Die nordöstliche Seite des Tales ist stark zergliedert und besteht aus zahlreichen kurzen Seitentälern mit den dazwischen liegenden Ausläufern des Galgenmoos (654 m ü. M.) und des Sämlen (643 m ü. M.); diese bilden die Grenze zum Wynental. Die südwestliche Talseite ist gleichmässiger geformt und steigt zur Burg (649 m ü. M.) und zum Rand der Rötler-Hochebene an; diese grenzen das Ruedertal vom Suhrental ab. Ein Kilometer südöstlich der Hauptsiedlung Schlossrued liegt das Dorf Kirchrued, wo die einzige Kirche des gesamten Tales steht. Daneben sind über das ganze Gemeindegebiet zahlreiche Einzelhöfe verstreut.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 725 Hektaren, davon sind 226 Hektaren bewaldet und 57 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 680 Metern am Rand der Rötler-Hochebene, der tiefste auf 475 Metern an der Ruederche.

Nachbargemeinden sind Schöftland im Nordwesten, Unterkulm im Norden, Oberkulm im Osten, Schmiedrued im Südosten, Kirchleerau im Süden und Staffelbach im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Ruedertales erfolgte im 5. und 6. Jahrhundert durch die Alamannen, die den dichten Urwald rodeten. 1160 wurden in der Acta Murensia des Klosters Muri erstmals die «Herren von Ruoda» erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen (ze) Ruoderahu ab, was «beim Ruderbach» bedeutet; also ein Gewässer das durch Rudern überquert werden kann.[3] Die Herren von Rued waren ein Ministerialengeschlecht der Grafen von Kyburg, ab 1264 der Habsburger. Sie gaben ihre Stammburg Alt-Rued wahrscheinlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf und zogen auf die andere Talseite in das Schloss Rued. Die Eidgenossen zerstörten die Burg im Jahr 1386 während des Sempacherkriegs.

1415 wurde der Aargau von den Eidgenossen erobert; Schlossrued gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter aus der näheren Umgebung. Schliesslich wurde die Herrschaft Rued, die neben dem Ruedertal auch die Dörfer Kirchleerau und Moosleerau umfasste, von den aus Italien stammenden Herren von May erworben, die bis 1861 im Schloss residierten. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehört Schlossrued zum Kanton Aargau. Erst 1834 verkauften die von May ihre letzten übrig gebliebenen Rechte an den Kanton. 1816 wurde das Ruedertal in die Gemeinden Schlossrued und Schmiedrued aufgeteilt. Die Bevölkerung fand bis Mitte des 19. Jahrhunderts in der Baumwollweberei ein zusätzliches Auskommen. Als dieser Industriezweig wegen der Abgelegenheit des Tals und der zu geringen Wasserkraft unterging, mussten viele Einwohner wegziehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägte die Landwirtschaft das Leben der Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Rued befindet sich auf einem Felsvorsprung nördlich des Dorfes Schlossrued. Die aus dem Mittelalter stammende Burg wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach einem Grossbrand vollständig neu aufgebaut und in ein Wohnschloss umgewandelt.

Kirche von Kirchrued

Die ältesten Teile der Kirche von Kirchrued stammen aus dem 13. Jahrhundert, um 1500 wurde an den rechteckigen Bau ein Chor angefügt. Von aussen her erscheint das Gebäude wie eine grosse Kapelle.[5]

Der Schlossrueder Erlebnisweg bietet auf drei verschiedenen Rundwanderungen Gelegenheit, Schlossrued und die Ruedertaler kennenzulernen. Informationstafeln vermitteln Wissenswertes über Landschaft, Geschichte, Tier- und Pflanzenwelt. Innerhalb der Routen befinden sich Rastplätze und Aussichtspunkte.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg weisser, rot bedachter Turm mit schwarzem Tor, überhöht von zwei gekreuzten weissen Rudern und sechsstrahligem weissem Stern.» Die ungeteilte Gemeinde Ruedertal hatte bis 1816 das erstmals 1279 bezeugte Wappen der Herren von Rued geführt, ein Ruder gekreuzt von einem Schifferstachel. Auf dem Gemeindesiegel von 1872 waren die verschiedenen Symbole unübersichtlich angeordnet. 1953 wurden diese neu geordnet, nachdem der Gemeinderat sich geweigert hatte, ein oder zwei Symbole zu streichen.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 549 878 1000 719 886 848 805 749 833 867 903 839

Am 31. Dezember 2017 lebten 841 Menschen in Schlossrued, der Ausländeranteil betrug 9,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 73,2 % reformiert, 13,6 % römisch-katholisch und 2,0 % moslemisch; 0,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 96,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 0,9 % Serbokroatisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Schlossrued gehört zum Friedensrichterkreis Schöftland.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schlossrued gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 280 Arbeitsplätze, davon 37 % in der Landwirtschaft, 39 % in der Industrie und 24 % im Dienstleistungsbereich.[10] Neben der Landwirtschaft ist vor allem die Metall- und Holzverarbeitung vorherrschend. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Schöftland oder in der Region Aarau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlossrued liegt abseits der Hauptverkehrsachsen, ist aber durch Nebenstrassen mit dem Suhrental und dem Wynental verbunden. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die Postautolinie, die zwischen Schöftland und Schmiedrued (Ortsteil Schiltwald) verkehrt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule werden in Schöftland besucht. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlossrued – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 380–382.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109, Swisstopo
  5. Michael Stettler: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 268.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.