Schmiedrued

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Schmiedrued
Wappen von Schmiedrued
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4143i1f3f4
Postleitzahl: 5046
Koordinaten: 651000 / 23499547.2638898.112507566Koordinaten: 47° 15′ 50″ N, 8° 6′ 45″ O; CH1903: 651000 / 234995
Höhe: 566 m ü. M.
Fläche: 8.65 km²
Einwohner: 1181 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 137 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 9,5 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.schmiedrued-walde.ch
Karte
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Gemeindehaus von Schmiedrued
Das Flüsschen Ruederche in Schmiedrued
Schule in Schiltwald: Das Schulhaus diente als Vorlage zu dem Roman Schilten (1976) von Hermann Burger
Restaurant Pinte in Walde

Schmiedrued (schweizerdeutsch: ˈʃmɪdˌruəd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Ruedertal im Süden des Kantons und grenzt an den Kanton Luzern. Der inoffizielle Name der Gemeinde lautet Schmiedrued-Walde.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im oberen Teil des Ruedertals, das von der Ruederche durchflossen wird. Der Talboden ist durchgehend sehr schmal und kaum mehr als 50 Meter breit. Während das Tal im unteren Teil durch steile Hügelflanken begrenzt wird, werden die angrenzenden Hügel im oberen Bereich allmählich flacher. Die östliche Grenze zum Wynental hin wird durch einen Hügelzug gebildet, der allmählich in eine lang gezogene, durchschnittlich 700 Meter hohe Ebene übergeht. In Richtung Westen, zum Suhrental hin, ist das Gelände zwar wesentlich steiler, weist aber auch zahlreiche kleine Plateaus auf.[4]

Schmiedrued ist eine Streusiedlung und besteht aus mehreren Dörfern und Weilern. Im Talgrund liegen (von Norden her gesehen) Schmiedrued (569 m ü. M.), Walde (607 m ü. M.) und Schiltwald (650 m ü. M.). Westlich von Schmiedrued befinden sich die Weiler Eggschwil (604 m ü. M.) und Lören (611 m ü. M.), noch weiter südwestlich die Weiler Hochrüti (678 m ü. M.) und Nütziweid (693 m ü. M.). Westlich von Walde liegt Bodenrüti (656 m ü. M.), südöstlich von Schiltwald der Weiler Rehhag (710 m ü. M.). Die grösste Siedlung mit knapp der Hälfte der Einwohner ist Walde.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 865 Hektaren, davon sind 237 Hektaren bewaldet und 67 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 810 Metern am Fuchshubel an der Kantonsgrenze, der tiefste auf 527 Metern an der Ruederche.

Nachbargemeinden sind Moosleerau und Kirchleerau im Westen, Schlossrued im Nordwesten, Oberkulm im Norden, Gontenschwil im Osten sowie die luzernischen Gemeinden Rickenbach im Südosten, Schlierbach im Süden und Triengen im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Besiedlung des Ruedertales erfolgte im 5. und 6. Jahrhundert durch die Alamannen, die den dichten Urwald rodeten. 1160 wurden in der Acta Murensia des Klosters Muri erstmals die «Herren von Ruoda» erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen (ze) Ruoderahu ab, was «beim Ruderbach» bedeutet; also ein Gewässer das durch Rudern überquert werden kann.[3] Die Herren von Rued waren ein Ministerialengeschlecht der Grafen von Kyburg, ab 1264 der Habsburger. Ihr Stammsitz, das Schloss Rued, lag beim benachbarten Dorf Schlossrued.

1415 wurde der Aargau von den Eidgenossen erobert; Schmiedrued gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter aus der näheren Umgebung. Schliesslich wurde die Herrschaft Rued, die neben dem Ruedertal auch die Dörfer Kirchleerau und Moosleerau umfasste, von den aus Italien stammenden Herren von May erworben. Von 1430 bis 1915 existierte eine Hammerschmiede, der die Gemeinde ihre zweite Silbe im Namen verdankt. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehört Schlossrued zum Kanton Aargau. Erst 1834 verkauften die von May ihre letzten übrig gebliebenen Rechte an den Kanton. 1816 wurde das Ruedertal in die Gemeinden Schmiedrued und Schlossrued aufgeteilt. Schmiedrued bestand aber vorerst noch aus den halbautonomen Ortsbürgerschaften Matt, Schmiedrued, Schiltwald und Walde, die sich erst 1861 aufgrund finanzieller Probleme zu einer einzigen, mit der Einwohnergemeinde deckungsgleichen Ortsbürgergemeinde zusammenschlossen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägte die Landwirtschaft das Leben der Gemeinde, daneben wurde bis vor wenigen Jahrzehnten die Seidenbandweberei in Heimarbeit betrieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Weiler Nütziweid, auf einer Höhe von rund 700 Metern, befindet sich die Sternwarte des Astro-Club Solaris Aarau, die für jedermann zugänglich ist.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau weisser, schwarz gestielter Hammer, überhöht von zwei gekreuzten weissen Rudern und sechsstrahligem weissem Stern.» Das Gemeindewappen ist von jenem der Herren von Rued abgeleitet, welches seit 1279 bekannt ist. 1872 wurde der Hammer hinzugefügt. 1953 erfolgte eine stilistische Verbesserung mit einem kürzeren Hammerstiel.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1526 968 1015 977 934 977 900 1028 1219 1186

Am 31. Dezember 2014 lebten 1181 Menschen in Schmiedrued, der Ausländeranteil betrug 9,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 70,1 % reformiert, 17,1 % römisch-katholisch und 1,5 % moslemisch; 1,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,8 % Albanisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Schmiedrued gehört zum Friedensrichterkreis Schöftland.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Schmiedrued gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 350 Arbeitsplätze, davon 34 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 31 % im Dienstleistungsbereich.[10] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Schöftland oder in der Region Aarau.

Verkehr[Bearbeiten]

Schmiedrued liegt abseits der Hauptverkehrsachsen, ist aber durch Nebenstrassen mit dem Suhrental und der Region Sursee verbunden. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die Postautolinie, die von Schöftland aus ins Ruedertal verkehrt und die Dörfer Schmiedrued, Walde und Schiltwald erschliesst.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule werden gemeinsam mit der Nachbargemeinde Schlossrued geführt, während die Bezirksschule in Schöftland besucht werden kann. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 382–384.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109, Swisstopo
  5. Sternwarte Nütziweid
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 269.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.