Skiflug-Weltmeisterschaft 1990

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Die 11. Skiflug-Weltmeisterschaft wurde vom 24. bis zum 25. Februar 1990 auf dem Vikersundbakken im norwegischen Vikersund ausgetragen. Nach 1977 fand die WM zum zweiten Mal vor den Toren Oslos statt. Insgesamt starteten 56 Springer aus 16 Nationen. Frauen waren zur damaligen Zeit noch nicht zum Skispringen oder gar zum Skifliegen zugelassen. Auch einen Teamwettkampf gab es noch nicht.

Favoriten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Verlauf der bis dahin stattgefundenen Weltcupspringen inklusive der Vierschanzentournee war es schwer, klare Favoriten zu benennen. Mit dem aktuellen Vierschanzentourneesieger Dieter Thoma musste auf jeden Fall zu rechnen sein, ebenso mit dem Dauerbrenner und Tourneezweiten Jens Weißflog. Sein sportlicher Dauerrivale Matti Nykänen hatte offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich; in der laufenden Weltcupsaison hatte er nur einen Podiumsplatz erringen können und bei der Vierschanzentournee war er nicht mehr in die Top Ten gekommen. Dennoch war mit der finnischen Mannschaft zu rechnen, mit Ari-Pekka Nikkola und dem Tourneedritten Risto Laakkonen hatten sie zweite starke Springer am Start. Auch die tschechoslowakische Mannschaft hatte mit Altmeister Pavel Ploc, Dluhoš, Parma und dem sehr starken František Jež Siegspringer aufgeboten. Speziell Jež hatte bis zur WM fünf Weltcup-Springen gewonnen, darunter das Tourneespringen in Bischofshofen. Hinzu kam noch die starke Mannschaft aus Österreich mit den erfahrenen Athleten Ernst Vettori sowie Andreas Felder. Die jüngeren Werner Haim und Heinz Kuttin komplettierten das Aufgebot, die in der Weltcup-Saison auch schon Podiumsplätze erreicht hatten. Zuletzt waren noch die Norweger zu nennen, auf denen mit dem einheimischen Titelverteidiger Ole Gunnar Fidjestøl kein geringer Druck lastete. Allerdings ergaben die bis dahin erzielten Ergebnisse im Weltcup nicht unbedingt Anlass zu großen Hoffnungen.
Auch die politischen Umwälzungen in Ost- und Mitteleuropa gingen nicht ganz spurlos an der WM vorbei. Der polnische Verband sah sich nicht in der Lage, eine Mannschaft zu entsenden. Nach dem Rücktritt ihres Aushängeschildes Piotr Fijas und den Problemen im Land verzichtete der polnische Skiverband auf einen Start. Und auch in der DDR sorgten geänderte Prioritäten beinahe für einen Eklat. Das finanzintensive Leistungssportsystem stand auf dem Prüfstand, so dass alle Sportverbände des DTSB zum Sparen angehalten waren. So kam es, dass der DLSV nicht wie früher üblich Jens Weißflogs Heimtrainer Joachim Winterlich für die WM mit akkreditieren wollte, sondern nur die Verbandstrainer Reinhard Heß und Henry Glaß. Erst nach Weißflogs Drohung, die WM zu boykottieren, durfte Winterlich mitfliegen.[1] Er betreute außerdem noch Ralph Gebstedt. Entgegen den Planungen von Cheftrainer Reinhard Heß bestand das DDR-Aufgebot letztlich nur aus drei Springern, da René Kummerlöw nach starkem Saisonbeginn keine überzeugenden Leistungen mehr brachte.

Modus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich waren wieder zwei Wettkampftage geplant. Allerdings musste schon das Training am Freitag, den 23. Februar, abgesagt werden, da vor Ort Plusgrade um die 10 °C herrschten. Zudem wurde die Schanze erst in der Nacht zum Sonnabend in einem Großeinsatz endgültig präpariert. Aber auch am 24. Februar ließen die Wetterbedingungen eine reguläre Austragung nicht zu, so dass letztlich die WM am Sonntag, den 25. Februar, nach einem Probedurchgang an nur einem Wettkampftag entschieden wurde. Dies bedeutete, dass von den drei absolvierten Wettkampfsprüngen die zwei besten in die Wertung eingingen.[2]

Gesamtergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 25.000 Zuschauern, darunter Norwegens damaliger König Olav V., startete nach nervenaufreibender Wartezeit der Wettbewerb am Sonntag. Jens Weißflog setzte dabei im Probedurchgang mit der Verbesserung des Schanzenrekordes von 163 auf 164 m gleich die erste Marke. Im ersten Wertungsdurchgang schaffte er gute 161 m, während der Dreifacholympiasieger von Calgary, Matti Nykänen, mit 171 m nochmals zu alter Form aufzulaufen schien. Diesem Supersatz folgten im zweiten Durchgang allerdings nur 132 m, während nun Dieter Thoma, nach Durchgang 1 noch auf Rang 38, mit 171 m bewies, dass sein Vierschanzentourneesieg kein Zufall war. Führend war zwischenzeitlich nun aber Jens Weißflog, der mit 170 m im zweiten Durchgang den dritten und letzten 170er Sprung des Tages setzte. Während Felder, Fidjestøl und auch Nikkola nach zwei Durchgängen noch in Medaillenreichweite lagen, kamen die anderen Favoriten mit dem Riesenbakken nicht zurecht. Im dritten Durchgang war kaum noch ein Springer im nasser und damit langsamer werdenden Schnee in der Lage, sich zu verbessern. Dieter Thoma sprang jedoch mit der Durchgangshöchstweite von 165 m zehn Meter weiter als Nykänen und Weißflog reichten die 153 m nicht, um den Silberrang zu belegen. Denn der finnische Altmeister nahm nochmals alle seine Kräfte zusammen und landete bei 155 m, die am Ende Rang zwei mit nur 1,5 Punkten Vorsprung vor seinem Rivalen Jens Weißflog bedeuteten. Für Nykänen war es die letzte Medaille bei einer internationalen Skisprungmeisterschaft. Da Fidjestøl sich im dritten Durchgang nicht mehr verbesserte, gab es keine Medaille für die Norweger vor heimischen Publikum. Zu den Enttäuschten gehörten die Tschechoslowaken, deren bester Vertreter Pavel Ploc auf Rang 14 einkam.[3] Für den neuen Skiflug-Weltmeister Dieter Thoma war die Saison 1989/90 bestens verlaufen. Nach dem Gewinn der Vierschanzentournee holte er in Vikersund bei seinem ersten Skiflug-Wettbewerb gleich den Weltmeistertitel.[4]

Platz Name Land Weiten (in m) Punkte
01. Dieter Thoma Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 135/171/165 357,7
02. Matti Nykänen FinnlandFinnland Finnland 171/132/155 350,8
03. Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 161/170/153 349,3
04. Andreas Felder OsterreichÖsterreich Österreich 165/165/158 346,4
05. Ole Gunnar Fidjestøl NorwegenNorwegen Norwegen 167/157/148 340,0
06. Ari-Pekka Nikkola FinnlandFinnland Finnland 160/165/131 339,2
07. Werner Haim OsterreichÖsterreich Österreich 157/163/145 337,7
08. Thomas Klauser Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 160/153/153 333,9
09. Virginio Lunardi ItalienItalien Italien 160/159/139 333,4
10. Roberto Cecon ItalienItalien Italien 155/141/150 326,0
11. Per-Inge Tällberg SchwedenSchweden Schweden 134/147/158 325,9
12. Jon Inge Kjørum NorwegenNorwegen Norwegen 154/157/98 325,0
13. Michail Jessin SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 159/149/135 321,6
14. Pavel Ploc TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 139/167/132 321,1
15. Miran Tepeš JugoslawienJugoslawien Jugoslawien 150/136/143 319,9
16. Stephan Zünd SchweizSchweiz Schweiz 125/164/135 315,5
17. Ernst Vettori OsterreichÖsterreich Österreich 155/144/127 314,9
18. Josef Heumann Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 152/152/132 312,9
19. Pawel Kustow SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 152/148/123 312,7
20. Heinz Kuttin OsterreichÖsterreich Österreich 145/145/145 312,5
21. Andreas Bauer Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 145/153/132 311,6
22. Franci Petek JugoslawienJugoslawien Jugoslawien 149/152/130 311,0
23. Noriaki Kasai JapanJapan Japan 150/151/138 310,5
24. Ralph Gebstedt Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 152/147/130 310,4
25. Primož Ulaga JugoslawienJugoslawien Jugoslawien 148/154/114 310,3
26. František Jež TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 150/146/129 309,0
27. Jan Boklöv SchwedenSchweden Schweden 153/147/113 308,7
28. Christian Hauswirth SchweizSchweiz Schweiz 143/54/115 307,8
Martin Švagerko TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 151/146/136 307,8
30. Masahiko Harada JapanJapan Japan 140/149/126 302,9
31. Staffan Tällberg SchwedenSchweden Schweden 138/144/139 302,8
32. Ladislav Dluhoš TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 94/145/136 300,7
33. Vegard Opaas NorwegenNorwegen Norwegen 150/135/128 298,4
34. Didier Mollard FrankreichFrankreich Frankreich 147/122/130 295,6
35. Andrei Werweikin SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 145/136/125 292,5
36. Matjaž Zupan JugoslawienJugoslawien Jugoslawien 147/136/127 291,7
37. Juri Golowschtschikow SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 137/14/126 290,3
38. Christoph Lehmann SchweizSchweiz Schweiz 137/145/122 289,8
39. Magne Johansen NorwegenNorwegen Norwegen 137/134/130 288,1
40. Risto Laakkonen FinnlandFinnland Finnland 129/145/127 285,6
41. Ron Richards KanadaKanada Kanada 134/135/128 282,3
42. Rune Olijnyk NorwegenNorwegen Norwegen 131/139/114 281,2
43. Heiko Hunger Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 140/124/126 280,8
44. Ted Langlois Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 132/127/127 276,7
45. Manabu Nikaidō Japan 1870Japan Japan 140/129/105 276,4
46. Nicolas Jean-Prost FrankreichFrankreich Frankreich 130/127/118 276,3
47. John Lockyer KanadaKanada Kanada 131/128/110 265,9
48. Bernat Sola SpanienSpanien Spanien 129/120/120 263,2
49. Thomas Kindlimann SchweizSchweiz Schweiz 131/122/104 262,1
50. Naoki Yasuzaki Japan 1870Japan Japan 116/12/126 261,5
51. Colin Capel KanadaKanada Kanada 117/128/116 259,1
52. Magnus Åström SchwedenSchweden Schweden 126/106/116 251,1
53. Kurt Stein SchweizSchweiz Schweiz 117/120/110 242,9
54. Roberto Frison ItalienItalien Italien 118/123/103 238,5
55. Bryan Sanders Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 116/113/95 230,9
56. Jim Holland Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 109/109/103 217,6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Zeit, 23. Februar 1990 S. 6.
  2. Berliner Zeitung, 26. Februar 1990 S. 6.
  3. Neues Deutschland, 26. Februar 1990, S. 6.
  4. Gesamtergebnis