Songfestival von Knokke

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Der Austragungsort des Festivals

Das Songfestival von Knokke (niederländisch Songfestival van Knokke; französisch Festival de la chanson de Knokke beziehungsweise Coupe d’Europe du tour de chant) war ein musikalischer Wettstreit mit Teilnehmern aus zahlreichen nord-, west- und südeuropäischen Ländern. Es wurde von 1959 bis 1973[1] jährlich im Casino der belgischen Stadt Knokke ausgetragen und war in den 1960ern nächst dem Festival von Sanremo und dem Grand Prix Eurovision de la Chanson der bedeutendste Wettbewerb des Schlager, Chansons und Popmusik umfassenden Musikgenres. Für manchen Interpreten bedeutete Knokke den Einstieg in seine internationale Karriere.[2]

Teilnehmende Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes teilnehmende Land entsandte fünf (bei den letzten Austragungen nur noch drei) Künstler, deren Vorträge von einer Jury aus je zwei Personen aus den Teilnehmerstaaten bewertet wurden; der Wettbewerb dauerte eine ganze Woche und verlief nach dem aus dem Sport bekannten Pokalmodus mit ausscheidenden und weiterkommenden Teams bis zum Finale.[3] Die exakten Regularien waren über die Jahre kleinen Veränderungen unterworfen.[4] Außer Belgien nahmen die Niederlande, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien an sämtlichen 15 Festivals teil. Weitere Teilnehmer kamen aus Österreich (1964), Spanien (1969–1973), Dänemark (1971), Schweden (1972), Portugal (1972) und – als einzigem Staat des Ostblocks – Rumänien (1971 und 1972).

Den einzigen deutschen Sieg trugen 1960 Heinz Sagner, Frank Forster, Inge Brandenburg sowie die beiden Österreicher Hannelore Auer und der am höchsten bewertete Udo Jürgens davon. Sie setzten sich mit 445 zu 421 Punkten im Finale gegen die Niederlande durch.

Im Jahr 1972 gab es nach dem eigentlichen Wettbewerb noch einen Wettstreit zwischen Teams aus Europa und den USA. An diesem Superfinale nahmen für die europäischen Länder die Bestplatzierten (Kalinka, Mary Roos, Malcolm Roberts, Nino Bravo und Dida Dragan) teil,[5] für die Vereinigten Staaten gingen David Blue, Annette Peacock, Lori Lieberman, Richard Landis und Nelson Sardelli auf die Bühne. Die Europäer gewannen mit 399 zu 309 Punkten.[6]

Die niederländische Rundfunkgesellschaft KRO übertrug 1972 den Vorrundentag mit den Teams aus Großbritannien, Portugal und den Niederlanden am 8. Juli 1972 unter dem Titel Veertiende Europabeker voor zangvoordracht[7] („14. Europapokal für Gesangsvortrag“) auf Nederland-1. Auch das Halbfinale wurde ausgestrahlt;[8] das Finale wurde jedoch, nachdem das niederländische Team ausgeschieden war, nicht gesendet. Allerdings konnten die Zuschauer am 12. Juli 1972 das „Superfinale“ Europa gegen USA verfolgen.[5]

Im Vereinigten Königreich gab es am 16. September 1972 eine von Malcolm Roberts präsentierte Zusammenfassung des Wettbewerbs in der Sendung Golden Seashallow Awards 1972 bei BBC2.[9]

Die Sieger des Festivals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shirley, Siegerin 1964
Gerry Marsden (unten in der Mitte), Sieger 1967
Jahr Siegernation siegreiche Interpreten
1959 Frankreich Jean-Paul Vignon, Gélou, Olivier Jeanès, Robert Jeantal, Jean-Yves Gran
1960 Deutschland Heinz Sagner, Hannelore Auer, Frank Forster, Inge Brandenburg, Udo Jürgens
1961 Vereinigtes Königreich Tino Valdi, Carmitta, Ken Kirkham, Kathy Kirby, Dick Francis
1962 Frankreich Christiane Legrand, Alain Barrière, Luce Klein, Joël Holmès, Billy Bridge
1963 Frankreich Jacqueline Danno, Billy Nencioli, Gérard Mélet, Nicole Croisille, Anton Valéry
1964 Niederlande Willeke Alberti, Shirley, Trea Dobbs, Ilonka Biluska, Rita Hovink
1965 Niederlande Greetje Kauffeld, Liesbeth List, Connie van Bergen, Suzie, Jan Arntz
1966 Vereinigtes Königreich Truly Smith, Chloe Walters, Eden Kane, Jimmy Wilson, Engelbert Humperdinck
1967 Vereinigtes Königreich Lois Lane, Gerry Marsden, Oscar, Dodie West, Roger Whittaker
1968 Belgien Lily Castel, Ann Christy, Hugo Dellas, Nicole Josy, Jacques Raymond
1969 Spanien Conchita Bautista, Nuria Feliù, Pedro Gene, Guillermina Motta, Peret
1970 Spanien Christina, Dova, Dyango, Julio Iglesias, Jaime Morey
1971 Rumänien Aurelian Andreescu, Mihaele Mihai, Aura Urziceanu
1972 Vereinigtes Königreich Penny Lane, Malcolm Roberts, Union Express
1973 Belgien Cecily Forde, Rita Deneve, Kalinka

Weitere bekannte Interpreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbara (1968)
Greetje Kauffeld (1961)

Das Gastgeberland Belgien wurde neben vielen weiteren Künstlern durch Louis Neefs (1959), Eddie Defacq (1965) und Micha Marah (1973) repräsentiert.[10] Für Frankreich traten in Knokke auch Barbara (1960), Jean Ferrat, Isabelle Aubret (beide 1961), Pierre Barouh (1964), Pascal Danel (1966), Romuald Figuier (1967), Michèle Torr (1969), Dominique Dussault (1970) sowie Noëlle Cordier (1970 und 1973) auf. Besonders groß war insbesondere in den frühen Jahren die Zahl bekannter niederländischer Interpreten, die dieses Festival als europäische Bühne nutzten: 1959 Annie Palmen, 1960 Teddy Scholten, Corry Brokken, Willy Alberti und Rita Reys (diese 1973 noch einmal), 1961 Ramses Shaffy, 1962 Anneke Grönloh und Mieke Telkamp, 1967 Patricia Paay und Jerry Rix, 1968 und 1973 Ben Cramer, 1969 Marjol Flore und Dave Levenbach.

Udo Jürgens (1968)
Dave Levenbach (1969)

Großbritannien entsandte unter anderem auch noch Craig Douglas (1959), Matt Monro (1960), Noel Harrison und Anita Harris (1962), Clodagh Rodgers (1963), Dave Berry (1965 und 1973), Wayne Fontana, Marty Wilde (beide 1968) und Tony Christie (1970) nach Belgien. Die Liste namhafter Künstler, die Westdeutschland in Knokke vertreten haben, begann 1959 mit Ted Herold und setzte sich bis 1966 unter anderem mit Wyn Hoop, Rainer Bertram, Angelina Monti, Nana Gualdi, René Kollo, Mary Roos, Peter Beil, Roy Black, Bernd Spier, Tony Marshall, Katja Ebstein und Marion fort. In den späteren Jahren des Wettbewerbs versuchten – allerdings gleichfalls vergeblich – noch Suzanne Doucet, Reinhard Mey, Daisy Door, Johnny Tame, Sibylle Kynast, Roberto Blanco, Joy, Peter Rubin oder Cindy und Bert, der Bundesrepublik nach 1960 zu einem zweiten Sieg zu verhelfen. Aus Italien traten beispielsweise 1965 Iva Zanicchi, Nicola Di Bari und Bruno Lauzi bei dem Festival auf, 1968 Pino Donaggio und Dori Ghezzi sowie 1971 Fiorella Mannoia. Erwähnenswert bei der jeweils einzigen Teilnahme ihres Landes sind auch noch Teddy Binder, Heinz Wimmer, Heidi Molnar, Gerda Nord und Fred Perry (1964 für Österreich), die Dänin Birthe Kjær (1971) und die Portugiesin Tonicha (1972).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laut diesem Artikel bei europopmusic.eu wies die 1973er Veranstaltung allerdings eher den Charakter eines großen Abschiedskonzerts als den eines Wettbewerbs auf.
  2. nach dem Editorial „Talent Springboard“ in Billboard vom 29. Juli 1967 (Onlineversion)
  3. siehe den Artikel „Whittaker Sparks U.K.’s Song Victory; Beat France in Final“ in Billboard vom 29. Juli 1967 (Onlineversion)
  4. nach dieser Darstellung bei europopmusic.eu
  5. a b A. v.d. H., Engelse ploeg wint in Knokke, Leidse Courant vom 12. Juli 1972
  6. Britain Wins Belgium Song Contest; Totals 256 Points, Billboard vom 29. Juli 1972, S. 47; bei Google books
  7. Programmvorschau des Provinciale Zeeuwse Courant vom 8. Juli 1972, S. 19
  8. Nederland is in Knokke al uitgeschakeld, Leidsch Dagblad vom 10. Juli 1972, S. 5
  9. Programmschema auf den Seiten der BBC
  10. siehe für diesen Abschnitt die Liste aller Festival-Teilnehmer unter Weblinks