Joy Fleming

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Joy Fleming, 2012

Joy Fleming, bürgerlich Erna Liebenow geb. Raad, in erster Ehe Strube (* 15. November 1944 in Rockenhausen; † 27. September 2017 in Hilsbach), war eine deutsche Jazz-, Blues- und Schlagersängerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 14 Jahren gewann Fleming einen lokalen Schlagerwettbewerb mit dem Lied Ciao, Ciao Bambina. Nach der Lehre als Verkäuferin sang sie mit 16 Jahren Jazz und Blues in Bars und Kneipen für die in Mannheim stationierten Amerikaner. 1966 gründete sie mit Freunden die Band Joy & The Hit Kids, die 1969 in Joy Unlimited umbenannt wurde. Ein Fernsehauftritt im Talentschuppen des damaligen Südwestfunks (SWF) brachte ihr 1968 den Durchbruch und machte sie einem breiten Publikum bekannt. Am 31. Oktober 1970 hatte die von der Gruppe erstellte und neu arrangierte deutsche Fassung des Pop-Musicals Tut was ihr wollt (von Donald Driver, nach William Shakespeares Was ihr wollt) am Mannheimer Nationaltheater Premiere.

Ab 1971 setzte Fleming ihre Karriere als Solosängerin fort und konnte mit dem Neckarbrückenblues, der mit einem Text von Carl J. Schäuble auf Mannemerisch gesungen wird, Erfolg erringen. Zu dieser Zeit managte sie der Verleger und Musiker Peter Kirsten und nahm mit ihr mehrere Platten auf. Die Band Joy Unlimited machte 1971 ohne Joy weiter (dort spielte ab 1973 auch Hans Lingenfelder, der unter dem Künstlernamen Ricky King als Gitarrist bekannt wurde).

1976 heiratete Fleming Bernd Liebenow, der auch ihr Manager wurde. Die Familie zog nach Hilsbach auf einen Bauernhof. Es folgten zahlreiche Tourneen, unter anderem nach Argentinien, in die DDR (1980 zusammen mit dem Jochen-Brauer-Sextett, als eine von wenigen westdeutschen Künstlerinnen), nach Skandinavien, China, mehrmals nach Frankreich und in die damalige Sowjetunion. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Outstanding Award von Tokio.

Flemings Bruder Otto Raad ist ebenfalls Sänger und spielt seit den 1970er Jahren mit der Mannheimer Cover-Combo Just for Fun alte Rock’n’Roll-, Beat- und Blues-Standards nach.

1990 gründete sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Bernd Liebenow und ihrem Pianisten Claude Schmidt einen eigenen Verlag unter dem Label Rö-Mo Records und Rött’l Mouse-Verlag sowie die Musikgruppe United Wanderers. Für die TV-Show Das Glücksrad sang Fleming 1991 den von Klaus-Peter Sattler komponierten Titelsong und zur Eröffnung des Großen Preises 2005 der Formel 1 auf dem Hockenheimring die Deutsche Nationalhymne.

Zuletzt lebte sie in Sinsheim-Hilsbach mit dem französischen Komponisten und Musiker Bruno Masselon zusammen und betrieb ein eigenes Musikstudio. Joy Fleming starb am 27. September 2017 im Alter von 72 Jahren.[1] Sie hinterlässt drei Kinder, eine Tochter aus erster Ehe mit Strube und zwei Söhne aus der Ehe mit Liebenow. Joy Fleming wurde auf dem Ortsfriedhof von Sinsheim-Hilsbach beigesetzt.[2]

Wettbewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joy Fleming 2005

Fleming nahm 1975 am Eurovision Song Contest in Stockholm teil. Mit Ein Lied kann eine Brücke sein erreichte sie Platz 17. Sie erhielt von Luxemburg acht, von Malta drei und von Spanien vier Punkte. Alle anderen Länder vergaben keine Punkte für den deutschen Beitrag.

Die Sängerin nahm noch drei weitere Male an der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix teil. 1986 trat sie mit Marc Berry unter dem Namen Fleming und Berry bei der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest (ESC) in Bergen an und belegte mit dem Titel Miteinander Platz vier. Mit Lesley Bogaert und Brigitte Oelke versuchte sie sich als Lesley, Joy und Brigitte mit dem Titel Power of Trust für den Eurovision Song Contest 2001 in Kopenhagen zu qualifizieren und belegte Platz zwei. Im folgenden Jahr trat sie mit dem Jambalaya Chor mit Joy to the World bei der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in Tallinn an und belegte ebenfalls Platz zwei.

Fleming saß zusammen mit Stefan Raab und Thomas Anders in der Jury von Raabs Casting-Format SSDSGPS, bei dem ein Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2004 gesucht wurde. Der Sieger dieses Formats, Max Mutzke, gewann auch die Vorentscheidung zum ESC und belegte schließlich den achten Platz für Deutschland.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Halbblut
  DE 38 18.02.1974 (4 Wo.)
Ein Lied kann eine Brücke sein
  DE 32 17.03.1975 (6 Wo.)
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Singles[3]

  • 1967: Zweisamkeit / Das Glück dieser Welt (Joy & The Hit Kids)
  • 1967: Sunshine / All The Days (Joy & The Hit Kids)
  • 1967: What Can I Do Without You (Joy & The Hitkids)
  • 1967: I Hold No Grudge (Joy & The Hitkids)
  • 1967: You’re My Sunshine (Joy & The Hitkids)
  • 1968: Daytime, Nighttime / Mr. Pseudonym (Joy & The Hitkids)
  • 1968: Bla, Bla / I’m Still A Child (Joy & The Hitkids)
  • 1969: Oh! Darling / Runaway (Joy & The Hitkids)
  • 1969: Es war einmal / Gold und Glück (Joy & The Hitkids / Joy Unlimited)
  • 1969: Feelin’/ I Just Made Up My Mind (Joy & The Hitkids / Joy Unlimited)
  • 1970: Take Me To The Pilot / It’s Not Alright (Joy Unlimited / Promo-Pressung unter dem Namen Joy And The Hit Kids)
  • 1972: Kinderhände
  • 1972: Feuer
  • 1972: Neckarbrückenblues
  • 1973: Halbblut
  • 1973: Kall, oh Kall
  • 1973: Change it All
  • 1974: Rocktown
  • 1975: Ein Lied kann eine Brücke sein
  • 1975: Bridge of Love
  • 1975: Geld
  • 1976: Are You Ready For Love
  • 1977: Ich sing fer’s Finanzamt
  • 1978: I Only Wanna Get Up And Dance
  • 1979: Er ist ein Ehemann
  • 1984: Dance Tonight
  • 1985: Zuviel Gefühl
  • 1986: Miteinander (Fleming & Berry)
  • 1987: Don’t You Know
  • 1987: Spür die Winterzeit (& The House Band)
  • 1988: Butzekrampel
  • 1988: Gypsyland
  • 2001: The Power of Trust (Leslie, Joy & Brigitte)
  • 2006: Since You Are Gone (Joy Fleming & Robert Zephiro Milla)

Alben

  • 1970: Overground (als Gruppe Joy Unlimited)
  • 1971: Schmetterlinge (als Gruppe Joy Unlimited)
  • 1973: Joy Fleming
  • 1974: Joy Fleming – live
  • 1974: This Is My Life
  • 1975: Menschenskind
  • 1976: Have a Good Time
  • 1978: I Only Wanna Get Up and Dance
  • 1978: The Final Thing
  • 1981: Vocals and Keyboards only (mit Kristian Schultze)
  • 1984: Helden werden auch mal älter
  • 1984: Joygeboren
  • 1987: N
  • 1992: Mit deinen Augen
  • 1993: Sentimental Journey
  • 1994: Viele Gesichter
  • 1996: L’Attraction
  • 1997: Butzekrampel & mehr
  • 1998: Gedanken einer Frau
  • 2000: Mama Joy
  • 2002: Joy to the World (Joy Fleming & der Jambalaya Chor)
  • 2004: Live Programm
  • 2006: Winterzeit
  • 2007: L’Attraction (Remixed Re-Release)
  • 2010: So bin ich

Sonstige Veröffentlichungen

  • 1969: Es war einmal (Joy & the Hitkids, Titelsong Grimms Märchen von lüsternden Pärchen)
  • 1974: Let Me Be the One
  • 1975: Arbeitslos
  • 1988: The Yodel Queen (Walter Bockmayers Geierwally)
  • 1988: Geierwally (Walter Bockmayers Geierwally)
  • 1989: Sing and Take My Hand (1. Veröffentlichung anlässlich des Mauerfalls zu Berlin)
  • 1989: Anne (Titelsong zur Zeichentrickserie Anne mit den roten Haaren)
  • 1991: Glücksrad-Titelsong
  • 1991: Feuer und Flamme
  • 1993: How High the Moon
  • 1994: Berühre mich (gewidmet der AIDS-Hilfe – Deutsche AIDS-Hilfe e. V.)
  • 1994: Raff’ dich auf
  • 1998: Gedanken einer Frau
  • 1999: Blues: Lance-Dance – Get Your Chance! (mit Lutz Dannewitz, Oper Berlin)
  • 2007: Meine Welt (Jubiläumssong 400 Jahre Stadt Mannheim, Joy Fleming, Rolf Stahlhofen und andere)
  • 2009: Keine Macht der Welt (Duett mit Sascha Heyna)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joy Fleming, Horst Wörner: Über alle Brücken. Erinnerungen. Gerhard Hess, Bad Schussenried 2013, ISBN 978-3-87336-427-1.
  • Jan Feddersen: Ein Lied kann eine Brücke sein. Die deutsche und internationale Geschichte des Grand Prix Eurovision. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-09350-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joy Fleming – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sängerin Joy Fleming ist tot, deutschlandfunkkultur.de, abgerufen am 28. September 2017.
  2. knerger.de: Das Grab von Joy Fleming
  3. Joy Fleming. musicline.de; abgerufen am 17. August 2014.
  4. Joy Fleming und Bülent Ceylan werden ausgezeichnet. In: Stuttgarter Zeitung. 12. April 2012; abgerufen am 17. August 2014.