Museum Fünf Kontinente

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Museum Fünf Kontinente

Beim Museum Fünf Kontinente handelt es sich um das frühere Staatliche Museum für Völkerkunde in der Maximilianstraße in München. Es wurde 1862 als erstes ethnologisches Museum in Deutschland mit dem Namen Königlich Ethnographische Sammlung gegründet, seit 1917 Museum für Völkerkunde genannt und am 9. September 2014 in Museum Fünf Kontinente umbenannt[1]. Eine Zweigstelle befindet sich noch bis 31. Dezember 2017 im Residenzschloss Oettingen.

In der Sammlung des Museums befinden sich nach eigenen Angaben über 160.000 Kunstwerke außereuropäischer Völker, 135.000 Fotografien und eine Fachbibliothek mit über 100.000 Büchern. Die Sammlungen der Familie Wittelsbach bildeten eine historische Basis.[2] Die ständigen Ausstellungen und themenbezogene Sonderausstellungen zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Kulturen.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Fünf Kontinente mit neuem Schriftzug über dem Portal
Museum Fünf Kontinente mit neuem Schriftzug über dem Portal

Der Museumsbau wurde 1859 bis 1865 von Eduard Riedel als Bayerisches Nationalmuseum errichtet, dessen Sammlungen seit 1900 in einem neuen Museumsbau an der Prinzregentenstraße untergebracht sind, da sich das Gebäude trotz seiner achtunddreißig Säle bald als zu klein erwies. Auftraggeber war König Maximilian II., auf dessen Initiative die Maximilianstraße errichtet wurde. Von 1906 bis 1925 diente das Gebäude dem Deutschen Museum als erster, provisorischer Ausstellungsbau. Seit 1926 ist das Völkerkundemuseum im Haus an der Maximilianstraße beheimatet.

Nachdem sich der Bauherr für den Bauplatz an dieser Stelle entschieden hatte, musste das 1858 bis zum Rohbau gediehene neue Gebäude des Taubstummendomizils auf Kosten des Stifters wieder abgetragen werden. Die Architektur des zweigeschossigen Monumentalbaus mit dreigeschossigen Mittel- und Eckrisaliten wurde vom englischen Perpendicular Style beeinflusst. Die Hauptfront ist 147 Meter lang und besteht aus fünf Blocks mit durchgehenden Arkaden und 25 Achsen mit einem reich verzierten Dachgesims. Der Eingangsbereich ist mit einer Loggia mit neun Achsen ausgestattet. Der ursprünglichen Widmung des Baus entsprechend schmücken im ersten Stock historische Fresken mit Szenen aus der bayerischen Vergangenheit einige Räume. Die königliche Inschrift „Meinem Volk zu Ehr und Vorbild“, in Großbuchstaben unter dem Dach angebracht, bezieht sich ebenfalls auf die Entstehungsgeschichte als Bau des Nationalmuseums.

Sammlungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Afrika-Ausstellung des Museums Fünf Kontinente
Blick in die im Herbst 2016 umgestaltete permanente Afrika-Ausstellung des Museums Fünf Kontinente
Blick in den Buddha-Saal des Museums Fünf Kontinente
Blick in den Buddha-Saal des Museums Fünf Kontinente

Die komplette Sammlung besteht aus rund 5000 Objekten, darunter Lederbekleidung, Federkopfschmuck und Masken. Die ältesten, etwa 1000 Pfeil- und Lanzenspitzen, stammen aus präkolumbischer Zeit. Der Großteil der Sammlung läßt sich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart datieren, darunter Siebdrucke von indianischen Künstlern der Nordwestküste oder Specksteinschnitzereien der Inuit. Bedeutende Sammlungen wurden unserem Haus von Prinzessin Therese von Bayern, Otto Geist, Elk Eber, Vera Laski, Lorne Balshine und den Ehepaaren Larink und Walk anvertraut. Kunstvolle Alltagsgegenstände zeigen den Erfindungsreichtum und das breite Spektrum menschlicher Anpassung ihrer Schöpfer an ihre jeweilige Umwelt: Von den den arktischen Jägern im Norden und den Fischern der Nordwestküste bis zu den Viehzüchtern (Navaho) und Ackerbauern (Hopi, Zuñi) im Südwesten über die Bisonjäger der Prärie bis hin zu den ehemaligen Maispflanzern im Osten (Irokesen).

  • Die permanente Ausstellung "Sonnentanz und Bisonjagd. Indianer Nordamerikas" zeigt die Vielfalt des indianischen Nordamerika auf und belegt eindrucksvoll den Erfindungsreichtum und das ästhetische Gefühl ihrer Schöpfer. Beispiele hierfür sind die berühmten Rabenmasken der Kwakiutl von der Nordwestküste, aufwändige Perlenstickereien der Sioux aus den Plains oder die handschmeichelnden Specksteinfiguren der Eskimo. Von den Kachina-Figuren der Hopi im Südwesten Nordamerikas ließen sich bereits Künstler der Klassischen Moderne beeinflussen.
  • Afrika-Sammlung und permanente Afrika-Ausstellung "Lebendige Traditionen, Kreative Gegenwart. Kunst aus Afrika": Die Sammlung Afrika umfasst etwa 40.000 Alltags- Ritual- und Kunstgegenstände aus den Ländern und Regionen südlich der Sahara sowie von in dieser Wüste lebenden Bevölkerungsgruppen wie den Tuareg. Zur Sammlung Afrika zählen auch Objekte aus Madagaskar, während Gegenstände aus Nordafrika im Museum der Sammlung Orient zugeordnet sind. Zur Sammlung gehören plastische Kunst mit Masken und Figuren, Skulpturen, Bronzen und Elfenbeinschnitzereien[5], Waffen sowie Silberhandwerk und Körperschmuck.

Die ältesten Bestände der Sammlung entstammen der Kunstkammer der Wittelsbacher Herrscher und umfassen Elfenbeinschnitzereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Seit Gründung des Museums 1862 wurde die Sammlung durch Schenkungen und Ankäufe von zahlreichen Reisenden, Forschern, Kolonialbeamten und Missionaren, Ethnographica- und Kunsthändlern wie z.B. Max Buchner (1885), Friedl Martin (1893), Hugo Deininger (1905 und 1913), Ludwig Bretschneider (v.a. 1950er bis 1980er Jahre) sowie der Firma Umlauff (1926 und 1932) erweitert.

Dabei kristallierten sich mehrere Sammlungsschwerpunkte heraus, z.B. Perlenarbeiten aus dem südlichen Afrika, Keramik- und Flechtarbeiten sowie christliche Volksmalerei aus Äthiopien. Eine umfangreiche Kollektion von Alltagsgegenständen verschiedener Ethnien Tansanias stammt von der Forschungsreise des Afrikanisten und Museumsmitarbeiters Meinulf Küsters in den Jahren 1927/28. Eine Besonderheit stellen die Schnitzwerke der Fang (Kamerun/Gabun) und Luba (Dem. Rep. Kongo), zentralafrikanische Kraftfiguren sowie Skulpturen der Yoruba (Nigeria/Republik Benin), darunter vor allem zwei Verandapfosten des berühmten Schnitzers Olowe von Ise (gest. 1938), dar.[6]

Der Bereich der zeitgenössischen Kunst bildet gleichfalls einen Schwerpunkt der Sammlung. Fortlaufend werden Werke bedeutender zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die in Afrika oder in der Diaspora leben und in einer globalisierten Kunstwelt agieren, erworben. Als Beispiele seien genannt Sokari Douglas Camp (Nigeria/Großbritannien), Ransome Stanley (Deutschland), Romouald Hàzoume (Republik Benin), Pieter Hugo (Südafrika), Kofi Setordji (Ghana) und El Loko (Deutschland/Togo). Im Rahmen des neuen Sammlungsbereiches Design enthält die Afrika-Sammlung Werke westlicher Designer, die von afrikanischen Vorbildern inspiriert wurden, zum Beispiel des Italieners Matteo Thun oder der US-Amerikaner Charles und Ray Eames.

Die permanente Ausstellung "Lebendige Traditionen, Kreative Gegenwart. Kunst aus Afrika" präsentiert eindrucksvolle Beispiele traditioneller Kunst aus dem Afrika südlich der Sahara. Die Bandbreite reicht von höfischen Bronzen aus dem Reich Benin, Kraftfiguren aus der Kongoregion und Jahrhunderte alten filigranen Elfenbeinschnitzereien aus Westafrika bis hin zu Ahnenskulpturen oder Masken von Mali bis Tansania.

Die berühmten „Blauer Reiter“-Künstler Franz Marc und Wassili Kandinsky suchten und fanden in der Münchner Afrika-Sammlung Inspiration für ihre eigenen Arbeiten.

Einen besonderen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Werke international bedeutender Gegenwartskünstler wie Romuald Hazoumé, El Loko, Pieter Hugo oder Ransome Stanley. Neu zu sehen sind ein Sarg in Form eines Sportschuhs des ghanaischen Künstlers Paa Joe sowie bedeutende Beispiele westlicher Design-Geschichte, die von afrikanischen Vorbildern inspiriert wurden, etwa der „Tam Tam“-Hocker von Matteo Thun und die „ABC-Stools“ von Charles und Ray Eames.

Besondere Popularität genießt das interaktive Kunstwerk „La Source - Der sprechende Schuh“ des togoischen Diaspora-Künstlers Amouzou Glikpa.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Indianer vom Amazonas (1960)
  • Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien (17. März - 16. September 2012)
  • From Samoa with Love? Samoa‐Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche (31. Januar bis 30. November 2014)
  • UN/SICHTBAR. Frauen Überleben Säure (6. Juni 2014 bis 11. Januar 2015)
  • Myanmar. Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern (verlängert bis 3. April 2016)
  • Töchter der Steppe – Söhne des Windes. Gold und Silber der Turkmenen (bis 31. Januar 2016)
  • Farben. Kunst. Indianer. Der Münchner Impressionist Julius Seyler bei den Blackfeet (13. November 2015 - 3. April 2016)
  • Ngaanyatjarra Lands – Aboriginal Art aus Westaustralien (15. April - 5. Juni 2016)
  • Boxing Cuba. Hommage an einen Sport (13. Mai - 18. September 2016)
  • Últimos Testigos. Die letzte Rebellion der Maya in Yucatán. Fotografien von Serge Barbeau (1. Juli 2016 - 29. Januar 2017)
  • Shaded Memories. Der Schatten über Kambodscha (17. Februar - 17. September 2017)
  • Aus dem Land des Schneelöwen. Kostbarkeiten aus Tibet 15.–20. Jahrhundert (9. Dezember 2016 - 28. Januar 2018)
  • Kids behind the Camera - Ein Projekt von Marie Köhler mit Kindern aus Burkina Faso und Ruanda (13. Oktober 2017 - 07. Januar 2018)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Lommel als Hrsg.: Indianer vom Amazonas. Kunst und Handwerk der Indianer des tropischen Südamerika. Staatliches Museum für Völkerkunde, München 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Staatliches Museum für Völkerkunde München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein neuer Name für alte Kulturen - Völkerkundemuseum heißt jetzt "Fünf Kontinente", tz, 9. September 2014
  2. MÜLLER, Claudius. 400 Jahre Sammeln und Reisen der Wittelsbacher. Dresdner Bank und Staatliches Museum für Völkerkunde München (Hrsg.), Wittelsbach und Bayern, 1980, 400. Jg., S. 11–33.
  3. Staatliches Museum für Völkerkunde München, Andreas Lommel, and Otto Zerries. Altamerikanische Kunst, Mexico-Peru: Katalog zur Ausstellung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München. Staatliches Museum für Völkerkunde, 1977.
  4. SCHINDLER, Helmut; PRÜMERS, Heiko. Bauern und Reiterkrieger: die Mapuche-Indianer im Süden Amerikas. Hirmer Verlag GmbH, 1990.
  5. KECSKÉSI, Maria. African Masterpieces and Selected Works from Munich: The Staatliches Museum Für Völkerkunde. Center for African art, 1987.
  6. KECSKÉSI, Maria. African Masterpieces and Selected Works from Munich: The Staatliches Museum Für Völkerkunde. Center for African art, 1987.
  7. FREMBGEN, Jürgen Wasim (Hg.). Rosenduft und Säbelglanz: islamische Kunst und Kultur der Moghulzeit. Staatliches Museum für Völkerkunde, 1996.

Koordinaten: 48° 8′ 15″ N, 11° 35′ 9″ O