Stephanskraut

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Stephanskraut
Stephanskraut (Delphinium staphisagria), Illustration

Stephanskraut (Delphinium staphisagria), Illustration

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Delphinieae
Gattung: Rittersporne (Delphinium)
Art: Stephanskraut
Wissenschaftlicher Name
Delphinium staphisagria
L.

Das giftige Stephanskraut (Delphinium staphisagria), auch Mittelmeer-Rittersporn, Stephanskorn, Giftiger Rittersporn, Läusepfeffer, Lauswurz, Läusezahn, Läusesamen, Kräusesamen (englisch: Stavesacre, französisch: Dauphinelle) genannt, gehört zur Gattung der Rittersporne (Delphinium), in der Familie der Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Der botanische Name Staphisagria leitet sich von den griechischen Wörtern staphis, »getrocknete Weinbeere« und agrios, »wild« her und bezieht sich auf die in Form und Größe kleinen Rosinen vergleichbaren Samen (Mauspfeffer, Laussamen) und/oder die denen des Weinlaubs ähnlichen Blätter des Läusekrauts.[1][2]

Vorkommen und Pflanzenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delphinin, Struktur
Blütenstand
Blüte

Diese Pflanzen-Art wächst an schattigen, trockenen und steinigen Hängen, an Kalkfelsen und in Macchien in Südeuropa, Nordafrika, den Kanaren und in Westasien in Höhenlagen bis 800 Meter.[3]

Das Stephanskraut ist eine zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist zottig-behaart. Die Blätter sind lang gestielt, handförmig fünf- bis siebenlappig und auf beiden Seiten mit sehr kurzen und längeren Haaren dicht besetzt. Im Sommer erscheinen graublaue oder tiefviolette Blüten mit grüner Spitze. Die einzelnen Blütenhüllblätter sind 13 bis 20 mm lang.

Die Art blüht vom Beginn des Frühlings bis zum Spätsommer.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[4]

Wichtige Inhaltsstoffe und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze produziert viele Alkaloide. Die Samen enthalten hauptsächlich Delphinin (dem Aconitin ähnlich) und geringere Mengen Staphisin, sowie fettes Öl. Oberirdische Pflanzenbestandteile enthalten weiterhin die Diterpen-Alkaloide Isoatizin und Abkömmlinge des Atisins, sowie Azitin, Neolin und Chasmanin und Derivate.

Tödliche Dosen an Delphinin haben Atemlähmung und Herzstillstand zur Folge nach klonischen Krämpfen und Paralyse. Tiervergiftungen dieser Art sind nicht selten.

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 1. Jahrhundert empfahl Dioscorides, die Samen des Stephanskrauts in Honigmet als starkwirkendes Brechmittel und zum Abziehen von Phlegma-Schleim einzunehmen. Er war sich bewusst, dass die innere Anwendung mit der Gefahr der „Erstickung“ verbunden war. Sein Zeitgenosse Plinius lehnte diese innere Anwendung der Stephanskrautsamen wegen der Nebenwirkungen ab. Dioskorides und Plinius empfahlen jedoch beide, die Samen in Öl äußerlich gegen Läuse und bei juckenden Hautkrankheiten anzuwenden. Schließlich sollten die Samen in Essig gekocht als Mundspülwasser bei Zahnschmerzen und Zahnfleischentzündung hilfreich sein.[5][6][7]

Bis ins 19. Jahrhundert wurden diese Anwendungen der Stephanskrautsamen zunehmend auf die Anwendung als Gift gegen Läuse und Krätzmilben eingeschränkt und selbst diese Anwendung wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben.[8][9][10][11][12][13][14][15][16]

1819 stellten Jean Louis Lassaigne und H. Feneulle im Laboratorium des Musée d’Histoire naturelle im Pariser Jardin du Roi das Alkaloid Delphinin dar, welches 1921 durch François Magendie kurz beschrieben wurde, wobei er vergeblich anregte, dieses Alkaloid bei den überlieferten Anwendungen der Stephanskrautkörner zu versuchen.[17][18]

In der Homöopathie verwendete Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Homöopathikum wird aus dem getrockneten, reifen Samen hergestellt. Die »Stephanskörner« sind giftig, riechen unangenehm und schmecken brennend, scharf und bitter.
Das homöopathische Arzneimittel Delphinium staphisagria wurde von Samuel Hahnemann 1819 als erster geprüft und erscheint im vierten Band seiner »Reinen Arzneimittellehre« und wird sowohl bei akuten Verletzungen (z. B. Schnittverletzung) wie auch bei chronischen Krankheiten (Unterdrückung von Gefühlen) verabreicht.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Stephanskraut bzw. seine Samen bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bissmüntz, Brechrosinen, Buckelshorn, Brudersamen, Langhörner, Läus(e)kraut, Läuswurz, Lauspfeffer, Luseminze, Luseworz, Lussworz, Lusword, Läuse-Rittersporn, Mauspfeffer (in Bezug auf die Samenkörner), Mäusesame, Observantensame, Perchkicher, Pracherlaussamen, Rattenpfeffer, Scharfer Rittersporn, Speichelkraut, Stafadriankraut, Stafadriansamen, Staphisanger, Staphisander, Staphikörner, Stephankörner, Stephanssamen und Wolfskraut.[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen 1. Auflage, Birkhäuser Verlag 1976. ISBN 978-3764307554, S. 348 f.
  2. Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon, oder Erklärung des Ursprungs der aus dem Griechischen, dem Lateinischen und aus den Oriental. Sprachen in die Medicin und in die zunächst damit verwandten Wissenschaften aufgenommenen Kunstausdrücke. 3., stark vermehrte und verbesserte Auflage. Deuerlich & Dieterich, Göttingen 1844, S. 983.
  3. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5. Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-0918-8
  4. Delphinium staphisagria bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. Dioscorides, De Medicinali Materia libri quinque, 1. Jh (nach Berndes 1902), Buch IV, Cap. 153 (S. 451) (Digitalisat)
  6. Plinius. Naturalis historia. Buch XXIII, § 17-18 (Kapitel XIII). Latein Online-Ausgabe Chicago; Deutsch Denso-Ausgabe Band II, S. 301
  7. Pseudo-Dioscorides de herbis femininis. (nach Kästner 1896) Cap. 37 (Digitalisat)
  8. Avicenna, 11. Jh., Canon, Bd. II. Überarbeitung durch Andrea Alpago. Basel 1556, S. 302: (Digitalisat)
  9. Constantinus africanus, Liber des gradibus simplicium, 11. Jh. (nach der Druck-Ausgabe Basel 1536, S. 371): (Digitalisat)
  10. Pseudo-Serapion 13. Jh. (Druck-Ausgabe Venedig 1497), Cap. 277 (Digitalisat)
  11. Gart der Gesundheit, Mainz 1485, Cap. 359 (Digitalisat)
  12. Hortus sanitatis, Mainz 1491, Cap. 421 (Digitalisat)
  13. Leonhart Fuchs. New Kreütterbuch 1543, Cap. 303 (Digitalisat)
  14. Hieronymus Bock. New Kreütter Bůch 1546 Blatt 340v (Teil II, Cap. 132) (Digitalisat)
  15. Jean-Louis Alibert. Nouveaux éléments de thérapeutique et de matière médicale. 2. Auflage Paris 1808, Band I, S. 437 (Digitalisat)
  16. Theodor Husemann. Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2. Auflage Berlin 1883, S. 217 (Digitalisat)
  17. Jean Louis Lassaigne und H. Feneulle. Analyse de la Staphisaigre… In: Annales de chimie et de physique 1819, No XII S. 358–378 (Digitalisat)
  18. François Magendie. Vorschriften für die Bereitung und Anwendung einiger neuen Arzneimittel. Aus dem Französischen. Leipzig 1822, S. 68–71 (Digitalisat)
  19. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 132.(online).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Mandl: Arzneipflanzen in der Homöopathie, Maudrich, 1997, ISBN 3-85175-687-8
  • Andrew Lockie: Das große Lexikon der Homöopathie, Dorling Kindersley Verlag, 2000, ISBN 3-8310-0005-0
  • Adam Lonitzer: Kreuterbuch … (Frankfurt am Main 1557), hrsg. von Peter Uffenbach, Ulm an der Donau 1679, S. 337 f. (Läußkraut, Staphis agria)
  • Rolf Giebelmann und Ludwig von Meyer: Kulturgeschichtliches zu Hahnenfußgewächsen. Toxichem + Krimtech 70/1/2003. S. 61. Online-Version (PDF-Datei; 794 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stephanskraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien