Tatort: Der Fall Holdt

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Folge der Reihe Tatort
Originaltitel Der Fall Holdt
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Einordnung Folge 1034 (Liste)
Erstausstrahlung 5. November 2017 auf Das Erste, SRF 1 und ORF 2
Stab
Regie Anne Zohra Berrached
Drehbuch Jan Braren
Kamera Bernhard Keller
Schnitt Denys Darahan
Besetzung

Der Fall Holdt ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Norddeutschen Rundfunk produzierte Beitrag ist die 1034. Tatort-Folge und wurde am 5. November 2017 auf Das Erste, SRF 1 und ORF 2 erstgesendet. Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm ermittelt in ihrem 25. Fall.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charlotte Lindholm feiert mit ihrem neuen Freund Henning in einem Club. Sie tanzt ausgelassen zur Musik der live spielenden Band Polkageist.[1] Ein Gang zur Toilette gestaltet sich schwierig, weil die Warteschlange sehr lang ist. Weil es offenbar dringend ist, verlässt Lindholm die Tanzhalle und sucht Erleichterung auf dem Parkplatz, verdeckt zwischen zwei Autos. Dort wird sie von drei Männern entdeckt und unter hämischen Bemerkungen gefilmt. Lindholm geht offensiv auf die Männer zu und verlangt die Herausgabe des Videos. Die Männer lehnen ab, Lindholm greift nach dem Smartphone, der Smartphone-Besitzer attackiert sie. Sie kann die Attacke abwehren und den Mann in einen Haltegriff nehmen, aber einer der beiden anderen Männer überwältigt sie von hinten. Die Männer schlagen sie zu Boden und treten auf die am Boden liegende Frau ein. Ohne Hilfe begibt sie sich nach Hause und verkriecht sich im Bett. Anrufe ihres Freundes nimmt sie erst nicht an, dann weist sie seine Fürsorge mit der bewusst diffusen Begründung, ihr gehe es nicht gut, ab.

In der Nähe von Walsrode beginnen Julia und Frank Holdt ihren Tag. Den morgendlichen Vorbereitungen ist anzusehen, dass die Beziehung der Eheleute beeinträchtigt ist. Der Mann spricht kaum mit seiner Ehefrau, widmet sich aber überschwänglich liebevoll dem Hund, bevor er zur Arbeit fährt. Julia Holdt bricht bald darauf ebenfalls mit dem Auto auf, dabei folgt ihr ein gelber Transporter. Da das Wohnhaus in einem Waldgebiet liegt, fährt sie über kleine Waldstraßen. Die übliche Route ist durch ein Umleitungsschild gesperrt, die menschenleere Umleitungsstrecke durch einen quer über der Fahrbahn liegenden Baum versperrt. Dies erweist sich als vorbereitete Falle: Ein maskierter Mann aus dem gelben Transporter fordert sie mit gezogener Pistole zum Aussteigen auf. Er erschießt kaltblütig den lautstark bellenden Hund. Holdt nutzt die Ablenkung und versucht rückwärtsfahrend eine Flucht. Dabei reißt sie mit der offenen Autotür den Bewaffneten um und überfährt beinahe einen zweiten Maskierten. Die Flucht endet allerdings schnell an einem Baum, die Verfolger zerren sie aus dem Auto. Der erste Mann schlägt und tritt sie vielfach und äußerst brutal, bis er vom zweiten Mann zurückgehalten wird.

Frank Holdt findet beim Heimkommen auf der Haustürschwelle ein Päckchen mit dem abgeschnittenen Zopf seiner Frau. Auf dem beigelegten Funktelefon geht unmittelbar darauf ein Anruf mit einer Forderung nach 300.000 Euro Lösegeld für die entführte Ehefrau ein. Die Täter drohen mit der Tötung der Geisel, sollte die Polizei eingeschaltet werden. Durch das sofortige Folgen des Anrufs weiß Holdt, dass die Täter ihn beobachten. Der Filialleiter der örtlichen Volksbank befragt seine Mitarbeiterin telefonisch nach dem gesamten Bargeldbestand in der Filiale. So kann er an rund 210.000 Euro gelangen. Auf andere Finanzmittel hat er offensichtlich keinen Zugriff.

Bald darauf kommen Christian und Gudrun Rebenow, die Eltern von Julia Holdt, in dem Wohnhaus an. Holdt erhofft sich von ihnen das fehlende Geld. Entgegen der Bitte des Ehemanns hat der dominant auftretende Vater bereits einen befreundeten hohen Beamten im Ministerium verständigt. Er lässt sich von weiteren, eindringlichen Protesten nicht davon abhalten, auch die Polizei zu mobilisieren. Frank Holdt ruft daraufhin heimlich die Täter an und vereinbart die Übergabe neu.

Eingeigelt in ihre Wohnung erreicht Charlotte Lindholm der Anruf ihres Vorgesetzten Marc Kohlund. Er berichtet ihr von der Entführung und fordert die Kommissarin auf, die Betreuung der Familie und die Verhandlungsführung zu übernehmen. Sie weist die Anforderung zurück mit der Begründung, dass sie krankgemeldet sei. Kohlund, seinerseits mit dem Ministerium im Nacken, übergeht dies, drängt sie in die Übernahme des Falles und schneidet jede weitere Widerrede ab.

Am Wohnhaus treffen zahlreiche Polizisten ein, darunter auch die sichtbar lädierte Lindholm. Gemeinsam mit der ambitionierten jungen Kommissarin Frauke Schäfer ermittelt sie im Umfeld der Familie. Es stellt sich heraus, dass Julia Holdt ihren Mann betrogen und dass er sie erheblich geschlagen hat. Der Ehemann überwachte seine Frau mit einem Spionageprogramm auf ihrem Smartphone. Julia Holdt wollte ihren Mann verlassen, die in der Eingangsszene reisefertig gepackte Kleidung diente diesem Zweck.

Durch ihre eigene Gewalterfahrung stark angespannt, verengt Lindholm ihre Ermittlungen auf Frank Holdt. Sie hält ihn für den Auftraggeber der Entführung, mit der er seine Frau habe loswerden wollen, möglicherweise durch gezielte Tötung der Geisel. Lindholm setzt dem ebenfalls sehr angespannten Holdt mit einer direkten Beschuldigung so sehr zu, dass er sie heftig zu Boden stößt. Sie gerät außer sich und revanchiert sich mit Schlägen, die erst von der herbeieilenden Schäfer gestoppt werden.

Entführte und Entführer werden in einer Großfahndung von hunderten von Polizisten gesucht. Die Familie appelliert im Fernsehen an die Erpresser, nach der Zahlung des Lösegelds ihre Geisel freizulassen. Die Medien berichten in großer Aufmachung über die Entführung, unter den Polizisten gibt es Streit über die Weitergabe von Informationen. Lindholm hat in akribischer nächtlicher Datenrecherche den scheinbar entscheidenden Beweis gefunden: Das Handy der Entführer wurde vom Hausanschluss der Holdts bereits einen Tag vor der Entführung angerufen. Sie lässt Holdt verhaften.

Die Leiche von Julia Holdt wird gefunden. An den schweren Verletzungen, die sie bei der brutalen Attacke des Entführers erlitten hat, ist sie nach einiger Zeit gestorben. Lindholm versucht den Ehemann durch ein besonders hartes Verhör zum Geständnis zu zwingen. Zeitgleich findet Schäfer gemeinsam mit einem Techniker bei einer Überprüfung heraus, dass in der Telefonanlage der Holdts ein falsches Datum eingestellt ist, und dass es sich tatsächlich um den bekannten Anruf nach der Entführung handelte. Der vermeintlich entscheidende Beweis trog, doch die Information erreicht Lindholm nicht. Die Kommissarin schildert im Verhör ausführlich und schonungslos die von Julia Holdt erlittenen Qualen, um Frank Holdt zum Zusammenbruch zu bringen. Holdt leidet sehr unter den Schilderungen, gesteht aber nicht, sondern bestreitet die Tat immer wieder und bekundet die Liebe zu seiner Frau. Kurz darauf erhängt er sich in seiner Gefängniszelle.

Der Vorgesetzte Kohlund stellt fest, dass Charlotte Lindholm sich verrannt habe, entzieht ihr den Fall und schickt sie nach Hause. In der letzten Szene sucht Lindholm Trost bei ihrem Freund. Im Abspann berichtet ein Text, dass der Entführungsfall unaufgeklärt blieb.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde vom 2. November 2016 bis zum 1. Dezember 2016 u.a. in Appel und in Rosengarten im Landkreis Harburg gedreht.[2][3] Die Premiere fand am 14. September 2017 beim Filmfest Oldenburg statt.[4]

Laut Produzentin Kerstin Ramcke gab der Kriminalfall Maria Bögerl den Anstoß für die Handlung; die Handlung im Film ist aber demgegenüber deutlich verändert.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Inspiriert ist der fiktive 'Fall Holdt' vom realen Fall Bögerl […] Dieser 'Tatort' ist folglich nichts für Ratefüchse. Regisseurin Anne Zohra Berrached hat zuvor das rigoros explizite Abtreibungsdrama '24 Wochen' gedreht. Ihren ersten Fernsehkrimi hat die Filmemacherin nun als bürgerliches Trauerspiel inszeniert, in dem sie penibel, ja fast dokumentarisch die verschiedenen Stufen der Auslöschung und Selbstauslöschung nachzeichnet. In den trockenen Dialogen wird jedes medizinische Detail der unterschiedlichen Zerstörungsprozesse aufgezeigt.“

Christian Buß: Spiegel Online[6]

„«Der Fall Holdt» ist erfreulich weit weg von jenen Sonntagskrimis, die ihr Gesellschaftsthema wie Abziehbilder angestrengt naiv aus der Vorlage deutscher Wirklichkeit stanzen. Und zufälligerweise grad schön nahe dran an der aktuellen #MeToo-Debatte. […] Die junge Regisseurin Anne Zorah Berrached, die sich seit ihrem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag «24 Wochen» auskennt mit weiblichen Figuren, die an ihre Grenzen kommen, präsentiert hier ihren ersten «Tatort». Es ist der richtige Fernsehfilm zur richtigen Zeit.“

Claudia Schwartz: Neue Zürcher Zeitung[7]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Der Fall Holdt am 5. November 2017 wurde in Deutschland von 10,22 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 28,1 % für Das Erste.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polkageist: Immer auf der Kippe (2017), speziell für den Tatort eingespielt, Youtube-Video, abgerufen am 6. November 2017.
  2. Tatort: Der Fall Holdt bei crew united
  3. Tatort-Team ermittelt im Landkreis Harburg. In: NDR 1 Niedersachsen. Norddeutscher Rundfunk, 21. November 2016, abgerufen am 12. Oktober 2017.
  4. Der Fall Holdt. Weltpremiere. In: Programmheft. Internationales Filmfest Oldenburg, S. 11, abgerufen am 17. Oktober 2017 (PDF).
  5. Erwin Bachmann: Heidenheimer Mordfall Bögerl gab Anstoß für Tatort-Krimi am 5. November. Heidenheimer Zeitung / www.swp.de, 14. Oktober 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  6. Christian Buß: Gewalt-"Tatort" mit Maria Furtwängler. 300.000 in kleinen Scheinen oder Kopf ab. Spiegel Online, 3. November 2017, abgerufen am 3. November 2017: „Bewertung: 6 von 10 Punkten“
  7. Claudia Schwartz: Kommissarin Lindholm und die brutalen Folgen der Gewalt. Neue Zürcher Zeitung, 5. November 2017, abgerufen am 5. November 2017.
  8. Manuel Weis: Primetime-Check: Sonntag, 5. November 2017. Quotenmeter.de, 6. November 2017, abgerufen am 6. November 2017.