Thiviers-Payzac-Einheit

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Die Thiviers-Payzac-Einheit, manchmal auch noch als Thiviers-Payzac-Decke oder als Gruppe des Bas-Limousin bezeichnet, ist eine neoproterozoische bis ordovizische metasedimentäre Gesteinsfolge im südlichen Limousin Frankreichs. Sie gehört geologisch zum variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Zentralmassivs.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thiviers-Payzac-Einheit wurde nach zwei Orten seines Verbreitungsgebietes benannt: Thiviers und Payzac, beide gelegen im Nordosten des Départements Dordogne.

Gelegentlich wird die Bezeichnung Thiviers-Payzac-Einheit auch im weiteren Sinne verwendet und auf die Leyme-Einheit bei Figeac (Oberes Quercy) sowie auf die Saint-Sernin-sur-Rance-Decke bzw. auf die Saint-Salvi-de-Carcavès-Decke im Rouergue ausgedehnt. Letztere Einheiten besitzen einen vergleichbaren lithologischen Aufbau und eine ähnliche tektonische Stellung wie die eigentliche Thiviers-Payzac-Einheit.

Geographische Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Übersichtskarte zur Situierung der Thiviers-Payzac-Einheit (in grün)

Die landschaftlich zum Bas-Limousin (Südlimousin) gehörende Thiviers-Payzac-Einheit folgt in etwa einem knapp 70 Kilometer langen Kreisbogensegment ausgehend von etwas westlich von Thiviers im Norden der Dordogne über Lanouaille, Payzac, Orgnac-sur-Vézère, Donzenac bis etwas östlich von Brive im Département Corrèze. Ihre Streichrichtung ist anfänglich WNW-OSO (N110), sie biegt jedoch dann nördlich von Orgnac in die NW-SO-Richtung (N135) ein. Die Einheit wird auf ihrer Nordseite mittels der Estivaux-Störung, einer linksseitigen, duktilen Blattverschiebung, von der Oberen Gneisdecke abgetrennt. Im äußersten Westen stößt sie auf Gesteine der Unteren Gneisdecke. Ihre südliche Begrenzung bilden im Westen die überlagernden Liassedimente des Aquitanischen Beckens. Im Zentralabschnitt trennt sie die Südlimousin-Störung - ebenfalls eine duktile Seitenverschiebung, aber mit rechtsseitigem Bewegungssinn - von der Génis-Einheit im Süden. Im Ostteil taucht sie unter den permischen Rotsedimenten des Briver Beckens ab. Die maximale Breite der Einheit quer zur Streichrichtung beträgt im Auvézère-Tal nur etwa 9 Kilometer.

Unmittelbar nordwestlich von Terrasson im Osten der Dordogne befindet sich ein Grundgebirgsausleger, der noch zur Thiviers-Payzac-Einheit gerechnet wird. Über zirka 10 Kilometer besitzt er dieselbe Streichrichtung (WNW-ONO) wie auch die Haupteinheit; quer zum Streichen ist dieser Aufbruch nur etwa 5 Kilometer breit.

Stratigraphischer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thiviers-Payzac-Einheit zeigt folgenden stratigraphischen Aufbau (von jung nach alt):

Die Einheit wird überdies vom unterkarbonischen Estivaux-Granit sowie vom Saut-du-Saumon-Orthogneiss und dem Corgnac-Granit, ordovizischen Granitoiden, intrudiert.

Puy-des-Âges-Quarzit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zuoberst liegende Puy-des-Âges-Quarzit ist ein sehr resistenter, weißer, Serizit-führender Quarzit, der im Gelände Härtlingsrücken bildet, welche über die im Verlauf des Eozäns eingeebnete Pultscholle des Bas-Limousin herausragen. Er tritt in einem nur knapp 200 Meter breiten Streifen im West- und im Zentralteil der Thiviers-Payzac-Einheit auf. Er zeigt Affinitäten zur benachbarten Puy-de-Cornut-Arkose der Génis-Einheit. Selbst eine Verwandtschaft zu Quarziten im Rouergue, in den Monts-de-Lacaune, in der Montagne Noire, und zum Grès Armoricain der Bretagne wird in Betracht gezogen. Der Puy-des-Âges-Quarzit dürfte somit ordovizisches Alter (Tremadocium) aufweisen.

Engastine-Mafit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der darunter folgende Engastine-Mafit ist ein Komplex dunkler, mafischer Gesteine magmatischen Ursprungs. Auch er erreicht nur im West- und im Zentralteil der Einheit die Oberfläche. In einem etwa 500 Meter breiten Band, das sich jedoch nördlich von Juillac bis auf 2 Kilometer ausdehnt, folgt er unmittelbar südlich des Puy-des-Âges-Quarzits. Sein Alter wird als kambrisch eingestuft. Der maximal 500 Meter mächtig werdende Mafit liegt als sich abwechselnde Grünschiefer- und Amphibolitlagen vor, in die mehrere Metadolerit- oder Metagabbrolagen zwischengeschaltet sind. Der sehr feinkörnige, hell- bis dunkelgrüne Grünschiefer führt neben Plagioklas (Oligoklas/Andesin) und wenig Biotit hauptsächlich Amphibol (Hornblende) und Epidot (Klinozoisit), akzessorisch können Quarz, Kalzit und Opakmineralien hinzutreten. Der Grünschiefer ist aus ehemaligen subalkalischen Basalten hervorgegangen. Die Metadolerite bzw. Metagabbros sind hingegen grobkörnig(er) und bestehen aus grüner Hornblende und basischem, saussuritisiertem Plagioklas.

Donzenac-Schiefer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Mafit liegen die epizonalen Donzenac Schiefer. Ihre Ausstrichsbreite beträgt bis zu 3 Kilometer. Sie folgen einem leicht gebogenen Band, das sich von ihrer Typlokalität Donzenac bis nach Lanouaille erstreckt. Durch die Dussac-Störung linksseitig versetzt, setzt sich dieses Band dann bis nordöstlich von Thiviers fort. Die Donzenac-Schiefer werden ebenfalls zum Kambrium gerechnet. Die Schiefer besitzen graue, seidige Farbtöne und bestehen größtenteils aus Phyllosilikaten wie Muskovit und Biotit oder Muskovit und Chlorit, gefolgt von Quarz, saurem Plagioklas und Granat der Almandin-Zone. Die Schiefer enthalten gelegentliche relativ feinkörnige, dunkle, arenitische Zwischenbänke im Dezimeterbereich, es dürfte sich hierbei um ehemalige Grauwacken handeln. Die Arenite besitzen Klasten von Quarz, Plagioklas und auch Epidot, die von neugebildeten Mineralien (Phyllosilikate, Quarz und feinstkörniger Albit) umschlossen werden.

Thiviers Sandstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Saint-Mesmin durchschneidet der Auvézère Gesteine des Thiviers-Sandsteins

Der Thiviers-Sandstein bildet die tiefstliegende, zu Tage tretende Formation der Thiviers-Payzac-Einheit und beansprucht etwa zwei Drittel ihrer Oberflächausdehnung. Es handelt sich hierbei um eine vulkanisch-detritische Abfolge spätneoproterozoischen bis kambrischen Alters, die in vier Fazies unterteilt werden kann:

Der Thiviers-Sandstein wird überdies von zahllosen Doleritgängen im Meterbereich durchsetzt.

Die Bezeichnung „Sandstein“ ist etwas irreführend, da für die Formation eindeutig die Fazies der rhyodazitischen Tuffe primär entscheidend ist und alle anderen Fazies Umwandlungsprodukte derselben darstellen. Die Natrium-betonten, ehemaligen rhyodazitischen Tuffe liegen jetzt als dunkle, massive oder dickbankige (Meterbereich) Gesteine vor. In einer feinkörnigen Matrix aus Chlorit, Hellglimmer, Quarz und Albit heben sich Quarz, Plagioklas (Albit bzw. Oligoklas) und Epidot als millimetergroße Klasten ab. Folgende Phänomene unterstreichen den explosiven Charakter des vulkanischen Ausgangsgesteins: zerbrochene, eckiger, spitzzackige Quarze, eckige Plagioklase und vor allem inkorporierte Gesteinsbruchstücke albitreicher, leukokrater Laven. Die Grauwacken besitzen mineralogisch einen sehr ähnlichen Aufbau, sie sind jedoch mehr quarzbetont und ihre Matrix ist reicher an Phyllosilikaten. Sie dürften aus den Rhyodaziten hervorgegangen sein. Ähnlich die chemische Zusammensetzung der Quarzite, auch sie ist identisch mit den Rhyodaziten.

Der tiefere Untergrund des Thiviers-Sandsteins, bestehend aus plagioklasreichen Paragneisen und Glimmerschiefern, ist in der Thiviers-Payzac-Einheit nicht aufgeschlossen.

Magmatische Intrusivgesteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie oben bereits erwähnt wird die Thiviers-Payzac-Einheit wird von drei sehr unterschiedlichen Intrusivkörpern durchdrungen:

  • Saut-du-Saumon Orthogneiss
  • Corgnac-Granit
  • Estivaux-Granit

Saut-du-Saumon-Orthogneiss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der präkinematische Saut-du Saumon-Orthogneis ist ein tintenfischartiger, 15 Kilometer langer, NW-SO-streichender Gesteinskörper, dessen langgezogener Schwanz bei Donzenac im Süden beginnt, und dessen Tentakel in der Umgebung von Orgnac in der Nähe der Loyre enden.

Der Saut-du-Saumon-Orthogneis besitzt porphyroklastische Alkalifeldspataugen im Subzentimeterbereich (ist also ein Augengneis). Die Matrix besteht aus Quarz und Feldspäten. Der Biotit hat sich bevorzugt parallel zu sigmoiden Scherbändern ausgerichtet. Die Alkalifeldspatporphyroklasten sind sehr oft an parallelen Brüchen linksseitig zerschert.

Der gesamte Gesteinskörper wird von einer vertikalen, NW-SO-streichenden Foliation intensiv durchdrungen. Er zeigt überdies horizontal ausgerichtete, ebenfalls NW-SO-streichende Lineare, das Gestein kann daher als S-L-Tektonit bezeichnet werden. An seinen Rändern zu den Nachbargesteinen (Thiviers-Sandstein und Donzenac-Schiefer) bildet er Mylonite und Ultramylonite mit linksseitigem Schersinn. In seinem Innern überlagern sich sowohl dextraler und sinistraler Schersinn auf nicht-koaxiale Weise.

Der Orthogneis entstammt ursprünglich einem porphyrischen Granitoiden, der nach erfolgter Kristallisation plastisch deformiert wurde. Sein Intrusivalter wird als Mittleres Ordovizium angegeben (Akadische Phase) [1]. Die mylonitischen Bewegungen erfolgten laut Bernard-Griffiths (1977) an der Wende Devon/Karbon vor 361 Millionen Jahren.

Corgnac-Granit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Corgnac-Granit ist ein zirka 5 Kilometer langes Massif, das nördlich von Corgnac in etwa parallel zur Schieferung des Thiviers-Sandsteins eingedrungen ist. Seine Ausbreitung quer zur Streichrichtung beträgt maximal 2 Kilometer. Dass es sich um einen ursprünglich intrusiven Granitoiden handelt, lässt sich an relikthaft erhaltenen Hornfelsen erkennen. Ähnlich wie der Saut-du-Saumon-Orthogneis, zu dem er große Affinitäten besitzt, drang er zu Beginn des mittleren Ordoviziums vor 470 Millionen Jahren auf. Im Verlauf der Regionalmetamorphose wurde er dann vor 350 Millionen Jahren epizonal retrograd überprägt (Chlorit-Zone). Seine Zusammensetzung ist die eines kalkalkalischen bis subalkalischen Monzogranits.

Der Corgnac-Granit weist zwei sehr unterschiedliche Faziesbereiche auf:

  • kataklastische Granitfazies im Süden.
  • porphyroklastische Orthogneisfazies im Norden.

Die gleichkörnige, manchmal auch porphyrartig ausgebildete, grau- bis rosafarbene Granitfazies besteht aus folgenden Mineralien:

  • Quarz – Zwickelfüller
  • Plagioklas – zonierter, basischer Oligoklas
  • Mikroklin – oft perthitisch
  • Biotit

Akzessorisch treten Muskovit, Zirkon, Apatit und Opakminerale hinzu.

Der Granit hat mehrere kleinere, porphyrische Mikrogranitkörper abgesondert.

Sämtliche Minerale wurden jedoch später grünschieferfaziell verändert. Quarz und Biotit wurden z.B. kataklastisch zerbrochen, der Plagioklas von Muskovit und Klinozoisit infiltriert und Rutilnadeln lösten sich aus dem Biotit.

Die Orthogneisfazies leitet sich aus der Granitfazies ab, sie wurde nur wesentlich stärker duktil verformt. Sie bildet daher jetzt einen gebänderten Augengneis mit mandelförmigen Mikroklin- und Plagioklasaugen, umgeben von Mineralien der Foliation (feinstkörniger Quarz, Albit, körniger Klinozoisit und Glimmerlamellen). Ihr Biotit liegt oft chloritisert vor. Über den Schersinn ist leider nichts bekannt, er dürfte jedoch rechtsseitig sein, da der Granit zum Südabschnitt der Thiviers-Payzac-Einheit gehört.

Estivaux-Granit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der synkinematische Estivaux-Granit ist ein kalkalkalisches Gestein, das heterogen im Tournaisium vor 346 Millionen Jahren deformiert wurde.[2] Ähnlich dem Saut-du-Saumon-Orthogneiss besitzt auch er tentakelförmige Fortsätze an seiner gneisshaft ausgebildeten Nordseite, die außerdem von Mylonitzonen durchzogen wird. Der Granit ist in NW-SO-Richtung etwa 8 Kilometer lang und 3 Kilometer breit. Mittels der sinistralen Estivaux-Störung wird er im Nordosten gegen die Gesteine der Unteren Gneisdecke abgegrenzt. Im Südosten wird er vom Thiviers-Sandstein umrahmt. Entlang seiner Südgrenze fließt der Clan.

Im Granit können vier verschiedene Faziesbereiche unterschieden werden:

  • melanokratische Fazies
  • leukokratische Fazies
  • weiße Fazies
  • rosafarbene Fazies

Sein Mineralbestand (melanokratische Fazies) setzt sich wie folgt zusammen:

Als Porphyroklasten:

  • Orthoklas – bis zu 4 Millimeter große Porphyroklasten, teilweise zerbrochen und von Mikroaplit verfüllt [3].

Essentielle Minerale im Submillimeter- bis Millimeterbereich sind:

  • Quarz
  • Mikroklin
  • Plagioklas (Albit/Oligoklas)
  • Biotit - auch porphyroklastisch, mit Zirkoneinschlüssen
  • Muskovit
  • grüne Hornblende - auch porphyroklastisch

Akzessorisch Minerale sind:

Die melanokratische Fazies enthält sehr viele mafische Inklusionen und Schlieren. Die weiße und die rosafarbene Fazies sind eine feinkörnigere Abwandlung der melanokratischen Fazies, ihnen fehlt Hornblende und Titanit. Ihr Farbkontrast ist auf die unterschiedliche Einfärbung der Feldspäte zurückzuführen, so dürfte die rosafarbene Fazies wesentlich Hämatit-reicher sein. Die leukokrate Fazies ist als sehr stark zerscherter Leukogranit anzusehen, der sehr reich an Muskovit ist.

Im Granit besteht demnach ein starker Gradient im Verformungsgrad und in der Mineraleinregelung von West nach Ost; so geht mit allmählicher Annäherung an die S-C-mylonitische, linksverschiebende Estivaux-Störung die nur wenig beanspruchte melanokratische Fazies in die stark verformte leukokratische Fazies über, gleichzeitig sinkt der Gehalt an Mikroaplit (Restschmelze) von 20 auf nur noch 5 %.

Der Schersinn im Estivaux-Granit ist einheitlich sinistral.

Struktureller Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Thiviers-Payzac-Einheit ist intensiv gefaltet. Ähnlich wie bei der Génis-Einheit handelt sich hier um einen recht engständig stehenden, aufrechten Faltenbau mit einer meist etwas kürzeren Wellenlänge von 100 bis 125 Meter (kann aber im Süden bis auf 200 Meter anwachsen). Die leicht um die Horizontale streuenden Faltenachsen streichen OSO-WNW (N 110, westlich der Loyre). Die Schichtflächen (S0) zeigen meist sehr steiles Einfallen (um 80 °) nach Nord bzw. Süd. Parallel zu den Faltenachsenebenen hat sich eine deutliche Schieferung, erkennbar an neugebildeten Mineralien, gebildet (S1). Der engständige Faltenbau wird von einer zweiten offenen Faltung überprägt, welche die gesamte Einheit in eine langwellige Abfolge (Wellenlänge zirka 2 Kilometer) von Synklinalen und Antiklinalen verformt hat. Die erste Synklinalachse befindet sich direkt an der Südlimousin-Störung, gefolgt von einem Antiklinorium unterhalb Saint-Mesmins, einer zentralen Synkline markiert vom Verlauf des Puy-des-Âges-Quarzits und einer Antikline bei Saint-Cyr-les-Champagnes.

Es haben sich Kleinfältelungslineare (engl. crenulation lineation) gebildet, die mehr oder weniger parallel zum Faltenbau verlaufen. Gestreckte, neugebildete, metamorphe Minerale haben sich ebenfalls bevorzugt entlang dieser Richtung angeordnet.

Mit Erreichen der Loyre erfolgt jedoch ein generelles Einschwenken sämtlicher Strukturelemente in die NW-SE-Richtung (N135). Diesem Trend folgt die Einheit dann bis zu ihrem Auslaufen östlich von Brive.

Metamorphose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thiviers-Payzac-Einheit wurde unter epi- bis mesozonalen Bedingungen regional metamorphosiert, in ihren oberen Bereichen liegt sie als obere Grünschieferfazies, in tieferen Bereichen bereits als untere Amphibolitfazies vor. Die Anwesenheit von Chlorit und chloritisiertem Biotit in Scherbändern und Druckschatten lässt generell auf retrograde Vorgänge schließen, die ja auch bereits seit längerer Zeit im Südlimousin bekannt sind [4].

Strukturelle Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thiviers-Payzac-Einheit unterlag ähnlich wie die Génis-Gruppe einer duktilen, steilstehenden Scherung. Im Gegensatz zur Génis-Einheit besitzt sie aber keinen einheitlichen Schersinn. Ihr Südteil bis zum Antiklinorium bei Saint-Mesmin weist noch denselben rechtsseitigen Schersinn auf, der auch in der Génis-Einheit bestimmend ist. Es folgt dann gegen Nordosten eine Mischzone, in der beide Richtungen auftreten. Mit Erreichen des nördlichen Aufschlussgebiets des Thiviers-Sandsteins herrscht dann nur noch linksseitiger Schersinn vor, welcher besonders deutlich dann in der die Einheit begrenzenden Estivaux-Störung ausgebildet ist. Der Scherkoeffizient γ erreicht entlang dieser Störung den Wert von 5,4; dies resultiert für die Zone in einem insgesamten linksseitigen Versatz von zirka 30 Kilometer. Der Saut-du-Saumon-Orthogneis weist noch beide Scherkriterien auf, der Estivaux-Granit hingegen wird ausschließlich sinistral verformt.

Folgende mikrotektonische Verfahren und Strukturen unterstreichen den sinistralen Schersinn im nördlichen Aufschlussgebiets des Thiviers-Sandsteins:

Sowie im Donzenac-Schiefer (zu beobachten bei Allassac):

  • sinistrale Scherbänder.
  • sinistrale Quarz-Druckschatten an Biotitporphyroblasten.

Auch die Obere Gneisdecke weist nördlich von Saint-Cyr-les-Champagnes linksseitige Scherung auf (linksseitig gescherte Quarzlinsen) [5].

Im Donzenac-Schiefer, im Mischbereich der beiden Schersinne kann beobachtet werden, dass die rechtsseitige Scherung den sinistralen Schersinn überprägt. Sie ist somit später erfolgt. Ursprünglich linksseitig gescherte, sigmoidale Biotitporphyroblasten werden hier von rechtsseitigen Scherbändern überlagert, in denen sich retrograder Chlorit gebildet hat.

Die durchgehenden Scherbewegungen sind verantwortlich für die Faltenstrukturen der Thiviers-Payzac-Einheit, die somit als in die maximale Streckrichtung hineinrotierte Zugfalten [6] in einer transpressiven, duktilen Scherzone interpretiert werden können.

Die tektonischen Dehnungen in der Thiviers-Payzac-Einheit hörten jedoch mit Ende der duktilen Verformungen nicht auf. Die Einheit wurde beispielsweise im spröden Bereich von zahlreichen kleineren, meist NO-SW-orientierten Seitenverschiebungen linksseitig versetzt, mit Versetzungsbeträgen um 500 Meter. Eine Ausnahme bildet die Dussac-Störung nördlich von Lanouaille mit einem linksseitigen Versetzungsbetrag von fast 6 Kilometer!

Zeitlicher Rahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zeitliche Einordnung der tektonischen Bewegungen stützt sich auf Vergleiche mit lithologisch und strukturell ähnlichen Terrains im Armorikanischen Massiv (Chantonnay-Synklinorium in der Vendée) und im Rouergue. Im südlichen Armorikanischen Massiv erfolgten die rechtsseitigen Scherbewegungen im Namur und im Westphal (Serpukhowium bis Moskowium, vor 325 bis 305 Millionen Jahren). Analog hierzu darf somit auch für die Thiviers-Payzac-Einheit des Bas-Limousin (die als südliche Verlängerung der Vendée angesehen wird) ein mittel- bis spätkarbonisches Alter der Deformation angenommen werden. Dies wird ferner durch das vergleichbare Alter der synkinematischen Leukogranite im nördlichen und zentralen Limousin unterstützt [7].

Im Gegensatz hierzu stehen jedoch die mit der Argonmethode gewonnenen Altersangaben aus dem Tournaisium für das Intrusionsalter des Estivaux-Granits und für die mylonitischen Bewegungen am Saut-du-Saumon-Orthogneiss. Sie implizieren einen tektonischen Vorgang bereits im frühen Unterkarbon für das Südlimousin (Bretonische Phase).

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernard-Griffith, J., Cantagrel, JM., Duthou, JL.: Radiometric evidence for an Acadian tectonometamorphic event in western Massif Central français. In: Contrib. Miner. Pet. Band 61, 1977, S. 199–212.
  2. Roig, J.-Y., Faure, M. & Ledru, P.: Polyphase wrench tectonics in the southern french Massif Central: kinematic inferences from pre- and syntectonic granitoids. In: Geologische Rundschau. Band 85, 1996, S. 138–153.
  3. Hibbard, MJ: Deformation of incompletely crystallized systems: granitic gneisses and their tectonic implications. In: J. Geol. Band 95, 1986, S. 543–561.
  4. Ledru et al.: Ou sontpassées les nappes dans le Massif Central français? In: Bull. Soc. Geol. Fr. Band V, 1989, S. 605–618.
  5. Roig, J.-Y., Faure, M. & Ledru, P.: Polyphase wrench tectonics in the southern french Massif Central: kinematic inferences from pre- and syntectonic granitoids. In: Geologische Rundschau. Band 85, 1996, S. 138–153.
  6. Berthé, D. & Brun, JP.: Evolution of folds in the South Armoricain Shear Zone. In: J. Struct. Geol. Band 2, 1980, S. 127–133.
  7. Duthou, JL. et al.: Paleozoic granitoids from the French Massif Central: age and origin studied by 87Rb/87Sr system. In: Phys Earth Planet Interiors. Band 35, 1984, S. 131–144.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BRGM: Feuille Thiviers. In: Carte géologique de la France à 1/50000.
  • Peterlongo, J.M.: Massif Central. In: Guides Géologiques Régionaux. Masson, 1978, ISBN 2-225-49753-2.
  • Roig, J.-Y., Faure, M. & Ledru, P.: Polyphase wrench tectonics in the southern French Massif Central: kinematic inferences from pre- and syntectonic granitoids. In: Geologische Rundschau. Band 85, 1996, S. 138–153.