Tobias Kollmann

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Tobias Kollmann (* 12. April 1970 in Bonn-Bad Godesberg[1]) ist Professor für BWL und Wirtschaftsinformatik, insbesondere E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen in Essen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tobias Kollmann studierte an den Universitäten Bonn und Trier Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing. Nach dem Abschluss 1995 als Dipl.-Volkswirt arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Marketing der Universität Trier. Dort promovierte er 1997 mit einer Arbeit zur Akzeptanz innovativer Telekommunikations- und Multimediasysteme. Seit 1996 beschäftigt er sich wissenschaftlich mit Fragen des E-Business, E-Commerce und dem Phänomen der „virtuellen Marktplätze“. Zwischen 1997 und 2001 arbeitete er u.a. für die Scout24-Holding in der Schweiz und war einer der Gründungsgesellschafter von AutoScout24. Im Oktober 2001 folgte er einem Ruf an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er einen Lehrstuhl für E-Business übernahm. Seit April 2005 ist er Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen.

Sein Forschungsschwerpunkt ist „E-Business“ und „E-Entrepreneurship“, mit Fragen rund um die Unternehmensgründung, -führung und -entwicklung in der Digitalen Wirtschaft. 2004 brachte er mit dem Werk „E-Venture“ (inzwischen unter dem Titel „E-Entrepreneurship“ laufend) das erste Lehrbuch nur für Unternehmensgründungen in der Digitalen Wirtschaft auf den Markt. Das Magazin „Mobile Business“ bezeichnet dieses Lehrbuch als „eines der wichtigsten deutschen Grundlagenwerke für Digitalunternehmen“.[2] Sein Lehrbuch „E-Business“ ist ebenfalls seit 2004 ein Standardwerk für die Vermittlung der Grundlagen von elektronischen Geschäftsprozessen und -modellen. „media.valley“ schrieb, dass „das Buch für jeden Top-Manager eine notwendige Pflichtlektüre sei, um auch in Zukunft sein Unternehmen in der Digitalen Wirtschaft am Leben zu halten“.[3] 2005 brachte er zudem das erste deutschsprachige Lexikon zur Unternehmensgründung auf den Markt.

Er ist Herausgeber bzw. Gutachter für nationale und internationale Zeitschriften im Entrepreneurship- und E-Business-Bereich und war Mitglied der Jury zum Deutschen Multimedia Award 2002 und 2003.

Er ist einer der Herausgeber der Schriftenreihe „Entrepreneurship“ im Gabler-Verlag.

Er gehörte zum Coaching-Netzwerk vom Gründer-Wettbewerb „Mit Multimedia erfolgreich starten“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), für das er auch als Sachverständiger im Beirat des EXIST-Förderprogramms tätig ist. Für das BMWi und das Land NRW organisierte er 2012 zudem den 1. Startup-Battle, ein Pitching für Unternehmensgründer der IKT-Branche im Rahmen des bundesweiten IT-Gipfels in Essen.[4]

Während des „Wissenschaftsjahres 2014 – Die digitale Wirtschaft“ war er verantwortlich für den „E-Entrepreneurship Flying Circus“ (#EEFC14), einer bundesweiten Bustour an die Hochschulen in Köln, Hamburg, Berlin, Dresden, Nürnberg und Stuttgart zur Förderung der Gründerausbildung für die Digitale Wirtschaft.[5][6]

Von 2005 bis 2008 war er als Mitglied im Präsidium des „Förderkreis Gründungs-Forschung e.V. (FGF)“ zuständig für die wissenschaftliche Nachwuchsförderung. Seit 2007 Obmann für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Rahmen der Kommission für Marketing im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V.

2012 war er Gründungsmitglied des Bundesverband Deutsche Startups e.V. und wurde von dessen Vorstand in den ersten Beirat des Verbandes berufen.[7]

2013 berief ihn der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Philipp Rösler, in den neuen 24-köpfigen Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ beim BMWi. Dieser Beirat soll den Bundeswirtschaftsminister Fragen der digitalen Wirtschaft beraten.[8] April 2013 wurde er zum Vorsitzenden dieses Gremiums gewählt.[9] Im März 2014 wurde er im Rahmen der ersten Sitzung nach der Bundestagswahl 2013 unter der Leitung des neuen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel als Vorsitzender des Beirats bestätigt und von den Mitgliedern wiedergewählt.[10] Eine erneute Wiederwahl zum Vorsitzenden erfolgte am 16. Mai 2015.[11]

Am 27. Oktober 2015 überreichte er auf der französisch-deutschen Konferenz zur Digitalen Wirtschaft nach einer Rede im Élysée-Palast zusammen mit Benoît Thieulin, dem Vorsitzenden des französischen „Nationalrat für Digitales“ (Conseil national du numérique, CNNum), den Aktionsplan für Innovation (API) „Digitale Innovation und Digitale Transformation in Europa“ an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Emmanuel Macron, Frankreichs Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales. Enthalten sind 15 Vorschläge zur Stärkung einer international wettbewerbsfähigen europäischen Digitalwirtschaft. Zentrale Themen sind die Ausbildung und Förderung von digitalen Kompetenzen, der Aufbau eines europäischen Ökosystems für digitale Startups, die Finanzierung von digitalen Innovationen, die Etablierung eines Digitalen Binnenmarktes und die digitale Transformation der europäischen Wirtschaft.[12]

Am 13. Dezember 2016 überreichte er zusammen mit dem neuen Vorsitzenden des französischen CNNum das gemeinsame Maßnahmenpapier "Digitalisierung ist eine Grundfrage für Europa!" an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und seinen französischen Amtskollegen Michel Sapin in Berlin im Rahmen der zweiten dt.-fr. Digitalkonferenz. Der Maßnahmenkatalog enthält sechs konkrete Vorschläge für den gemeinsamen digitalen Binnenmarkt in Europa zu den Themen europäische Standards für Datensicherheit, einheitliche Regelungen zur Datennutzung, Unterstützung der Internationalisierung von Start-ups, Aufbau europäischer Hubs für Industrie 4.0 und Internet of Things, Forschung und Förderung zum Bereich Künstliche Intelligenz sowie Harmonisierung der europäischen Steuersysteme für Digitalunternehmen.[13]

Im März 2014 wurde er vom Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, zum Beauftragten für die Digitale Wirtschaft in NRW ernannt. In dieser Funktion soll er als direkter Ansprechpartner die Brücke zwischen Gründern, Wissenschaft, Kapital und Industrie schlagen und eine Strategie für die Digitale Wirtschaft als Querschnittsbranche aus Internetwirtschaft, Informations- und Kommunikationswirtschaft in bzw. für NRW entwickeln.[14] Am 19. Juni 2015 stellte er zusammen mit dem NRW-Wirtschaftsminister diese Strategie unter dem Titel „Köpfe, Kapital und Kooperation von und für Startups, Mittelstand sowie Industrie für digitale Geschäftsprozesse und -modelle“ mit dem zugehörigen Maßnahmenpaket im Umfang von 42 Millionen Euro für die Digitale Wirtschaft in NRW vor.[15] Im Ergebnis zeigte eine Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln, welche am 3. April 2017 vorgestellt wurde, dass diese Strategie mit den zugehörigen Maßnahmen nach nur drei Jahren schon über 1.000 neue Startups für die Digitale Wirtschaft in NRW hervorgebracht hat, der Digitalisierungsgrad im NRW-Mittelstand über dem Bundesdurchschnitt lag und sich die Industrie-Unternehmen aus NRW im Digitalisierungsindex vor ihrer Konkurrenz aus dem übrigen Bundesgebiet positionieren konnten.[16]

2004 realisierte er laut eigenen Angaben als Initiator und Projektleiter zusammen mit T-Mobile und Motorola die erste Mobile App in Form des ersten UMTS-Eventportals in Deutschland zur Kieler Woche.[17]

Kollmann war seit 2001 Geschäftsführer der netSTART Venture GmbH (ehemals eBusiness network group GmbH) in Köln, einem Beratungs- und Beteiligungsunternehmen für Unternehmen, Start-ups, Business Angels und Anbieter von Venture Capital innerhalb der Net Economy. 2005 wurde er in diesem Zusammenhang durch das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. in den „BAND Heaven of Fame“ aufgenommen[18] und 2012 zum Business Angel des Jahres gewählt und mit der „Goldenen Nase“ ausgezeichnet. 2015 verkaufte er erfolgreich seine zugehörige Beteiligungsfirma netSTART Venture GmbH im Rahmen eines Exits an die Mountain Partners Holding aus der Schweiz.[19]

Laut dem Magazin Business Punk (Ausgabe 02/2014) gehört er zu den 50 wichtigsten Köpfen der Startup-Szene in Deutschland. Die Redaktion von politik & kommunikation (Ausgabe 117/2016) zählt ihn zu den bedeutendsten Akteuren der Digitalisierung im politischen Berlin.[20]

Im September 2016 veröffentlichte er zusammen mit Dr. Holger Schmidt, dem Internet-Chefkorrespondent des Magazins FOCUS und Blogautor von Netzökonom, den Bestseller „Deutschland 4.0“. Dieses Buch zeigt, wie die Digitale Transformation für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik für unser Land gelingen kann.[21]

Fußballfunktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Saison 2009/10 war er Präsident des Fußballregionalligisten Bonner SC, trat aber bereits nach neun Monaten im April 2010 vom Amt zurück. Er begründete dies mit den für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht ausreichenden finanziellen Möglichkeiten des Vereins.[22]

Von 2010 bis 2012 war Kollmann Präsident des FC Viktoria Köln.[23] In dieser Amtszeit modernisierte er die Strukturen und den Markenauftritt und führte den Verein 2012 zur Meisterschaft[24] in der NRW-Liga und damit zum Aufstieg in die Regionalliga West.[25]

Von 2013 bis 2014 war er Mitglied des Aufsichtsrats der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA, der Spielbetriebsgesellschaft des 1. FC Köln.[26][27] In diesem Zuge begleitete er die Meisterschaft des Vereins in der 2. Bundesliga und die damit verbundene Rückkehr in die 1. Bundesliga in der Spielzeit 2013/2014.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt, Wiesbaden 2016.
  • 2016: E-Business – Grundlagen elektronischer Geschäftsprozesse in der Digitalen Wirtschaft, 6. Auflage, Wiesbaden 2016.
  • 2016: E-Entrepreneurship – Grundlagen der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft, 6. Auflage, Wiesbaden 2016.
  • 2013: Online-Marketing – Grundlagen der Absatzpolitik in der Net Economy, 2. Auflage, Stuttgart 2013.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung – 2.000 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden, 2. Auflage, Wiesbaden 2009.
  • 2007: Web 2.0 – Trends und Technologien im Kontext der Net Economy (zus. mit Matthias Häsel), Wiesbaden 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachgefragt. In: Top Magazin. Abgerufen am 30. Juli 2016 (PDF; 162 kB).
  2. 5 Handbücher für Gründer | IT-Markt. In: www.it-zoom.de. Abgerufen am 21. Dezember 2016.
  3. E-Business. In: www.mediavalley.de. Abgerufen am 21. Dezember 2016.
  4. Fileee gewinnt Startup-Battle. 20. November 2012; abgerufen am 30. Juli 2016.
  5. http://www.ingenieur.de/Arbeit-Beruf/Gruenderlounge/Gruendertermine/Flying-Circus-Gruenderausbildung-befluegeln
  6. E-Entrepreneurship Flying Circus. 17. Oktober 2014, archiviert vom Original am 17. Oktober 2014; abgerufen am 16. August 2016.
  7. Bundesverband Deutsche Startups e.V. gegründet. 15. Oktober 2012, archiviert vom Original am 8. Februar 2013; abgerufen am 27. November 2012.
  8. Rösler stärkt junge digitale Wirtschaft mit eigenem Beirat. BMWi, 15. Januar 2013; abgerufen am 30. Juli 2016.
  9. Start-up-Offensive: Rösler stellt neuen Beiratsvorsitzenden Kollmann vor. BMWi, 22. April 2013; abgerufen am 30. Juli 2016.
  10. Gabriel: Wachstumsbedingungen für junge und innovative Unternehmen weiter verbessern. BMWi, 5. März 2014; abgerufen am 30. Juli 2016.
  11. Beirat Junge Digitale Wirtschaft neu konstituiert. BMWi, 17. Juni 2015; abgerufen am 30. Juli 2016.
  12. Beiräte beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. BMWi, 27. Oktober 2015; abgerufen am 30. Juli 2016.
  13. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Referat Öffentlichkeitsarbeit: Beirat "Junge Digitale Wirtschaft". In: www.bmwi.de. Abgerufen am 21. Dezember 2016.
  14. Wirtschaftsminister Duin beruft Prof. Dr. Tobias Kollmann als Beauftragten für die Digitale Wirtschaft. MWEIMH NRW, 7. März 2014; abgerufen am 30. Juli 2016.
  15. Maßnahmenpaket für die Entwicklung der Digitalen Wirtschaft NRW vorgestellt. MWEIMH NRW, 19. Juni 2015; abgerufen am 30. Juli 2016.
  16. [www.land.nrw/de/pressemitteilung/wirtschaftsminister-garrelt-duin-praesentiert-studie-zur-digitalen-wirtschaft Studie zur Digitalen Wirtschaft Nordrhein-Westfalen.] Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, 3. April 2017; abgerufen am 3. April 2017.
  17. Bernd Peters: Vor zehn Jahren erfunden: Kölner Prof. ist Papa App. EXPRESS, 16. April 2014; abgerufen am 30. Juli 2016.
  18. "BAND Heaven of Fame" hat drei neue Mitglieder. 14. November 2005, archiviert vom Original am 7. Februar 2013; abgerufen am 3. August 2011.
  19. Niklas Wirminghaus: Exit für den Startup-Prof – Tobias Kollmann verkauft Netstart Venture an Mountain Partners. In: gruenderszene.de. 13. April 2015; abgerufen am 30. Juli 2016.
  20. Das sind die wichtigsten Akteure der Digitalisierung. In: Politik & Kommunikation. (politik-kommunikation.de [abgerufen am 21. Dezember 2016]).
  21. Tobias Kollmann, Holger Schmidt: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt. Springer Gabler, 2016, ISBN 978-3-658-11981-2 (amazon.de [abgerufen am 21. Dezember 2016]).
  22. Thomas Heinen: Nach sieben Monaten legt Tobias Kollmann sein Amt nieder. General-Anzeiger (Bonn), 12. April 2010, archiviert vom Original am 17. April 2010; abgerufen am 13. April 2010.
  23. Michael Krämer: Viktoria Köln fängt neu an. Kölner Stadt-Anzeiger, 11. Juli 2010, archiviert vom Original am 16. Juli 2010; abgerufen am 7. Oktober 2010.
  24. Viktoria Köln ist Meister. Kölner Wochenspiegel, 5. Juni 2012; abgerufen am 30. Juli 2016.
  25. Dustin Paczulla: Viktoria Köln: Präsident Kollmann stellt am Saisonende sein Amt zur Verfügung. XN Press xtranews, 29. April 2012; abgerufen am 30. Juli 2016.
  26. Pressemitteilung des 1. FC Köln über die Neubesetzung des KGaA-Aufsichtsrates. Abgerufen am 3. Juli 2013
  27. Pressemitteilung des 1. FC Köln über die Neubesetzung des KGaA-Aufsichtsrates. Abgerufen am 20. September 2014