Todesmelodie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
Deutscher TitelTodesmelodie
OriginaltitelGiù la testa
ProduktionslandItalien
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1971
Länge157 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieSergio Leone
DrehbuchLuciano Vincenzoni
Sergio Donati
Sergio Leone
ProduktionFulvio Morsella
MusikEnnio Morricone
KameraGiuseppe Ruzzolini
SchnittNino Baragli
Besetzung
Chronologie

← Vorgänger
Spiel mir das Lied vom Tod

Todesmelodie (Originaltitel: Giù la testa) ist ein Italo-Western des Regisseurs Sergio Leone aus dem Jahr 1971. Die Hauptrollen spielen Rod Steiger und James Coburn.

Es handelt sich um den zweiten Teil der Amerika-Trilogie von Sergio Leone, die mit Spiel mir das Lied vom Tod beginnt und mit Es war einmal in Amerika endet. Der Film handelt vor dem Hintergrund der mexikanischen Revolutionswirren ab 1910. Zwar gibt es keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen diesen drei Filmen und den realen Ereignissen, doch sind deutlich Parallelen erkennbar. So geht es in allen drei Filmen um Freundschaft, Verrat, Rache und – in den letzten beiden Filmen – auch um Vergebung. Auffällig ist ferner, dass in den beiden letzten Teilen Geld und politische Fragen (Revolution, die Arbeiterbewegung, korrupte Politiker) im Mittelpunkt stehen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt während der Mexikanischen Revolution in den 1910ern. Der barfüßige Bandit Juan lässt sich unter einem Vorwand von einer Kutsche der mexikanischen Oberklasse mitnehmen. Angesichts des offensichtlich armen Bauerntölpels äußern sich diese Passagiere extrem despektierlich über die Landbevölkerung und verfluchen die Sozialreformen Maderos. Auch die Kutscher, die an einer Steigung herumliegende Jugendliche zum Schieben auffordern, halten diese nur für Faulpelze und Taugenichtse. Schnell dreht sich die Szene - die Jugendlichen gehören zu einer Bande, Juan ist der Anführer. Sie überfallen die Kutsche und rauben die Insassen aus, ziehen sie nackt aus und stoßen sie in einen Schweinekoben. Vorher vergewaltigt Juan die mitreisende "Dame".

Mit der erbeuteten Kutsche trifft Juan bald danach auf den als Terroristen gesuchten irischen Sprengstoff-Experten John Mallory, der ihn und seine Bande ignorierend auf seinem Motorrad vorbeifährt. Um John am Weiterfahren zu hindern, schießt Juan den Hinterreifen seines Motorrades kaputt, woraufhin John als Rache in Juans Kutsche ein Loch ins Dach sprengt. John behauptet, für den Minenbesitzer Aschenbacher nach Silber zu suchen. Juan sieht in ihm aber den idealen Partner für seinen alten Traum vom Gold durch einen gemeinsamen Überfall auf die Bank von Mesa Verde. John soll die Banktür und den Safe aufsprengen.

John ist von dem Plan zum Banküberfall offensichtlich nicht begeistert und versucht, Juan und Bande mitsamt einer Kirche in die Luft zu sprengen. Tatsächlich gehen aber Aschenbacher, ein Hauptmann und ein paar Soldaten in die Kirche, und Juan, der John hereingelegt hat, löst die Sprengung aus. Auf dem Weg nach Mesa Verde kann John auf einen Zug springen und so Juan abhängen.

Die Bande fährt John hinterher; im Zug begegnen sie zufällig einem der Anführer der mexikanischen Revolution, dem Arzt Dr. Villega, der Juans Mord an zwei Polizisten im Zug deckt. In Mesa Verde angekommen stellen sie fest, dass die Stadt voller Soldaten ist – die Revolution und die Konterrevolution sind vor ihnen angekommen. Auch John ist da, und er ist anscheinend bereit, am Überfall auf die Bank teilzunehmen.

Die Bank entpuppt sich aber zu Juans Enttäuschung als ein politisches Gefängnis. Statt Gold zu finden, befreien sie viele Gefangene, und Juan wird unfreiwillig zum Revolutionshelden. Er wird als Miranda bejubelt. Dabei hat Juan eine sehr pessimistische Sicht auf Revolutionen und betont deren Misserfolge. Auch der nächste Versuch, sich von den Revolutionären abzusetzen, geht schief: John und Juan halten alleine eine ganze Abteilung der Regierungssoldaten auf, indem John eine Brücke sprengt. Nur der Colonel Gutierez überlebt mit seinem Panzerwagen. Juans Söhne, die Villega wie alle anderen Kämpfer in einen als sicher geglaubten Unterschlupf vorausgeschickt hat, werden unterdessen von Regierungstruppen ermordet. Die meisten von ihnen werden bald von Juan und John aufgefunden. Juan hat keine Familie mehr. Die Leiche von Dr. Villega fehlt in der Höhle.

John taucht unter und beobachtet, wie der offensichtlich gefolterte Dr. Villega Rebellen gegenüber Colonel Gutierez verrät. John hat einen derartigen Verrat durch einen Freund schon in Irland erlebt, aus dem er damals entkam. Dabei gelang es ihm, den Verräter zu erschießen (als Rückblende im Film eingefügt). Juan, der blind auf Rache sinnt, wird verhaftet und steht kurz vor seiner Erschießung. Davor rettet ihn sein Freund auf dem Motorrad mit einer gezielten Dynamitladung vor das Hinrichtungskommando.

Die beiden fliehen aus der von Massenexekutionen erschütterten Stadt in einen Viehwagen, der bald in Richtung „Amerika“ fahren soll. Kurz vor der Abfahrt besteigt auch der Gouverneur Don Jaime den Zug. John kommentiert dies so: Es geht gleich los, sie hätten eben den letzten Dreck eingeladen. Bei einem Überfall der Rebellen auf den Zug - noch vor der Grenze - erschießt Juan Don Jaime mit einer Pistole, die er von John bekommt. Sie wollen unbeobachtet auf der anderen Zugseite über die Grenze, doch erneut werden beide als Helden der Revolution gefeiert und ins Landesinnere zurückgefahren.

Gegen Ende des Films kommt es zum Showdown mit Oberst Gutierez, der ihnen mit einem Armeezug entgegenkommt. John wählt nicht Juan als Begleiter, sondern Dr. Villega, der wieder in den Reihen der Revolutionäre auftaucht, um den Zug mitten in der Wüste zu stoppen. Dazu belädt er die eigene Lokomotive mit Dynamit und rast dem Armeezug zusammen mit Villega als Heizer entgegen. Die Kampfgefährten beziehen neben der Strecke Stellung. Während der Fahrt konfrontiert John Dr. Villega mit dessen Verrat, richtet aber nicht über ihn wie damals - in einer Rückblende - über einen Verräter in Irland. Nach Johns Absprung bleibt Dr. Villega auf der Lokomotive und rast mit ihr in den Tod.

Der Angriff auf den gestoppten Armeezug gelingt, allerdings schießt dabei Colonel Gutierez noch John drei Mal in den Rücken. Gutierez stirbt darauf in Juans Maschinengewehrhagel. Der tödlich verwundete John ist nicht mehr zu retten und sagt zu Juan noch: Ich habe dich oft an der Nase herumgeführt. Dann jagt er sich nach einer letzten Zigarette - und einem Rückblick auf die Dummheiten der Jugendliebe - mit dem restlichen Dynamit in die Luft. Juan fragt sich beim Blick auf diesen Feuerball: Was wird aus mir? Die Todesmelodie erklingt über den Filmabspann.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Spiel mir das Lied vom Tod gibt es keinen alles umspannenden Handlungsstrang. Todesmelodie besteht aus vielen kleinen Höhepunkten, und es lässt sich nie sagen, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird. Die Kameraführung, die Bildaufnahmen und die Charaktere erinnern sehr stark an seinen Vorgänger. Wieder arbeitet Leone mit Rückblenden und wieder ist die Rache ein zentrales Thema, doch wird sie hier der Vergebung gegenübergestellt:

„[…] ein durchaus vorhandenes komödiantisches Element […] Im großen und ganzen ist Todesmelodie jedoch ein ziemlich grimmiger, gewalttätiger Streifen. [… Steiger und Coburn] liefern exzellente Darstellungen als grundverschiedene Charaktere […] Vorherrschend sind natürlich trotzdem die abenteuerlichen Elemente der Handlung, die der Regisseur in ein action-geladenes, mitreißendes Spektakel verpackte, das vor allem optisch seinen Stempel trägt. Ennio Morricone komponierte wieder eine seiner charakteristischen Musiken.“

Arne Laser: Das große Film-Lexikon: alle Top-Filme von A–Z[2]

Ein namentlich nicht genannter Autor im Nachrichtenmagazin Der Spiegel speiste den Film 1972 noch kurz ab mit: „Unmotivierter Verschleiß an Pulver, Blei, Musik und Statisten, dazu viele manieristische Kamerafaxen machen Leones schlicht gemeinte Revolutionsparabel schließlich doch noch zum brutalen Spektakel, dem man ansieht, daß es 3,5 Millionen Dollar gekostet hat.“[3]

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Filmtitel verursachte einige Verwirrung. Der Arbeitstitel des Drehbuchs lautete: „C’era una volta la rivoluzione“ („Es war einmal die Revolution“). Leone selbst wählte schließlich den Titel „Giù la testa“ („Kopf runter!“ im Sinne von „Zieh den Kopf ein“), der für die amerikanische Version mit „Duck, You Sucker“ („Duck dich, Idiot“) übersetzt wurde. Während „Giù la testa“ eine gängige Redewendung in Italien war, rief der amerikanische Titel beim potentiellen Publikum den Eindruck einer Western-Komödie hervor, weshalb er in Anknüpfung an den Titel von Leones erstem Western in „A Fistful of Dynamite“ („Eine Handvoll Dynamit“) geändert wurde. In Großbritannien wurde er von Anfang an unter diesem Titel herausgebracht.

In Frankreich kam der Film unter dem übersetzten Arbeitstitel „Il était une fois la révolution“ heraus, womit man auch an den Erfolg von „Once Upon a Time in the West“ anknüpfen wollte. Der deutsche Titel „Todesmelodie“ hat überhaupt keinen Bezug zum Film, wurde aber wohl aufgrund der Ähnlichkeiten der Filmmelodien zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ gewählt.

Im englischen Sprachraum wird manchmal auch von „Once Upon a Time … the Revolution“ gesprochen. Andere Titel in anderen Sprachen sind:

  • Spanien: ¡Agáchate, maldito! (deutsch: „Ducken, Verdammt!“)
  • Polen: Za garść dynamitu (deutsch: „Für eine Handvoll Dynamit“)
  • Brasilien: Quando Explode a Vingança (deutsch: „Wenn die Rache explodiert“)

Wegen der ähnlichen Filmtitel wird oft von der „Es war einmal“-Trilogie gesprochen, wenn sie vielleicht auch, genauso wenig wie die Dollar-Trilogie, gar nicht als solche geplant war:

Allerdings beginnen nur im französischen Sprachraum alle drei Filmtitel wirklich mit „Il était une fois …“.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sergio Leone erhielt 1972 damit den Premio David di Donatello als bester Regisseur. Dieser Preis ist der nationale italienische Filmpreis und war vergleichbar mit dem Oscar in den USA.

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit einem Zitat von Mao Tse-Tung aus dessen Untersuchungsbericht über die Bauernbewegung in Hunan 1927: „Die Revolution ist kein Festessen, kein literarisches Fest, keine Stickerei. Sie kann nicht mit Eleganz oder Artigkeit durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Akt der Gewalt.“

Historische Bezüge und Ungenauigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rollennamen der Mitwirkenden beziehen sich ganz offensichtlich auf Mitwirkende der realen, von 1910 bis 1920 dauernden Revolution zum Sturz des Diktators Porfirio Díaz. Zum Beispiel sind Joaquín Miranda und Figueroa Mata damals Revolutions-Generäle.

Wie bei vielen Italowestern kommt es auch hier bezüglich der Ausrüstung der Kämpfenden zu gewissen Ungenauigkeiten. So gab es einen Teil der Waffen, die von den Protagonisten benutzt werden, zur Zeit der Filmhandlung noch gar nicht. So schießt John u. a. mit einem MG42, das erst ab der Mitte des Zweiten Weltkriegs produziert wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Todesmelodie. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, März 2005 (PDF; Prüf­nummer: 44 425-a V/DVD).
  2. Dirk Manthey u. a. (Hrsg.): Das große Film-Lexikon: alle Top-Filme von A–Z. Verlagsgruppe Milchstraße, Hamburg 1995, ISBN 3-89324-126-4, S. 2771.
  3. Patrioten im Tresor. In: Der Spiegel. 6. März 1972, S. 151 f. (11/1972).