Spiel mir das Lied vom Tod

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Filmdaten
Deutscher Titel Spiel mir das Lied vom Tod
Originaltitel C’era una volta il West
Spiel mir das Lied vom Tod Logo.png
Produktionsland Italien, USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1968
Länge 165 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Sergio Leone
Drehbuch Dario Argento
Sergio Leone
Sergio Donati
Mickey Knox (Dialoge)
Produktion Bino Cicogna
Musik Ennio Morricone
Kamera Tonino Delli Colli
Schnitt Nino Baragli
Besetzung
Synchronisation

Spiel mir das Lied vom Tod (Originaltitel: C’era una volta il West; englischer Titel: Once Upon a Time in the West) ist ein von Sergio Leone inszenierter Italowestern aus dem Jahr 1968. Die italienisch-US-amerikanische Koproduktion zählt zu den erfolgreichsten Filmen dieses Genres überhaupt.

Rund um den Bau einer Eisenbahnlinie entfaltet sich eine epische Geschichte aus Rache, Gier und Mord, in deren Zentrum vier Personen stehen. Eigentlich handelt es sich im literarischen Sinne um eine Schachtelgeschichte, deren Auflösung in einer Analepse, zum Ende des Filmes, in einem szenischen Rückblick erfolgt (Erzähltheorie).

Der Film gilt als der erste Teil von Leones „Es war einmal …“-Trilogie. Die anderen Teile sind Todesmelodie (1971) und Es war einmal in Amerika (1984). Die einzelnen Teile der Trilogie weisen keine inhaltlichen Bezüge zueinander auf.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am einsamen und heruntergekommenen Bahnhof Cattle Corner, inmitten der amerikanischen Prärie, erwarten drei zwielichtige Gestalten in langen Staubmänteln die Ankunft eines Zuges. Nach der Einfahrt des Zuges scheint aber niemand auszusteigen. Als der Zug sich wieder in Bewegung setzt, wenden sich die Männer resigniert ab und gehen zurück zu ihren Pferden. Tatsächlich war aber – zunächst unbemerkt – auf der abgewandten Gleisseite doch noch ein Mann ausgestiegen, der eine Melodie auf einer Mundharmonika zu spielen beginnt. Die drei Männer bleiben stehen und drehen sich zu ihm um. In einem kurzen Dialog erfährt der Zuseher, dass der namenlose Reisende eigentlich mit Frank, dem Anführer der drei Männer, auf dem Bahnhof verabredet war. Im folgenden Feuergefecht tötet der Namenlose die drei Männer, wird jedoch ebenfalls von einer Kugel getroffen und sinkt zu Boden.

Der reiche, aber infolge einer fortgeschrittenen Knochentuberkulose körperlich schwerbehinderte Eisenbahnunternehmer Morton will eine Eisenbahnstrecke zum Pazifik bauen. Der verwitwete Farmer Brett McBain hat dies erkannt und sich ein Stück Land gekauft, über das die Eisenbahnlinie zwingend führen muss. Die Eisenbahn ist auf dieses Land angewiesen, denn nur dort gibt es das für Dampflokomotiven benötigte Wasser. Dies will sich McBain zunutze machen, indem er auf seinem Grundstück einen Bahnhof errichten möchte, und hofft, durch die Einnahmen des Bahnhofs sich und seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Jedoch besagt eine Klausel im Vertrag, dass falls McBain es nicht schaffen sollte, einen eigenen Bahnhof an der geplanten Strecke zu erbauen bevor die Bahnarbeiter sein Land erreichen, wird Morton dessen kompletter Besitz zugesprochen. Während der Vorbereitung für den Empfang von Brett McBains frisch vermählter Frau Jill erscheint Frank mit seiner Bande und erschießt McBain und dessen drei Kinder. Morton hatte Frank angeheuert, um die Belange der Eisenbahngesellschaft durchzusetzen. Beim Mord an der Familie McBain handelte Frank, der gegen seinen todkranken Boss Morton zunehmend an Macht gewinnt, jedoch eigenmächtig.

Unterdessen kommt die ehemalige Prostituierte Jill mit dem Zug in der pulsierenden Kleinstadt Flagstone an. Sie hat einen Monat zuvor McBain in New Orleans geheiratet und entschied sich auf die Farm zu ziehen um ein neues Leben zu beginnen. Jill will so ihrem Beruf entfliehen und hat in die Heirat eingewilligt, obwohl sie ihren Mann kaum kannte. Als rechtmäßige Ehefrau muss sie nun sein Erbe antreten und eine Bahnstation errichten. Zunächst sieht es so aus, als ob Cheyenne, ein flüchtiger Bandit, hinter dem Mord an der Farmerfamilie steckt, doch der geheimnisvolle Mundharmonika-Spieler bringt Licht ins Dunkel. Zusammen mit Cheyenne und seiner Bande hilft er Jill, einen Bahnhof zu bauen.

Frank soll daraufhin in Mortons Auftrag Jill beseitigen, die jedoch zum Schutz ihres Lebens ein Verhältnis mit Frank eingeht. Der wiederum erliegt auch schnell den Reizen seines Opfers. Ihr Interesse gilt aber eigentlich eher dem namenlosen Mundharmonika-Spieler, der dies aber kaum erwidert.

Getrieben vom Zweifel jemals vor Eintreffen der Bahnarbeiter mit dem Bau der Bahnstation fertig zu werden, entschließt Jill das Land aufzugeben und zusammen mit dem schon angefertigte Baumaterial zur Errichtung einer ganzen Kleinstadt zu versteigern. Selbstverständlich gibt kaum einer der Anwesenden ein ernstzunehmendes Gebot ab. Weiß man doch mittlerweile um die Skrupellosigkeit von Morton, und wie man Probleme, notfalls auch mit Hilfe bezahlter Killer, aus der Welt schafft. Bis auf Einen: Mundharmonika bietet 5000 Dollar, übergibt den steckbrieflich gesuchten Cheyenne an den Sheriff, der auch die Versteigerung leitet, und erhält dafür die 5000 Dollar Kopfgeldprämie. Mit dem Geld ist es nun leichter mit zusätzlicher Hilfe den Bahnhof noch rechtzeitig fertig zu bauen.

Cheyenne aber wird nicht wie erwartet ins örtliche Gefängnis gesteckt, sondern soll mit Mortons Eisenbahn in ein weiter entferntes aber auch sichereres Gefängnis überführt werden. Bei dem geplanten Befreiungsversuch von Cheyenne's Bande auf Mortons Zug kommt es zu einem Gefecht zwischen Cheyenne's und Mortons Männern, dabei kommen fast alle Mitglieder beider Banden um. Morton stirbt unweit seines Zuges am Rand einer schmutzigen Wasserpfütze. Auch Cheyenne selbst wird bei der Schießerei angeschossen, kann aber fliehen.

Schließlich kommt es hinter der McBain-Farm zum Showdown zwischen dem Namenlosen und Frank, wobei der Namenlose seinen Revolver schneller als Frank zieht. Dem schwer getroffenen und zu Boden gesunkenen Frank steckt der Namenlose seine Mundharmonika zwischen die Zähne. Sterbend dämmert es Frank, dass dies wohl die Rache für den sadistischen Mord Franks an dem Bruder des Namenlosen ist. Frank hatte vor vielen Jahren den Namenlosen gezwungen, seinen eigenen Bruder mit einer Schlinge um den Hals auf seinen Schultern zu tragen, bis er, der Namenlose, zusammenbrach, sodass sein Bruder an einem Torbogen erhängt wurde. Dabei hatte Frank dem Namenlosen ebenfalls eine Mundharmonika in den Mund gesteckt und ihm gesagt, er solle ihm „das Lied vom Tod“ spielen.

Cheyenne schaffte es noch die McBain-Farm zu erreichen, sich frisch rasiert von Jill zu verabschieden, erliegt dann aber "Mundharmonika" folgend seiner schweren Verletzung, die er sich bei seiner Befreiung aus Mortons Zug zugezogen hat. Schließlich reitet "Mundharmonika" mit der Leiche auf dessen Pferd fort, ohne auf Jills Angebot, Sweetwater wartet auf dich, ernsthaft einzugehen.

Gleichzeitig kommt der erste Zug in Sweetwater, dem neu errichteten Bahnhof auf der McBain-Farm, an und Jill, der finanziell nun eine goldene Zukunft bevorsteht, versorgt währenddessen die Arbeiter mit frischem Wasser.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Sergio Leone mit Zwei glorreiche Halunken (1966) seine Dollar-Trilogie abgeschlossen hatte, wollte er eigentlich keinen Italowestern mehr drehen, sondern das Gangster-Epos Es war einmal in Amerika inszenieren. Da er aber keinen Geldgeber fand, der an einen Publikumserfolg seines Gangsterfilms glaubte, entschloss er sich zu einem weiteren Western. Leone wollte zunächst mit United Artists, die seine drei vorherigen Filme schon im Verleih hatten, zusammenarbeiten. Da er aber auf Charles Bronson als Hauptdarsteller beharrte, gab es keine Einigung. Leone fand dann mit der US-amerikanischen Paramount eine Partnerin, die seinem Besetzungswunsch entsprach und zudem ein im Vergleich zu seinen vorangegangenen Kinofilmen höheres Budget zur Verfügung stellte: 3 Millionen US-Dollar waren mehr als doppelt so viel wie bei seinem Vorgängerfilm Zwei glorreiche Halunken (1,3 Mio. Dollar). Spiel mir das Lied vom Tod war Leones erste US-Produktion.

Story-Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leone entwickelte die opernhafte Geschichte des Films gemeinsam mit Dario Argento und Bernardo Bertolucci. Das endgültige Drehbuch schrieb er dann mit Sergio Donati, es wurde von Mickey Knox ins Englische übersetzt.[1] Man drängte Leone dazu, die Hauptrolle des Mundharmonikaspielers mit einem großen US-Star zu besetzen. Der Regisseur bestand jedoch auf Charles Bronson, der zwar seit Jahrzehnten in Hollywood arbeitete, sich aber nur in Nebenrollen profiliert hatte (Das dreckige Dutzend, 1966). Leone wollte den verwitterten Bronson, weil „er ein Gesicht hat, mit dem man eine Lokomotive stoppen könnte“. Die Rolle des sadistischen Killers Frank bot er Henry Fonda an. Fonda wollte sie zunächst nicht spielen, fand dann aber Gefallen daran, in dem Film einen grundlegenden Imagewechsel zu vollziehen. Er erschien zu den Dreharbeiten mit seiner Meinung nach zu einem bad guy passenden braunen Kontaktlinsen und unrasiertem Gesicht, doch Leone überzeugte ihn, den Charakter mit den ihm ureigenen stahlblauen Augen zu spielen.

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als wesentliches Gestaltungsmerkmal für Leone dient auch in diesem Film die musikalische Untermalung. Ganze Passagen inszenierte er zum Rhythmus der Musik, die der Komponist Ennio Morricone schon vor Beginn der Dreharbeiten fertiggestellt hatte. Verschiedene Melodien charakterisieren die einzelnen Protagonisten. Die klagende Mundharmonika (von Franco de Gemini gespielt), die der Hauptfigur zum Spitznamen gereicht, ist der Schlüssel zum Verständnis der Handlung, der aber erst am Filmende präsentiert wird. Ihr „Lied vom Tod“ zählt zu den bekanntesten Filmkompositionen überhaupt.

Unüblich für jene Zeit und das Genre war die geradezu opernhafte Musik; der Film ist über weite Strecken ihrem Rhythmus angepasst. Jeder Hauptcharakter hat ein eigenes musikalisches Thema, das leitmotivisch immer wieder aufgegriffen wird, was dem Film einen epischen Charakter verleiht. Im Gegensatz dazu wird in der 13-minütigen Eröffnungsszene auf extradiegetische Musik völlig verzichtet, stattdessen werden nur natürliche Geräusche verwendet. Zunächst wollte Leone diese ebenfalls mit einer Komposition von Morricone unterlegen. Aber der Komponist schlug nach einem Besuch eines Konzerts im Stil von John Cage vor, stattdessen eine Geräusch-Collage zu verwenden, die – immer weiter verdichtet – schließlich in der Mundharmonikamelodie kulminieren sollte. Die Verlassenheit des Bahnhofs wird durch die Stille und die monotonen Geräusche eines Windrads untermalt, die von Anfang an hörbar sind, sich dem Zuschauer aber erst nach dreieinhalb Minuten, wenn das Windrad erstmals ins Bild kommt, erklären. Die Geräusche sind das Spannung erzeugende Mittel, sie übernehmen die Funktion eines Soundtracks. Jeder der drei Banditen hat sein eigenes Geräusch, sozusagen sein musikalisches Thema. Wassertropfen, die auf den Hut prallen; das Knacken der Fingergelenke; die summende Fliege. Die Geräusche wachsen an, die verschiedenen Themen werden vom Rauschen des Windes und dem Quietschen des Windrads begleitet. So verdichtet sich die Geräusch-Collage, die eine schier unerträgliche Spannung aufbaut. Der einfahrende Zug leitet den Höhepunkt der Klangpalette ein. Das Keuchen und Pusten des Kessels der haltenden Lokomotive erinnert an schweres Atmen. Mit Mundharmonikas Erscheinen startet auch die diegetische Musik. Die natürliche Klangpalette muss weichen, aber nicht ohne Grund. Die drei Themen verstummen, da die Männer, denen sie zugeordnet sind, sterben. Diese Szene steht in starkem Kontrast zu dem praktisch nur von Musik untermalten Ende des Films.

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Außenaufnahmen entstanden überwiegend in Spanien,[2] die Innenaufnahmen in den römischen Cinecittà-Studios. Gedreht wurde auch im Monument Valley in Arizona und in Utah, wo Regisseur John Ford einst viele bedeutende US-Western inszenierte.

Bildsprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film weist eine besondere Bildsprache mit langen Einstellungen und Weitwinkelaufnahmen, etwa der Wüstenlandschaft des Monument Valley, auf. Der extravagante Filmschnitt zeichnet sich bereits am Beginn ab, als in einem harten Schnitt eine Lokomotive pfeifend über die Kameraposition, d. h. über den Betrachter, fährt. Im weiteren Verlauf führen verschiedene Klammern von einer Szene zur nächsten.

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leone hatte geplant, die drei Killer in der Anfangssequenz von den Hauptdarstellern des Vorgängerfilms Zwei glorreiche Halunken darstellen zu lassen. Lee van Cleef und Eli Wallach waren einverstanden, doch Clint Eastwood stand nicht zur Verfügung, da er bereits mit den Dreharbeiten zu Hängt ihn höher beschäftigt war. Der Schauspieler Al Mulock, der zu Beginn des Films als fingerknackender Bandit zu sehen ist und auch schon in Zwei glorreiche Halunken aufgetreten war, beging während der Dreharbeiten Selbstmord, indem er in seinem Kostüm aus dem Hotelfenster sprang. Seine beiden Kumpane wurden von Woody Strode und Jack Elam gespielt.

Die Besetzung von Henry Fonda als mörderischer Bandit Frank war insofern für das Kinopublikum eine Überraschung, als Fonda vor allem durch seine Verkörperung von guten und aufrechten Figuren bekannt geworden war. Sein Auftritt als Frank bedeutete daher einen radikalen Rollenwechsel. Für Charles Bronson bedeutete die Rolle des „Mundharmonika“ den Durchbruch zum internationalen Filmstar, nachdem er zuvor meist nur Nebenrollen bekleidet hatte.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1968 bei der Berliner Synchron GmbH unter Leitung von Gert Günther Hoffmann.[3]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
Frank Henry Fonda Ernst Wilhelm Borchert
Jill McBain Claudia Cardinale Beate Hasenau
Mundharmonika-Mann Charles Bronson Michael Chevalier (zusätzlicher Satz für TV-Langfassung: Thomas Albus)
Manuel 'Cheyenne' Gutiérrez Jason Robards Arnold Marquis
Mr. Morton Gabriele Ferzetti Paul Edwin Roth
Brett McBain Frank Wolff Martin Hirthe
Sheriff von Flagstone Keenan Wynn Hans Wiegner
Kutscher Sam Paolo Stoppa Wolfgang Amerbacher
Barmann Lionel Stander Eduard Wandrey
Snaky, erster Pistolenheld Jack Elam Gert Günther Hoffmann
Stony, zweiter Pistolenheld Woody Strode Edgar Ott
Ein Gehilfe Franks Benito Stefanelli Klaus Sonnenschein

Der im deutschen Sprachraum titelgebende Satz „Spiel mir das Lied vom Tod“ kommt in der englischen Originalfassung des Films nicht vor. In der deutschen Synchronisation sagt Frank diesen Satz in der Rückblende der Lynch-Szene zum Namenlosen, als er ihm eine Mundharmonika zwischen die Zähne schiebt. Der Namenlose hat diese Mundharmonika offensichtlich behalten und spielt regelmäßig darauf – daher auch der von Cheyenne verwendete Spitzname „Mundharmonika“ für den Namenlosen. Im englischen Original sagt Frank in dieser Situation allerdings „Keep your loving brother happy“ (etwa: „Halte deinen geliebten Bruder bei Laune“). Wegen der textlichen Änderung und der dadurch fehlenden Information wird wegen des augenscheinlich großen Altersunterschieds im deutschen Sprachraum oft angenommen, bei dem Ermordeten handle es sich um den Vater des Namenlosen. Der deutsche Titel „Spiel mir das Lied vom Tod“ verändert nicht zuletzt auch den Fokus der Handlung – der Film wird dadurch mehr zur Geschichte des Namenlosen, während der englische Titel Once Upon a Time in the West mehr Wert auf die Gesamthandlung und die sich durch die Modernisierung verändernde „time in the west“ legt. Nicht vergessen werden darf, dass „Once upon a time …“ die Anfangsfloskel vieler englischsprachiger Märchen ist, vergleichbar mit dem deutschen „Es war einmal …“ Damit wird die Rolle des Western als Mythos und Legende unterstrichen.

Die deutsche Synchronisation neigt in einigen Szenen zu einer leichten Veränderung bzw. Über-Ausformulierung. So sind einige Szenen auszumachen, in denen einer Figur, deren Lippenbewegungen aufgrund von Perspektive oder Montage gerade nicht zu sehen sind, Dialogzeilen in den Mund gelegt worden. So sagt Frank in der deutschen Fassung „Der Pazifik, hm?“ zum tödlich angeschossenen Eisenbahnbaron Morton, der mit seiner Eisenbahn unbedingt den Pazifischen Ozean erreichen wollte und jetzt mit dem Gesicht in einer schlammigen Pfütze stirbt. In einzelnen Szenen wird dadurch sogar die Aussage verändert: Bei ihrem ersten Zusammentreffen in der Raststation verneint Cheyenne die Frage des Namenlosen, ob die drei am Bahnhof erschossenen Männer seine Männer gewesen seien, mit den Worten: „Meine Männer begehen keine Massaker.“ Im Original sagt er hingegen „My men don’t get killed“ („Meine Männer werden nicht getötet“).

Auch gegen Ende des Films wird die Intention der Originalfassung von der deutschen Synchronisation ins Gegenteil verkehrt. So versucht Jill mit Cheyenne zu flirten („You are sort of a handsome man“, „Du bist eigentlich ein ganz ansehnlicher Mann“), worauf er sie mit der Bemerkung abblitzen lässt, er sei nicht der richtige Mann für sie – und Mundharmonika auch nicht. Später wird er sie mit den Worten „I ought to go, too“ verlassen (nachdem der Namenlose zuvor schon gemeint hatte, es sei für sie beide Zeit zu gehen). In der deutschen Fassung wird ihr hingegen „Hey, Cheyenne und müde?“ in den Mund gelegt, und Cheyenne wird ihr mit „Ich bleibe hier, wenn du es willst“ ein eindeutiges Angebot machen (obwohl er weiß, dass er tödlich verletzt ist und bald sterben wird). Auch der letzte Dialog zwischen Jill und dem Namenlosen („Sweetwater wartet auf dich.“ – „Irgendeiner wartet immer.“) wirkt im Original zwar banaler, gleichzeitig aber auch weniger endgültig: „I hope you come back some day.“ – „Some day.“ („Ich hoffe, du kommst eines Tages wieder.“ – „Eines Tages.“)

Erfolg und filmgeschichtliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiel mir das Lied vom Tod bezeichnet man als ersten Teil einer Trilogie, die noch aus den Filmen Todesmelodie (1971) und Es war einmal in Amerika (1984) besteht. Die Werke werden oft die Es-war-einmal- oder Amerika-Trilogie genannt, denn der Originaltitel des ersten Teils lautet C’era una volta il West (Es war einmal der Westen) und für Todesmelodie hatte Leone ursprünglich den Titel C’era una volta… la rivoluzione! (Es war einmal… die Revolution!) geplant; außerdem behandeln all diese Filme prägende Abschnitte der amerikanischen Geschichte, deshalb auch der Titel Amerika-Trilogie.

Als der Film Spiel mir das Lied vom Tod in den USA gestartet wurde, fand er dort kein Publikum. Die Zuschauer, die von der harten und zynischen Dollar-Trilogie begeistert waren, konnten sich mit dem eher opernhaften Film nicht anfreunden. Spiel mir das Lied vom Tod war für den US-Start außerdem erheblich gekürzt worden, so dass sich dem Zuschauer viele inhaltliche Zusammenhänge nicht erschließen konnten. Zwölf Jahre später, 1980, wurde mit Michael Ciminos Heaven’s Gate ein ähnlich episch angelegter Western nach ebenfalls starken Kürzungen zu einem der teuersten Flops der Filmgeschichte.

In Europa, wo der Film in verschieden langen Fassungen gezeigt wurde, entwickelte sich Spiel mir das Lied vom Tod nach einem eher schwachen Kinostart zu einem Kultfilm und großen Erfolg. Besonders in Frankreich und Deutschland wurde Leones epischer Western zu einem der populärsten und bekanntesten Kinofilme und wurde jahrzehntelang regelmäßig aufgeführt. Charles Bronson gelang mit diesem Film der Durchbruch zum Superstar – und er variierte jahrelang mit großem Erfolg die Rolle des schweigsamen Rächers und Revolvermannes.

Spiel mir das Lied vom Tod wird von manchen Zuschauern als langatmig empfunden, ist aber weithin als Meisterwerk anerkannt und Bestandteil der Popkultur geworden. Einige Synchrondialoge fanden als Redewendung Eingang in deutsche Sprache (zum Beispiel „Irgendeiner wartet immer!“) und viele Szenen gehören zum kollektiven Gedächtnis des Kinopublikums (Anfangssequenz, Lynch-Szene).

Der Film spielte weltweit knapp 60 Millionen Dollar ein und war damit im Verhältnis zu seinen Kosten ein gigantischer Erfolg. Er blieb bis 1990 der erfolgreichste je produzierte Western, als ihn Kevin Costners Der mit dem Wolf tanzt mit 424,2 Millionen Dollar Einspielergebnis übertraf. Spiel mir das Lied vom Tod ist heute noch einer der bekanntesten Western überhaupt.

Der legendäre erste Satz des Namenlosen, die Frage “Where is Frank?”, ist eine deutliche Anspielung auf das filmische Vorbild Zwölf Uhr mittags (High Noon), wo Gangster Frank Miller in einer ikonenhaften Szene tatsächlich mit dem Zug ankommt und drei Kumpane trifft, die schon auf ihn gewartet haben. Der Namenlose in Spiel mir das Lied vom Tod ordnet die drei Schurken, die auf ihn warten, mit seiner Frage in eine große Vorgeschichte ein und macht zugleich deutlich, dass sich die Zeiten geändert haben: Die aufrechten Sheriffs sind verschwunden und Leute wie „Morton“ haben sich durchgesetzt.

Wesentlichen Anteil an der Popularität des Films hat überdies Ennio Morricones Filmmusik, deren Bedeutung über den Film hinaus ragt. Insbesondere die Titelmelodie wurde zum Evergreen.

Filmkritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„‚Once Upon a Time in the West‘ ist ein Bericht von einer Reise in ein fernes Land, das Amerika heißt und Atlantis bedeutet. Paradise Lost. Von seiner Reise hat Leone Bilder des Promised Land zurückgebracht, Bilder einer Sehnsucht und eines Traumes. Er hat diese Bilder mit den Mitteln einer populären mediterranen Kunstform, der Oper, verknüpft. […] Und indem Leone amerikanische Bilder einer europäischen Struktur verpflichtet, macht er ihre Schönheit erfahrbar als die eines Traumes. Paradise Regained: Das in jeder Einstellung schmerzlich präsente Bewusstsein von der Vergeblichkeit, den Traum ungebrochen zu reproduzieren, sichert dem Film die Authentizität des Unwirklichen.“

„Der Film verdient, als einer der größten Western, die jemals entstanden sind, angesehen zu werden.“

The Motion Picture Guide

„Sergio Leones barocke Pferdeoper ist Resümee, Höhepunkt und Apotheose des Italowesterns, wobei klassische Genrevorbilder einer eigenwilligen Neuinterpretation unterzogen werden. Der Stil des Films huldigt den Mythen der amerikanischen Geschichte und treibt sie zur pessimistischen, oft zynischen Auflösung. In Dramaturgie, Montage, Ausstattung und musikalischer Untermalung ein Musterbeispiel perfekter Kinounterhaltung.“

„Das ganze gleicht einer modernen Oper, die ohne die überwältigende Musik von Ennio Morricone wohl nur die Hälfte wert wäre. Fazit: Ultimatives Spiel mit den Westernmythen.“

„Leone hat einen extrem harten Western geschaffen, dabei im Detail seinen Sinn für guten Humor bewiesen und das ganze mit Bildern unterlegt, die sich ins Bewusstsein einbrennen. ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ ist ein Meisterwerk, das auch kommende Generationen noch faszinieren wird.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich P. Bruckner: Für ein paar Leichen mehr. Der Italo-Western von seinen Anfängen bis Heute. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002.
  • Bianca Busch: Ennio Morricones Musik in C’era una volta il west. Universität Köln, Dezember 2012.
  • Robert C. Cumbow: Once upon a time: The Films of Sergio Leone. The Scarecrow Press, London 1987.
  • Christopher Frayling: Sergio Leone. Something to do with death. Faber and Faber, London/New York 2000.
  • Kim Newman: Spiel mir das Lied vom Tod. In: Steven Jay Schneider (Hrsg.): 1001 Filme. Edition Olms, Zürich 2004, ISBN 3-283-00497-8, S. 489.
  • Andreas Rauscher: Spiel mir das Lied vom Tod – C’era una volta il West. In: Bernd Kiefer, Norbert Grob unter Mitarbeit von Marcus Stiglegger (Hrsg.): Filmgenres – Western. Reclam junior, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9, S. 297–301.
  • Harald Steinwender: Sergio Leone. Es war einmal in Europa. Bertz und Fischer, Berlin 2009, ISBN 978-3-86505-308-4.
  • Sandra Uebbing: Amerika (er-)finden: Tradition und Transformation von Mythen in Filmen von Sergio Leone. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4374-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cenk Kiral: An Exclusive Interview With Mickey Knox auf fistful-of-leone.com vom 9. April 1998, abgerufen am 2. Oktober 2014 (englisch).
  2. Stefan Höpel: Warten auf „Harmonica“, Wo das Lied der großen Western spielte, taz, 1. April 2009
  3. "Spiel mir das Lied zum Tod" bei der deutschen Synchronkartei
  4. Zitiert nach Joe Hembus: Das Westernlexikon, 3. Auflage 1976, S. 610.
  5. Spiel mir das Lied vom Tod. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  6. Cinema.de: Filmkritik
  7. filmreporter.de
  8. loc.gov