Ulli Nissen

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Ulli Nissen (2020)

Ulrike „Ulli“ Nissen (* 16. Juni 1959 in Essen) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bad Bentheim, das sie mit der mittleren Reife verließ, absolvierte Ulli Nissen in Hamburg eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Hamburger Sparkasse, wo sie bis 1987 als Beraterin arbeitete. 1987 zog sie nach Frankfurt am Main. Seit 1989 war sie als selbständige Finanzberaterin tätig, zudem ist sie seit dieser Zeit als Seminarleiterin und Hausverwalterin tätig.

Ulli Nissen ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1975 ist sie Mitglied der SPD. Schon 1972 engagierte sie sich bei den Jusos im Wahlkampf für den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt.

Ulli Nissen war von 1988 bis 1995 Sprecherin der Jusos Frankfurt am Main. 1992 organisierte sie mit dem „Frankfurter Aufruf – Deutschland driftet nach Rechts“ eine deutschlandweite Unterschriftenkampagne als Reaktion auf die rechtsradikalen Anschläge von Mölln, Hoyerswerda und Solingen mit über 50.000 Unterschriften.

Dem Vorstand des Unterbezirks Frankfurt am Main gehörte sie von 1992 bis 1995 und dann wieder von 2007 bis 2019 an. In der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) engagiert sich Nissen seit 1996 als Vorsitzende der ASF Frankfurt. Von 2004 bis 2018 war sie außerdem Mitglied des ASF-Bundesvorstands mit Schwerpunkt im Bereich Arbeitsmarkt. Seit 2005 sitzt sie zudem der ASF des Bezirks Hessen-Süd vor.

Auf Nissens Initiative hin verleiht die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Hessen-Süd seit 2001 den Olympe-de-Gouges-Preis zur Würdigung des Einsatzes von Personen und Institutionen für die Freiheitsrechte von Frauen und für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Außerdem nimmt Nissen als kritische Aktionärin ihr Rede- und Fragerecht auf Hauptversammlungen Fraport AG zu den Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer wahr, bei den Hauptversammlungen der Deutschen Bank AG agierte sie ähnlich.

Nissen kandidierte bei den Bundestagswahlen 2005, 2009, 2013 und 2017 im Wahlkreis Frankfurt am Main II für das Direktmandat, unterlag jedoch stets den Kandidatinnen der CDU, Erika Steinbach (2005, 2009, 2013) bzw. Bettina Wiesmann (2017).

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Nissen über die Landesliste (Platz 8) zum Mitglied des 18. Deutschen Bundestages gewählt. Auch im September 2017 zog sie wieder über die Landesliste (Platz 6) in den 19. Deutschen Bundestag ein.

Während der Legislatur des 18. Deutschen Bundestages war sie ordentliches Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft[1] und im Abgas-Untersuchungsausschuss. In der 19. Legislatur ist sie in den Ausschüssen für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen tätig. Stellvertretend sitzt sie in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für Recht und Verbraucherschutz und für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie im Unterausschuss für Bürgerschaftliches Engagement.

Wie im 18. Deutschen Bundestag ist Nissen auch im 19. Deutschen Bundestag wieder Schriftführerin im Bundestag.

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nissen war ehrenamtliche Revisorin für die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt, von deren Posten sie zurücktrat, nachdem dort die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue im Kontext des "AWO-Skandals" Ermittlungen einleitete. Eigener Aussage nach hatte sie keinen wirklichen Überblick über die finanziellen Vorgänge bei dem Sozialverband.[2] Weiter führte Nissen dazu aus, dass sie sich wie auch ihr Mitrevisor getäuscht fühlten; sei es durch Fehler in dem Bericht der vorgeschalteten, hauptamtlichen Wirtschaftsprüfer oder durch Verheimlichung von Sachverhalten seitens der AWO-Führung. Sie empfahl daher die Veröffentlichung des Revisionsberichts für 2016 und 2017 und begrüßte zudem, dass der Bundesverband nun hart durchgreife.[3][4]

Weitere Mitgliedschaften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ulli Nissen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitglieder des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft (Memento vom 27. April 2015 im Internet Archive) bundestag.de, online, abgerufen am 18. September 2014
  2. Matthias Bartsch: Awo-Prüfer zur Frankfurter Abzockeraffäre: "Vollkommen aus dem Ruder gelaufen". In: Spiegel Online. 17. Dezember 2019 (spiegel.de [abgerufen am 18. Dezember 2019]).
  3. Ex-Revisorin fühlt sich von AWO getäuscht. hessenschau.de, abgerufen am 18. Dezember 2019.
  4. Ulli Nissen empfiehlt AWO-Führung die Veröffentlichung des Revisionsberichts. In: Presseerklärung von Ulli Nissen. Abgerufen am 18. Dezember 2019.