Keith Haring

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Keith Haring (1986)

Keith Allen Haring (* 4. Mai 1958 in Reading, Pennsylvania; † 16. Februar 1990 in New York City, N.Y.) war ein US-amerikanischer Künstler, der stark vom Graffiti beeinflusst war.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Pisa Mural, 1989; Wand am ehemaligen Kloster San Antonio in Pisa

Er wuchs in Kutztown auf und interessierte sich schon früh für Kunst. Von 1976 bis 1978 studierte er kurz an einer kommerziellen Kunstschule (Ivy School of Professional Art) in Pittsburgh Werbegrafik. Er brach sein Studium 1978 ab, um nach New York zu ziehen. Dort wurde er stark durch das seit den späten 1960er Jahren entstandene Graffiti-Writing inspiriert, außerdem studierte er an der School of Visual Arts.[1]

Ab 1980 organisierte er Ausstellungen im Club 57. Er nahm an der Times-Square-Ausstellung teil und zeichnete erstmals Tiere und menschliche Gesichter. 1981 entwarf er seine ersten Kalkzeichnungen auf schwarzem Papier und bemalte Kunststoff, Metall und gefundene Gegenstände. Er beteiligte sich an der New Yorker New-Wave-Ausstellung und 1980 an der Times Square Show. Er traf mit dem Graffiti-Künstler L.A. II (Angel Ortiz) zusammen. Es folgte 1982 die erste Einzelausstellung in der Tony Shafrazi Gallery.[2] Im selben Jahr nahm Haring an der Documenta 7 in Kassel teil. 1983 beteiligte er sich an der Whitney Biennale und der Biennale von São Paulo. Er lernte Andy Warhol kennen und freundete sich mit ihm an. Für Warhol malte er eine Andy Mouse, die eine Mischung aus Andy Warhol und Mickey Mouse verkörpern soll.[3]

1984 bemalte er Wände in Sydney, Melbourne, Rio de Janeiro, Minneapolis und Manhattan; 1985 begann er auf Leinwand zu malen. Gleichzeitig zeigte das Museum für zeitgenössische Kunst in Bordeaux eine Einzelausstellung von ihm. Außerdem nahm er an der Biennale in Paris teil. 1986 eröffnete er in SoHo in New York den Pop Shop, einen Laden, in dem seine Werke und Vervielfältigungen verkauft wurden. Das Geschäft wurde 2005 geschlossen. Er bemalte Wände in Amsterdam, Paris, Phoenix und in Berlin am Checkpoint Charlie am 26. Oktober 1986. Für ihr Video I’m not Perfect und den Film Vamp bemalte er den Körper von Grace Jones. 1987 hatte er Einzelausstellungen unter anderem in Helsinki und Antwerpen.

Subway Drawings[Bearbeiten]

Das erste seiner sogenannten „Subway Drawings“ fertigte Haring im Dezember 1980 an und führte diese bis etwa 1985 fort. Die Gänge des Systems der New Yorker U-Bahn sind mit zahlreichen Werbetafeln ausgestattet. Wenn die Tafeln nicht mit aktuellen Werbeplakaten beklebt sind, wird der festmontierte Rahmen mit schwarzem Makulaturpapier als eine Art Platzhalter beklebt. Haring bemalte diese mit weißer Tafelkreide. Ein Medium, dass leicht zu transportieren und günstig in der Anschaffung ist und ihm erlaubte, seine typische durchgehende Linie schnell, gleichmäßig und äußerst kontrastreich auf das schwarze Papier zu bringen, ohne dabei absetzen zu müssen. Außerdem war keine vorherige Präparation im Studio notwendig, was Harings intuitivem und schnellem Stil zugutekam.[4] Er konzipierte seine Bilder in den U-Bahn-Gängen immer auf ähnliche Weise. Zuerst wurde ein Rechteck als Bildbegrenzung gezogen, manchmal wurden diese noch nummeriert, hiermit wird der Anschein eines Comic-Strips erweckt. Dann wurden sie mit seinen typischen Motiven (Bellende Hunde, Ufos, Fernseher, Kreuze, Menschen etc.[5]) gefüllt. Daraus entstanden labyrinthische Bilder, in denen alle Zwischenräume ausgefüllt wurden, sodass ein Maximum an Information auf kleinster Fläche präsentiert werden konnte.[6]

Haring betonte wiederholt, dass er seinen Subway-Werken bewusst keine Titel gegeben habe, um den Betrachtern keine vom Künstler vorgegebene Interpretation zu liefern. Seine Werke haben laut Haring nicht nur eine Bedeutung oder Interpretation, sondern sind so vielfältig, wie die Menschen, die sie betrachten und sich mit ihnen auseinandersetzen.[7] Die Formen, die seine Werke beinhalten, sind nicht fremd, sondern leicht erkennbar, sodass jeder Betrachter selbst ohne vorgegebenen Titel schnell eine eigene Assoziation entwickeln kann. Außerdem sind seine Motive in der New Yorker U-Bahn vor allem für ein vorbeilaufendes Publikum konzipiert, das schon durch ein flüchtiges Hinsehen den Bildaufbau begreifen kann.[8] Haring malte ohne Skizzen und Studien, schnell und spontan aus dem Gefühl heraus ohne Änderungen und Fehler. So konnte er bis zu dreißig Subway Drawings am Tag schaffen, die sich von 1980 bis 1985 zu insgesamt etwa fünf- bis zehntausend angefertigten Bildern im New Yorker U-Bahn-System summierten.[9] Seine Darstellungen wurden größtenteils von dem mit ihm befreundeten Fotografen Tseng Kwong Chi festgehalten.[10]

Erkrankung und Tod[Bearbeiten]

Haring engagierte sich mit seiner Kunst bei verschiedenen Benefiz-Aktionen gegen AIDS. 1988 wurde die Immunschwächekrankheit bei ihm selbst diagnostiziert. Für Tokio zeichnete er Straßensymbole. 1988 wurde eine Filiale des Pop Shops in Tokio eröffnet, die aber nach einiger Zeit wieder geschlossen werden musste. Zusammen mit Kindern bemalte er Wände in Chicago und Atlanta. 1989 engagierte er sich in der Widespread-Kampagne für die AIDS-Vorsorge. Die gemeinnützige Keith-Haring-Stiftung wurde gegründet und in der Galerie 121 in Antwerpen fand eine Ausstellung statt. Haring starb 1990 an den Folgen seiner Erkrankung. Noch kurz vor seinem Tod malte er einige Bilder, die sich mit dem Tod beschäftigen.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

1991 schrieb der US-amerikanische Kulturjournalist und Biograf John Gruen Harings Lebensgeschichte auf ((Keith Haring: The Authorized Biography. Simon and Schuster, New York, 1991)). In dem 2008 von der Regisseurin Christina Clausen gedrehten Dokumentarfilm The Universe of Keith Haring sind Tonaufnahmen von Interviews mit Haring enthalten (auch in deutscher Übersetzung). In dem Film wirkten unter anderem Madonna und Andy Warhol mit.

Literatur und Filme[Bearbeiten]

Werke in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten]

Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Boxer (1987). Die Skulptur zeigt die für Haring typischen Figuren und befindet sich in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin
Skulptur Red Dog (1985) vor der Kunsthalle Weishaupt, Ulm
Frankreich
  • CAPC – Musée d’art contemporain, Bordeaux
  • MAMAC – Musee d’Art Moderne et d’Art Contemporain Nice, Nizza
Italien
Kanada
  • National Gallery of Canada – Musée des beaux-arts du Canada, Ottawa, ON
Österreich
Portugal
  • Berardo Museum – Collection of Modern and Contemporary Art, Lissabon
Spanien
  • Museu d’Art Contemporani de Barcelona – MACBA, Barcelona
  • CGAC – Centro Galego de Arte Contemporánea, Santiago de Compostela
Ungarn
  • Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art – Budapest, Budapest
USA
  • Kennedy Museum of Art, Athens, OH
  • MIT List Visual Arts Center, Cambridge, MA
  • Castellani Art Museum, Lewiston, NY
  • MOCA – The Museum of Contemporary Art – Grand Avenue, Los Angeles, CA
  • Rubell Family Collection, Miami, FL
  • Lever House Art Collection, New York, NY
  • Museum of Modern Art, New York, NY
  • Whitney Museum of American Art New York, NY
  • The West Collection, Oaks, PA
  • Phoenix Art Museum, Phoenix, AZ
  • Reading Public Museum, Reading, PA
  • Broad Contemporary Art Museum, Santa Monica, CA
  • Norton Museum of Art, West Palm Beach, FL
  • Runnymede Sculpture Farm, Woodside, CA

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Keith Haring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexandra Kolossa: Keith Haring - Ein Leben für die Kunst. Köln, 2004.
  2. Alexandra Kolossa: Keith Haring - Ein Leben für die Kunst. Köln, 2004, S. 30.
  3. Keith Haring: Keith Haring Journals, New York, 1997, S. 154-157.
  4. Alexandra Kolossa: Keith Haring - Ein Leben für die Kunst. Köln, 2004, S. 22.
  5. bellende Hunde, Ufos, ein Fernseher, Kreuze und – nicht zu vergessen – der Mensch
  6. Alexandra Kolossa: Keith Haring - Ein Leben für die Kunst. Köln, 2004, S. 27.
  7. Julian Cox: Introduction - Social Justice and Public Display. In: Dieter Buchhart (Hrsg.): Keith Haring - The Political Line. New York, 2014, S. 25.
  8. Alexandra Kolossa: Keith Haring - Ein Leben für die Kunst. Köln, 2004, S. 27.
  9. Dieter Buchhart: The Endless Political Line. In: Dieter Buchhart (Hrsg.): Keith Haring - The Political Line. New York, 2014, S. 35.
  10. Henry Geldzahler (Hrsg.): Art in Transit - Subway drawings by Keith Haring. New York, 1984.
  11. http://www.kuenstler-biografien.de/haring.html