Urban Art

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Urban Art wird als Oberbegriff und Synonym für die verschiedenen Arten von Bildender- sowie Aktions-Kunst nicht nur im öffentlichen Raum genutzt. Dazu zählen Graffiti, Streetart, Stickerkunst, Urban Knitting, Guerilla Gardening und Adbusting. Urban Art ist die legale Form von Streetart und Graffiti.[1]

Zum Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urban Art oder Urban Contemporary Art ist ein Begriff, der sich über den Kunstmarkt durchsetzte und etwa von Auktionshäusern wie Bonhams oder Sotheby's verwendet wird.[2][1] Urban Art bezeichnet zunächst, was ehemalige oder noch aktive Graffiti Writer und Street Artists schufen, wenn sie legal und/oder mit Auftrag arbeiteten. Damit ist Urban Art der kommerzielle Flügel von Street Art und Graffiti. Nur was legal und teils auch portabel hergestellt wurde, lässt sich verkaufen.[3] Mehr als illegale Streetart und Graffiti umfasst Urban Art daher Arbeiten in Innenräumen.[4] Zunehmend wurde Urban Art auch ein Stilbegriff, d. h. ihre Erschaffer mussten nicht zwingend Street Credibility haben, etwa als illegale Graffiti Writer oder Street Artists, es reicht im Stile von Graffiti oder Streetart zu arbeiten: "Street-flavored art".[5] Dazu gehört etwa die Verwendung von Markern und Sprühdosen, Untergründen wie LKW-Planen oder Stadtmöbeln (portabele Werke z. B. auf Türen, Fenstern, Mauerstücken) oder Stilmittel wie rinnende Farbnasen, Verwendung von Graffiti Schriften (z. B. Wild Style, Bubble Style). Illegale Graffiti/Street Art, wenn von der Straße entfernt und in die Galerie getragen, wird zu Urban Art. Im Gegensatz zu Land Art, Street Art (oder teils auch Graffiti) ist Urban Art weniger site-specific, weniger maßgeschneidert für den Anbringungsort.[6] Große Wandbilder sind oft mehr Urban Art als Street Art, da sie legal ausgeführt sind und damit wie Urban Art mehrheitlich generell auf Dauer angelegt sind, nicht ephemer wie Street Art sind, d. h. man kann Urban Art nicht einfach zerstören wie Street Art oder Graffiti.[7] Während illegale Street Art und Graffiti mehrheitlich an den Maßstadt des menschlichen Körpers (plus evtl. Erweiterungen mittels Farbroller an Stangen oder Feuerlöscher), arbeiten Urban Art Murals oft in größeren Dimensionen und mit Hebebühnen.[8] Urban Art ist eine junge Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts, die ihren Impetus aus den Städten und ihrem Stadtleben bezieht. Die Kunst wird häufig von Künstlern, die in einem urbanen Umfeld leben oder eine Vorliebe für die Stadt aufweisen, ausgeübt. Da sie überwiegend von urbaner Architektur inspiriert wird und einen urbanen Lebensstil thematisiert, umfasst sie oft alle Formen von Bildender Kunst, die in städtischen Räumen auftauchen. „UrbanArt ist ein kulturelles Phänomen unserer Zeit, keineswegs eine neue Kunstform“, bemerkt Frank Krämer dazu.[9]

Arbeiten von einigen Urban Artists sind aber auch in Galerien und Museen[10][11][12] ausgestellt und in Kunstsammlungen, wie Sammlung Reinking, vertreten.

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeittafel wurde dem Katalog zur Ausstellung „UrbanArt Biennale 2015“ des Weltkulturerbes Völklinger Hütte entnommen[13]

  • Die Vorläufer der UrbanArt

1920 In Mexiko entsteht im Rahmen der Revolution der Muralismo, die erste Wandmalerei im Öffentlichen Raum
1947 Die Art brut entsteht. Jean Dubuffet und André Breton gründen in Paris die Companie de l’art brut, deren Ziel es ist, alternative Kunst zu sammeln
1959 Jackson Pollock begründet das Action Painting und beeinflusst damit wesentlich nicht nur die amerikanische, sondern auch die europäische Kunst. Richard Hamilton und Peter Blake machen aus Objekten des Alltags Kunst. Die Pop Art ist geboren.

  • Street Art / Graffiti als wesentliche Impulsgeber für UrbanArt

1960 Erste Taggings tauchen in den Straßen von Philadelphia (USA) auf. 1968 Werner Nöfer und Dieter Glasmacher malen das erste und größte Wallpainting in Hamburg an der "Goßen Freiheit ". 1972 Graffiti-Krieg: Der Bürgermeister von New York City, John Lindsay, erklärt dem Graffiti den Krieg. Züge mit Graffiti werden aus dem Verkehr gezogen
1979 Die erste Rap-Platte (Rapper’s Delight) von der Shugarhill Gang erscheint
1980 Keith Haring beginnt, mit weißer Kreide Werbetafeln der New Yorker U-Bahn zu bemalen
1981 Erste Graffiti von Blek le Rat tauchen in Paris auf. Der Stencil-Style ist geboren
1982 Die Arbeiten von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat erobern die Galerien
1983 Style Wars, ein Film, der als früheste Dokumentation des HipHop und der UrbanArt gilt und der die neue Kunst in New York City zeigt
1989 Der letzte besprühte Zug wird in New York City aus dem Verkehr gezogen. Der Street Art-Künstler Shepard Fairey startet die Kampagne „Obey Giant“

  • Urban Art

2000er Festivals wie NuArt in Stavanger (Norwegen) und Melbourne (Australien) befördern die kulturbetriebliche Eingliederung und teilweise Entkriminalisierung der Street Art

2003 und 2005 Unter dem Titel "Backjumps - The Live Issue" finden in Berlin zwei einflussreiche Ausstellungen mit innovativen Graffiti und Street Art Künstlern statt, unter anderem Banksy, Os Gemeos, JR, Zevs, Blu, Swoon, Brad Downey, Obey, Poet, Lokiss, Skki, Jayone, Delta, Zeds, Akim und Zasd
2005 Der britische Sprayer Banksy avanciert zum weltweit bekanntesten Street Art-Künstler
2006 Die IBUg, ein jährliches Festival um bemalte Wände in Industriebrachen Sachsens, findet das erste Mal statt
2008 Die Ausstellung „Street Art“ in der Modern Tate in London zeigt die weltweit führenden UrbanArt- Künstler, unter ihnen Os Gêmeos aus Brasilien, FAILE aus den USA, Blu aus Italien und JR aus Frankreich. Der Street Art-Aktivist Shepard Fairey verbreitet das Konterfei von Barack Obama mit Hilfe einer Schablone in Los Angeles
2009 Die erste Street Art-KunstmesseStroke Art“ findet in München statt. Mit dem ersten Streetart Festival Istanbul in der Türkei[14][15] und dem BLK River Festival in Wien [16] entstehen in diesem Jahr zwei weitere europäische Urban Art und Post-Graffiti Veranstaltungen.
2011 Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte wird die Ausstellung UrbanArt Graffiti 21 mit international bedeutenden Künstlern der Street Art gezeigt. Zeitgleich dazu präsentiert das Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles die Ausstellung „Art in the streets
2012 In Berlin eröffnet die Urban Spree Galerie, mit einem Fokus auf Künstler*innen der Urban Art. Als Teil der Ausstellung wird jeweils auch die Fassade neu bemalt.
2015 Die dritte UrbanArt Biennale im UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigt Werke von 80 Urban-Art-Künstlern aus 21 Ländern und 6 Kontinenten
2015 PowWow Hawaii

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film – Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hello my name is German Graffiti. Film-Dokumentation. Regisseur: Stefan Pohl. 2015

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ulrich Blanché: Banksy: Urban Art in a Material World. Tectum Verlag, Marburg, 2016, Seite 59.
  2. Johannes Stahl: Some Defining Aspects in Graffiti, Street Art, and Urban Art. In: Ulrich Blanché, Ilaria Hoppe (Hrsg.): Urban Art: Creating the Urban with Art. Lissabon 2018, Seite 19, Online-Version.
  3. Ulrich Blanché: Kommerzialisierung von Urban Art, in: UNDERSTAND - the Power of Art as a Social Architect, URBAN NATION, Berlin 2018, S. 90.
  4. Ulrich Blanché: Introduction, in: Ilaria Hoppe and Ulrich Blanché (Hrsg.): Urban Art: Creating the Urban With Art, Lissabon 2018, S. 6. https://www.urbancreativity.org/uploads/1/0/7/2/10727553/urban_art_berlin_text1.pdf
  5. Ulrich Blanché: Banksy vs. Bristol Museum - Street Art or street “flavored” art? in: Pedro Soares Neves, Daniela V. de Freitas Simões (Hrsg.): Lisbon Street Art & Urban Creativity 2014 International Conference. Lissabon 2014. ISBN 978-989-20-5138-3, S. 18.
  6. Ulrich Blanché: Banksy. Urban Art in a Material World, Marburg: Transcript 2016, S. 59.
  7. Javier Abarca: From street art to murals: what have we lost? in: Street Art & Urban Creativity Journal Vol. 2/2016, S. 61.
  8. Javier Abarca: From street art to murals: what have we lost? in: Street Art & Urban Creativity Journal Vol. 2/2016, S. 61.
  9. Frank Krämer, Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt – Graffiti 21. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-372-6.
  10. Gerhard Finckh, Toke Lykeberg: still on and non the wiser: an exhibition with selected urban artists. 1. Auflage. Publikat Verlag, Mainaschaff 2008, ISBN 978-3-939566-20-5 (Ausstellungskatalog).
  11. Urban Art. Werke aus der Sammlung Reinking. Stiftung Neues Museum Weserburg Bremen, 2009, abgerufen am 25. Juni 2013: „Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Akim, Ash, Herbert Baglione, Banksy, Blu, Boxi, Bronco, Dave the Chimp, Brad Downey, Ben Eine, Shepard Fairey, Mark Jenkins, Kaws, Daniel Man, Miss Van, Mode 2, Os Gêmeos, Mirko Reisser (DAIM), Space Invader, Swoon, DTagno, Tilt, Vitché, Heiko Zahlmann, Zevs, Zezão“
  12. Ingo Clauß, Stephen Riolo, Sotirios Bahtsetzis: Urban Art: Werke aus der Sammlung Reinking. 1. Auflage. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2503-3.
  13. Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt Biennale 2015. 2., erg. Auflage. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-88423-510-2
  14. Hannah Martin: In Istanbul, artists take their ideas to the streets, Northeastern University, 18. Juli 2011
  15. http://www.streetartistanbul.com/
  16. BLK River Festival Opening, uberding.net, 20. Oktober 2009
  17. archiv.monopol-magazin.de
  18. Homepage Urban Nation and Project M