Velký Šenov

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Velký Šenov
Wappen von Velký Šenov
Velký Šenov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 1981,4991[1] ha
Geographische Lage: 51° 0′ N, 14° 23′ OKoordinaten: 50° 59′ 37″ N, 14° 22′ 31″ O
Höhe: 357 m n.m.
Einwohner: 1.979 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 407 78
Kfz-Kennzeichen: U
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 6
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimír Vykoukal (Stand: 2018)
Adresse: Mírové náměstí 342
407 78 Velký Šenov
Gemeindenummer: 562912
Website: www.velkysenov.cz
Lage von Velký Šenov im Bezirk Děčín
Karte

Velký Šenov (deutsch Groß Schönau) ist eine Stadt im Okres Děčín in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Nordböhmen in 357 m ü. M. im Böhmischen Niederland an der Einmündung des Šenovský potok in den Vilémovský potok (Sebnitz) im Tal beider Bäche, sechs km westlich von Šluknov (Schluckenau). Die Katasterfläche beträgt 1892 ha.

Östlich erhebt sich der 543 m hohe Partyzánský vrch (Botzen), dessen Gipfel durch einen Steinbruch zu großen Teilen abgetragen wurde und im Südosten der Hrazený (Pirsken, 610 m).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Velký Šenov besteht aus den Ortsteilen Janovka (Johannesberg), Knížecí (Fürstenwalde), Leopoldka (Leopoldsruh), Malý Šenov (Klein Schönau), Staré Hraběcí (Alt Grafenwalde) und Velký Šenov (Groß Schönau)[3]. Grundsiedlungseinheiten sind Janovka, Knížecí, Malý Šenov, Staré Hraběcí und Velký Šenov[4].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Knížecí, Staré Hraběcí und Velký Šenov[5].

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Nachbarorte sind Vilémov (Wölmsdorf) im Westen, Lipová (Hainspach) im Nordwesten, das sächsische Sohland im Norden, Šluknov (Schluckenau) im Osten, Staré Křečany (Alt-Ehrenberg) im Südosten sowie Mikulášovice (Nixdorf) im Süden und Westen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch-naturräumlich liegt Velký Šenov im Böhmischen Niederland, auch Schluckenauer Zipfel genannt, dem südlichen Teil des Lausitzer Berglandes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenzug in Stadtmitte
Bartholomäuskirche

Der Ort entstand im 12. Jahrhundert während der deutschen Kolonisation; vgl.: Deutsche Ostsiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung von Georgswalde erfolgte 1346 in Matrikeln des Bistums Meißen, zu dieser Zeit bestand bereit eine Pfarre.

Der Meierhof Schönau war seit 1404 im Besitz der Herrschaft Hainspach (Lipová u Šluknova). 1551 hielt die Reformation Einzug. 1621 setzte die Gegenreformation ein und 1690 war Schönau wieder römisch-katholisch.

Die Bewohner lebten ursprünglich vom Ackerbau und der Flachsspinnerei. Seit dem 18. Jahrhundert hielt die Textilindustrie Einzug und im 19. Jahrhundert die Metallverarbeitung. Es entstand eine Stahlwarenfabrik und 1884 wurde in Schönau die erste galvanische Fabrik in Österreich-Ungarn von den Industriellen Julius Josef Hille (1860–1946) und Franz Josef Müller (1853–1917) errichtet. Am 4. Oktober 1907 wurde Schönau durch Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben und erhielt den Namen Groß Schönau.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Groß Schönau der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte Groß Schönau von 1938 bis 1945 zum Landkreis Schluckenau, Regierungsbezirk Aussig, im deutschen Reichsgau Sudetenland.

Die deutsche Bevölkerung wurde nach 1945 während der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei zum Verlassen der Stadt gezwungen.

Heute sind in der Stadt Posamentenherstellung, eine Kunstblumenfabrik, die Kunstdruckerei Severografia sowie ein Fischkonservenfabrik ansässig. Größtes Unternehmen am Ort ist das Bandstahl- und Galvanisationsunternehmen Železárny Velký Šenov s.r.o., das aus der seit 1884 bestehenden Firma Hille & Müller Kaltwalzwerk und Galvanik hervorgegangen ist.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Groß Schönau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 2142 in 332 Häusern[6]
1900 3096 (als Gemeinde 4304) deutsche Einwohner[7]
1921 4178 davon 4072 (97 %) Deutsche[8]
1930 3378 davon 77 (2 %) Tschechen[9]
1939 4459 [10]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[11]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 2 462 2 338 1 943 2 014 1 978

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche St. Bartolomäus, erbaut im 16. Jahrhundert und um 1750 barock umgestaltet
  • Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt mit einer von dem österreichischen Bildhauer Ferdinand Opitz (1885–1960) geschaffenen Skulptur

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Marschner: Geschichte der Stadt Groß-Schönau in Böhmen im Bezirk Schluckenau. Hrsg.: Erich Strobach, Frankfurt a. M., 1988.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Velký Šenov besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rumburk–Sebnitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hille, Bandwaren-Industrielle in Groß-Schönau. [12]
  • Bildhauerfamilie Riedl (?)
  • Augustin Bartholomäus Hille (1786–1865), Bischof von Leitmeritz, Theologe und Professor
  • Ambros Opitz (1846–1907), Theologe und Politiker
  • Johann Hille (1852–1925), Arzt, Vorsitzender des Gebirgsvereins für das nördliche Böhmen
  • Franz Josef Müller (Industrieller) (1853–1917), gelernter Schlosser, Mechaniker (Werkstätten der Universität Zürich), Werkmeister (Löbau/Sachsen), errichtete einen Gewerbebetrieb zur Galvanisierung von Zinkblechen in Groß-Schönau. Mit Julius Josef Hille (1860–1946) Gründer der Nickelblechfabrik Hille und Müller in Groß-Schönau mit Filialen 1895 in Porschdorf/Sachsen und 1905 in Düsseldorf (dort heute: Hille & Müller GmbH). Zahlreiche seiner Erfindungen wurden in Österreich und Deutschland patentiert. Er gilt als der Begründer der Nickelblechindustrie in Österreich-Ungarn
  • Julius Josef Hille (1860–1946), Bandstahl-Industrieller, zunächst in der Knopffabrikation des Vaters Johann Hille (1811–1906) in Groß-Schönau tätig, 1885 mit Franz Josef Müller (1853–1917) Gründer der Nickelblechfabrik Hille und Müller ebd., mit Zweigwerken in Sachen und Düsseldorf
  • Rudolph Otto (1887–1962), Maler
  • Erhard Marschner (1909–1992), Ingenieur, Kaufmann, Genealoge, Mitarbeiter des Biographischen Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Hrsg.: Collegium Carolinum (Institut) München, hinterließ genealogische Aufzeichnungen seiner Vorfahren. (Archiv Sudetendeutsches Haus), ebd.
  • Hermann Strobach (* 1925), Germanist und Erforscher des Volksmusikgutes

In der Stadt wirkten und lebten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Velký Šenov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/562912/Velky-Senov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/562912/Obec-Velky-Senov
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/562912/Obec-Velky-Senov
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/562912/Obec-Velky-Senov
  6. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 267, Ziffer 12
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 947, Eintrag Schönau, Ziffer 5).
  8. http://www.genealogienetz.de/reg/SUD/orte/G.html#grosss
  9. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 174. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  10. Verwaltungsgeschichte Landkreis Schluckenau (M. Rademacher, 2006)
  11. Tschechische Bevölkerungsstatistik
  12. (Zahlreiche Familienangehörige mit Kurzbiographien und weiterführender Literatur in: Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Bd. 1, R. Oldenbourg Verlag, München Wien 1979, ISBN 3-486-49491-0, S. 625–627)
  13. OPITZ Ferdinand auf belvedere.at, abgerufen am 21. Oktober 2016