Krásná Lípa

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Krásná Lípa
Wappen von Krásná Lípa
Krásná Lípa (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 3141,8626[1] ha
Geographische Lage: 50° 55′ N, 14° 31′ OKoordinaten: 50° 54′ 46″ N, 14° 30′ 32″ O
Höhe: 426 m n.m.
Einwohner: 3.458 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 407 46
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Bakov nad Jizerou–Ebersbach
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 9
Verwaltung
Bürgermeister: Jan Kolář (Stand: 2018)
Adresse: Masarykova 6
407 46 Krásná Lípa
Gemeindenummer: 562611
Website: www.krasnalipa.cz
Lage von Krásná Lípa im Bezirk Děčín
Karte

Krásná Lípa (deutsch Schönlinde) ist eine Stadt mit etwa 3500 Einwohnern im Okres Děčín in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im nördlichen Böhmen am Oberlauf der Kirnitzsch zwischen Elbsandsteingebirge und dem Lausitzer Gebirge in einer Höhenlage von 450 m westlich von Varnsdorf und 6 km südwestlich von Rumburk an einer alten Handelsstraße von der Oberlausitz nach Tetschen an der Elbe. Nördlich schließt sich das Böhmische Niederland an. Seit 1869 führt durch den Ort die Eisenbahnlinie von Prag nach Georgswalde/Ebersbach (ehem. Böhmische Nordbahn), sie dient heute vor allem dem regionalen Verkehr zwischen Rumburk und Děčín.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Krásná Lípa besteht aus den Ortsteilen Dlouhý Důl (Langengrund), Hely (Nassendorf), Kamenná Horka (Steinhübel), Krásná Lípa (Schönlinde), Krásný Buk (Schönbüchel), Kyjov (Khaa), Sněžná (Schnauhübel), Vlčí Hora (Wolfsberg) und Zahrady (Gärten).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Dlouhý Důl, Kamenná Horka, Krásná Lípa, Krásný Buk, Kyjov, Sněžná, Vlčí Hora und Zahrady.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Krásná Lípa, Krásný Buk, Kyjov u Krásné Lípy, Vlčí Hora und Zahrady.[5]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staré Křečany (Alt Ehrenberg) Rumburk (Rumburg)
Doubice (Daubitz) Nachbargemeinden Varnsdorf (Warnsdorf)
Chřibská (Kreibitz), Rybniště (Teichstatt)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktplatz mit Pfarrkirche St. Magdalena
Löwenskulptur vom Dresdner Bildhauer Clemens Grundig (1908)
Julius Carl Raschdorff: Mausoleum der Familie Dittrich

Schönlinde entstand unweit der Burg Krásný Buk (Schönbüchel), die 1339 zerstört wurde. In einen Stein unter dem Altar der alten Kirche hatte sich ein Stein mit der eingemeißelten Jahreszahl 1144 befunden, was darauf schließen lässt, das sich bereits im 12. Jahrhundert hier eine Kirche befunden hatte.[6] 1361 wird Schönlinde erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort war damals eines der wenigen Pfarrdörfer im Bereich der Herrschaft Tollenstein, zu der Schönlinde bis 1573 gehörte. Durch Kauf gelangte der Ort an die Herrschaft Kamnitz.

Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich im Ort die Leinweberei. 1731 entstand eine Garnmanufaktur, und noch im gleichen Jahr erhielt Schönlinde von Kaiser Karl VI. das Marktrecht verliehen. 1754 wurde die schöne Pfarrkirche St. Magdalena erbaut, die mit Skulptur-Arbeiten des Dresdner Hofbildhauers Pettrich geschmückt ist.[7] Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden Zentrum der Textilindustrie in Nordböhmen, dem 1870 die Stadtrechte verliehen wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Region der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen.

Nach dem Münchner Abkommen gehörte Schönlinde von 1938 bis 1945 zum Landkreis Rumburg, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen von Schönlinde in der Tschechoslowakei enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

Danach kam es zum Zuzug von Tschechen aus dem Landesinneren, Slowaken, sogenannten Repatrianten und Roma.

Heute lebt in Krásná Lípa eine große Bevölkerungsgruppe der Roma, deren Anteil im Vergleich zur übrigen Bevölkerung wächst.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Schönlinde überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 3146 in 430 Häusern[6]
1830 3668 in 461 Häusern[7][9]
1857 5472 am 31. Oktober[10]
1900 6879 deutsche Einwohner[11]
1921 5938 davon 5758 (97 %) Deutsche[12]
1930 6660 davon 182 (3 %) Tschechen [12][13]
1939 6076 [13]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[14]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 3 938 3 819 3 381 3 639 3 666

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Krásná Lípa

  • Barockkirche der Heiligen Maria Magdalena von 1754/1758 mit Turm von 1777
  • Regionalmuseum der Böhmischen Schweiz und der Umgebung von Krásná Lípa
  • Stadtfriedhof: Neorenaissance Mausoleum des Textilfabrikants Carl August Dittrich, nach Entwurf von Architekt Julius Carl Raschdorff 1888–1889

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Friedrich (1820–1891), Unternehmer und Politiker, Abgeordneter im Böhmischen Landtag und im Reichsrat
  • Franz Bendel (1833–1874), Komponist und Pianist
  • Karl Hielle (1848–1891), Unternehmer, Inhaber der Textilfirma Hielle & Dittrich in Schönlinde
  • August Frind (1852–1924), akademischer Maler
  • Carl August Dittrich (1853–1918), Textilfabrikant und Mäzen
  • Josef Schlegel (1869–1955), österreichischer Politiker, Landeshauptmann von Oberösterreich, Präsident des Rechnungshofes
  • Rudolf Kögler (1899–1949), Textilgestalter und Hobby-Geologe
  • Fred Vatter (1915–2004), Textilunternehmer
  • Karlheinz Blaschke (* 1927), sächsischer Archivar und Historiker
  • Manfred Preußger (* 1932), Stabhochspringer
  • Dieter Hanitzsch (* 1933), Karikaturist
  • Gerhard Mitter (1935–1969), Rennfahrer, Formel 1, Sportwagen, dreifacher Europa-Bergmeister

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krásná Lípa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obec Krásná Lípa: podrobné informace. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. Části obcí. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  4. Základní sídelní jednotky. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  5. Katastrální území. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  6. a b Franz Aloys Mussik: Der Markt Schönlinde und dessen eingepfarrte Ortschaften. Nebst einem kurzen Abrisse der Herrschaften Böhmisch-Kamnitz, Hainspach, Schluckenau und Rumburg. Ein historisch-topographischer Versuch. Prag 1828, S. 65.
  7. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 260–261, Ziffer 33).
  8. Karl-Peter Schwarz: Roma in Tschechien: Zwist im Zipfel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2011.
  9. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 6) unten.
  10. Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 41, rechte Spalte.
  11. Meyers Großes Konversations-Lexikon 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, Seite 5.
  12. a b Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 398. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  13. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Rumburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  14. Czeski Urząd Statystyczny